Top Ten 2009

Lang, lang liegt der letzte Eintrag im Weltraumaffen zurück. Einigen unserer Leser wurde es mittlerweile ja sogar so langweilig bei uns, dass Sie ihren eigenen Blog aufgemacht haben.

Naja… Versuchen kann man es ja Herr S.!

Aber wie Sie ja bestimmt schon von selbst erkannt haben dürften, wurde nunmal leider nicht jedem die hohe Kunst des stilvollen Schreibens so einfach mit in die Wiege gelegt, wie bei es bei mir ja ohne Zweifel der Fall gewesen ist.

Wie dem auch sei, pünktlich zur Zeit der Liebe, der Zweisamkeit und der vollen Kassenschlangen im MediaMarkt, krieche ich noch einmal aus meinem Thinktank hervor, klemme mich nochmal vor die verstaubte Tastatur, peitsche das alte Rechenpferd hoch und veröffentliche noch schnell meine persönlichen Lieblingsfilme dieses Jahres, bevor die Dekade dann auch schon vorbei ist.

2009 war dabei ein wirklich besonders hervorragendes Kinojahr. Das letzte Jahr, welches so dermaßen gut zu unterhalten wusste war meines Erachtens nach 2004 oder auch 2003.

2009 hat einfach alles gestimmt! Es waren sowohl richtige Meilensteine und Meisterwerke zu begutachten, als aber auch viele kleine und feine, pfiffige und trickreiche Filme, die man ebenfalls jederzeit uneingeschränkt weiterempfehlen kann, mit an Bord. Und noch dazu waren diese Filme auch größtenteils über das gesamte Jahr verteilt, so das nur selten längere Pausen entstanden zwischen zwei oder drei wirklich guten Filmen.

Natürlich lagen die Schwerpunkte, wie so ziemlich jedes Jahr, wie immer eher einerseits auf Januar und Februar, wo die Oscarfilme alljährlich in die Deutschen Kinos gespühlt werden und auf den August wo, das Fantasy Filmfest die Runde dreht.

Aber dennoch gab es außer den Juli, wo im direkten Vergleich lediglich “nur durchschnittliche” Filme liefen und den Mai, wo es kaum etwas erwähnenswertes zu sehen gab was aber auch irgendwie jedes Jahr so ziemlich die Regel ist, eigentlich keinen Monat wo es mal wirklich kein Highlight gab.

Vielleicht lag dies auch daran das uns in 2009 außer “Transformers – Die Rache” und “Terminator: Die Erlösung” keine Sequels von Hollywood vor die Nase gesetzt wurden und mir derzeit auch kein Remakes einfallen wollen. Euch vielleicht?

Das Jahr 2009 wahr sogar so hervorragend, das ich im Vergleich zu 2007 und 2008 nun dieses Jahr auch dazu übergegangen bin eine Top Ten Liste anstelle einer Top Five zu erstellen.

Und dabei habe ich sogar noch mindestens 4 Filme dieses Jahr auf meiner Liste. “2012″, “Planet 51“, “Adam” und “Where The Wild Things Are” sollten aber noch vor Jahreswechsel bei mir abgeharkt sein. Falls sich da dann noch etwas ergeben sollte, lasse ich es euch natürlich wissen.

Zur Erinnerung nochmal hier schnell die Regeln: Was ich sage ist nicht einfach “nur” Gesetz. Nein, nein meine Freunde!

Ich als alleiniger Prophet und von Gott persönlich Herabgesandter und für euer Seelenheil und den Weltfrieden Hauptverantwortlicher und Auserwählter, offenbare hier und heute die einzige, die ultimative und ganz und gar unumstößliche Wahrheit!!! Erhöret mich! Seit mir ein großes Ohr! Denn nur ICH kann und werde euch zum ewigen Frieden, den unendlichen Filmparadies führen…

Wer etwas anderes behaupten sollte, der findet vermutlich auch das “96 Hours”, “Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street” oder gar “Happy Go Lucky” gute Filme seien, disqualifiziert sich also von selbst, aufgrund von bewiesener Gesiteskrankheit!

Und nun sehet, was ich vollbracht habe…

Top 10 für 2009

01. “Inglorious Basterds” (Bundesstart: 20. Aug. 2009)
02. “Der fremde Sohn” (Bundesstart: 22. Jan. 2009)
03. “Drag Me To Hell” (Bundesstart: 11. Jun. 2009)
04. “Antichrist” (Bundesstart: 10. Sep. 2009)
05. “The Limits of Control” (Bundesstart: 28. Mai 2009)
06. “Thirst” (Bundesstart: 15. Okt. 2009)
07. “The Good, the Bad, the Weird” (Bundesstart: 30. Jul. 2009)
08. “Bronson” (Bundesstart: August 2009)
09. “Glaubensfrage” (Bundesstart: 05. Feb. 2009)
10. “The Fall” (Bundesstart: 12. Mär. 2009)

Pro-Tip: “Das weiße Band” (Bundesstart: 15. Okt. 2009)

Flop 5 für 2009

01. “Transformers – Die Rache” (Bundesstart: 24. Jun. 2009)
02.” The Stepfather” (Bundesstart: 31. Dez. 2009)
03. “Terminator: Die Erlösung” (Bundesstart: 04. Jun. 2009)
04. “96 Hours” (Bundesstart: 19. Feb. 2009)
05. “Revanche” (Bundesstart: 12. Feb. 2009)

Und da Mark letztes Jahr so eine schöne Liste hatte, wollte ich die auch noch gleich mit ausfüllen.

Bester deutscher Film:
“Das weiße Band”

Bester Animationsfilm:
“Coraline”

Beste Komödie:
“Drag me to Hell”

Bestes Drama:
“Der fremde Sohn”

Bester Horror:
“Thirst”

Bester Actionfilm:
“The Good, the Bad, the Weird”

Bester Feel-Good-Movie:
“(500) Days of Summer”

Positive Überraschung des Jahres:
“The Limits of Control”

Enttäuschung des Jahres:
“Terminator: Die Erlösung”

Überschätzter Film des Jahres:
“Avatar”

Film der mehr Beachtung verdient hätte:
“The Fall”

Bestes Sequel:

Bestes Remake:

Beste Regie:
Park Chan-Wook – “Thirst”

Bestes Drehbuch:
Quentin Tarantino – “Inglorious Basterds”

Actor in a Leading Role:
Sam Rockwell – “Moon”

Actor in a Supporting Role:
Christoph Waltz – “Inglourious Basterds”

Actress in a Leading Role:
Kim Ok-bin – “Thirst”

Actress in a Supporting Role:
Evan Rachel Wood – “The Wrestler”

Bestes Ensemble
“Inglorious Basterds”

Newcomer of the Year:
Neill Blomkamp – “District 9″

Comeback of the Year:
Mickey Rourke – “The Wrestler”

Bester Bösewicht:
Christoph Waltz – “Inglourious Basterds”

Lustigste Performance:
Matt Damon – “The Informant!”

Heißeste Performance:
Alison Lohman – “Drag Me To Hell”

Beste FX:
“Avatar”

Beste Kamera:
Christopher Doyle – “The Limits of Control”

Bester Schnitt:
Nam Na-Young – “The Good, the Bad, the Weird”

Beste Austattung:
Patrick M. Sullivan Jr. – “Der fremde Sohn”

Beste Atmosphäre:
“Inglourious Basterds”

Bester Sound:
Erik Aadahl / Ethan Van der Ryn / Warren Hendriks / P.K. Hooker /
John Marquis / Geoffrey Patterson / Greg ten Bosch
“Transformers – Die Rache”

Bester Score:
Clint Mansell – “Moon”

Bester Soundtrack:
“Inglourious Basterds”

Bester Filmsong:
“I See You” – “Avatar”

Bestes Filmpaar:
Joseph Gordon-Levitt (Tom Hansen) & Zooey Deschanel (Summer Finn)
(500) Days of Summer

Bester Filmcharakter:
Col. Hans Landa – “Inglorious Basterds”

Beste Cameo:
Bill Murray – “The Limits of Control” / “Zombieland”

Bester Oneliner:
“Mein Gott, warum stirbst du nicht einfach?” – “Das weiße Band”

Magic Moment des Jahres:
Adolf Hitler wird das Gesicht weggeschossen – “Inglorious Basterds”

Beste Actionszene:
Verfolgungsjagd zu Pferde – “The Good, the Bad, the Weird”

Lustigste Filmszene:
Bill Murray begrüßt den Fremden – “The Limits of Control”
&
Bob und Terry – “Wo die wilden Kerle wohnen”

Am meisten erwarteter Film 2010:
Kevin Smith – “A Couple of Dicks”

Autor: Sven

14 Kommentare zu “Top Ten 2009”

  1. Marc

    Warte mit meiner Liste noch, bis ich „Where the Wild Things are“ gesehen hab. Interessant sind natürlich immer Diskussionen über die Listen, darum mal ein paar Kommentare zu dieser hier:

    „Der fremde Sohn“ meiner Meinung nach extreeeem überschätzt, der ist ja ganz gut, aber im letzten Drittel sehr konfus erzählt und allgemein ziemlich „unrund“. Was hat dich daran so geflasht? Die Serienkillerwendung?

    Hohe Platzierung von „Antichrist“ find ich überraschend, ebenso wie „Bronson“, insbesondere wenn man die Kommentare direkt nach der Sichtung mit denen nach „The Fall“ oder so vergleicht ;-)

    „Revanche“ in der Flop 5 ist vielleicht etwas hart direkt nach Kloppern wie T4 und dem Juwel „96 Hours“…

    Ich glaub mit „Coraline“ hab ich echt was verpasst. „Drag me to Hell“ als beste Komödie ist sehr geil und absolut zutreffend.

    Bestes Remake wär bei mir fast zwangsweise „Die Gräfin“, der war ok. Super Nennungen bei Regie und Leading Actress!
    Alsion Lohman ist extrem heiß, aber ihre Performance in „Drag me to Hell“ irgendwie nicht so sehr. Hab in der Kategorie allerdings auch einen ganz klaren Favoriten…

    Die Sound Nennung im Exkrement, sauber beobachtet.

    Bester Filmsong???

    Muss jetzt glaub ich mal den „A Couple of Dicks“ Trailer gucken…

  2. Moritz

    wer ist eigentlich dieser “Herr S.”? ;-)

    naja, erstmal zu deiner top10:

    ich dachte zunächst, du hättest “the wrestler” vergessen, aber in den kategorien taucht er dann ja wieder auf. besser als “der fremde sohn”, “doubt” und “drag me to hell” fand ich den allemal.

    und “slumdog millionaire” wird – wenn ich nix übersehen habe – völlig ignoriert. da kann ich mich nur wiederholen: der film ist großartig. gut, über die genaue anzahl der verdienten oscars kann man immer streiten, aber zum ignorieren ist dieser film wirklich zu gut.

    meine TOP5 (auf ne reihenfolge leg ich mich mal nicht fest):

    the wrestler
    slumdog millionaire
    gran tourino
    inglorious basterds

    und dann weiß ich nicht weiter:
    frost/nixon? gut, aber nicht sooo toll.
    district 9? ok, aber deutlich nein.
    milk? muss ich noch sehen, genau wie ich 500 days, thirst, the fall und the limits of control noch nachholen muss…
    vielleicht doch das weiße band? kann sein.
    was ist mit “the hurt locker”? wurde hier bisher auch geschickt ignoriert.

    meine flop5 gibts nicht, weil ich mir son blödsinn wie Transformers 2 erst gar nicht gebe, aber die “Enttäuschungen des Jahres” sind:

    “er steht einfach nicht auf dich” – was für ein cast! was für eine verschwendung!

    “public enemys” – viel mehr von versprochen. meiner meinung nach ist der film einfach komplett im falschen tempo erzählt. wenn es spannend werden könnte, hastet der film vom banküberfall zum ausbruch zur gründung des FBI. wenns langweilig ist, lässt er sich unerträglich lange zeit. schade.

    “up” – wie schon bei wall-e im vergangenen jahr: ich werd mit animationsfilmen einfach nicht warm. die ersten 10 minuten von “up” sind super, danach…

  3. Sven

    @ Marc:

    Ich fand bei “Changeling” wohl hauptsächlich einfach das Gesamtfeeling des Filmes total großartig. Die enorm gute Austattung hat mich wohl am meisten beeindruckt. Man muss wohl dazusagen das ich die 20er und 30er Jahre der USA, sowieso generell als eine unheimlich interessante und insbesonders optisch stark ansprechende Zeit emfinde. Die Roaring Twenty’s, die Mode die Autos, die Musik und die Frauen. Neben den 50er Jahren, ist das einfach meine Lieblingszeit, in der ich wohl auch so, ganz einfach gerne gelebt hätte.

    Das der Film ein paar Schwächen bei den Übergängen vom Drama meets Krimi hin zum Serienkillerfilm und wieder zurück hat, bestreite ich auch nicht. Das wirkt doch stellenweise realtiv Kapitelartig, doch bleibt er durchweg einfach spannend und abwechslungsreich, finde ich, auch wenn er zwei, dreimal dabei stolpert.

    Und auch wenn Jolie für mich keine herausragende Schauspielerin ist und Sie auch in “Changeling” keineswegs eine unvergessliche Glanzleistung hingelegt hat, so hat Sie ihren Charakter denoch mit soviel Leben ausgefüllt, dass man als Zuschauer einfach jederzeit mit ihr mitleiden und mitkämpfen wollte.

    Ganz besonders stark fand ich die Szenen im Irrenhaus und mit den falschen Kind zu Anfang. Der innere Zwist zwischen, sich um das fremde Balg kümmern, aber denoch deutlich machen, dass man es eigentlich aus seinen Leben haben will. Ausserdem fand ich Jolie zum ersten mal in meinem Leben wirklich sexy, mit den reduzierten MakeUp und den süßen Outfit.

    “Revanche” fand ich einfach wirklich richtig schlimm. Klar ist er nicht wirklich auf eine Ebene mit “T-IV” zu stellen, aber trotzdem war der wirklich ganz grausam anzuschauen für mich. Da kamen schon fast ähnliche Bauchschmerzen auf, wie bei “Happy-Go-Lucky” oder “Sweeney Todd”.

    Zur Kategorie bester Filmsong ist mir einfach nichts anderes eingefallen. Hatte bei den Golden Globes noch nachgeschaut was die so dieses Jahr auflisten, aber davon kannte ich auch irgendwie nix. Deswegen dann “I See You”, auch wenn das mehr sarkastisch zu verstehen ist. Finde den Song eigentlich ziemlich ätzend und würde mir den auch nicht nochmal freiwillig anhören wollen.

    Ansonsten Danke für das viele Lob! Hatte eigentlich auf stärkere Kritik getippt bei dir. Und “Coraline” solltest du wirklich nachholen, ist ein wirklich schöner und lustiger Film.

    @ Moritz:

    Ich fand “The Wrestler” auch ziemlich gut, sogar sehr gut, aber ich habe den Film eher als Bühne für Mickey Rourke, denn als einen von sich selber aus heraus tollen Film angesehen. Würde Rourke nicht soviel aus seinen eigenen Lebenserfahrungen mit in den Film hineinbringen wäre es wohl ein eher etwas langweiliger und auch irgendwie unspektakulärer Film geworden, auch wenn jemand anderes gutes seinen Part verkörpert hätte.

    Rourke macht für mich mind. 80% des ganzen Filmes aus, aber ich finde es schade das praktisch nur Er den ganzen Film trägt und die eigentliche Story, bis auf wenige Momente nur wirklich wenig neues zu bieten hat. Die ganze Geschichte riecht mir auch einfach in praktisch jeder Szene zu sehr nach Independent und “Wir machen Filme über Menschen mit Gefühlen”-Klischee BlaBlubb.

    “Slumdog Millionaire” fand ich einfach irgendwie zu banal und uninteressant in seiner Geschichte und stellenweise auch irgendwie viel zu kitschig. Klar hatte der ein paar wirklich coole Aufnahmen und natürlich ist das irgendwie alles ganz nett, aber mehr kam bei mir da auch nicht rüber. Die Figuren haben mich auch garnicht gepackt oder wirklich berührt. Es ist keineswegs ein schlechter Film, aber man muss ihn nicht unbedingt gesehen haben finde ich.

    “Hurt Locker” fand Marc glaube ich ziemlich gut, aber für mich als totalen “Apocalypse Now” Fan, da kam ich auch irgendwie nicht mit der Erzählart des Filmes klar. Ich steh total darauf wenn Krieg eher abstrakt oder ganz sureal gezeigt wird und konnte deswegen wahrscheinlich auch nichts mit der Monotonie und Alltäglichkeit, die Bigelow ja verdeutlichen wollte, anfangen. Fand das alles irgendwie zu trocken und zu distanziert.

    “Public Enemies” fand ich auch nicht wirklich gut, aber ich habe dann warscheinlich nunmal auch einfach wesentlich schlechtere Filme dieses Jahr gesehen als du, wogegen dann ein “Public Enemies” ein verficktes Meisterwerk darstellt. Deswegen find ich den auch noch ganz OK.

