Up In The Air

Tragikomödien mit nachhaltiger Wirkung sind zu einem Spezialrezept von Jason Reitman geworden. Ob mal scharf und schwarzhumorig wie in der Satire THANK YOU FOR SMOKING oder frech und anrührend wie in JUNO, Jason Reitman hat den Zeitgeist verstanden und spricht moderne und kontroverse Themen auf versöhnliche und elegante Weise an. Mit UP IN THE AIR schickt er einen Sozialautisten auf Gefühlskurs und setzt sich mit Arbeitsverlust und Zukunftsperspektiven auseinander.

INHALT: Ryan Bingham liebt sei unabhängiges Nomadenleben, als ein-Mann-Eliteeinheit fliegt er durch gesamte Land und entlässt, im Auftrag der Arbeitgeber, ahnungslose Angestellte in die Arbeitslosigkeit. Der Clou, Ryan verkauft seinen Mandanten die Entlassungen als Neuanfang und Chancenaufbau, mit Erfolg, doch dann mischt sich die ehrgeizige Anwärterin Natalie Keener dazwischen und macht mit ihren Arbeitsoptimierungen, Ryans Arbeitsmotto zunichte. Unter seiner Aufsicht soll die aufstrebende Natalie ihr Arbeitskonzept erproben und dann lernt Ryan noch die Schöne und ebenso unabhängige Alex kennen…

KRITIK: Was sich zunächst nach 08/15 romantische Komödie anhört, ist in Wahrheit eine extrem elegant inszenierte und gelungen besetzte Tragikomödie die in Zeiten der Wirtschaftskrise aktuelle Themen unaufdringlich und nachfühlend bearbeitet. Ryan Bingham gehört zu den Profitören von Fehlinvestments und Überproduktion, wenn Konzerne Stellen streichen ist er die ausführende Kraft. Ein sozialer Einzelgänger, der in Seminaren das Alleinsein predigt und Angestellte mit Familien in eine ungewisse Zukunft entlässt. Kein anderer als George Clooney könnte eine solche Rolle mit Charme und Sympathie ausfüllen. Wenn Ryan Bingham durch die Blume gesprochene Lügen verbreitet und dabei in perfektionierten Abläufen denn flüssigsten und dynamischsten Check In aller Zeiten vorführt, dann muss man ihn einfach mögen. Ebenso wie seine Leidenschaft für exklusive Clubmitgliedschaften, sein Streben nach den 10 Mil. Fliegermeilen oder seine frechen Kommentare zu mitreisenden Passagieren am Flughafenschalter.

Wenn in UP IN THE AIR gesprochen wird, dann dient dies dem Zweck intelligenter Unterhaltung, die Dialoge sind flüssig und zugespitzt geschliffen, sie vermitteln unaufdringliche Wahrheiten und scharfsinnigen Humor, sie Zeugen von guter Recherche und aufmerksamen Beobachtungen. Aber es wird nicht nur unterhalten auch ernste Themen finden ihren Weg in die Geschichte, wenn von Arbeitslosigkeit die Rede ist, oder die Entlassenen selbst zu Wort kommen, dann ist die oftmals anrührend, tragisch und ehrlich. Die Portion „Ernst des Lebens“ ist ein fester Bestandteil in Reitmans Tragikomödien und sorgt nicht selten für den feinen Unterschied zwischen seinen und allen anderen Unterhaltungsfilmen des Genres.

Zum Ende hin wird der Film dann doch ein wenig rührselig, auch Ryan Bingham begibt sich auf eine Sinnsuche und muss eine bittere Lektion lernen, als zynischer Sozialautist war er zuvor aber deutlich unterhaltsamer. Macht nichts, UP IN THE AIR reiht sich nahtlos in die Tradition gehobener Unterhaltungsfilme mit scharfem Humor, rührenden Momenten und bitteren Wahrheiten ein, wie sie Reitman schon zuvor so eindrucksvoll, leicht und elegant inszenieren konnte. Ein Clooney in Hochform setzt dem Ganzen noch die Fliegermütze auf.

Autor: André

2 Kommentare zu “Up In The Air”

  1. moritz

    war da auch gestern mit sven drin. ebenfalls sehr guter film.
    war aber etwas überrascht, dass ihr nach eurem besuch in unserem hause die “romantic comedy”-vermutung so in den wind gestrichen habt. denn der film ist ja wohl genau das. ok, keine “0/15-romantic comedy”, weil es kein happy end gibt. aber der aufbau des films ist doch ziemlicher rc-standard: mann ist glücklich -> lernt frau kennen -> merkt, dass er ohne (diese) frau unglücklich ist…

    trotzdem ein sehr unterhaltsamer film und mir gefiel er sogar besser als “thank you for smoking”. ein vergleich mit “juno” scheue ich etwas, da die filme doch sehr unterschiedlich sind. der nächste bitte, herr reitman !

  2. Niklas

    Fand ihn auch besser als “Thank you for smoking” …Deine Formulierung “extrem elegant inszeniert” kann ich so unterschreiben;)

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