Troja: Director’s Cut

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„Ein König der seine eigenen Schlachten schlägt. Das wär ein Anblick.“
„Es gibt eine Legende, beinahe 3000 Jahre alt, die von einer Königin erzählt die ihren König betrog und einem Krieger der ausgesandt wurde diesen Verrat zu sühnen. Wenn die Liebe es wert ist um sie zu kämpfen, wurde nie eine größere Schlacht um sie geschlagen als diese…“
Mit diesen Kloppertext wurde für das Antike-Heldenepos Troja geworben. Wie erwarten wurde der Film im Frühjahr 2004 zum Straßenfeger, dafür sorgte ein spitzen Staraufgebot und die bombastische Ausstattung. Regisseur Wolfgang Peterson hatte mit seiner Adaption der „Ilias“ von Homer zwar nicht zum ersten mal den trojanischen Krieg samt all seiner Helden verfilmt, doch das Megabudget und die moderne Tricktechnik ermöglichten ihm gigantische Filmaufnahmen, die sich rein optisch sogar mit einem Herr der Ringe vergleichen ließen.
Um die Massentauglichkeit des Films zu gewährleisten, musste Peterson jedoch viele Kompromisse mit der Verleihfirma Warner eingehen. Der Film durfte eine Spieldauer von 2 ½ Stunden nicht überschreiten, sodass viele Dialogszenen der Schere zum Opfer vielen, zudem mussten die Schlachtszenen ein wenig entschärft werden und auch die ein oder andere Aktszene wurde retuschiert. Nun beinahe vier Jahre später veröffentlicht Warner eine doppel DVD Edition von Troja, auf der Wolfgang Peterson stolz seinen Director’s Cut präsentiert.
Bei solchen Aktionen ist Skepsis gerne angebracht, oft wollen Produktionsfirmen mit später veröffentlichten Extended Cuts doppelt abkassieren. Die Teile sind ihr Geld aber häufig nicht wert, da die zusätzlichen Szenen lieblos in den Film reingequackt werden und noch dazu das Ganze unnötig in die Länge ziehen, beim Betrachten der Szenen wird dann meistens schnell klar warum diese zuvor rausgeschnitten wurden. Bei Troja kommt hinzu, dass Regisseur Peterson sein letztes Mamutprojekt Poseidon mächtig in den Sand gesetzt hat, der Film kostete zwar jede Menge Geld, brachte aber kaum welches ein. Ein Grund also für Peterson schnell mal vom Thema abzulenken und mit nem leichten Neuaufguss von seinem Erfolg Troja ein bisschen Kohle in die Kasse zu bringen.
Zum Glück kann ich entwarnen, worüber ich froh bin, denn ich mochte Troja und ich mag Wolfgang Peterson (als deutscher Regisseur in Hollywood ist er zumindest ein Vorbild, seine Projekte mal außer Acht gelassen). Der Director’s Cut jedenfalls schadet dem Film nicht, im Gegenteil, er bekommt wesentlich mehr Zeit für Details. 30 Minuten länger ist die Neufassung, diese Zeit kommt vor Allem den vielen Nebenrollen zu gute: Briseis, Helena, Priam, Agamemnon und viele mehr bekommen mehr Raum um sich zu entfalten, zu erklären und die Handlung zu bereichern. Vielen Szenen wurden durch Dialogzeilen ergänzt die mehr Hintergrundinformationen über die Charaktere liefern und so ihr späteres Handeln stärker beleuchten und klarer erscheinen lassen. Natürlich bekommen die Aktszenen auch einen Hauch mehr Erotik und in den ohnehin schon imposanten Schlachten wird nun viel mehr gesplattert, wobei die Eroberung Trojas, durch die nun stärker hervorgehobene Brutalität der Griechen, eine viel deutlicheren kritischen Ansatz erhält. Zu guter letzt wurde das Ganze noch mit einem neuen Sounddesign veredelt, der Score wurde völlig neu platziert, teilweise neu komponiert, und wirkt nun noch stimmiger und passender zu den jeweiligen Szenen.
Ich kann sagen, der Film wirkt ausgewogener, stimmiger und tiefer. Der neue Cut gibt ihm mehr Kraft und Bedeutung, macht ihn noch größer und epischer. Keine Szene ist zu viel, keinen Ergänzung überflüssig. Sicherlich ist Troja kein Meisterwerk, der Film kommt nicht an die emotionale Tiefe der Herr der Ringe Trilogie heran, ganz zu schweigen von einer passablen Umsetzung der „Ilias“. Troja ist Antike made in Hollywood, ein zehn jähriger Krieg dauert dort zwei Wochen, eine Stadt wird gern imposanter dargestellt als sie tatsächlich war und Reizthemen wie Homosexualität werden lieber ignoriert, alles dient dem Wohl der allgemeinen Unterhaltung oder der Dramaturgie von Film. Fundamentale Historienforscher sollten ein Auge zudrücken und genießen, denn der Director’s Cut ist gelungen und merzt viele Kritikpunkte aus die man dem Film zuvor anhaften konnte. Jeder der was für Sandalettenschinken übrig hat und die ursprüngliche Fassung schon toll fand, sollte sich dieses epische Event auf zwei DVDs nicht entgehen lassen, pedantische Historienvernatiker die eine 100% genaue Überlieferung verlangen können ja die „Ilias“ lesen…aber bitte auf alt griechisch.
Autor: André