    Und “Up” fand ich auch ziemlich gut, obwohl ich alles was aus dem Computer kommt bei Filmen sowieso eher ungern mir anschaue, seien es nun Kinderfilme oder VFX in richtigen Filmen. Durch die Eröffnungszene hatte “Oben” dann aber so viele Punkte bei mir gesammelt, dass alle Schwächen später im Film, mit zugekniffenen Auge akzeptiert wurden, auch wenn Sie schon stellenweise stark ins Auge fallen.

    Wären die 5 genannten Filme nicht gewesen, hätte ich vermutlich auch keine Flop 5 erstellt…

  4. Sven

    Nachtrag zur heissesten Performance: Also ich finds ja schon ziemlich erregend, wenn die Lohman da mit Glibber und Schleim vollgekotzt wird und sich im Schlamm und Leichensäften rumsuhlt…

    Mh… Irgendwie klingt das jetzt perverser, als ich es beabsichtigt hatte…

  5. Marc

    @ Moritz: “Slumdog Millionär” war doch wirklich riesen Kitsch in pseudo hipper Verpackung. Der Film reißt irgendwie schon mit, folgt aber dem simpelsten Muster und alle handwerklichen Merkmale sind höchstens durchschnittlich. Spricht in zehn Jahren niemand mehr von. “The Hurt Locker” fand ich allerdings super, gab nur soviele noch bessere Filme dieses Jahr, dass der auch auf meiner Liste keine Beachtung findet.
    “Public Enemys” war wirklich sehr enttäuschend, hängt trotzdem ein netter Banner von bei mir zuhause. Danke nochmal dafür!

    @Sven: Okay, unter diesen persöhnlichen Gesichtspunkten versteh ich deine Begeisterung für den fremden Sohn schon besser. Werd ihn mir demnächst auch nochmal anschauen.

    Und “There will be blood” lebt nicht von Daniel Day-Lewis? (Gruß an Andre´)
    Ich behaupte nicht das die Inszenierung von “The Wrestler” genauso gut ist, aber gelungen ist sie in jedem Fall. Und beide Filme sind ohne ihre Haupdarsteller schlicht nicht vorstellbar.

    Okay, ich dachte zur heißesten Performance fehlten da noch die Aale und die Milch…

    Hier jetzt meine Liste, hat sich überigens definitiv gelohnt noch zu warten:

    Top 10 für 2009
    1.„Inglorious Basterds“
    2.„Der seltsame Fall des Benjamin Button“
    3.„Thirst“
    4.„Watchmen“
    5.„The Good, the Bad, the Weired“
    6.„The Wrestler“
    7.„The Fall“
    8.„(500) Days of Summer“
    9.„Wo die wilden Kerle wohnen“
    10.„Glaubensfrage“

    Fast auf der Liste: „District 9“, „Das weiße Band“, „Gran Torino“, „Star Treck“, „Alle Anderen“ und „Zeiten des Aufruhrs“.

    Flop 5 für 2009
    01.“Transformers – Die Rache”
    Ist ohne Frage der schlechteste, hirnverbrannteste, widerlichste, dümmste, infantilste und untolerierbarste Blockbuster der letzten Jahre. Alle anderen Filme auf der Flop Liste wirken dagegen wie Pulitzer Preis verdächtige Meisterwerke. Trotzdem:

    02.” Die nackte Wahrheit”
    03. “96 Hours”
    04. “Tannöd”
    05. “Che´- Teil 1”

    Bester deutscher Film:
    “Das weiße Band”
    Bester Animationsfilm:
    “Up”
    Beste Komödie:
    “Soul Kitchen”
    Bestes Drama:
    “Der seltsame Fall des Benjamin Button”
    Bester Horror:
    “Thirst”
    Bester Actionfilm:
    “The Good, the Bad, the Weird”

    Bester Feel-Good-Movie:
    “(500) Days of Summer”
    Positive Überraschung des Jahres:
    “Der Solist”
    Enttäuschung des Jahres:
    “Avatar”
    Überschätzter Film des Jahres:
    “Slumdog Millionär” (!!!!!)
    Film der mehr Beachtung verdient hätte:
    “Thirst”
    Bestes Sequel:
    „Harry Potter und der Halbblutprinz“
    Bestes Remake:
    „Star Treck“
    Beste Regie:
    Park Chan-Wook – “Thirst”
    Bestes Drehbuch:
    Quentin Tarantino – “Inglorious Basterds”
    Actor in a Leading Role:
    Sharlto Copley – „District 9“
    Actor in a Supporting Role:
    Christoph Waltz – “Inglourious Basterds”
    Actress in a Leading Role:
    Kim Ok-bin – “Thirst”
    Actress in a Supporting Role:
    Maria-Victoria Dragus – “Das weiße Band”
    Bestes Ensemble
    “Inglorious Basterds”
    Newcomer of the Year:
    Marc Webb – “(500) Days of Summer?
    Comeback of the Year:
    Mickey Rourke – “The Wrestler”
    Bester Bösewicht:
    Christoph Waltz – “Inglourious Basterds”
    Lustigste Performance:
    Clint Eastwood – “Gran Torrino”
    Heißeste Performance:
    Malin Ackermann – “Watchmen”
    Beste FX:
    “Der seltsame Fall des Benjamin Button”
    Beste Kamera:
    Colin Watkinson – “The Fall”

    Bester Schnitt:
    Nam Na-Young – “The Good, the Bad, the Weird”
    Beste Austattung:
    Alex McDowell – “Watchmen”
    Beste Atmosphäre:
    “Inglourious Basterds”
    Bester Sound:
    Erik Aadahl / Ethan Van der Ryn / Warren Hendriks / P.K. Hooker /
    John Marquis / Geoffrey Patterson / Greg ten Bosch
    “Transformers – Die Rache”
    Bester Score:
    Alexandre Desplat – “Der seltsame Fall des Benjamin Button”
    Bester Soundtrack:
    “Bronson”
    Bester Filmsong:
    “Bruce Springsteen – The Wrestler” – “The Wrestler”
    Bestes Filmpaar:
    Bob und Terry – „Wo die wilden Kerle wohnen“
    Bester Filmcharakter:
    Col. Hans Landa – “Inglorious Basterds”
    Beste Cameo:
    Bill Murray – “Zombieland”
    Bester Oneliner:
    „Mein Gott, warum stirbst du nicht einfach?“ – „Das weiße Band“
    Magic Moment des Jahres:
    Hans Landas Blicke während des Apfelstrudel Essens mit Shoshanna – “Inglorious Basterds”
    Beste Actionszene:
    Der Fremde vs. den Comedian zu Beginn von „Watchmen“
    Lustigste Filmszene:
    Zwar unfreiwillig aber trotzdem am meisten gelacht: Der Transformer Himmel – “Transformers – Die Rache”
    Am meisten erwarteter Film 2010:
    David Fincher – “The Social Network”

  6. André

    Sehr schöne Auswahl hier noch von Marc nachgeliefert.

    Die Klara aus’m WEISSEN BAND also und die “Leading Role” für den Typen aus DISTRICT9, das ist mal ne Überraschung angesichts der Konkurrenz.

    Bester Song zum WRESTLER, wär mir gar nicht mehr eingefallen 100P.

    Deine Top10 geht auch klar, BENJAMIN BUTTON auf der 2. seh ich mal als dauerhafte Verblendung deines ansonsten ja verständlichen “Fichissmus” an.

    Marc Webb würd ich auch mit feiern und CHE im Flop Sektor hat schon seine Richtigkeit. Was ihr gegen 96 HOURS habt werd ich nie verstehen und ich weigere mich so nem Mist wie TRANSFORMERS 2 auch nur sein Sounddesign zu würdigen.

    Ich freu mich ja auf: ALICE IN WONDERLAND/ INCEPTION und THE RUM DIARY und ALICE seh ich mir in 3D an und ohne Sven, weil der Tim Burton hasst.

  7. Gotti

    Meine Top-Filmliste des Jahres 2009 (Release Date Germany!)

    Dies sind die für mich besten Filme des Jahres, die Top 24 der großen Highlights eines Jahres, welches so manches Highlight in sich barg, …endlich mal wieder. Natürlich sind dies nicht alle Filme, die erschienen sind und nicht mal alle Filme, die ich als passabel empfand, vielmehr liegt bereits ein Auswahlverfahren zur Einkehr in diese Liste vor. Man kann es als die Nominierungsliste für die Top 10, oder Top 5 sehen, im Prinzip habe ich all diejenigen Filme aufgenommen, die besonders herausstachen. Möchte man es mit Zahlen oder Noten beschreiben, so findet man hier all die Filme, die eine 2 oder besser erhalten haben, bzw. mehr als 7/10 Punkten. Wie bei all solchen Listen ist sie nur ein ungefährer Richtwert, bei dem es einige Unsicherheitsfaktoren gibt. Zum einen sind manche Filme bereits ein Jahr alt und besonders im Vergleich ist es schwer gewesen diese gegeneinander abzuwägen mit den neueren des Jahres. Zum anderen gibt es wie immer einige Graubereiche, die eine klare Abgrenzung schwer und vielleicht gar unsinnig machen. Hier ist das obligatorische “Top-Listen-Augenzwinkern” von Nöten, um die Einordnung vorzunehmen und nachzuvollziehen. Bereits bei der Vorauswahl können die beiden zuletzt genannten Faktoren bereits einige Verschiebungen verantwortet haben. Zum Dritten ist es grundsätzlich schwer (aber keinesfalls unmöglich oder unsinnig!!!) Filme unterschiedlichen Genres gegeneinander in einer Liste um die Plätze kämpfen zu lassen. Zwar bin ich weiterhin ein großer Verfechter dieser Vorgehensweise, weil alles andere dazu führen würde, dass wir keinen Film mehr mit den anderen vergleichen können, und schließlich kann ich unter dem Oberbegriff “schöner Tag” auch den Tag im Phantasialand mit dem Tag, an dem ich den Durchbruch schaffte vergleichen. Hier ist der Oberbegriff Film, aber besonders bei der diesjährigen Liste spielt man uns einen argen Streich, der uns etwas benommen dastehen lässt, da so unterschiedliche Filme wie der verstörende und nie zuvor in solch “brutaler” Kompromisslosigkeit gezeigte Autorenfilm “Antichrist” neben dem kommerziellen Komödienklamauk “Hangover” und der Gewalt und beinahe Terrorismus postulierende Action-Film “96 Hours” mit dem atmosphärischen Märchen “Der seltsame Fall des Benjamin Button” auftauchen. Ergänzt man Filme wie den ruhigen und düsteren deutschen Film “Das weiße Band” und den Lauten Special-Effekt-Feuerwerk “Avatar”, oder den letztjährigen Oscar-Abräumer “Slumdog millionair” mit dem typisch Clint Eastwood-Dramaturgischen “Gran Torino” zusammen mit den beiden Reality-Highlights “Paranormal activity” und “District 9″ oder dem Antikriegsfilm “Tödliches Kommando” mit der Biografie-Verfilmung “Milk”, so könnten die Genres nicht unterschiedlicher sein, tatsächlich nicht. So etwas hatte ich zumindest noch nie zuvor und bereits in der Top 10 meiner Charts findet sich die gesamte Bandbreite des Filmes wieder.

    1. The Wrestler
    2. Slumdog millionair
    3. Gran Torino
    4. Watchmen
    5. Avatar
    6. Milk
    7. Benjamin Button
    8. Love Exposure
    9. 500 days of summer
    10. 96 hours
    11. Public enemy no 1 (1+2)
    12. Inglorious basterds
    13. District 9
    14. Paranormal activity
    15. Operation Walküre
    16. Antichrist
    17. Frost/Nixon
    18. Der fremde Sohn
    19. Das weiße Band
    20. Tödliches Kommando
    21. Hangover
    22. The International
    23. Gesetz der Ehre
    24. Zeiten des Aufruhrs

    Die Graubereiche befinden sich in meiner Liste bei den Plätzen 4 und 5: Avatar hat für mich die schönere Thematik , spricht mich persönlich mehr auf der Utnerhaltungsebene an, dafür finde ich die story von Watchmen wesentlich brisanter, anspruchsvoller auf dem Papier und der Seltenheitsfaktor ist wesentlich größer. Unter diesem Aspekt ist er vielleicht sogar Film des Jahres, während dies Avatar für seine Bilder sein könnte. Schwer!

    Top 5 zu Top 10: Avatar ist bildgewaltig und wunderschön, Benjamin Button hat vielleicht die dichteste Atmosphäre, Milk ist perfekt gemacht, berührt mich aber nicht! Und nun? Keine Ahnung! Sehr schwer!!!

    Platz 8: Love Exposure war der freakigste und exotischste Film, ja, vor den Meistern dieses Bereichs Tarrantino, Jarmusch und von Trier! Die Bilder bleiben hängen, er ging über 4 Stunden und das Kinoerlebnis trägt einen positiven Teil dazu bei! Die Einordnung ist generell schwer! Großes Überpotential in diesem Jahr!

    11-14: Abgesehen davon, das die Reality-Filme schwer einzuordnen sind, da hier einige Kategorien der Bewertungen für einen guten Film wegfallen (Kameraführung, Dialog etc.), bzw. unter neuen Gesichtspunkten stehen, ist der Zweiteiler Public-enemy geradezu perfekt gemacht (Biografie!) und hat den unfairen Vorteil eine Gesamtlaufzeit von 5-6 Stunden zu haben, wodurch eine dichtere Atmosphäre gegeben ist! Inglorious ist generell schwer einzuordnen, da er mich emotional völlig kalt lässt aber eben auf vielen anderen Ebenen punktet!

    16-24: Ab hier ist die Reihenfolge beinahe nicht mehr ernst zu nehmen. Entweder die Filmsichtung ist zu lange her oder die Einordnung gleicht sich zu sehr!!!

  8. Gotti

    Und nun der Übersicht halber die Kommentare zu Dir Sven und zu den Kommentaren der (leider) wenigen anderen hier:

    INGLORIOUS BASTERDS auf Platz Eins zu setzen disqualifiziert Dich als Kritiker schon beinahe aus einer angeregten und hoch qualitativen Kritiker-Runde. Ist er schlecht? Nein, sehet meine Liste!!! Er ist richtig gut, hat mich sehr gut unterhalten und hat endlich mal wieder einen überdurchschnittlichen Tarrantino untermauern können (Kill Bill 1+2 und Death Proof waren ja wohl gehypter Regie-Euphemismus in Reinform, hinter denen nicht mehr als gute (KB 1), mäßige aber mit Juckreiz versehene (KB 2) und belangslose Unterhaltung steckt!). Doch in einem solchen Filmjahr diesen Film so hoch anzusiedeln lässt mich zuweilen arg zweifeln, ob ich nicht doch in einem weiteren selbstgerechten Tarantino-Kadaverpatriotismus-Forum gelandet bin bei Leuten, die Tarantino für DEN Regisseur halten, seine geplanten Filmprojekte für die nächsten 20 Jahre bereits JETZT als KULT-Filme bezeichnen und den gesamten Anspruch eines Filmes auf die Menge seiner Filmverweise beschränken! Als reiner Unterhaltungsfilm bietet er viel, hey, immerhin werden hier Nazis abgeschlachtet und da macht sogar Till Schweiger eine gute Figur bei, aber darüber hinaus bietet der Film äußerst wenig! Muss er das? NEIN, aber das tun so einige andere aus dem Jahr 2009! Zu ruhig und Dialog-Lastig für das Mainstream-Kino und zu gewöhnliches Unterhaltungs ein mal eins aus der Küche Tarantinos für die Art house und Programm-Kinofilme!

    Was „Der fremde Sohn“ angeht, so denke ich das hier viel aus Deiner Liebe zu der Zeit und der filmischen Darstellung dieser erwächst, denn er gehört sicherlich zu den etwas schwächeren Eastwoods (was für jeden Film immer noch ein großes Kompliment bedeutet!), denn nach dem Film sitzt man da und denkt sich „ok, und jetzt?“ Wirkt sich auch nicht schlecht auf den Film aus, aber mehr als der Verweis auf eine reale Begebenheit und ein nettes Schauspiel von Edel-Schmolllippe Jolie bleibt da bei mir nicht hängen! Ein zweites Mal schauen? Wozu? Erst wenn ich in einigen Jahren wieder das meiste vergessen habe…

    Drag me to hell disqualifiziert Dich an dieser Stelle nun tatsächlich!!! Unterhaltungstrash der billigeren Sorte, das Popcorn-Kino-Volk freut sich, lacht, hat Spaß, aber das haben diese Menschen auch bei Fluch der Karibik, Saw und Transformers!

    Antichrist: Verstörend, bleibender Eindruck, unglaublich packende, dichte Atmosphäre, ABER: Was will der Film von mir? Während ein Lynch meint alles Filmen und aneinander schneiden zu können, da man es als Lynches Kultkino titulieren wird, suhlt sich Herr Trier hier nach Belieben in seiner persönlichen Verarbeitung tief greifender Depressionen! Wie würdest Du den Film bewerten, wenn er tatsächlich religiös-fundamentalistisch und frauenfeindlich ist? Sol heißen, als solches interpretiert werden kann und vielleicht sogar darüber hinaus so vom Regisseur gemeint ist? Mehr kann man da wohl kaum herausziehen, und bei einem solchen Verdacht habe ich bereits ein schlechtes Gewissen, ihn in meine Top 24 zu platzieren, obwohl er nicht mehr als schöner Anstrich einer entsetzlichen Message ist! Wie würdest Du einen Film bewerten, der einen Nationalsozialismus propagiert, aber schön und eindrucksvoll gemacht ist? Einen antisemitischen Film, der aber sehr unterhaltsam ist? In wie fern kann, darf, soll oder muss sich dies auf die Bewertung auswirken? Eine interessante Frage…!

