True Lies – Wahre Lügen

![]()
„I’ll be back“ dies ist seine Visitenkarte in schier zahllosen Aktion-Blockbustern und seine Fans toben im Vorführsaal, sobald diese Worte in gebrochenem Englisch aus den Surround-Boxen der Kinowände schallen. Die Rede ist natürlich von „Mr. Äktschen“ „Gouvernator“ Arnold Schwarzenegger, Hollywoods vorzeige Bodybuilder, dessen Schauspielkunst so unterirdisch ist, dass erst die Rolle eines emotional toten Killer-Cyborgs ihn zum Weltstar machen konnte. Klar, dass sowas nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten machbar ist, doch was solls, die Welt liebt Arnie und auch wenn der österreichische Testosteronbomber jetzt lieber schlechte Politik machen möchte, so bleiben uns zumindest die meisten seiner Filme in guter Erinnerung.
Einer dieser Filme, meiner Meinung nach sogar fast der Beste (gleich nach The Last Action-Hero), ist der 1994 erschienene, von James Cameron inszenierte, mega-macho-agenten-fetz-alles-weg-komödien-aktion-streifen True Lies – Wahre Lügen. Jawohl, bevor James Cameron für ganz viel teuer Geld, auf herrlich schmalzige Weise, die Titanic versengte, hat der Mann noch richtig geile Aktion gemacht. Beispielsweise den Weltallschocker Alien oder Terminator II (Hey, hat da nich auch Arnie mitgespielt) naja jedenfalls wahren das so die Filme die Cameron für die Regie von True Lies qualifizierten, was den Film aber neben seiner bombastischen Aktion, spektakulären Stunts und einem der heißesten Leinwandstrips aller Zeiten außerdem so sehenswert macht, ist sein, manchmal ironischer, manchmal makaberer, oft aber situationsbedingter, erstklassiger Humor, der dem Aktionspektakel erst die ganz spezielle Note verleiht. Möglich macht das die, zugegeben nicht grade innovative, aber dennoch sehr unterhaltsame Handlung.
Harry Tesker (Arnold Schwarzenegger) ist top-special-irgendwas Agent beim Geheimdienst und ermittelt gegen eine Terrororganisation namens „Crimson Gihat“ dessen manisch, durchgeknallter Anführer Salim Abu Aziz (Art Malik) demnächst irgendwo im großartigsten Land der Welt, ein paar Atombomben hochgehen lassen möchte. Leider darf Harry seiner, vom Alltag angeödete Frau Helen (Jamie Lee Curtis) und seiner rebellische Tochter Dana (Eliza Dushku), nichts von seinem coolen Beruf verraten und spielt darum zur Tarnung Daheim den langweiligen Geschäftsmann. Erst als Harry plötzlich seine Frau im Verdacht einer Affäre hat, setzt er alle, ihm zur Verfügung stehenden Mittel, zur Aufklärung der vermeintlichen Seitensprungaktion ein, dabei unterschätzt er jedoch seine Gegner und bringt sich und seine ahnungslose Frau in tödliche Gefahr.
Natürlich bekam „Mr. Universum“ diese Paraderolle auf den Leib geschrieben, denn wie bereits erwähnt, kann Arnold eben maximal immer nur Arnold spielen. Doch wenn kümmerts, denn genau das will man ja auch sehen und wird keinesfalls enttäuscht. „Mr. Äktschen“ macht seinem Namen alle Ehre: wenn Harry und Salim das erstemal in einer öffentlichen Toilette aufeinander treffen, bleibt keine Kachel an der Wand hängen und auch im weiteren Verlauf des Films darf Arnie schießender und prügelder Weise, schön viel Zeugs kaputt machen. Hierbei beweist er außerdem eine ganze Menge Selbstironie, denn in so mancher Szene nimmt er sich und sein Image gewaltig auf die Schüppe. Beispielsweise wenn er den auf einem Motorrad flüchtenden Salim, mit einem Pferd durch die Stadt und schließlich sogar durch ein Hotel und über den Aufzug aufs Dach des Gebäudes verfolgt, oder wenn er aus Eifersucht vor lauter Kraft eine Autoscheibe mit bloßer Hand zerdeppert und beim beobachten seiner Frau, die sich mit ihrem Verehrer trifft, ein Fernglas zerquetscht. Neben derlei humoristischen Einlagen ist Arnold jedoch vor allem eins: cool und souverän, denn stets bestimmt er das Tempo und erst wenn Arnie voll aufdreht, kracht es so richtig, aber natürlich nie ohne einen kernigen OneLiner auf den Lippen. Der eigentliche heimliche Star des Films ist jedoch Jamie Lee Curtis als Harrys Ehefrau Helen, sie macht im Laufe der Geschichte eine Wandlung vom bieder, konservativen Hausweib, zur attraktiven, selbstsicheren Frau durch. Diese Verwandlung ist größtenteils nicht nur saukomisch, denn sie bringt sie und Harry in schier irrsinnige Situationen, sondern auch verdammt sexy. Wenn Jamie Lee Curtis als Edelnutte inkognito einen improvisierten Strip für ihren Mann Harry hinlegt, fällt nicht nur Arnold Schwarzenegger die Kinnlade bis zum Fußboden runter und dann kann ihr nicht mal die Nebenbuhlerin Tia Carrere (die damals noch echt heiß aussah) das Wasser reichen. Neben diesem Highlight ist es jedoch vor allem die „Äktschen“ die True Lies noch größtenteils auf herkömmliche Weise (Ja ihr Nerds, es gibt auch Filme ohne CGI) umzusetzen versteht, die einem in Erinnerung bleibt. Der bereits erwähnte Verfolgungsritt ist da nur ein pikantes Detail, auch Arnold Helikopter Stunt, bei dem er Kopfüber vom Standgerüst der Flugmaschine hängt und versucht Jamie Lee Curtis aus einer führerlosen Limousine zu fischen, bevor diese durch ein, in die Brücke gesprengtes Loch, in den Ozean rauscht, oder das Finale mit dem gekaperten Heriajet (welches nicht ganz ohne Bluescreen auskommt) bei dem Harry, dank Autofeuer, eine ganze Hochhausetage aus der Fassade fräst und nicht zuletzt den vom Pech verfolgten Salim mit einer Missile durch selbige Etage in den Helikopter seiner Kumpanen ballert. Derartige Szenen sind schlichtweg „nice“ und sehen zudem verdammt geil aus. True Lies ist eben so ein Beispiel für richtig gutes Aktionkino, welches in derartiger Form heutzutage fast schon ausstirbt, mal ehrlich so Dinger wie Terminator III sind ja ganz ok, aber irgendwie wirkt diese CGI Aktion doch ein wenig seelenlos und man sehnt sich nach den alten Tagen zurück, den Tagen von Terminator, Total Recall oder Running Man. True Lies bleibt in der Tradition jener Tage und ist darum eine zwar etwas modernere, aber dennoch alt hergebrachte Aktionperle mit einem großen Spritzer Humor.
Fazit: True Lies – Wahre Lügen hat alles was gutes Aktionkino braucht, jede Menge Kawumm, geile Stunts, gutgelaunte Stars in Topform und tonnenweise Gags. Der guten Unterhaltung steht nichts im Wege und wer wies vielleicht ist Arnie ja eines Tages doch wieder „Back“.
Autor: André