The International

Nach dem großen Erfolg von DAS PARFÜM versucht Regisseur Tom Tykwer nun mit einem, um Realismus bemühten, harten Verschwörungsthriller nachzulegen. Die Hochglanzoptik, internationale Schauplätze und Darstellergrößen lassen einen Vergleich mit Hollywood nicht scheuen, darüber stehen allerdings eine emotionslose und zu faktisch bemühte Inszenierung, sowie eine sich im Kreis drehende Handlung, die ins Leere verläuft und zwei Hauptcharaktere ohne Relevanz.

Interpol Agent Louis Salinger und Staatsanwältin Eleanor Whitman ermitteln bereits seit Jahren gegen den international mächtigen Bankkonzern IBBC. Alle Anstrengungen zur Aufdeckung von Terrorfinanzierung, Unterstützung von Kriegen und dubiosen Waffengeschäften verliefen jedoch ohne Erfolg. Beweise werden gefälscht, Ermittlungen sabotiert und Zeugen verschwinden oder kommen um. Im Kampf gegen den übermächtigen Gegner riskieren Salinger und Whitman nicht nur ihre Kariere, sondern auch ihr Leben, jedoch halten beide an ihrem Ziel fest, die IBBC muss gestürzt werden…

Die Optik ist breit und edel, die Stars vorhanden, die Action brachial und die Thematik könnte nicht näher am Zeitgeschehen sein. Trotzdem, in Tykwers THE INTERNATIONAL funktioniert nichts von alledem. Da treten zwei, von Gerechtigkeit besessene, Idealisten gegen einen übermächtigen Gegner an, der Verknüpfungen zu jeder Instanz und zu jedem Land besitzt, der Finanzen kontrolliert und nahezu alles und jeden kaufen kann, kurz: der die ganze Welt beherrscht. Dennoch sind beide, trotz andauernder Rückschläge und Verluste, der festen Überzeugung, dass die Gerechtigkeit siegen wird und dass, in einem System, welches von Korruption unterwandert ist und, indem der die Macht und Kontrolle besitz, der das Geld in der Hand hält, ihre Mission letztendlich von Erfolg gekrönt wird. Es kostet beide Hauptfiguren eine halbe Ewigkeit herauszufinden, dass dies niemals passieren wird und dass ihr Vorhaben, zumindest auf legaler Ebene, in jedem Fall zum Scheitern verurteilt ist.

Das sich der gesamte Plot von THE INTERNATIONAL nur an diesem Thema aufzieht, dass Geld die Welt regiert, dass Gerechtigkeit käuflich ist und dass in Zeiten der Globalisierung, sämtliche Transaktionen und Finanzierungen irgendwie zusammenlaufen, ist eine gewaltige Enttäuschung, denn nichts von alledem dürfte, selbst für einen BILD Abonnenten, neu sein. Längst müsste jedem bewusst sein, dass man im Zeitalter von Börsengeschäften und globalem Wirtschaftshandel, die Geldströme nicht mehr kontrollieren kann, dass mit Sicherheit jeder von uns, allein durch den Kauf eines Müsliriegels, irgendwie indirekt internationalen Terror finanziert und das besonders, das Schüren von Konflikten und das Verursachen von Schulden, den großen Geldinstituten Milliardenerträge beschert.

Nun wär ja der einfache und substanzlose Plot, um die große, böse Bank und den Gerechtigkeit wahrenden Interpol Agenten, samt Staatsanwältin, ja noch zu verschmerzen, würde die ereignislose Handlung, wenigstens von ein paar spektakulär, spannenden Actionsequenzen überdeckt werden. Doch leider ist dies kein JAMES BOND oder MISSION IMPOSSIBLE, nein, hier wird Realismus groß geschrieben und darum greift der Interpol Agent auch nur ein einziges Mal, wirklich beherzt zur Waffe, in einer Museumsschießerei, die mehr mit STIRB LANGSAM zu tun hat, als mit Authentizität und Glaubwürdigkeit. Das einzig Signifikante, welches diese Auseinandersetzung von jeder X-beliebigen Schießerei in einem Actionfilm unterscheidet, ist der Schauplatz und das ist mehr als armselig, weil es die einzige Sequenz bleibt, an der sich Aktionfans festklammern können.

Auch das Potential der Darsteller Clive Owen und Naomi Watts, bleibt völlig hinter den Erwartungen. Beide bekommen kein ausreichendes Fundament um ihre Motivation und ihr Handeln zu begründen, auch ihre Beziehung zueinander wird kaum beleuchtet, bis Naomi Watts Figur sich plötzlich aus dem Geschehen zurückzieht, was nicht weiter stört, da sie ohnehin nur schmückendes Beiwerk für Owen war. Aber auch sein Charakter stolpert mehr durch das Geschehen, als das er irgendetwas Konstruktives dazu beiträgt. Nachdem seine Figur, zur Freude des gelangweilten Zuschauers, endlich begriffen hat, dass der Gegner zu mächtig ist, um ihn auf üblichem Weg zu stürzen, muss sich Owen sogar für einen persönlich motivierten Rachefeldzug hergeben, bei dem nicht mal er die ausführende Kraft ist. Alles läuft auf einen mehr als unspektakulären und bedeutungslosen Showdown hinaus, der die Handlung komplett fallen lässt und alles wieder auf Anfang spult.

Nach 118 Min. Laufzeit ist man um keine Information reicher und wurde weder spannend unterhalten, noch in irgendeiner Form emotional bewegt. THE INTERNATIONAL ist ein zu theoretischer, traniger und unspektakulärer Actionthriller. Viel zu gewollt, viel zu bemüht, viel zu ernst und nimmt sich viel zu wichtig, um auf irgendeine Weise zu überzeugen. Hoch budgetierter Standard ohne das gewisse Etwas, langweilig, vorhersehbar und uninteressant, eine tödliche Mischung für diesen pseudo Actionthriller.

Autor: André

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