    Wie ihr bereits weiter oben bemerkt habt, kann ich zu dem Rest leider nicht sagen, Schande über mein Haupt, aber ich habe mehr Filme in diesem Jahr verpasst als gesehen(… und trotzdem eine solche List zustande bekommen!!)

    96 Hours: Was hat dieser Film nicht? Ach ja, einen Protagonisten, der das seit 20 Jahren nun schon anhaltende Konzept der political-over-correctnes und der Appeacement Politik nicht einhält und Anschluss findet an die 80-Jahre Trash-Helden, die den Bösewicht mit einem flotten Spruch auf den Lippen in den Abgrund stießen! Wie erfrischend das mal wieder war und dazu dann auch noch eine gute Performence von Liam, einer nicht allzu unglaubwürdigen Story, mit seltenheitswert ausgezeichnete gut coreografierte Kämpfe, mitreißende Action und ein Held, den man ins Herz schließt. Die guten Kritiken angesehener Kritiker sind nicht nur gut nachzuvollziehen, sondern ich denke er wird einen großen Einfluss auf eine neue Trendrichtung des Action-Genres haben. „Gesetz der Rache“ tritt bereits in die Fußstapfen, und bald ist Mel Gibson dran…!

    Bei den Flops stimme ich Dir ansonsten zu und ich möchte noch ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich jenseits der Top 5 nicht unbedingt über die Ränge diskutieren möchte, da man dies eben (wie oben erwähnt) nicht ALLZU genau nehmen darf. Bei den Top 5, BITTE!!!

    Anregende Frage: Wenn ein Film wie „Memento“, oder eben „Antichrist“ oder „Das weiße Band“, eine nicht ganz aufgehende story, die beträchtliche Lücken aufweist, aber einen interessanten Ansatz bietet (Memento), eine nicht zu verstehende, vielleicht nicht mal dafür gemachte story bietet (Antichrist) oder eine wahnsinnig simple und minimalistische (Das weiße Band) und damit alle Filme letzten Endes auf ihre unterhaltende Ebene reduziert werden in einer positiven Bewertung (Atmosphäre, Handwerk, Darsteller etc.), wo besteht dann noch ein qualitativer Unterschied zu Avatar?

    …„I´m finished“…

  9. Sven

    Haben wir etwa endlich jemanden gefunden der “96 Hours” genauso gut findet wie André? Hätte ja garnicht mehr daran geglaubt…

    Ich gebe dir bei Liam Neesons Charakter insofern völlig Recht, als das er zumindest oberflächlich gesehen, aber eben auch nur augenscheinlich wirklich viele Ähnlichkeiten mit den Überhelden des 80er Jahre Actionkinos besitzt.

    Den Männern aus Stahl die Benzin zum Frühstück trinken und danach mal eben im Handumdrehen noch schnell die Welt retten alà VanDamme, Lundgren oder Stallone: Sie alle waren in ihren Rollen immer schon bereits vor der eigentlichen Abenteuerreise, die Helden bereits in ihren normalen Leben, oder zumindest jenen Leben ihrer eigenen Vergangeheit.

    Ihre Rollen werden meistens bereits in den ersten paar Szenen als übermenschlich oder besonders heldenhaft herausgestellt und glorifiziert. Ihre Charaktere arbeiten meistens entweder schon bereits für das Militär oder die Regierung, waren aber zumindest auf jeden Fall schon einmal im Krieg und leben nun einfach nur zurückgezogen, nach dem inneren Glück und den Frieden suchend, ihn aber nicht findend.

    Ihre Figuren wohnen dabei stets besondere Fähigkeiten inne und Sie sind mit einen übermenschlich muskulösen Köperbau, der diese Heldenhaftigkeit, nunja wortwörtlich auch nach aussen hin “verkörpert”, ausgestattet. Die Protagonisten des 80er Jahre Actionkinos tragen das Helden-Gen schon seit ihrer Geburt in sich und brauchen dann lediglich nur noch zur Heldentat herebeigerufen und (re-)aktiviert werden, wenn man Sie denn gerade benötigt.

    Auch Liam Neesons Figur des Bryan Mills, trägt durch seine ehemalige berufliche Tätigkeit als Ex-Geheimagent, schon bereits das Helden-Gen noch vor der eigentlichen Heldentat, der Rettung seiner Tochter, bereits in sich. Und auch er scheint übermenschlich und unverwundbar zu sein, wenn er sich wutschnaubend wie eine Dampfwalze in Richtung Paris bewegt um dort alles und jeden niederzuwalzen.

    Er teilt als Held immer stets mehr aus, als dass er einstecken muss, was z.B. einen Bruce Willis nicht passieren würde, in “Stirb Langsam” wo dessen Hauptfigur ganz im Gegenteil sogar ganz gewaltig einstecken muss und McClane nachher blutdurchtränkt sich nur noch durch das Gebäude schleppt, seine innere Verwundbarkeit, die Scheidung von seiner Frau, seine seelische Gebrochenheit hierdurch, sich nun auch auf seinen Körper, ganz physisch überträgt.

    Bei genauerer Betrachtung ist “96 Hours” dagegen nur lediglich eine weitere und dabei auch vollkommen belanglose, aber nur logisch konsequente Weiterführung der reichlich wirren Verästelungen im Horror- und Actiongenre eines noch immer durch Terrorängste stark geprägten Hollywoodkinos. Konsequent Einfach gehalten, geradlining erzählt und in der Ausführung über die Maßen gewaltbereit.

    Er ist keine Hommage an Vergangenens, “96 Hours” könnte aktueller gar nicht sein!

    Der “new realism” seit 9/11 sowie das starke Bedürfnis nach immer brutaler werdenden Gewaltsexzessen im Film und die dabei immer lapidarer werdenen Rechtfertigungen für eben jene Exzesse seitens der gewaltausübenden Protagonisten, lässt sich auch sehr gut an Serien wie “24″, Filmen wie der “SAW”-Reihe, “Hostel” oder auch “Cloverfield” ablesen, wo die Regierung entweder Spezialisten wie Jack Bauer benötigt um die bösen Terroristen zur Erlangung der benötigten Informationen zu foltern, die Kreativität des Mordens im Medium sich selbst versucht neu (und dabei äußerst plumb weil schlicht explezit) zu definieren wie bei “SAW XIVVVIIII”, oder aber der Terror und die Gewalt per Dokucam direkt in den Kinosaal projeziert wird, wenn der Kopf der Freiheitsstatue einem direkt vor die Füße fällt und die Skyscraper im Flammeninferno zusammenfallen.

    Der Zweck heiligt dabei für den Helden stets die Mittel und es gilt, einen “Normalzustand” wiederherszustellen, welche aber größtenteils nur Normalzustand für den Otto-Normal-Zuschauer als Fix- und Bezugspunkt darstellt. Ein Wunsch den viele Amerikaner selbst 8 Jahre nach den Terroranschlägen noch immer in sich tragen. Liam Neeson gilt dabei als die Essenz des guten Amerikaners, als Verkörperung der Liberty, des Freedom und der Demokratie, welcher, von einer fremden Welt bedroht und schwer getroffen nun nach Rache sinnt.

    Und eigentlich ist er ja auch schon im Ruhestand, hat wie die USA in WWII und Vietnam, schon bereits in seiner Vergangeheit viel kämpfen müssen, aber diesmal ist es etwas persönliches, denn er selbst wurde auf eigenem Terrain getroffen und verwundet: seine Tochter wurde entführt, von irgendwelchen gesichtlosen Schweinen in Europa.

    “Paris, der Nahe Osten halt! Ist ja auch egal wie das heißt und wo das liegt, der Oberböse ist auch so einer mit brauner Hautfarbe! Irgendwas wird es schon sein, entweder Albaner, Iraker oder halt Russe. Wichtig ist nur das ich die scheiß Wichser umniete die meine Süße entführt haben!”

    Wenn man dann noch schließlich einen Schritt weitergeht und sich fragt, wie ein solcher Held im Alltag nun aussehen würde, ganz ohne Notzustand und ohne eine direkte oder auch nur indirekte Bedrohung, so bleibt nicht viel übrig. Eine Figur wie Bryan Mills, eine Figur wie John Rambo oder um es noch deutlicher zu stellen, eine Figur wie der Terminator, all jene Figuren sind nur für das Töten geschaffen, streben vielleicht nach innerer Glückseeligkeit, finden aber nur wahre Befriedigung im Kampf. Weswegen der T-800 auch niemals vollends Mensch werden kann und Rambo sich immer wieder breitschlagen ließ gegen alle möglichen Feinde zu kämpfen. Bei John McClane würde dies schon wieder anders aussehen.

    Aber auch Bryan Mills aka Liam Neeson braucht den Kampf eben wie wir die Luft zum Atmen. Nur hier kann er seine Fähigkeiten vollends unter Beweis stellen, endlich das tuen was er auch wirklich gut kann. Dabei gilt der innere Schmerz der geraubten Tochter als Freifahrtsschein für alle nur erdenklichen Foltermethoden und Exekutionen. Rachemotiv einmal mehr, nur lieblos umgesetzt, wo ein “Kill Bill” oder gar “The Punisher” noch tausendfach facettenreicher vorzugehen wusste.

    Hatte ein Terminator allerdings dabei noch ein Fragezeichen hinten angestellt, sollte also genau jene Vermaschiniesierung und Abtötung der Gefühle und Emotionen des Menschen vom Zuschauer bewusst hinterfragt werden, und war ein Stallone, Lundgren oder VanDamme stets auch immer seine eigene Persiflage oder auch eine Spiegelung der Verrohung des Menschen durch den Krieg (“Rambo: First Blood”), so behauptet “96 Hours” mit seiner Figur das genau dieses Mittel auch zum Ziel führen wird, die Katharsis durchaus erreicht werden kann und eine gewisse Form von Rache und Hass dabei nur allzu dienlich sei.

    Meines Erachtens nach kann eine Aussage gar nicht dümmer sein, als eben jene von “96 Hours”. Ein “Normalzustand” kann zumal auch nach einer solchen “Geschichte” sowieso niemals wieder hergestellt werden. Es ist lediglich eine Wunschidee, lediglich das noch übriggebliebene Abziehbild unserer eigenen Erinnerungen hiervon, an dem wir versuchen uns dann noch zu klammern.

    Oder aber die Figuren tragen die Hoffnung auf Erlangung der wahren inneren Freiheit (“Kill Bill”) oder auch der inneren Glückseeligkeit (“Rambo: First Blood”) in sich, weil ihnen auch schon längst alles materielle und/oder real existierende und für Sie wirklich bedeutsame (Das eigene ungeborene Kind/Das normale Leben zurück in der Heimat) längst genommen wurde oder aber Sie zumindest fest daran glauben, dass es ihnen längst genommen wurde, was aber auch niemals vollends und nur durch die ausgeübte Rache erreicht werden kann.

    Die Figur des Bryan Mills ist nicht wirklich gebildet, lebt auch trotz seines Ex-Jobs beim Geheimdienst nur in einer Durschnittswohnung mit seinen Durchschnittseinkommen, verkörpert damit also perfekt seine Durchschnittszielgruppe, kann aber halt immerhin gut Leute umnieten.

    Und anstelle jetzt genau da zu sagen: “Hey, vielleicht doch nicht gerade sooooo super das Ganze!” und ein wenig Kritik und dreidimensionalität in Neesons Charakter zu schippen, löffelt uns Regisseur Pierre Morel auch noch genau das genaue Gegenteil hiervon um die Ohren. “Wenn du was kannst, dann mach es auch, egal ob das nun Stricken oder Töten ist. Jeder brauch schließlich ein Hobby.”

    Und es ist ja auch so befreiend und reinigend seinen Frust am Gegener auszulassen, weil du mit Gewalt einfach alle Probleme dieser Welt lösen kannst, besonders wenn sie richtig derb und unnötig ist und du möglichst viel rumfolterst bevor du dann schließlich das Gnadenbeil saußen lässt und einfach mal alle Gesetze missachtest, weil es geht ja um das eigene Seelenheil und um die eigenen Bedürfnisse und die eigenen Ansichten von Gut und Böse, die hier verteidigt werden müssen vor den ganzen anderen ausländischen Affen die ja alle keine Ahnung von sowas haben…

    Anbei hat der Film auch leider überhaupt keine anderen Stärken vorzuweisen. Weder ist die Action überragend inzeniert oder gar innovativ, noch sind die Kampfchoreos herrausragend, allemal ziemlich dümmlich und hahnebüchen. Bessere Fights hab ich schon wirklich zu Dutzenden gesehen. Schau alleine auf die wahnsinnig intensiv gestalteten Inzenierungen bei “Eastern Promises” oder aber die bildgewaltigen Aufmachungen vom Asiasektor in z.B. “The Good, The Bad, The Weird”, “OldBoy” oder “Hero” bzw. dem was Hollywood dann davon noch kopierte in “The Matrix” oder auch eben “Kill Bill”.

    Die Kameraarbeit ist ebenso nur solider WischiWaschi-Shacky-”HippeyDeyDou”-HD-DV-Rotz, ebenso wie der Schnitt auch niemals über das Mittelmaß hinauskommt. Einzig das Tempo hält den Film am laufen, doch leider fehlen dabei auch noch sowohl jegliche Emotionen als auch Spannungsmomente um die Achterbahnfahrt auch nur halbwegs interessant für den Zuschauer zu gestalten. Wahrscheinlich war die Tagline des Filmes auch schon das gesamte Drehbuch: “They took his daughter. He’ll take their lives.”

    Die Entführung der eigenen Tochter ist bestimmt mitunter das grausamste was einen Vater überhaupt passieren kann, aber Pierre Morel vergeigt es vollends, diesen wichtigen Fixpunkt der Rachegeschichte auch ausreichend genug zu definieren zu Anfang des Filmes, um alle weiteren Gräultaten seiner Hauptfigur im Nachhinein damit rechtfertigen zu können.

    Im Gegenteil kristallisiert sich bei der Figur Bryan Mills sogar ab Mitte des Filmes das genaue Gegenteil davon heraus: Für Mills ist das Töten das einzige was er wirklich gut kann und es scheint ihm sogar teilweise richtig Freude zu bereiten. Dabei wirkt dieser Ansatz nicht etwa, wie z.B. noch bei “300″ oder Figuren aus “Sin City” oder halt den 80er Jahre Actionkino überzogen, hurmorvoll, sarkastisch oder gar selbstkritisch inzeniert, sondern im Gegenteil: einfach Bierernst.

    Sowas hinterlässt dann leider, bei einer solch ansonsten auch nur eindimensional gestalteten Figur, einen nur allzu faden Nachgeschmack bei mir, weil Sie mir persönlich überhaupt rein garnichts bieten kann, ausser sinnloses herumballern im Killing-Spree-Modus.

    Aber wenn du schon bei “Antichrist” die Frage nach fragwürdiger Moral in den Raum gestellst hast, frage ich dich nun bei “96 Hours” ob dessen Aussage nun nicht doch, auch vieleicht etwas fragwürdig daherkommen mag.

    Ich finde solche Diskussionen aber sowieso eher müßig, da Film nunmal nicht die Realität ist und Film auch Grenzen überschreiten darf, soll und sogar muss um seine Geschichte zu erzählen und sich selbst neu definieren zu können. Es gibt dafür immernoch genügend Kontrollinstanzen im Medium selbst, einer Geschichte selbst also immer innewohnende, systembedingte Unmachbarkeiten um klare Grenzen zwischen Gut und Böse ziehen zu können für den Zuschauer, als dass solch grobe Ausreißer in Moralfragen wirklich öfters in die Kinos gespühlt werden würden, wie es bei mir mit “Sweeney Todd” zuletzt der Fall gewesen war.

    Und zu “Drag Me To Hell” könnte ich nun eigentlich deine Hommagebehauptung von “96 Hours” wiederverwenden und in den Raum stellen, das dieser Film der innovativste Horrorfilm seit langer, langer wirklich langer Zeit im Kino gewesen ist und Themen und Motive aufgreift die es sonst nur in den 80ern zu sehen gab.

    Einzig “Der Nebel” kann Raimis letzten Film als halbwegs aktuelle Genrekonkurrenz dienen. Eine derartige Erzählweise und Struktur, sowie Kameraarbeit und Humor in einen Horrorfilm wie bei “Drag Me To Hell” gab es schon seit eben den 80er Jahren überhaupt nicht mehr im Kino, zumindest nicht im amerikanischen Sektor, wo damals Raimi und Cronenberg die Speerspitze in die Luft hielten. Und Sam Raimi weiß dabei immernoch, selbst fast ein viertel Jahrundert später, seine Zuschauer mit skurrilen Charakteren, Geschichten und Wendungen zu überraschen und wirklich jede Sekunde zu unterhalten.

