The Good German


Ach ja, die 30er und 40er Jahre wahren eine Prestige trächtige Zeit. Auch im Film prägte sie einen besonderen Stil und archetypische Charaktere die auch heute noch in vielen Filmen Verwendung finden. Film Noir ist eine weit verbreitete Filmkunst die auch vom heutigen Kinopublikum geschätzt wird. Es ist also nicht verwunderlich, dass Regisseur Steven Soderbergh sich in seinem Film The Good German mit allen Mitteln dieser Kunst widmet.
Mit allen Mitteln, damit ist nicht etwa nur die Ausstattung, Kostüme, Sets ect. oder die Charaktere, verschrobener Einzelgänger, zwielichtiger Mittelsmann, Femme Fatal usw. gemeint, sondern vor allem auch die technischen Mittel mit dehnen die Filme der 30er und 40er Jahre entstanden. Kameras mit verstellbaren Objektiven, projizierte Filmhintergründe, Reißschwenks für Szenenwechsel sowie natürlich das damals typische 5:3 Format. Auch im Szenenaufbau, Setdesign sowie Einstellungen und Filmmusik steht The Good German seinen Vorbildern alla Casablanca in nichts nach, selbst die Art und Weise des Schauspiels der damaligen Darsteller, die Dramaturgie und ihre Gestiken wurden sehr konsequent übernommen. Hier liegt wohl auch der Hacken des Ganzen, denn die größte Stärke des Films ist scheinbar auch seine größte Schwäche. Denn so lobenswert und optisch Anspruchsvoll dieses Filmexperiment auch ist, es bleibt lediglich eine Imitation, eine Simulation, eine Kopie dessen was einst groß war und heute klassisch ist, mehr nicht.
Soderberghs Film ist eine leere Hülle ohne Eigengewicht, eine blasse Hommage an große Filme sowie deren Darsteller und Macher, als Zuschauer drängt sich einem immer die Frage auf; Warum sich diese perfekte Kopie ansehen, wenn man doch auch die echten Klassiker gucken könnte? Was für einen Sinn, vielleicht abgesehen von der Erfahrung und Herausforderung ihn wie einst üblich zu inszenieren, hat dieser Film? Für den Zuschauer jedenfalls keinen, denn leider ist die Geschichte, ein Politkrimi im Nachkriegs-Deutschland der 40er Jahre auch zu wenig spannend und vorhersehbar obwohl sie zahlreiche Wendungen enthält und eine ernüchternde Wahrheit über die Nachkriegspolitik des zweiten Weltkriegs offen legt.
Die fehlende Spannung ist vor allem dem Wechsel der perspektivischen Erzählweise zu verdanken. Dadurch bekommt der Zuschauer einen zu umfassenden Überblick der Gesamtsituation und ist dadurch den wechselnden Protagonisten Tully (Tobey Maguire) Cap. Jake Geismar (George Clooney) und schließlich auch Lena Brandt (Cate Blanchett) oft überlegen, weis mehr als sie selbst und kann so kommende Plotauflösungen vorhersehen. Diese Erzählweise ist im Übrigen untypisch für Noir, wo man meistens in klassischen Kriminalgeschichten ausschließlich dem Ermittler, hier Cap. Jake Geismar, folgen würde. Besonders der Rolle dieses Helden, gespielt von George Clooney, tut das nicht gut. Seine Figur bleibt blass und ahnungslos, zuweilen geradezu naiv obwohl Clooney das nötige Potenzial eines Noir-Helden besitzt, kann er es nie zur Geltung bringen. Nur Cate Blanchett beweist einmal mehr wie begnadet sie als Schauspielerin ist. Zurückhaltend, präsent, verletzlich dann wieder stark, ihr Spiel ist durchweg facettenreich und eindringlich aber das wars dann auch schon mit packendem Schauspiel.
Fazit: The Good German ist eine technisch und optisch perfekte Kopie eines Noir-Klassikers, nicht mehr und nicht weniger. Lieber nochmal Casablanca gucken.
Autor: André