Zeiten des Aufruhrs

Wir erinnern uns, wie Leo und Kate auf dramatischste Weise gemeinsam mit der TITANIC untergegangen sind und treffen beide nun viele Jahre später erneut als Paar auf der großen Leinwand wieder. Nur ist der Anlass diesmal deutlich weniger romantisch, dafür nicht minder dramatisch, denn Sam Mendes ZEITEN DES AUFRUHRS zeichnet die beklemmende Reflektion eines konservativen Lebensstils in den 50er Jahren, in denen das Glück und die Träume eines jungen, idealistischen Ehepaares, von den harten Fakten der Realität, je zerschmettert werden.

Der Erwerb eines Familienhauses in der verheißungsvollen „Revolutionary Road“, verspricht dem Ehepaar Wheeler den baldigen gesellschaftlichen Aufstieg. Doch obwohl beide nach den Regel spielen: Sie Haus und Kinder hütet, während Er täglich zur ungeliebten Arbeit geht, um die Finanzen zu sichern, will sich das gemeinsame Glück nicht so recht einstellen, Missmut macht sich breit. Hoffnung entsteht durch einen Ausbruch, die Wheelers wollen ihr Leben hinter sich lassen und nach Frankreich auswandern, jedoch wird der anfängliche Enthusiasmus schnell durch Zweifel, Ängste sowie Gedanken an Sicherheit und Verantwortung getrübt und der gemeinsame Traum vom einem erfüllten Leben, droht für immer zu verschwinden…

ZEITEN DES AUFRUHRS ist ein ziemlich bedrückendes und auch gemeines Drama, welches mit Sicherheit keinen Zweifel daran lässt, dass Regisseur Sam Mendes kein Fan von traditionellen Lebensstilen oder Rollenverteilungen ist. Der Film demontiert auf ziemlich akribische Weise die Illusion von Sicherheit und Erfüllung im traditionellen Arbeits- und Familienleben und ist schwer damit beschäftigt alle Varianten und Schattenseiten eines konservativen Lebensstils aufzuzeigen. Für die Charaktere im Film bleibt jeder Kompromiss, jedes Aufopfern, jeder Verzicht ohne Belohnung und ihr Leben scheint festgefahren, vorbestimmt und von Leere erfüllt zu sein. Das ist ziemlich bitter und genau genommen auch ein wenig unfair, denn Mendes sucht in seinem Film stets das Negative und ist wenig bemüht seinen Figuren Aufmunterung, Hoffnung oder positive Beispiele zu schenken. Was man erlebt, ist also eine sehr festgefahrene, eingeschränkte und vor allem negative Sichtweise auf die Dinge die gezeigt werden und der Zuschauer kann aus vielen Wendungen und Möglichkeiten frei wählen, wo die Dingen anfingen schief zu laufen oder welches die Fehler sind, die das Glück der Protagonisten immer wieder verhindern.

Auffällig ist außerdem, dass das Thema des Films nicht grade neu ist und bereits in etlichen Filmbeispielen persifliert, dramatisiert oder kritisiert wurde. Warum ZEITEN DES AUFRUHRS trotz alledem sehr empfehlenswert ist liegt am stimmigen Gesamtbild und natürlich den hervorragenden Darstellern. Kamera, Schnitt und Musik sind tadellos, zudem wird die Geschichte sehr sorgfältig und fein erzählt und wirkt niemals aufgesetzt oder konstruiert, das muss man Mendes lassen, sein Fokus konzentriert sich auf das Negative, wirkt aber stets plausibel, auch wenn man als Zuschauer weiß, dass es auch anders sein könnte.

DiCaprio und Winslet haben seit TITANIC viel dazugelernt, ihr beider Schauspiel ist hervorragend ausgearbeitet und für Details sensibilisiert, beide harmonieren wunderbar miteinander und spiegeln ein glaubwürdiges und nachvollziehbares Bild ihrer Charaktere wieder. Persönlich werd ich wohl nie ein Fan von DiCaprio und sein jugendliches Gesicht, besonders in so reifen Rollen, stets als etwas störend empfinden, doch das ist Geschmackssache, denn der Rolle an sich ist er gewachsen und seine Besetzung gerechtfertigt. Das Winslet sogar für die Rolle mit einem Globe belohnt wurde, ist nur ein kleines Extra, denn in ihrem Schauspiel unterliegt, noch überragt sie die übrigen Darsteller, die bis in die Nebenrollen großartiges leisten, besondere Erwähnung finden an dieser Stelle Kathie Bates und Michael Shannon.

Bleibt also zu sagen, dass ZEITEN DES AUFRUHRS nicht viel und nichts Neues erzählt, aber dennoch angesehen werden sollte, weil sich dieser Film technisch tadellos verhält, die Geschichte trotz Bekanntheit fesselt und die Darsteller sich nicht um sonst so abgemüht haben sollten. Für Romantik und Gekuschel aller TITANIC ist in diesem Film jedoch kein Platz, auf breit gestreuten Pessimismus sollte man also gefasst sein.

Autor: André

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