    Ich drehe somit dein Statement um und entgegne dir: “96 Hours” disqualifiziert Dich an dieser Stelle nun tatsächlich!!! Unterhaltungstrash der billigeren Sorte, das Popcorn-Kino-Volk freut sich, lacht, hat Spaß, aber das haben diese Menschen auch bei Fluch der Karibik, Saw und Transformers!#

    Mal ganz davon abgesehen dass mir das völlig egal ist ob der Haufen da unten dabei seinen Spaß hat oder nicht, sowas also sowieso nicht als Kriterium gelten sollte, was hat ein “96 Hours” dann einen “Drag Me To Hell” vorraus?

    Bzw. Was gibt dir ein “96 Hours”, “Avatar” oder “The Wrestler”, was ein “Drag Me To Hell”, “Inglorious Basterds” oder “Changeling” dir nicht gibt? Im Kern geht es immer NUR um Unterhaltung. Um erfundene und fiktive Geschichten und um Themen die uns schlicht beschäftigen und amüsieren sollen für knappe 90 bis 120 Minuten. Wenn wir Glück haben stellen Sie noch ein paar Fragen in den Raum, die wir mit nach Hause nehmen können und ja, dann gibt es immer noch das Handwerk, welches gut oder schlecht umgesetzt werden kann und natürlich die kleinen innovativen Einfälle nebenbei, aber im Kern geht es einfach nur genau darum, nämlich unterhalten zu werden.

    Und selbst wenn sich von “Antchrist” heraus auf die Psyche des Regisseurs dahinter schließen lässt und dieser vielleicht sogar ein frauenverachtender Spinner ist, so sollte man dann ihn vielleicht zwar wegsperren, aber ein Film kann niemanden schaden zuführen, niemanden im realen Leben verletzen! Zumindest nicht wenn man nicht gerade Robert Steinhäuser oder Tim Kretschmer heißt und sein Abitur verkackt hat…

    Wenn ein Film wirklich überzeugend, mitreißend und gut gemacht ist, kann er von mir aus auch Pädophilie, Rassismus oder sonstwas predigen! Und ich darf sogar, wenn der Film gut gemacht ist, mit Pädophilen oder Rassisten, Mördern oder Terroristen mitleiden, mitfühlen und Emotionen empfinden während eines Filmes. D.h. ja keineswegs das ich nach dem Film dann im realen Leben ebenfalls Ausländer scheiße, die Nachbarskinder sexuell anziehend und Waffen und Krieg geil finde.

    Riefenstahls Filme sind teilweise äußerst gelungen, trotzdem muss ich Hitler und dessen Rassenideologie deswegen nicht teilen. Ich fand den Joker aus “The Dark Knight” unheimlich faszinierend und gerade in seiner simplen Chaostheorie so unglaublich komplex, aber trotzdem spüre ich nicht das Verlangen Bootsfähren in die Luft zu jagen oder Leute mit Säure zu überkippen.

    Auch konnte ich Bates Zusammenbruch am Ende von “American Psycho” nachvollziehen und mit ihm in einer gewisser Art mitleiden, obwohl er ein wahnsinniger Serienkiller ist. D.h. allerdings noch lange nicht das ich seine Sexpraktiken auch für mich übernommen habe. Und ebenso liebe ich einfach Daniel Plainview’s Kaltherzigkeit mit der er Eli nachher in “There Will Be Blood” demontiert, ihm all seinen Hass und seine Verachtung ihm gegenüber entgegenschleudert und ihn schließlich sowohl innerlich psychisch als aber auch äußerlich physisch zerbersten lässt, bloss weil es ihm Spaß bereitet den Jungen leiden zu sehen und seinen Triumph über ihn auszukosten.

    Film spricht manchmal auch unsere Triebe und unsere tiefsten Phantasien an, kratzt an den Oberflächen unserer Ängste und kann dabei die tiefsten Emotionen wie Hass, Rachegefühle und Wut erzeugen, ebenso wie aber auch Liebe, Zuneigung und Verständnis. Film lässt uns im Geiste und in der Fantasie Gefühle heraufbeschwören die uns Morde und Gräueltaten als gerechtfertigt erscheinen lassen, weil wir dann für eine kurze Zeit im Kinosessel in einer fiktiven Welt leben dürfen, in der wir keine realen Konsequenzen für unsere bzw. die Taten der Protagonisten zu tragen brauchen.

    Aber ein Film kann mir oftmals gerade dadurch auch manchmal ganz neue Seiten zeigen, neue Möglichkeiten bieten, die Dinge anders zu sehen, wenn der Regissuer/Drehbuchautor anderer Meinung ist als ich oder die Hauptfigur anders handelt als ich es uen würde, oder etwa nicht?

    Es ist in dann ja in etwa so, als würdest du z.B. sagen das “Inglorious Basterds” bloß “ein netter Unterhaltungsfilm sei, darüber hinaus aber nur wenig bieten würde.”

    Ups, dass hast du ja!!! ;-)

    Finde das ja ganz süß und so, aber mal im Ernst: “Inglorious Basterds” ist wirklich das was Kino sein sollte und deswegen auch ganz klar, zumindest für mich, als bester Film des Jahres zu werten.

    Es ist natürlich schwierig bei einem so popülären und dialogastigen Regisseur, der so viele Fans hat welche auch allesamt so wenig Ahnung von seinem Werk und Film im Allgemeinen haben aber dabei trotzdem immer die lautesten sind und unfundiert herumschreien “Tarantino ist der Beste” bloss weil Sie es mal irgendwo im Internet aufgeschnappt haben, jemanden dann auch davon wirklich zu überzeugen das Tarantino nunmal einfach zumindest EINER der wirklich besten, noch lebenden Regisseure bzw. zumindest besten Filmemacher ist.

    Aber, wie bereits vorhin erläutert, was kümmert mich das dumme Volk, was zwei Wochen später auch “Transformers” so richtig geil findet, solange ich meine Meinung auch wirklich fundiert erläutern kann.

    Die Eröffnungszene aus “Inglorious Basterds” ist allein einfach schon das beste Stück Dialog, was Tarantino jemals geschrieben hat. “Pulp Fiction” mag insgesamt vielleicht der bessere Film sein, aber die allerbesten und intensivsten Szenen hat halt “Inglorious Basterds”.

    Der Weg seiner Charakterisierung des Hans Landa ist einfach so stimmig und fein justiert, so liebevoll und mit so vielen kleinen und atemberaubenden Nuancen und Facetten versehen, welche Cristoph Waltz auch allesamt perfekt zu verkörpern weiß, dass dieses allein schon für mind. drölfz Oscar und 28 Globes reichen müsste.

    Aber im Allgemeinen: Tarantino hat mit “Inglorious Basterds” die Fiktivität in Kriegsfilme zurückgebracht, was seit eben den 70ern nicht mehr denkbar war! Dabei war die Fiktivität zumnindest periphär eigentlich schon immer irgendwie da, da ja alle Filme spannend sein sollen, auch eben jene die auf wahren Tatsachen beruhen und deswegen sowieso immer hier und dort ein paar Fakten ausgetauscht oder verändernt werden müssen, da sonst der Spannungsbogen bricht oder die Geschichte zu kompley und unübersichtig wird. Selbst bei “Sophie Scholl”, “Der Untergang” oder natürlich “Valkyrie”, wo es wohl am offensichtlichsten der Fall gewesen ist.

    Aber Quentin hat es auf die Spitze getrieben und den WWII als genau das definiert was es eigentlich sein sollte, zumindest für Filme, Romane und Unterhaltungsmedien im Allgemeinen. Als Schauplatz für Geschichten. Geschichten um Menschen und deren Gefühle und Ängste (Shoshanna), Geschichten um Liebe und Träume und Erwartungen an einen selber durch das System/die Gesellschaft (Zoller) und Geschichten um das Böse und das Gute (Landa vs. Basterds).

    Ich meine, er hat HITLER das Gesicht weggeschossen! HITLER!!! GESICHT WEGGESCHOSSEN!!! Gibt es eine bessere Zerstörung und genussvollere Demontierung des puren und einfach abgrundtief Bösen? Eine ultimativere Botschaft, dass das Gute über das Böse am Schluss immer triumphiert?

    Die letzten 20 Min. von “Inglorious Basterds” sind ganz nebenbei auch noch neben “Cinema Paradiso”, mitunter einer der allerschönsten Liebeserklärungen an das Kino die ich jemals sehen durfte!

    “Inglorious Basterds” ist einfach zu gut, als das ich jemals eine ausführliche Kritik darüber schreiben könnte, da diese dem Film nicht gerecht werden würde, er zuviel Detail besitzt und zu komplexe Figuren. Aber wenn es wirkliche Details oder Situationen, Motive oder Szenen gibt die dir an “Inglorious Basterds” nicht gefiehlen, dann nenn Sie mir doch einfach.

    Natürlich, lässt sich der allgemeinste Vorwuf, nämlich jener der Länge und der Kapitelhaftigkeit des Filmes nicht von der Hand weisen, aber ist z.B. “2001: A Space Odyssee” nicht auch kapitelartig und viel zu lang?

    Film muss nicht immer durchweg stringent und linear sein, solange es einzelne Bits, Szenen und Sequenzen oder Handlungsstränge aber davon noch sind. Dann wird daraus halt eher ein Überraschungs-Party-Paket mit vielen kleinen Leckereien, die unter einem großen Motto zusammengefasst sind. “Inglorious Basterds” ist das genaue Gegenteil von “There Will Be Blood”.

    Der eine will ein Thema verkaufen und baut alles darauf hinaus auslaufend auf, der andere will ein Happening verkaufen, ein Erlebnis und viele kleine Geschichten und Momente. Der eine verkauft eine Aussage, ein Statement und eine Geschichte, der andere verkauft Kino in Reinform.

  10. Sven

    Wegen “Das weiße Band” als bester deutscher Film: Gilt das überhaupt? Ich meine Haneke ist Ösi und gedreht wurde der ja auch überwiegend dort, aber er wird auch bei den Globes schon unter Best Foreign als German gelistet. Ist es bei “Das weiße Band” am Ende sogar wie bei Hitler?

    Der war ja schließlich auch Ösi, aber wird auch immer als Deutscher bezeichnet. Vielleicht bei Best Foreign Dictatorship, dann halt auch an Germany, wegen Großdeutsches Reich und so…

  11. Gotti

    Im Folgenden wird es etwas kompliziert explizit, ohne zu viel Platz für Zitierungen zu verwenden, auf Deinen ausführlichen Post einzugehen, aber ich versuche es so gut und übersichtlich es geht. Ich werde vor jedem Kommentar die Absätze 8nummeriert) nennen, auf die dieser Kommentar von mir eingeht, gefolgt von den letzten Worten als Zitat-Angabe für die Orientierung.
    [1-2; „Ähnlichkeiten mit den Überhelden des 80er Jahre Actionkinos besitzt.“]
    Mein Vergleich zum 80-er Jahre Action-Kino, bzw. der Helden aus jener Epoche nahm weder die Stellung eines Pro-Argumentes ein (zwar die inhaltliche, aber eben nicht die vergleichende Ebene!), noch habe ich alle Facetten der Helden verglichen. Genau genommen war es nicht mal ein vordergründiger Vergleich der Helden und Charakterisierungen, sondern einer bestimmten Eigenschaft, nämlich die der unverblümten, gnadenlosen Gewalt gegenüber dem Feindbild! Eine argumentative Kraft geht aus diesem Vergleich aber so oder so nicht hervor, außer ich würde in einem zweiten Zug zeigen, dass dies auch förderlich für einen Film, bzw. einfach GUT, im Sinne von qualitativ ist.
    [3-7„seine seelische Gebrochenheit sich nun auch auf seinen Körper, ganz physisch überträgt.“]
    Höre ich da ein Lob an den Charakter des John McClane heraus? Komme ich später drauf zurück!
    [8-9„Er ist keine Hommage an Vergangenens… “96 Hours” könnte aktueller gar nicht sein!“]
    Von einer Hommage hat auch bisher niemand hier in diesem Blog gesprochen!
    [10-21“ Kinos gespühlt werden würden, wie es bei mir mit “Sweeney Todd” zuletzt der Fall gewesen war.“]
    Zunächst ein Mal werde ich auf den von DIR eingeworfenen Vergleich zu den Helden der 80-er Jahre eingehen: Ja, sie waren nach außen hin bereits stark, immerhin prägten Schwarzenegger und Stallone die Ära wie keine anderen und ein Lundgren oder VanDamme sprangen perfekt auf den Zug auf. Entweder sie beherrschten die hohe Kampfkunst (Steven Seagal) oder sie beherrschten die Testosteron-Spritze und natürlich waren sie zumeist Ex-Nahkampf, Ex-Sprengstoff, Terror, blablabla-Spezialisten, also tatsächlich die Übermenschen in ihrem Bereich. Doch leider war die Struktur wesentlich simpler und hier hinkt der Bergleich stark. Da ein wenig Spannung aufkommen musste bei diesen Übermenschen, musste ein „Kryptonit“ her, und das wurde ganz simpel mit Schmerzen geschaffen. Die Helden mussten mindestens so viel wie die Gegner einstecken, so sollte die Spannung aufrecht gehalten werden und ein Hang zum Realismus hergestellt werden, schließlich sollten die Supermänner immer noch menschliche sein und wie kann man das besser demonstrieren als mit Fleisch und Blut? Und davon mussten sie eben viel einbüßen, SEHR VIEL!! Das es dadurch nur um so unrealistischer wurde ist uns natürlich klar und das macht den Trash dieser Ära aus. Ob nun Augen aufgeschnitten werden mussten um weiter zu kämpfen oder nur mit dem letzten Aufschrei ein Gegner noch in den Abgrund geschmissen wird, die Energie und Fähigkeit Schmerzen zu ertragen war die größte Eigenschaft der Helden dieser Epoche. John McClane ist ein Paradebeispiel dafür, aber zwischen ihn und Bryan Mills gibt es sehr viele Parallelen. Beide haben durch ihren Beruf als Gesetzeshüter ihre Familie verloren und sind geschieden. Beide werden unfreiwillig in ein Szenario hinein gezogen, beide nehmen es mit einer ganzen Armee auf, allerdings hat nur einer von ihnen noch Zeit und Nerven für coole Sprüche dabei…! Was einen Mills sogar mehr Realismus verleiht ist eine Konsequenz, die es in diesem Film eben so zu loben gilt und die eine Trendwende darstellt und mir nur aus Terence Hill-Filmen bekannt ist: Er muss NICHT viel einstecken! Er schleppt sich nicht mit mehr Wunden als Nerven im Körper durch ein Kriegsgebiet und schickt einen nach dem anderen in die Hölle, aus der er selbst ganz ohne Schuhe hinaus tanzen würde, sondern macht ganz klar was eine Ausbildung, ein Talent und eine Berufung in diesem Bereich bedeuten! Jeder der ein mal mit einer Pistole geschossen hat weiß wie schwer es ist damit zu treffen, wenn das Ziel mehr als 5 Meter entfernt ist und das irgendwelche Zuhälter nicht viel Zeit auf der Schießbahn verbracht haben leuchtet mir ein. Um es mit den Worten von Leonidas aus 300 zu veranschaulichen „Was ist Eurer Handwerk Spartianer? AHOUH!!!“ Was den Trend des Horror-Kinos angeht immer mehr Gewalt zu postulieren irrst Du Dich in dessen Motivation und besonders in der Einordnung von 96 hours. Ja, das Gewaltkino und die sadistische Lust ist seid Jahren ein Aufhänger für eine ganze Reihe, beinahe ein neues Genre an Filmen, jedoch geht diese Gewalt selten oder gar nie von den Protagonisten aus oder von der „guten“ Seite, sondern widerfährt dieser immer wieder. Das was vorher das „Fleischopfer“ der Helden war, ist nun das Todesopfer eines nur dafür eingeführten Charakters. In den meisten Horrorfilmen ist die Anzahl der Gruppenmitglieder die einer Gefahr ausgesetzt werden nur deshalb so hoch, weil damit für mehr Opfer, bzw. Todesszenen gesorgt werden kann. Was früher nur ein Mensch ertragen musste ist nun auf mehrere übergegangen und immerhin ist der Tot ein ernsteres Warnzeichen als die Fleischwunde! Mit diesem plumpen Mittel wird also heutzutage die Gefahr vermittelt, aber beide Motive befinden sich hier nicht im Film! Zumal das Genre im Vorfeld eine Menge zur politischen Haltung beiträgt! Von einem Action-Held mit politischem Hintergrund (Spionage-Arbeit) wird nicht erwartet, dass er unmoralisch handelt und mir fällt auch kein Film ein, in dem das so passiert wie hier. Im Horror-Genre nimmt man das selten so genau, aber auch da werden nicht unschuldige angeschossen oder die Peiniger gefoltert, sondern ein Schuss in den Kopf vom überlebenden, vollbusigen Blon-Schopf zum Schluss reicht da völlig aus. Herr Mills foltert auf eine Art, wie man sie aus den bösesten Irak-Videos kennt, doch ER macht dies selbst! Herr Mills schießt eine sympathische Familienmutter an, um sein Gegenüber unter Druck zu setzen und entschuldigt sich beiläufig dafür und er schießt den am Boden liegenden Geschäftsmann erst in alle Gliedmaßen und danach ins Gesicht, trotz dessen mehr als eindeutige Kapitulation. Selbst Clint Eastwood opfert sich lieber um vergewaltigende Kleingangster ins Jugendgefängnis zu liefern, bevor er sie alle über den Haufen schießt! Welch ein Kontrast, beides aus einer Epoche, aus einem Jahr!
    Wenn Du Dich über das zu typische Feindbild beklagst, dann trittst Du in die Fußstapfen solch nerviger und sinnloser Anschuldigungen, wie es beinahe jeder Film mit einem Feindbild in der authentischen Welt ertragen muss, ob nun ein „True Lies“, der einen Haufen von Klagen abschmettern musste oder ein Hostel. Wären es Amis gewesen, könnten diese Klagen, sind es Russen, können diese Klagen! Muss ich ein Volk erfinden? Zudem ist es nun mal Bestandteil unserer traurigen Welt, dass es in Albanien mehr Zuhälterei gibt, als in Schweden, in Brasilien mehr Drogenkonsum als in der Schweiz! Und wenn ich diese Geschichte versuche umzusetzen, dann passt es nicht, dass die Tochter nach Afrika reist oder innerhalb der Staaten entführt wird, schließlich trägt die Fremdheit im anderen Land dazu bei, dass man dort mehr den fremden Mächten ausgesetzt ist. Wenn sich ein Erdmännchen verläuft und in einem anderen Gebiet herumstapft, nun dann muss auch dieses auf der Hut sein…! Und welches Volk für seine Jungfrauenvernarrtheit am meisten bekannt…? Natürlich sind dies nun alles Klischees, aber die Realität ist immer noch das größte Klischee, das Leben, beinhaltet davon am meisten! Schau Dich an Deiner Arbeitsstelle um, dort sind so viele Klischees, dass es zur größten Kritik an der Charakterisierung in jenem Drehbuch reichen würde, allerdings gibt es keines dafür und auch keinen Autoren (außer Du bist gläubig…!).
    Wir haben also einen untypischen Film, der in einer Zeit, in der regelmäßig Filme erscheinen, die reale Themen aufgreifen um den Humanismus zu verbreiten und zu predigen und die sich davor in Acht nehmen Klischees zu bedienen und den bärtigen Nah-Ost-Mann nicht mehr als Feind deklarieren dürfen, jedem Moralkodex des Filmes zum Trotze arbeitet. Ist das positiv? Nein, nicht unbedingt, aber das Gegenteil kann man ihm nicht vorwerfen. Alles andere, Handwerk und Unterhaltungsfaktor sit bereits besprochen worden.
    Die Aussage eines Filmes! Was für ein Thema! In dessen Angesicht also nur kurz, da es sehr nervig sein kann. Was der Regisseur aussagen will, kann uns egal sein. Was der Film aussagen will geht nicht daraus hervor, was er uns zeigt! Will der Film aussagen, dass wir foltern SOLLEN um an Informationen heranzukommen, dass Gewalt und gnadenlosigkeit ok sind und das der Zweck die Mittel heiligt? Also ich habe keinen Kommentar dazu im Film gesehen. BRYAN MILLS tut dies und kommt damit zu SEINEM Ziel, mehr nicht! Ganz im Gegenteil führt gerade dieser Film zu einer Diskussion, die bei anderen gar nicht erst aufkommt, weder bei einem Syriana, noch bei einem Hostel. Viele Menschen haben sich über die Legitimität der Handlungen unterhalten, weil sie hier einfach nur kommentarlos präsentiert, aber nicht mal thematisiert werden. Dies ist immer noch die beste Art für einen Diskussionauftakt, der Zeigefinger bietet dafür nicht viel Spielraum. War es richtig was Herr Mills tat? Würde ich es auch tun? Was ist die Aussage von There will be blood? Töte die religiösen Spinner? Wenn man einen Film so reduzieren möchte kann man das immer, wo wie auch jeden Sport „22 blöde, die einen Ball hinterherjagen!“

