Willkommen bei den Sch’tis

„Braunkack, Zipfel, Häääh!!!“

Die Franzosen kürten ihn zu ihrem erfolgreichsten Heimatfilm seit aller Zeit, derweil beschert BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS auch hierzulande den Programm- und Arthousekinos wahre Besucherscharen und treibt endlich wieder Gelder in die sonst so knappen Kassen dieser, am Existenzminimum rumkrebsenden, Lichtspielhäuser. Gleichzeitig entlarvt der Erfolg dieser, gut gemeinten, 08/15 Komödie, den hiesigen Arthousebesucher, aber auch als kleinbürgerlichen, konservativen, mittelständigen Spießer, denn wie sonst könnte man sich über diesen kleinen, banalen und albernen Film überhaupt amüsieren? Möglicherweise könnte man den „Schwarzen Peter“ auch den, sonst so seriösen, Gazetten und ihren Feuilletonartikeln zuschieben, die WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS als „Überraschungserfolg“ feiern und in den Olymp hypen, auf das jeder, der dies nur halbwegs ernst nimmt, in diesen Film rennt und ihn gut findet, weil das alle tun…versteht sich.

Wie dem auch sei, Tatsache bleibt, dass WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS weder neu, noch besonders innovativ oder einfach nur über die Masse unterhaltend ist, auch wenn sich der Film lediglich zum Ziel setzt, sein Publikum ein wenig zu erheitern. Das beginnt schon damit, dass es sich bei dem Film um einen interkulturellen, französischen Insider handelt, den man krampfhaft bemüht, einem internationalen Publikum verständlich zu machen. Die Handlung dreht sich nämlich um einen leitenden Postbeamten, der in die französische Region „Nord-Pas de Calais“ zwangsversetzt wird. Diese Region ist für die Franzosen gleichbedeutend mit der Hölle: Es ist kalt und ungastlich. Die Einwohner dort sind unkultiviert und irgendwo auf dem mittelalterlichen Entwicklungsstand hängen geblieben, außerdem sprechen sie einen völlig unverständlichen, fürchterlichen Dialekt, das sog. „Sch’ti“, welches in der deutschen Synchronisation, in eine albern klingende Fantasiesprache übersetzt wurde.

Beinahe unnötig zu erwähnen, dass einem das dämliche Fantasiegebrabbel schon nach kurzer Zeit sämtliche Nervenenden sprengt, da hilft auch kein Christoph Maria Herbst mehr, weil auch sonst nichts auf der Leinwand passiert, weshalb es Sinn machen sollte, der durchschaubaren Handlung, samt ihrer fadenscheinigen Botschaft; für mehr Nächstenliebe und weniger Vorurteile, zu folgen,  noch den eindimensionalen sowie langweilig agierenden und teils äußerst unsympathischen, Charakteren bei ihren grenzdebilen Albernheiten zuzuschauen.

Mal im Ernst, wer lacht den heut noch über besoffen agierende Darsteller, beim Rad fahren? oder über hinterfotzige Schwiegerdrachen und homophobe Postbeamte, die sich versehendlich vor einem Dessougeschäft verstecken??? RICHTIG! Spießer tun das; urkonservative, kleinbürgerliche, den traditionellen Werten hinterher trauernde Spießer, die, die letzten fünfzig Jahre Aufklärung irgendwie verpennt haben und mit unserer heutigen multikulturellen, globalisierenden, schnelllebigen Gesellschaft, nicht mithalten können oder wollen.

Das die ganzen vorgefertigten Meinungen, über die nördlichste aller französischen Regionen, nur ausgemachter Unsinn sein könnten. Das die dortigen Einwohner eigentlich ein ganz netter Haufen, lustig quatschender, Dörflies sind. Das käme solchen Leuten gar nicht in den Sinn, das „überrascht“ sie und das finden sie lustig und unterhaltsam, weil es sich ihrem Niveau anpasst und auf uralte Art und Weise einer „fremden“ Kultur näher bringt. Für ein solches Publikum scheint ein unspektakulärer Film wie WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS wie geschaffen, denn er ist einfach, altmodisch, konservativ und beschränkt sein überschaubares Universum auf ein paar lächerlich anmutende Konflikte, die modernere Werke bin in zwanzig Minuten abhandeln könnten. Dem sonst so anspruchsvollen und niveauverwöhnten Arthousepublikum und über zwanzig Millionen Franzosen, scheint das zu gefallen und Regisseur und Drehbuchschreiber sowie Nebenrollenbesetzung Dany Boon, sei der Erfolg selbstverständlich gegönnt, und den kleinen Lichtspielhäusern natürlich auch ihre Einnahmen.

Das alles darf aber nicht über den Fakt hinwegtäuschen, dass WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS eben kein besonders sehenswertes Stück Zelluloid abgibt, sondern nichts weiter ist, als ein unspektakulärer, spießbürgerlicher, beschränkter, kleiner Heimatfilm aus Frankreich, der kaum eine höhere Bedeutung als der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten, DER SCHUH DES MANITU, erreicht. Insofern haben uns die Franzmännern also nichts voraus und diese Erkenntnis ist auch schon das Einzige, was mich nach diesem Film ein wenig schmunzeln lässt. Wohin uns das alles führen wird, ist schon wieder eine andere Frage.

Autor: André

2 Kommentare zu “Willkommen bei den Sch’tis”

  1. Moritz

    ach, du pfeife.

    hatten wir uns nicht darauf geeinigt, dass wir den nicht gucken, weil wir die sprache nicht können?

    das ist wie “schuh des manitu” gucken, als franzose, der sich dann fragt, warum das der erfolgreichste film deutsche film der letzten 10 oder 20 jahre ist.

    beides ist wahrscheinlich nicht zu übersetzen.

    nicht, dass ich “den schuh” besonders gut fand, aber man stelle sich mal bullis schwulen indianer übersetzt vor. da ist ja schon egal in welche sprache, das kann nur übel enden…

  2. André

    Sorry, aber die Neugier überwiegte letztendlich doch und auch eine gute Synchro und sechs Bier, können blöde Slapstick und eine langweilige Story nicht besser machen…wenn mans den nüchtern betrachtet ;)

    Das schlimmste war, die Leute haben gelacht, richtig gegeiert ham die…peinlich war das, schämen musst man sich da.

    Gibt es eine passendere Sprache für “Winnitouch” als Französisch??? Schwuler kann man glaub ich nicht klingen XD …bye the way, Pier Briese war schließlich auch Franzose, oder Belgier?! weiß net mehr, jedenfalls sprach der mit Franzmanndialekt.

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