    [22 „Motive aufgreift die es sonst nur in den 80ern zu sehen gab.“]
    Ist aber weder bei mit ein Pro-Argument gewesen noch würde ich so etwas jemals dafür heranziehen, es ist nur eine Feststellung, ein Vergleich!
    [23-24; „aber das haben diese Menschen auch bei Fluch der Karibik, Saw und Transformers!“]
    Drag me to hell: Auf diesen Film möchte ich nur kurz eingehen, immerhin füllt er kein extrem aus, ist weder richtig schlecht, noch richtig gut, was um so mehr faden Beigeschmack macht. Der Film hat das große Problem, welches sich aus dem Genre-Mix zweier Kontraste ergibt: Die Grundstimmung ist für einen Horrorfilm zu witzig und für eine Komödie zu brutal und erschreckend. Daraus wird allerdings kein emotionales hin und her, sondern ein belangloser Einheitsbrei. Die Darstellung bietet NICHTS, was aber auch nicht zu einer negativ-Kritik ausreicht, jedoch schaut sich der Film wie sich ein Poesie-Album liest: Hier eine nette Szene, da eine interessante Sache und dazwischen Celluloid-Wartezeit in Metern!
    [25-26; „aber im Kern geht es einfach nur genau darum, nämlich unterhalten zu werden.“]
    Ich bitte zu Beachten, dass die meisten der oben genannten Filme in meiner Top-Jahreswertung Einzug erhalten haben, was Dir in vielerlei Hinsicht den Fahrtwind nimmt. Deswegen an dieser Stelle kurz eine Besinnung auf unsere professionelle Berufung als Kunstkritiker (hier Film!). Wie auch Deine Argumentation, bzw. aus einer weiter entfernten Perspektive unsere gesamte Diskussion, läuft vieles wieder in Richtung „Geschmackssache“. Wir beide wissen – sonst würden wir uns nicht in eine solche Diskussion stürzen – , dass es mehr als nur eine Vorliebe zu verkünden gilt und das es durchaus diskussionswürdig ist! Auch wir müssen uns dennoch über viele Dinge Gedanken machen und werden, vor allem durch das hohe Niveau unseres Disputs, in einige Sackgassen geführt. Wenn es um Vergleiche geht, Genres, Dramaturgie usw. wird es schneller zu einem Konsens kommen müssen, jedoch bei der abschließenden Einbettung der Ergebnisse in eine adäquate Wertung wird es wesentlich schwieriger. Vielleicht schaffe ich es, dass der Kritiker in Dir Eingeständnisse macht, jedoch verlange ich nicht Dein Herz umzustimmen. Du musst 96 hours niemals mögen, ebenso wie Du Inglorious Basterds nicht von Deinem persönlichen Thron stoßen musst, höchstens als Kritiker sollten Dir die Augen geöffnet werden vor allzu euphemischen Ausbrüchen. Mir geschah dies einst in einer Diskussion um den Film „Saving privat ryan“ vor langer Zeit und es hat mich mehr als Kritiker, in meinem Scharfsinn bezüglich der Filme, in meinen analytischen Fähigkeiten und meiner fachlichen Auseinandersetzung beeinflusst als alles andere. Ich wurde damals überzeugt und habe nicht nur eine neue Sicht auf den Film, sondern auf alle Filme erhalten. Das ein Film der Unterhaltung dient ist uns allen klar, ebenso das man diese Kunstform analysieren und einordnen kann. Die Frage was mir mit einem Werk gegeben wird ist also unwichtig im Bezug auf meine Kunstkritik. Ein Beispiel: Avatar hat mich mehr bewegt und mitgerissen als ALLE Filme seit Gladiator (2000!!!), aber dennoch taucht er allein schon in meinen Jahrescharts die ich hier gepostet habe nur an Stelle 5 auf! In der Liste der besten Filme der Dekade würde er sicherlich unter gehen, Filme wie „Lost in Translation“ , „Mystik river“ oder „Vergiss mein nicht“ stehen weit vor ihm, und das sind nur wenige, spontane Beispiele. Auch „Dein“ there will be blood steht davor, doch in Punkto Unterhaltung reicht ihm kaum einer das Wasser. Natürlich dürfen wir unseren Zwiespalt und die Bewertung unserer Leidenschaft, der Kunst des Filmes nicht allzu ernst nehmen, es muss immer ein Augenzwinkern existieren, ein sehr bewusstes, nicht axiomatisches, doch dies ist eben nur ein Teil des Kuchens.
    [27-28; „, trotzdem muss ich Hitler und dessen Rassenideologie deswegen nicht geil finden“]
    Hast DU nicht die Message von 96 hours angeklagt??????
    [29-40; „mitunter einer der allerschönsten Liebeserklärungen an das Kino die ich jemals sehen durfte!“]
    Inglorious Basterds: Zitate, Liebeserklärungen an das Kino, Statements, Rückgriff auf eine vergessene Kinotradition, dies alles hat seinen Platz in einer sehr sensiblen und scharfsinnigen Analyse von Dir, ist jedoch kein Garant für ein Bewertungsdetail, denn da kommt es auf das WIE an. Du nennst die Gründe, warum ich Inglorious Basterds großartig finde, warum er einer der Filme des Jahres für mich ist, welches so unglaublich gut besetzt war. Deswegen reden wir nicht weiter über das Positive, auch wenn Du die Charakterisierung des Landa überschätzt, da hier, wie in dem „Bösewicht“ von Avatar keine Entwicklung statt findet, noch eine Einsicht in die Psyche besteht, sondern ein unveränderbarer, durch und durch böser und listiger Schurke präsentiert wird. Nur eben weitaus unterhaltsamer als der in Dümpel in Avatar! Landa ist ein Gott der Unterhaltung, das tollste Äffchen im Käfig, dass uns so Lachen lässt und den Zoobesuch so lohnenswert machte. Aber ein Wrestler ist er nicht! Muss er auch nicht, SOLL er sogar nicht meiner Meinung nach, denn ich mag hier lieber den Landa, den ich bekommen habe! An dem Film gibt es wenig schlechtes, aber eben einiges, was in anderen Filmen besser war und nur DESWEGEN, taucht er weiter unten in der TOPLISTE auf, nicht weil er irgendwo schlecht ist! Ich LIEBE z.B. die Eröffnungsszene, doch leider ist dies auch die beste im Film, was etwas ungünstig bei der allgemein ungünstigen Dramaturgie des Filmes ist. Nur dadurch entstehen Längen, Tarantino ist eben kein Shakespeare,d er es besser als jeder andere in der Geschichte der Dramaturgie verstand auf Höhepunkten hinzuarbeiten und eine dauerhafte Spannung auf das zukünftige aufrecht zu erhalten. Nach der ersten Szene kommt der Einbruch und es geht mit guten Szenen weiter. Die Auteilung in Kapitel ist fragwürdig und scheint hier wenig Sinn zu machen und mehr eine hineingequetschte Signierung des Regisseurs zu sein. Die Darsteller sind allesamt großartig bis genial (Pitt und Waltz), aber leider haben wir da Diane Krüger, die einfach nicht nur nicht mithalten kann, sondern als einzige versagt. Schade! In manchen Szenerien leidet der Spannungsbogen ein wenig, besonders dann, wenn man die Übersicht verliert, wie in der Untergrundkneipe, in der nach dem Feuergefecht nicht klar ist, wer noch lebt und wer nicht, was aber leider auch kontraproduktiv auf die innerszenatorische Dramaturgie niederschlägt. Kleine Kratzer auf einer ansonsten makellosen Scheibe, aber vorhanden. Eine Belehrung, eine Aussage, ein Diskussionsanreiz bietet der Film nicht, muss er aber auch nicht, doch kann man nicht ignorieren, dass er zumindest bei anderen ZUSÄTZLICH vorhanden ist. Wenn ich die Wahl zwischen zwei Toastern habe und diese nun vergleiche, dann mögen diese identisch sein, doch wenn in dem anderen noch ein Radio ist, selbst wenn ich es nicht brauche, so ist es immerhin erwähnenswert. Was die schlechteren Sachen angeht, so muss er den kürzeren ziehen zu einem „Slumdog millionair“, der dramaturgisch besser auf den Plot hinarbeitet und eine Gänsehaut bei den meisten Menschen hinterlässt, wenn nur zum Schluss „A:Schicksal“ eingeblendet wird. Es gibt sogar einige Stellen, an denen man genau weiß, worauf es hinausläuft und in denen nicht mal der Weg das Ziel ist, also besondere Unterhaltung beim WIE geboten wird (Aschenputtel-Szene). Wie dem auch sei, ein großartiges Stück Film, mit nur kleinen Macken.
    [51; „“2001: A Space Odyssee” nicht auch kapitelartig und viel zu lang?“]
    Und wer sagt, dass dieser das ULTIMUM MAXIMUM des Filmes ist? Fragwürdige Argumentation!
    [50; „gibt die dir an “Inglorious Basterds” nicht gefiehlen, dann nenn Sie mir doch einfach“]
    Also die Komplexität der Figuren kann doch nur ein Scherz sein oder? Der reine Bösewicht, die Bastarde, deren Motivation nicht beleuchtet wird, aber die amüsant sind, das sich rächende Mädchen, das ihre Eltern verloren hat und deswegen die Nazis nicht mag, der Kriegsheld, auf den leider nicht genug eingegangen wird (aber auch in diesem Film nicht SOLLTE!) und die Promis des zweiten Weltkrieges. Große Charakterstudien finden hier nicht statt, komplex sind sie vielleicht, aber das erfahren wir nicht aus diesem Film. Eine komplexe Figur ist ein Schmidt aus About Schmidt, ein Wrestler aus…, aber sicher nicht der listige Landa, der listig ist…Punkt! Auch das birgt nicht den Ansatz einer Kritik, aber zumindest ist es nicht komplex! Da ist übrigens Bryan Mills komplexer, obwohl er allerdings den Vorteil besitzt viel fokussierter behandelt zu werden. Nur weil dieser Charakter unkonventionell ist, darf man dies noch lange nicht mit komplex verwechseln. Ist Joker ein komplexer Charakter? Auch er ist völlig unkonventionell und sehr unterhaltsam in seiner Art, aber eher das Gegenteil von komplex, denn er ist einfach der axiomatische Bösewicht. Bei aller Liebe zu einer Diskussion um die Einordnung von Filmen, an dieser Stelle gibt es nun wirklich keinen Raum dafür, es ist eine Tatsache, dass hier alles andere als komplexe Charaktere zu finden sind und ich bin mir sogar sicher, dass Du mir zustimmen wirst. Der Begriff ist mit Sicherheit schwer zu fassen. Was sind komplexe Charaktere? Bedeutet das, dass der Charakter komplex ist, also vielseitig, facettenreich, undurchschaubar? Also etwas, was auch auf einen Charakter, einer Person in der Realität zutreffen kann? Im rein fiktiven Bereich kann es aber auch für die reine Authentizität stehen! Oder etwa für eine komplexe Bearbeitung eines Charakters, der selbst nicht komplex sein muss, aber eben ausführlich gezeigt wird? Kann ein Charakter gleichzeitig stereotypisch und komplex sein? Wie ist es mit einem Charakter der schon in tausenden von Filmen vorkam (also Stereotyp ist), aber eben sehr vielschichtig ist? Sollten wir – was ich nicht glaube – diese Frage nach der Definition von Komplexität bei einem Charakter unterschiedlich beantworten, dann reden wir aneinander vorbei, aber ansonsten – und auch in den meisten der oben genannten Fällen – ist Inglorious Basterds kein Film der komplexe Charaktere aufweist, lediglich Tarantino-typisch äußerst interessante, da unbekannte Charaktere. Und nur noch mal zur Verdeutlichung: Komplexe Charakter sind kein MUSS für einen Film und somit kein Auftakt für eine negative Bewertung in dieser Sparte, in manche Filme gehören sie sogar gar nicht hinein, ebenso wie eine komplexe story. Titanic mit einer komplexen story wäre grauenvoll, Avatar mit komplexen Charakteren würde zu sehr vom wesentlichen ablenken, hingegen About Schmidt mit einem aufwendigen Schnitt, oder The Wrestler mit den neuesten Special effects wären undenkbar unpassend. Die Kunstfertigkeit liegt darin die geeigneten Elemente für eine Erzählung zusammenzufügen und das hat Tarantino hier mal wieder großartig getan!

  12. Moritz

    habe grad nicht die zeit eure ergüsse ganz zu lesen. werd ich aber nachholen.

    nur kurz zu svens kommentar zu “das weiße band”: ich glaub, da zählen (unsinniger weise) nicht die drehorte. aber selbst wenn: imdb gibt für das weiße band vier orte an, alle in D.

    es ist aber so, dass – das hab ich mal irgendwo gehört – die produzenten bestimmen, in welchem land sie ihn anbieten, bzw. versuchen ihn als jeweiligen landesbeitrag durchzuboxen. auch das könnte gut sein, guck dir mal die “Production Companies” bei imdb an, da stehen zu 3/4 deutsche “companies”.
    ok, bei “die fälscher” ist das genau so, aber vielleicht hatten die vergangenes jahr angst vor irgend nem deutschen konkurenten und sind deshalb nach österreich ausgewichen.

    wobei drehorte als alleiniges kriterium ja auch nicht das gelbe vom ei wären, denn “inglourious basterds” wäre dann bestimmt der deutsche beitrag in diesem jahr….

  13. Sven

    Eine sehr spannende aber auch mittlerweile schon recht konfus anmutende Diskussion die wir hier losgetreten haben. Also ich finde es ja echt unterhaltsam und interessant, auch wenn die anderen wahrscheinlich denken das wir beide ein Rad ab haben.

    Aber genau solche Diskussionen habe ich mir auch schon immer hier gewünscht für dieses Blog und solange keiner hier persönlich wird oder sich in irgendeiner Form auf den Schlips getreten fühlt, kann so was ja sowieso stets nur förderlich sein, für alle Parteien.

    Wie dem auch sei: Zunächst würde ich gerne, auch der Übersicht halber, noch einmal kurz ein paar der Grundthemen und Theorien die wir hier nebenbei angerissen und für unsere Zwecke verwendet haben, auch um unsere Standpunkte während der Diskussion zu verdeutlichen, kurz erneut zusammenfassen und versuchen, dazu meine eigenen, möglichst “knappen” und “bündigen” Definitionen eben dieser zu verdeutlichen, auch teilweise abgeleitet anhand deines letzten Kommentars.

    Denn mittlerweile reizt mich deine Auffassung bezüglich dieser Definitionen, Theorien und Thesen fast noch stärker als die eigentliche Diskussion über die 3 expliziten Filme “96 Hours”, “Inglorious Basterds” und “Drag Me To Hell”, auf welche ich aber auch noch mal, ganz am Schluss eingehen werde.

    Wenn ich mich also nicht täusche, benötigen wir beide zunächst erstmal, um überhaupt auch die eigentliche Diskussion ohne Missverständlichkeiten fortführen zu können, die Definitionen des jeweils anderen über:

    1.) Eine möglichst genaue thematische Eingrenzung der Rolle und Funktion des Helden im 80er Jahre Actionkino, sowie dessen, für die Epoche typischen Charakteristika die gleichsam das gesamte damalige Genre augenscheinlich prägten.

    2.) Die Auffassung inwiefern und ob überhaupt ein Vergleich dieser dann gefassten Definition eines Helden, mit z.B. der Rolle des Bryan Mills in “96 Hours” funktionieren würde …

    3.) … oder aber die Beantwortung der Frage ob überhaupt und wenn ja, in wie weit aktuelles Horror- und Actionkino, ebenfalls hauptsächlich anhand des Besipielfilmes “96 Hours”, eine Spiegelung der realen politischen Ereignisse vom 11. September 2001 darstellen.

    4.) Eine Spezifizierung der im Film benötigten moralischen Ausbalancierung zwischen Held und Gegner bzw. Gut und Böse durch Taten und Handlungen der jeweiligen Protagonisten, damit beide Rollen für die Zuschauer klar als eben solche definier- und somit erst fassbar werden und ob eine solche Ausbalancierung überhaupt von Nöten ist.

    5.) Eine Beantwortung der Frage ob ich glaube das “Inglorious Basterds” sehr wohl eine Aussage besitzt.

    6.) Die Beantwortung der Frage, was für uns Komplexität in einzelnen Filmfiguren ausmacht und wie wir diesen Begriff für uns auffassen.

    Puh, das könnte dann doch etwas ausführlicher werden. Na ja…

    1.) Um den 80er Jahre US-Actionfilm sowie dessen A-Typischen Helden überhaupt definieren und motivisch einkategorisieren zu können, muss man meines Erachtens nach zunächst zwischen zwei filmisch überaus unterschiedlichen Epochen unterscheiden: Filme vor “Stirb Langsam” und Filme nach “Stirb Langsam”.

    Ich habe die Figur des John McClain nicht nur aufgrund einer etwaigen persönlicher Vorliebe in die Diskussion mit eingebracht, obwohl es tatsächlich einer meiner liebsten Actiontrilogien ist (Es sind ja schließlich nur 3 Teile, ebenso wie bei “Star Wars”, ich lasse da nichts daran rütteln bei mir!), sondern weil Sie in meinen Augen den Actionfilm der 80er, revolutioniert hat wie kaum eine andere.

    Ich möchte deswegen die Figur des John McClain hier noch einmal näher beleuchten, weil ich auch vermute das du meine eben diese Differenzierung zw. jenen beiden “Epochen” irrtümlicher Weise nicht korrekt wahrgenommen hasst.

    Korrigiere mich falls ich dort dennoch falsch liegen sollte, aber ich hatte bei deinem letzten Kommentar das Gefühl das du eben eine solche Unterscheidung zw. der Zeit von vor “Die Hard” (1988) und der Zeit nach “Die Hard” nicht so krass in die Wagschale legst, wie ich es hier tue und du die Figur des McClain auch auf ein und dieselbe, zumindest grobe, kategorische Ebene stellst, mit z.B. eben jenen Figuren des Marion Cobretti (“Die City Cobra”, 1986), Leo Kessler (“10 To Midnight”, 1983), John Rambo (“Rambo: First Blood”, 1982), Snake Plissken (“Die Klapperschlange”, 1981), Den T-800 (“The Terminator”, 1984) oder aber auch den RoboCop (“RoboCop”, 1987).

    Warum ich aber nun genau in der Figur des McClain bei den “Stirb Langsam”-Filmen bzw. deren filmisches Konzept, eine alles verändernde Revolution im Actionkino glaube zu erkennen, werde ich im nun Folgenden näher erläutern.

    Dazu solltest du von mir aber auch zunächst wissen das ich sehr wohl ein starker Vertreter der These bin, dass Film, insbesondere der Mainstream auch immer eine starke Spiegelung der jeweiligen Gesellschaft und deren Probleme darstellt, in welcher der dann jeweilige Film produziert wurde. Deswegen möchte ich zunächst mit einem kurzen Umriss der damaligen Dekade beginnen.

    Nun Gut: Die Zeit der neokaptitalistischen und neoliberalen Reagonomics (“lower taxes and a smaller government”) von 1981 bis 1989 war vor allem durch die Angst eines drohenden nuklearen Krieges, die weiter voranschreitende militärische Aufrüstung Russlands und der USA sprich: der Kalte Krieg, die Öl- und Energiekrise, die andauernde Bedrohung durch den Kommunismus, explodierenden Kriminalitätsstatistiken, dem Aufkommen der Punk und No-Future Generation sowie, weiter gen Ende der Dekade dann, der Glorifizierung der Wirtschaft geprägt.

    Das amerikanische Volk stand nach Watergate, dem gescheiterten Vietnamkrieg und der ebenso gescheiterten Friedensbewegung in den 70ern nun vor den Trümmern ihrer einstigen Träume und Hoffnungen, war zunächst stark desillusioniert und verunsichert in welche Richtung es nun überhaupt gehen sollte und suchte händeringend nach neuen Wegweisern.

    Es entstanden zunächst, bereits auf solch dystopischen Werken wie “Mad Max” (1979) oder “A Boy and his Dog” (1975) fußende Endzeitszenarien wie “Die Klapperschlage” (1981) oder aber auch Kriegsaction wie “Rambo: First Blood” (1982), welche bereits zwei wichtige Fragen der damaligen Generation versuchten zu verarbeiten:

    1 – Wie wird unsere Zukunft aussehen in Anbetracht der wachsenden nuklearen Bedrohung, sowie des entstandenen Vertrauensverlustes in unsere eigene Regierung und der Entmystifizierung der Rolle des amerikanischen Präsidenten, entstanden durch George Washington und Abe Lincoln, wieder aufgegriffen durch JFK, allerdings dann endgültig vernichtet durch Nixon mit Watergate und ein wenig später noch, bereits am Boden liegend durch Bill Clinton mit Füßen getreten, und…

    2 – Was hat der verlorenen Vietnamkrieg mit uns als amerikanisches Volk angestellt. Gelten unsere alten Werte noch, jene von Demokratie, Freiheit, stetigen Wachstum und unendlichen Wohlstand, oder müssen wir versuchen uns als amerikanisches Volk neu zu definieren?

    Was also noch kurze Zeit zuvor nicht einmal ansatzweise denkbar gewesen war, wurde nun im Medium Film auf breiter Masse versucht zu verarbeiten: Die Angst vor dem drohenden Untergang der zivilisierten, kapitalistisch demokratisch regierten Welt bzw. die Auslöschung der Menschheit als ganzes und der Umgang mit den heimgekehrten Veteranen, welche noch 74 von den Hippies als Monster und Kriegshetzer bezeichnet wurden, sowie dem Post-traumatic Stress Disorder als neues ernstzunehmendes Element im Umgang mit Kriegsheimkehrern sowie den Gräueln von Vietnam, den ersten medialen Krieg der Neuzeit welcher die Gefechte erstmals direkt ins heimische Wohnzimmer transportierte, farbkorrigiert und in Echtzeit!

    Bsp. “Die Klapperschlange”:

    Die USA im Jahre 1997 – Ein totalitäres System, angeführt von einen wahnsinnigen Präsidenten außer Kontrolle, welcher die amerikanischen Werte ab absurdum führt. Der Atomkrieg naht und es bleiben unserem (Anti-)Helden nur noch wenige Stunden Zeit bis ein ihm injizierter Sprengsatz explodiert und ihn tötet. Er soll den von Terroristen entführten Präsidenten retten. Es winkt dem eigentlichen Staatsfeind No. 1 im Anschluss daran, hierfür eine offizielle Begnadigung und die Wiedererlangung der eigenen Freiheit…

    Schauplatz für die Suche nach dem entführten Staatsoberhaupt ist dabei New York, Manhattan, welches mittlerweile zum Hochsicherheitsgefängnis umfunktioniert worden ist weil die Regierung der wachsenden Kriminalität nicht mehr Herr werden kann. Es hat sich ein Subsystem, ein Staat im Staate gebildet, wo nur das Recht des Stärkeren gilt, angeführt und bevölkert von Kriminellen und den verarmten Abschaum der Gesellschaft.

    Plissken ist eine Berühmtheit in dieser grausamen und tristen Welt, da das System der eigentliche Feind des Bürgers geworden ist und Er, Plissken, der stärkste Feind des Systems ist.

    Am Ende erfahren wir das die Sprengladung im Körper unseres Helden nur ein Vorwand, eine Lüge des Präsidenten war. Snake schickt daraufhin die Welt zum Teufel, weil er keine Hoffnung auf Besserung im derzeitigen Zustand erkennt und aktiviert schlussendlich die atomare Kettenreaktion.

    Bsp. “Rambo: First Blood”

    John Rambo, ehemaliges Mitglied eine Kampfelitetruppe in Vietnam, streift ohne festes Ziel durch die Weiten Amerikas. In der Kleinstadt “Hope” angekommen, macht ihn der dort ansässige Sheriff Teasle ziemlich schnell deutlich, dass “Typen” wie Rambo “hier nicht willkommen seien”.

    John wird bald darauf hin inhaftiert, bekommt aber Flashbacks an Vietnam durch die grausamen Misshandlungen der Wachen sowie der räumlichen Einengung im Knast, bricht daraufhin aus, flüchtet in den Wald und wird dabei von der Polizei verfolgt. Als einer der Beamten bei der Jagd ums Leben kommt, hängt Teasle den Mord den Geflohenen an.

    Dieser beteuert mehrmals nicht verantwortlich zu sein und das er auch bereit sei aufzugeben damit niemand mehr zu Schaden kommt, doch immer wieder fallen erneut Schüsse seitens der Polizei, was Rambo schließlich immer weiter in die Enge treibt.

    Nach und Nach schaltet er einen Polizisten nach den anderen aus während die Geschichte zum Medienspektakel ausartet und sogar Col. Trautman, Rambos ehemaliger Vorgesetzter hinzu gerufen werden muss, um noch Schlimmeres zu verhindern.

    Als die Nationalgarde schließlich Rambo umzingelt hat, kapert dieser ein Militärfahrzeug und beginnt nun seinerseits einen Rachefeldzug gegen den Sheriff, zerlegt dabei die halbe Stadt, kämpft sich schlussendlich aber zum Sheriff vor und will diesen gerade töten, als aber Col. Trautman die Szenerie betritt und Rambo vor weiteren Dummheiten beschützt.

    Rambo gibt schließlich auf und erleidet dabei einen Nervenzusammenbruch, bricht in Tränen aus und gesteht den Col. von seiner Hoffnungslosigkeit, seinen Leiden und seiner Desorientiertheit seit der Rückkehr in seine Heimat.

    Der Film endet mit der erneuten Festnahme des Veteranen und einem Standbild wie dieser, neben seinen Col. stehend, weit in die Ferne schaut. Die Credits laufen über diese Momentaufnahme während der Song „It’s a long road“ von Dan Hill hierzu erklingt.

    Zusammenfassung:

    In beiden Filmen wird der Staat bzw. dessen Repräsentanten als klares Feindbild definiert: In “Die Klapperschlange” der Präsident als Lügner und Wahnsinniger, in “Rambo: First Blood” die Polizei als grausam und unmenschlich.

    In beiden Filmen herrscht eine starke Hoffnungslosigkeit sowie Desorientierung entweder in der Gesellschaft, oder aber in den Hauptfiguren selbst. In beiden Filmen wird entweder mit den Kriminellen unmenschlich umgegangen oder aber der Staat verliert die Kontrolle über Sie.

    In beiden Filmen sind die Protagonisten, vom System Verstoßenen und verachtete Charaktere und in beiden Filmen sind Sie bereits Helden noch vor dem eigentlichen Abenteuer: Snake wird vom Volk für seine Taten gefeiert, Rambo war Elitesoldat, ist ein wandelndes Muskelpaket und mit Narben übersäht, die von den gewonnenen Kämpfen zeugen. Snake wird vom System nicht geduldet, Rambo wird von der Polizei gejagt.

    Beide Figuren besitzen überdies übermenschliche Kräfte, werden nur selten selbst im Kampf verwundet, verletzen jedoch umso mehr ihre Gegner. Snake besiegt den Goliath im Zweikampf, Rambo jeden Polizisten mit seinen selbstgebauten Fallen.

    Beide Figuren wünschen sich zwar eine Art Normalzustand zurück, können diesen aber nicht erreichen. Snake will seine Freiheit erlangen, Rambo will in seine “Heimat” zurückkehren. Snake zündet die atomaren Sprengköpfe, Rambo zerstört die Kleinstadt mit den Namen “Hope”.

    Ich hoffe das die Überschneidungen zwischen realer Politik und filmischer Verarbeitung eben dieser, deutlich wurden und auch nur zumindest ansatzweise die typischen Merkmale des Actionhelden zu Anfang der 1980er sich herauskristallisiertet haben:

    Einzelgänger, Außenstehender, Übermensch mit der Hoffnung auf Besserung des Systems zur letztendlichen erfolgreichen Wiedereingliederung in eben jenes, aber dennoch nur Gefangener seiner selbst.

    Die Übermenschlichkeit der Hauptfiguren wird auch vor allem durch z.B. Col. Trautmans Ansprachen gegenüber der Polizei bzw. dem Militär sehr stark deutlich, in welchen er Rambo als praktisch unzerstörbar bzw. unkaputtbar bezeichnet. Sogar Rambo selbst ist ziemlich stark von sich überzeugt wenn er Teasle im Wald entgegenbrüllt: “Hör auf, oder du wirst einen Krieg haben, den du nie begreifen wirst.” was natürlich aber auch eine Anspielung auf die Verhältnisse in Vietnam darstellt.

    Das Beklemmungsmotiv in “Rambo: First Blood” wird überdies hinaus auch kameratechnisch wunderbar untermalt. Wo der Film noch zu Anfang mit vielen Totalen arbeitet die die Weite des Landes einfassen, werden die Einstellungen zunehmend kleiner im Verlaufe des Filmes oder das Frame wird immer weiter umrahmt mit Bäumen, Felsen etc.

    Wohingegen das Bild der Hoffnungslosigkeit bei “Die Klapperschlange” durch das überwiegend nächtliche Szenario wieder aufgegriffen wird, obwohl eigentlich bei den gegeben 22 Stunden erzählter Zeit der Tag überwiegen sollte oder aber zumindest ein 50:50 Verhältnis herrschen sollte.

    Die Flucht John Rambos in den Wald betont zudem seine Entwurzelung zur Zivilisation. Er verwandelt seinen Unterschlupf dabei in seine eigentlich und wahre Heimat: Vietnam!

    Trotz aller Ausweglosigkeit: “Rambo: First Blood” schließt dennoch noch mit einem versöhnungsvollen Bild sein letztes Kapitel ab, wenn Rambo im letzten Frame nach seinem Geständnis an Col. Trautman, seinen Blick in die Ferne schweifen lässt, das Bild einfriert, die Credits starten und der passende OST hierzu erklingt.

    Es geht jedoch dabei weniger um die Versöhnung mit der Gesellschaft oder die Hoffnung auf eine mögliche Rückintegration in eben diese, da Rambo schließlich erstmal sowieso nur wieder im Knast landen wird, nach einer solchen Show.

    Es geht vielmehr um die Versöhnung mit sich selbst. Um die Akzeptanz dessen was Rambo wirklich ist: Eine hoch gedrillte Kampfmaschine, welche nur im Notzustand wirklich eine Funktion hat, nur in der Bedrohung auch eine Aufgabe für sich finden kann, seiner eigentlichen Natur deswegen niemals entkommen kann, wie uns auch 3 weitere Sequels in den darauf folgenden Jahren noch beweisen sollten.

    Ebenso wie beim Superbullen Marion Cobretti, gespielt ebenfalls von Stallone, in “Die City Cobra” aus dem Jahre 1986.

    Handlung: Auch in L.A. ist die Polizei ratlos, als mitten zur Weihnachtszeit ein Serie von Morden ihren Lauf nimmt und das System erneut die Kriminalität nicht unter Kontrolle bekommen zu scheint.

    Der “Night Slasher” und seine Gang, welche verantwortlich sind für die Gräueltaten, verfolgen dabei den Plan einer “New World Order” um das bestehende System zu kippen und alles in Chaos zu versenken.

    Cobretti, Mitglied bei der staatlichen Sondereinheit „Zombie Squad“, wird auf den Fall angesetzt und zusammen mit den Fotomodell Ingrid Knudsen (Kein Scheiß!) bringen Sie schließlich die Kriminellen zu Fall.

    Seit “Die Klapperschlange” sind nun also knappe 5 Jahre vergangen: Das politische System wurde nicht gestürzt, der atomare Endkrieg ist noch nicht eingetreten und die Anarchie durch die Punks ist ebenso wenig ausgebrochen.

    Hier ändert sich also das Bild ein wenig zur Hoffnung hin, der Kapitalismus und die Demokratie hat schlussendlich doch noch gesiegt.

    Aber das Problem der wachsenden Kriminalität bleibt bestehen. Bereits zu Anfang des Filmes liest uns Stallone im Off die neuesten Gewaltstatistiken vor, bevor er eine Kugel direkt auf die Kamera abfeuert.

    Das System droht also nun von den Kriminellen innerlich zersetzt zu werden, besitzt also genau hier seine Schwachstelle, wenn der “Night Slasher” etwa ausruft: “You can’t stop the New World. Your filthy society will never get rid of people like us. It’s breeding them! WE ARE THE FUTURE!”

    In der fiktiven Gesellschaft von “Die City Cobra” gehört Gewalt mittlerweile zum Alltag und es braucht einen Wahnsinnigen, um eine wahnsinnige Gesellschaft zu schützen. Die City Cobra ist dabei selbst ein Krimineller, welcher aber vom Staat finanziert wird um die wirklich schweren Fälle zu knacken. Das aber auch Cobretti nur außerhalb des Systems steht, also keinesfalls integriert ist, wird am letzten Oneliner, kurz bevor er dem “Night Slasher” die Lichter auspustet besonders deutlich:

    Night Slasher: “The court is civilized, isn’t it pig?” – Cobretti: “But I’m not. This is where the law stops and I start, Sucker!”

    Und das auch Cobretti nur eine hoch gezüchtete Kampfbestie ist, wird auch z.B. in der Bezeichnung seiner Sondereinsatztruppe sehr stark deutlich: “Zombie Squad”. Nichts außer dem gierigen Hunger nach Fleisch treibt diese ansonsten seelenlosen und innerlich toten Kreaturen noch voran.

    Aber immerhin hat auch Cobretti die Vorzüge des Kapitalismus und einer wachsenden Wirtschaft mittlerweile verinnerlicht, wenn er sich etwa vom Polizeichef einen neuen Wagen wünscht.

    Wir fassen erneut zusammen: Wieder ein Einzelgänger, ein Außenstehender, ein Überwesen ohne jeglichen realen Lebensbezug. Die meisten Gewalttaten im Film werden auch hier wieder, wie bereits bei den beiden vorangegangenen Werken, vom Protagonisten selbst ausgeführt und zwar in äußerst expliziter Form. Einzig das allgemein gesellschaftskritische Bild hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Es besteht nun nicht mehr so stark die Gefahr dass, das System wirklich zusammenbricht, eine atomare Apokalypse eintritt oder die Demokratie zerfällt.

    Werke wie “The Terminator” (1984) oder “RoboCop” (1987) möchte ich an dieser Stelle nur kurz anreißen da eine ausführliche Analyse zu weit reichen würde, aber wie wohl jeden Leser von selbst auffallen dürfte, behandeln beide Filme das gleiche Hauptthema: Die Menschmaschine! Gibt es ein passenderes Bild für das Motiv des unmenschlichen Übermenschen?

    Beide Figuren sind perfekt auf das Töten getrimmt, obwohl beide dabei unterschiedliche Motive verfolgen: Der Terminator ist ein Gesandter aus der Zukunft, in welcher die Menschheit dem Untergang geweiht ist und besitzt den Auftrag John Connor, den Anführer der noch Übriggebliebenen Menschen in der Zukunft nun in unserer Gegenwart zu töten damit die Apokalypse ohne Störenfriede fortgesetzt werden kann, wohingegen der RoboCop zur Wahrung des Systems und zur Aufrechterhaltung erschaffen wurde.

    Anhand der Entstehungsjahre der jeweiligen Filme sowie dem Sequel “Terminator II: Judgement Day” von 1990, wo der T-800 dann zum guten Charakter mutiert und für die Menschen kämpft, lässt sich auch der bereits zwischen “Die City Cobra” und “Die Klapperschlange” herausgearbeitete Fakt nochmals verdeutlichen, das in den Jahren von 1984 bis etwa 1986 ein sich eher positiveres und hoffnungsvolleres Bild gegenüber den Bestehen des Kapitalismus und der Demokratie sowie den allgemeinen politischen System in den USA gebildet hat.

    Beide Systeme, aber insbesondere bei “RoboCop” weisen trotzdem erneut starke Spuren von Kriminalität auf, welche drohen, die Gesellschaft von innen heraus zu zersetzen. Bei Verhoevens Film reicht diese Kriminalität sogar bis in die eigenen Reihen der Polizei, welche augenscheinlich korrupt geworden ist.

    Beide Filme sind übrigens auch stilbildend für den dritten großen Konflikt der 80er Generation: Den der Technik. Dem Aufkommen von Computern und neuen Maschinen, welche den Menschen überflüssig machen könnten, wurde seitens Hollywood eher skeptisch begegnet und in solchen Werken nur allzu gerne reflektiert.

    Kommen wir aber nun (endlich!) zu “Stirb Langsam” und der Figur des John McClain.

    Einen Tag vor Heiligabend erreicht John McClain, Polizist der NYPD, den Los Angeles Airport um sich mit seiner Ex-Frau Holly zu versöhnen, welche für die Nakatomi Corp. arbeitet und aus diesen beruflichen Gründen New York und ihren Ehemann vor einem halben Jahr in L.A. zurückgelassen hat.

    Die Weihnachtsfeier findet im Nakatomi Plaza statt, einem noch nicht fertig gestellten, mehrstöckigen Hochhaus. Als McClain sich gerade umziehen will stürmen plötzlich schwer bewaffnete Terroristen das Gebäude, nehmen die Partygäste als Geiseln und kappen sämtliche Verbindungen zur Außenwelt. McClain kann unentdeckt fliehen.

    Hans Gruber der Anführer der terroristischen Gruppierung, beschreibt sich der Polizei zunächst als ausländischer Extremist mit verschiedenen Forderungen an die amerikanische Regierung. So sollen z.B. diverse, “politisch Gleichgesinnte” umgehend eine Begnadigung und Freilassung erhalten.

    Es stellt sich jedoch im Verlaufe des weiteren Filmes heraus das es Gruber und seine Gefolgschaft lediglich auf die 640 Millionen $ im Hochsicherheitssafe des Nakatomi Plaza abgesehen haben.

    McClain gelingt es derweil einen Terroristen unschädlich zu machen, die Zünder für eine C4-Sprengladung zu entwenden und über das Funkgerät des getöteten Terroristen einen Notruf auszusenden, woraufhin das LAPD einen Beamten zum Plaza hinschickt.

    Als John nur wenige Minuten später den gesendeten Seargent Al Powell vor dem Gebäude entdeckt, welcher gerade im Begriff ist wieder den Plaza zu verlassen da er keine besonderen Vorkommnisse bemerkt hat, schlägt McClain möglichst laut Alarm und wirft dabei zunächst die Leiche des getöteten Terroristen auf das Dach des Polizeiautos bevor er sogar auf das Einsatzfahrzeug beginnt zu schießen. Dies erweckt natürlich auch das Interesse der Terroristen, welche nun durch den lauten Krach, McClain ausfindig machen können und versuchen ihn zu töten, wobei McClain sich schwere Verletzungen zuzieht.

    Harry Ellis, ein Geschäftsmann und Mitarbeiter von Holly versucht derweil auf eigene Faust Verhandlungsgespräche mit Gruber zu beginnen. Er bietet Gruber die Auslieferung McClains und den Sprengstoffzündern an, wozu er Kontakt mit John via Funk aufnehmen darf. Harry gelingt es nicht McClain zur Aufgabe zu überzeugen, also wird er von Gruber erschossen.

    Al, der Seargent des LAPD, informiert derweil seinen Vorsitzenden wobei auch kurze Zeit später das FBI eingeschaltet wird und die Situation übernimmt. Es ist geplant ein SWAT-Team in das Gebäude zu schicken, wovor jedoch John vie Funk die Beamten ausdrücklich warnt. Leider halten diese ihn lediglich für einen weiteren Terroristen und ignorieren seine Zweifel. Das FBI fährt seine “Standardprozedur zur Befreiung von Geiseln” ab, was auch die Auslöschung des SWAT-Teams zur Folge hat. McClain gelingt es jedoch zwei weitere Terroristen dabei zu erledigen.

    Gruber hat mit genau dieser Standardprozedur gerechnet und Sie sogar als integralen Bestandteil in seinen Plan mit eingebaut. So wird der Strom vom FBI lahm gelegt, was es den Terroristen überhaupt erst ermöglicht die letzte Sicherheitsstufe des Safes zu knacken.

    Gruber fordert schließlich einen Helikopter beim FBI an um sich und die Geiseln zum Los Angeles Flughafen zu transportieren, möchte damit aber in Wahrheit nur ein Ablenkungsmanöver starten und plant im Moment der Landung des Helikopters, sämtliche Geiseln mitsamt dem Dach in die Luft zu sprengen.

    McClain will schließlich die Geiseln warnen, wird aber von einen Terroristen aufgehalten. John schafft es diesen unschädlich zu machen und verjagt die Geiseln schließlich vom Dach, indem er wild in die Luft schießt. Das FBI im Hubschrauber hält ihn deswegen fälschlicherweise erneut für einen Terroristen und schießt nun sogar auf ihn.

    Gerade noch rechtzeitig bevor das Dach explodiert, kann McClain sich durch einen Sprung vom Dach hinunter, nur an einem Feuerwehrschlauch befestigt, retten und begibt sich nun zu Gruber, welcher Holly als Geisel genommen hat und Sie als Schutzschild vor sich hält.

    Kurz abgelenkt gelingt es McClain schlussendlich auch den letzten Terroristen zu töten und Gruber selbst, zumindest zu verwunden. Dieser stürzt nach hinten durch das kaputte Fenster aber hält sich noch an Hollys Armbanduhr fest, bevor McClain dieses von Hollys Arm lösen kann und Gruber mit einem Schrei in die Tiefe stürzt.

    Als Holly und John aus den Gebäude eskortiert werden, trifft John auch endlich auf Al persönlich, mit welchem er ständig über Funk den Kontakt gehalten hat und welcher ihm durch die Ereignisse mittlerweile eine Art guter Freund geworden ist.

    Plötzlich erhebt sich noch aus den Leichensack heraus, einer der Terroristen (Karl) und versucht ein letztes Mal John zu töten, aber Al ist schneller und erledigt den Schurken.

    Zusammenfassend: Allein die Tagline “Zur falschen Zeit, am falschen Ort” verdeutlicht sehr gut das es sich bei der Figur McClain, eben nicht auf einen im Voraus prophezeiten Helden handelt, welcher dann nur noch zur Heldentat herbeigerufen werden muss. Bereits während des Anfluges auf den Flughafen von L.A. klammert er sich nervös an seinen Sitz fest, weil er Flugangst besitzt. Während seines Kampfes muss Sgt. Powell in des Öfteren gut zuflüstern um seine Moral aufrecht zu erhalten.

    McClain ist gegenüber Cobretti oder den T-800 auch im Gegenteil ein funktionierender und integraler Bestandteil der Gesellschaft. Er arbeitet für die New Yorker Polizei, hat zwar somit bereits eine gewisse Ausbildung genossen, welche ihn aber zumindest auf offiziellem Wege rein gar nichts in einer solchen Ausnahmesituation nützt.

    Die LAPD hält ihn lediglich für einen weiteren Terroristen und einzig Al glaubt an seine Unschuld. Das Helden-Gen, sein Status als Polizist, wird im weites gehend im Vorfeld geraubt bzw. im erst gar nicht zuerkannt. Zudem rettet McClain in “Stirb Langsam” nicht gleich die ganze Welt, sondern “lediglich” ein paar Geiseln und seine eigene Frau.

    Hiermit offenbart sich eine ganz neue Form von Kritik am US-Rechtssystem im Vergleich noch zu den vorherigen Filmen. Zwar werden auch LAPD und FBI als direkte Vertreter dieses Systems als komplett unfähig dargestellt, doch wird dennoch erst durch einen Polizisten die Tat vereitelt. Die Hoffnung auf endlich sinkende Kriminalitätszahlen hat nun obsiegt. Das versteifte Vorgehen nach Plan sowie die Verteufelung von Kriminellen als direkte Erzfeinde des Systems unter Ronald Reagan und seinem konservativen Dunstkreis, werden in “Stirb Langsam” gründlich überdacht.

    Gruber als Bösewicht wird nämlich nicht etwa von einem reinen Hass oder Terror angetrieben, besitzt auch keine höheren politischen Motive. Sein Ziel ist es weder die Welt in ein Chaos zu stürzen noch das System von innen heraus zu korrumpieren. Gruber wird lediglich von der reinen Gier motiviert. Ein geschickter Seitenhieb auf den Kapitalismus, der Ende der 80er wieder hoch gefeiert wurde mit Figuren wie Donald Trump an der Spitze.

    Aber überdies hinaus wurde mit genau dieser Held vs. Bösewicht Konstellation das gesamte bisherige Genre revolutioniert. Waren es vorher noch die Helden, welche emotionslos und eiskalt, lediglich als unkaputtbare Tanks unserer gesellschaftlichen Werte dienten und sich durch die Schlacht kämpften wie ein heißer Draht sich durch Styropor schneidet, und waren es bei ihnen noch die Bösewichter welche angetrieben von oftmals höheren politischen Zielen noch planten gleich das ganze System zu stürzen, so dreht “Stirb Langsam” dieses Konzept völlig um. Der Held darf Gefühle haben, der Bösewicht muss emotionslos sein. Der Held glaubt ebenso wenig an das System, will es aber dennoch dem Bösewicht beschützen, welcher nicht mehr versucht den System zu direkt zu schaden sondern dessen Lücken für sich selbst geschickt auszunutzen

    McClain wird gleich zu Anfang seiner Kleidung beraubt, muss sich nur mit seinen Unterhemd und einer Hose durch die Rohre und Schächte des Nakatomi Plaza kämpfen. Diente die zur Schaustellung des nackten Oberkörpers bei Schwarzenegger und Co. noch zur Demonstration der schieren Muskelkraft, so macht Sie McClain erst gerade als Mensch verwundbar.

    Kein anderer Held vor McClain ging jemals so stark verschmutzt, verdreckt und blutverschmiert aus seinen Kampf hervor wie eben Er es tat. Die Szene wo McClain ohne Schuhe durch die Glassplitter hechten muss, zeigt ganz eindeutig McClains Verwundbarkeit, als er sich nachher die Splitter unter Schmerzen wieder entfernt während er gleichzeitig via Funk den Seargent seine Geschichte erzählt.

    Aber das wohl wichtigste: McClain hat zum ersten Mal als Heldenfigur des 80er Jahre Actionkinos im direkten Vergleich zu den vorangegangenen Beispielen, überhaupt die Möglichkeit auch nach bestandener Heldentat sich wieder in das System erfolgreich einzugliedern.

    Es gelingt ihm Holly zurück zu erobern und er freut sich nun auf die neue gemeinsame Zeit mit ihr. Er wird weder verhaftet, noch liegt seine Welt in Trümmern. Einzig die brennenden Wertpapiere flattern vom Himmel herab, wenn er den Schauplatz zusammen mit Holly verlässt.

    Sein beschrittener Leidenweg war bis dahin sowohl physischer als aber auch psychischer Natur. Die Scheidung von seiner Frau, der Wunsch nach Versöhnung und nach Anerkennung. Zum ersten Mal bekommen wir wirklich das Gefühl, das der Held eigentlich auch nur ein normaler Mensch ist, verletzlich ist, eben wie wir auch seine Familienprobleme besitzt und eigentlich nur ihn Ruhe Weihnachten feiern möchte.

    Wir können uns die Figur des McClain sehr wohl auch als normalen Familienvater vorstellen, der unterm Weihnachtsbaum die Geschenke auspackt, würden die Sequels ihn nicht immer wieder zum Nullpunkt zurückwerfen.

    Dabei wird in der gesamten “Stirb Langsam”-Reihe aber niemals auch nur wirklich näher darauf eingegangen, warum McClain sich nun schon wieder von seiner Frau getrennt hat. Dieser Trick dient lediglich einer erneuten Zielsetzung des Helden, muss deswegen auch nicht ausführlicher erläutert werden.

    Fazit: Filme vor “Stirb Langsam” warteten zu ihrer Zeit lediglich mit unzerstörbaren Übermenschen als Heldenfigur auf! Erst nach John McTiernans Erfolgshit von 1988, wurde diese Figur allmählich gebrochen. Dem Helden wurde nun auch Humor, ein wirkliches Privatleben und gar Emotionen sowie sowohl wahre physische als aber auch ernsthafte psychische Verletzbarkeit zugesprochen.

    “Stirb Langsam” hat Filme wie “Speed”, “The Rock”, “Con Air”, “Jagd auf Roter Oktober” oder “Last Action Hero” und viele andere seines Genres, Filme also wo die Heldenfiguren selbstkritisch behandelt, vermenschlicht oder auch persifliert werden, überhaupt erst möglich gemacht.

    Deswegen gilt es den Actionfilm der 80er bzw. dessen direkte Nachfolger in zwei “Epochen” aufzuteilen. Die unzerstörbaren Überwesen von vor “Stirb Langsam” und die menschlicheren, innerlich gebrochenen Helden, mit ganz eigenen Problemen und Geschichten.

  14. Sven

    2.) Es ist also auch ein Vergleich möglich, zwischen aktuellen Actionern und Filmen aus der Dekade der 80er, insofern wir uns die in 1 herausgearbeitete Differenzierung stets vor Augen halten.

    3.) Ich könnte meine analytische Vorgehensweise von Punkt 1 nun komplett wiederholen und dir anhand von Beispielen wie “Hostel”, der “SAW”-Reihe, “96 Hours”, den neuen Daniel Craig “James Bond”-Filmen, “Cloverfield”, Uwe Bolls “Postal”, “Syriana”, “Paradise Now” aber auch Serien wie “24″, “Dexter” oder “Rescue Me”, verdeutlichen inwieweit Hollywoods Werke geprägt wurden und noch immer geprägt werden, durch die Anschläge vom 11. September 2001 und den daraus resultierenden, ganz neuen Fragen für das amerikanische Volk.

    Die Angst vor erneuten Terroranschlägen, die Folterfotos von Guantanamo, die Methoden und Vorgehensweisen des CIA zur Bekämpfung des Terrors, etc.

    Jedoch möchte ich nicht noch einmal knappe 9 Seiten in Word niederschreiben, bloß um dir folgende Tatsachen zu verdeutlichen:

    3.1 – Die Ereignisse vom 11. September hatten UND haben noch immer einen starken Einfluss, insbesondere auf das amerikanische Kino im Horror- und Actiongenre.

    3.2 – Gewalt und Action versuchen sich seit 9/11 im Kino neu zu definieren. Die Realität muss noch realer dargestellt oder aber ganz ab absurdum geführt werden, da die Realität das Kino am 11. September überholt hat und Hollywood neue Wege sucht um die Zuschauer von den Sesseln zu reißen und deren Ängste anzusprechen.

    3.3 – Fragen der Moral, der Ethik und Themen der Beschützung des amerikanischen Systems mit allen legalen und illegalen Mitteln, werden versucht neu zu definieren und zu für das Volk zu klären. Der ewige Zwist zwischen Demokraten und Konservativen scheint hierfür mit hauptverantwortlich zu sein. Was darf der Staat und wie darf er es? Ist Folter erlaubt? Wie wird der Krieg enden und ist das alles überhaupt so richtig was wir im Irak so tun?

    3.4 – Dabei können leider auch Gurken wie “96 Hours” entstehen.

    4.) Eine wirkliche Differenzierung zwischen Gut und Böse kann beim Zuschauer nur stattfinden wenn der Held seine Morde “gerechtfertigt” ausübt um entweder sich selbst oder aber Unschuldige retten zu können oder der Held selbst bzw. die Geschichte sich nicht ernst nimmt, selbst kritisiert oder auch persifliert und der Bösewicht hingegen entweder seine Taten nur aus persönlicher Befriedigung, höheren aber dabei moralisch und ethisch zumindest fragwürdigen Beweggründen begeht oder aber den Helden direkt in der Ausübung seiner Heldenpflichten bedroht.

    Dieser schmale Grad wird in Filmen wie “96 Hours”, “Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street” oder aber auch “Silent Hill” für meine Verhältnisse einfach überschritten und die Gräueltaten des Helden bzw. er selbst findet keine Absolution, keine wirkliche Rechtfertigung hierfür, sondern begeht die Taten ohne wirklich ausreichenden Grund.

    Dies kann verschiedene Ursachen besitzen und vermutlich ist bei jedem Zuschauer die moralische Hemmschwelle leicht anders gesetzt, doch für mich persönlich reichte Sie nun mal hierbei einfach nicht aus.

    5.) “Inglorious Basterds” besitzt sogar eine für mich nur allzu wichtige Aussage:

    Kino darf Lügen und die Wahrheit verzerren!
    Kino darf Grenzen ankratzen und auch überschreiten!
    Kino darf Träumen!

    6.) Zur letzten Frage, was Komplexität in Filmfiguren auszeichnet:

    Ich glaube das es auch hierfür verschiedene Herangehens- und Sichtweisen für gibt, selbst in einer einzelnen Person für nur unterschiedliche Filme.

    Eine komplexe Figur wie Hans Landa ist reich an Facetten, Nuancen und Kuriositäten und deswegen sehr umfangreich, was in sehr komplex als Ganzes zu überschauen macht. Hans Landa braucht für seine diese Komplexität auch keine, wie du bereits richtig erwähnt hast, wirkliche Entwicklung durchzumachen, ebenso wenig wie die Basterds.

    Diese Form von Komplexität ist wiederum einfach nur eine eben andere, nämlich weitere Form von Komplexität. Wenn z.B. Bill Murray sich in “Lost in Translation” fast einmal völlig um 180° umkrempelt. Dennoch wird auch er nur dann komplex, weil wir gerade dadurch so viel über seine Figur erfahren. (complectari = umarmen, umfassen)

    Komplexität ist laut der Wikipedia: “die Eigenschaft eines Systems oder Modells, dass in seinem Gesamtverhalten nicht beschrieben werden kann, selbst wenn man vollständige Informationen über seine Einzelkomponenten und ihre Wechselwirkungen besitzt.”

    Die Fülle ist an gegebenen Informationen ist es also, die es unmöglich macht die Figur in ihrer Gesamtheit zu beschreiben, weil Sie entweder zu viele einzelne Details, Nuancen oder Facetten in sich vereint oder aber sich zu stark im Laufe der Geschichte wandelt.

    Und nun zu deinen eigentlichen Kommentar.

    1.) ” Mein Vergleich zum 80-er Jahre Action-Kino, bzw. der Helden aus jener Epoche…”

    Unter “Wie erfrischend das mal wieder war..” in deinem allerersten Kommentar hatte ich genau das allerdings heraus abgeleitet. Aber du siehst auch hier wieder den schmalen Grad zwischen reiner Geschmackssache (Meine persönliche Vorliebe für die 20er und 30er Jahre bei “Der fremde Sohn”, deine persönliche Vorliebe für das raubeinige Machoverhalten in Zeiten der Political Correctness)

    2.) Der verwendete Begriff “Hommage” war tatsächlich unüberdacht von mir verwendet worden. Passender wäre wohl “eine Rückorientierung auf die Zeiten vom 80er Jahre Actionkino” etc. gewesen.

    3.) Zum Einstecke/Austeilvermögen von Schlägen, Schnitten und Kugeln beim Charakter des Bryan Mills:

    Es stimmt das er wirklich kaum im Kampfe selbst einstecken muss und alles aus seinen Training anwendet, aber genau das macht ihn ja zum Übermenschen, zur gedrillten Kampfmaschine.

    Ich erkenne in Bryan Mills auch ein klares Abziehbild des feuchten Träume von etlichen rechtskonservativer amerikanischen Spinnern, die tatsächlich glauben Folter und Menschenrechtsverletzungen seien in Krisenzeiten kein Thema mehr, solange das eigene Land bedroht wird.

    4.) Zur Entwicklung des Splatter und Gore im Horrorkino.

    Wir scheinen uns ja doch irgendwie einig zu sein, wenn es darum geht das Mills schon irgendwie ein Spiegelbild der Foltermethoden von Guantanamo sowie den neu eingeräumten Anti-Terrorbekämpfungsmaßnahmen für das CIA darstellt, wenn du sagst: “Herr Mills foltert auf eine Art, wie man sie aus den bösesten Irak-Videos kennt”

    Und ich muss dir einfach an der Stelle widersprechen, das Bryan Mills dabei eine Ausnahme darstellt, was sowieso nicht den Hauptknackpunkt meiner These darstellt, sondern es dreht sich mir um die eigentliche, bildliche Darstellung der Gewalt an sich in Film, welche seit 9/11 nun mal wesentlich persönlicher, intimer, härter und auch realistischer geworden ist.

    Besides that: Es geht nicht immer nur um den eigentlichen Killing Count, sondern auch um die Arten und Formen der ausgeübten Gewalt. Wenn in “24″ die Terroristen vielleicht 20 Polizisten mit einer Bombe oder aber ihren Waffen töten, Sutherland danach aber einen Terroristen erstmal ausgiebig und explizit quält und foltert, wird das Gleichgewicht schon gebrochen, meines Erachtens nach.

    Aber wie gesagt, vieles hiervon ist von Person zu Person einfach unterschiedlich auf fassbar und ebenso unterschiedlich nur vertretbar, da jeder seine eigenen moralischen Wertvorstellungen von Gerechtigkeitsverhalten in sich trägt.

    Die einen wollen Todesstrafe für Kinderschänder, Ich selbst sehe aber darin überhaupt keine Lösung und auch keine gerechte Bestrafung. Ein wirkliches Lebenslänglich und nicht nur 24 oder 25 Jahre wären meines Erachtens nach eher angebracht. Und der Kinderschänder selbst siehst ja sowieso noch mal anders.

    5.) Zum ausländischen Feindbildklischee:

    Klischees über “typisch böse Feinde” bzw. “typisch böse Russen/Albaner/Deutsche/etc.”-Gruppierungen, entstehen nur dann wenn man die Feinde im Film nur als schlicht versoffene, verdreckte, ungebildete oder aber einfach nur aus von sich aus heraus grausame Schurken “zeichnet” bzw. ihnen eben genau keine wirklichen Eigenschaften außer eben der, des sowieso schlechten und verachtenswerten Kanonenfutters mit auf den Weg gibt, wie es u.a. in “96 Hours”, “Saving Privat Ryan” oder aber “Rambo II” und “Rambo III” z.B. der Fall ist.

    Ein Hans Gruber hingegen würde ich diesen Vorwurf niemals auch nur ansatzweise entgegenbringen können, oder aber auch Col. Hans Landa nicht, da deren wahre Motivationen zu gut im Film begründet sind und Sie eigene Charaktere besitzen, mit eigenen Zielen die klar definierbar sind, wenn auch aus den falschen Wünschen erwachsen.

    Aber es muss ja gar nicht immer ein so umfangreiches Feindbild sein, es würde ja schon auch nur ein oder zwei Dialogzeilen oder erklärende Szenen dafür reichen wie z.B.: “Wir entführen Frauen weil wir geisteskrank sind”, “Wir entführen Frauen weil du in unseren Land nur durch Kriminalität zu Geld kommen kannst” oder “Wir entführen Frauen weil wir wirklich Bock auf Sex haben”.

    Es findet zudem in “96 Hours” auch keine wirkliche Abgrenzung statt, sondern es wird direkt eine ganzes Volk vorverurteilt und den “braunen Menschen dort unten” direkt der Stempel aufgedrückt, was in Kriegsfilmen oder Sci-Fi vielleicht noch dem Plot dienen mag, aber bei derartigen Filmen einfach nichts zu suchen hat.

    Und unsere Welt ist zwar auch in der Realität wirklich grausam, aber dennoch gibt es in jedem Volk und in jedem Land auch Menschen die für das Richtige kämpfen und sich nicht in die Kriminalität, den Extremismus oder in der Gier versinken lassen. Man kann oder sollte auch einfach nicht ganze Rassen und Völker als Bösewichte darstellen, welche anscheinend alle nur Frauen vergewaltigen, Hass predigen und gerne Menschen töten (Außer: Kriegsfilme oder Sci-Fi). Unter Hitler gab es schließlich auch solche und solche und nicht einfach nur DIE NAZIS die Juden vergasen super finden.

    6.) Zu Aussagen von Filmen:

    Wie gesagt, es gibt einfach bei einen so komplexen und organischen Medium wie dem Film keine eindeutig richtige oder falsche Beurteilungsweise. Man kann Film im innerfilmischen Kontext und somit zwischen anderen Werken beurteilen, man kann Film im zeitgeschichtlichen Kontext betrachten, man kann Film unter Berücksichtigung der Filmemacher betrachten, man kann Film rein handwerklich betrachten, man kann Film auch rein musiktechnisch, kameratechnisch, dialogtechnisch, schauspieltechnisch betrachten, man kann Film rein emotional betrachten, rein moralisch und ethisch betrachten, man kann Film spirituell, religiös oder auch politisch betrachten, und, und, und…

    In meiner Aussage von “96 Hours” überwiegt bei mir nun mal eben der zeitlichen Kontext, in welchem ich den Film als Traumbild von vielen Extremen Rechtskonservativen sehe. Leute die für die Wahrung der eigenen Werte und Träume und zur Behütung der Freiheit auch über Leichen gehen würden im realen Leben.

    7.) “Viele Menschen haben sich über die Legitimität der Handlungen unterhalten, weil sie hier einfach nur kommentarlos präsentiert, aber nicht mal thematisiert werden.”

    Na ja, Ich weiß auch nicht ob man, bloß um Diskussionen wie diese hier zwischen Kritikern los zustoßen, auch wirklich solche Filme mit expliziter aber unbegründeter und nur dem Selbstzweck dienender Gewalt produzieren sollte. Für mich ist so etwas lediglich dann nur oftmals ein plumpes nach Aufmerksamkeit schreien, ebenso wie bei “SAW”, “Crank” oder “Hostel”, weil der Film außer eben jener Gewalt dann nur selten mehr zu bieten hat.

    8.) Zu “Drag Me To Hell”:

    Ich empfand in keiner Sekunde auch nur ansatzweise sinnlos verschwendete Zeit als ich diesen Film schaute. Er ist sogar äußerst kompakt erzählt, dabei noch Innovativ und überdies einfach auch verdammt unterhaltsam.

    Und der “Genre-Mix” zw. Komödie und Horror funktioniert ganz im Gegenteil einfach wunderbar. Es ist ja auch nicht verwunderlich, wenn man Raimis Erfahrung mit “Evil Dead”, “Evil Dead II” und “Army of Darkness” genau hierbei mal näher betrachtet. Alle bieten diesen “Genre-Mix” an und funktionieren dabei tadellos!#
    9.) Zu deiner Idee von Kritik:

    Wie bereits oben geschildert gibt es tausende von Möglichkeiten einen Film zu bewerten, zu kritisieren und schlussendlich einzukategorisieren. Viele davon sind banal, emotional oder subjektiv, viele sind dabei kühler, präziser und beruhen auf Fakten, Vergleichen und Kontext.

    Natürlich ist die kühlste, objektivste und wohl auch unemotionalste, eben die Einkategorisierung nach Handwerkskunst. Doch ich finde das es, vor allem auf einer solch rein privaten Ebene wie bei uns, wo wir also nicht unseren Job hierdurch verlieren würden und uns auch keiner für unsere Aussagen den Lohn kürzen kann, einfach viel zu schade wäre eben nur nach Handwerk zu gehen, was du ja doch überwiegend zu tun scheinst.

    10.) Diane Kruegers Performance in “Inglorious Basterds”:

    …fand ich zwar nicht vergleichbar mit Waltz, Pitt oder auch Brühl und Laurent, aber Sie war keineswegs so schlecht als das es mir wirklich negativ aufgefallen wäre.

    11.) Zu “2001: A Space Odysee”:

    Er ist nicht DAS ULTIMUM MAXXIMUM, nicht DIE Speerspitze, aber einer der besten Filme des letzten Jahrhunderts auf jeden Fall.

    12.) Zur Frage der Komplexität der Figuren:

    s.o.

    Alles? Abgeharkt? 14 Seiten in Word? Na ja, dann mal viel Spaß beim durchlesen… ;-)

    P.S.: Ich entschuldige mich übrigens für die vielen “No Suitable Nodes Are Available To Serve You Request”-Fehlerseiten, aber die Server von Funpic sind in den Ferien immer mal wieder überlastet.

    Am besten bei längeren Texten diese dann wo anders verfassen (Word, Editor) und nachher nur noch reinkopieren und absenden. Meistens beruhigt sich das aber nach ein wenig Warten wieder.

Gib uns deinen Senf!