Rundumschlag der Kurzreviews (Aug09)

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 18.09.2009 von André

ZERRISSENE UMARMUNGEN

In Spanien zählt Regisseur Pedro Almodóvar schon lange zu den Besten seiner Zunft. International ist er vor allem seit seiner spritzigen Komödie „VOLVER“ (ebenfalls mit Penélope Cruz) in aller Munde. Mit „ZERRISSENE UMARMUNGEN“ präsentiert Almodóvar nun ein nicht minder prachtvolles, farbenfrohes Melodram.

Die Geschichte dreht sich um einen erblindeten Regisseur und Autoren, der sich an die große Liebe seines Lebens zurück erinnert und damit alte Wunden und längst Vergessenes, wieder ans Licht bringt.

Die große Liebe ist natürlich Penélope Cruz, Almodóvars erklärte Muse, die wohl keiner wie er so wunderschön, stark und zerbrechlich zugleich, in Szene setzen kann. Ich bin wirklich kein großer Fan von Cruz, aber was Almodóvar mit ihr macht und aus ihr raus holt, ist einfach großartig.

Der Erzählung kann man hingegen ein paar Längen nicht absprechen, das stört aber nicht wirklich angesichts der prachtvollen Bilder und minutiösen Inszenierung. Die Farbpalette ist reich, satt und bunt, wirkt aber niemals aufgesetzt oder kitschig. Hinzu kommt die präzise Inszenierung, die nahezu perfekte Kamera und natürlich die – größtenteils – großartig agierenden Darsteller.

„ZERRISSENE UMARMUNGEN“ ist ein Kunstwerk von höchstem Niveau und sollte keinesfalls versäumt werden, angesehen zu werden.

COCO CHANEL

Ohne Zweifel gehört Chanel zu den einflussreichsten und gefragtesten Modelables weltweit und dessen Gründerin Coco, mit Sicherheit zu den Interessantesten Persönlichkeiten ihrer Zeit. Leider gestaltet sich der daraus resultierende aktuelle Film „COCO CHANEL“, als ebenso schlicht und farblos, wie der, seiner Zeit so prägnante Modestil.

Der Film erzählt von den jungen Jahren, der ehrgeizigen und vorlauten Coco, die sich als Waise aus dem Nichts etabliert und ihre Leidenschaft für Mode entdeckt. Im Fokus der Geschichte stehen allerdings noch viele andere Themen, von denen sich keines so richtig ins Zentrum rücken lässt und man sich daher laufend fragt, was der Film eigentlich erzählen möchte. Der Bezug zur Mode ist jedenfalls genauso schwammig und wage, wie die aufgesetzte Dreiecksbeziehung oder Cocos innige Verbundenheit zu ihrer Freundin.

Regisseurin Anne Fontaine führt äußerstunfokusiert und belanglos durch die Erzählung und gestaltet einen sehr konventionellen und eintönigen Biographiefilm ohne nennenswerte Höhepunkte. Das Audrey Tautou trotzdem keine schlechte Figur macht, ist für ihre Fans vermutlich der einzige Grund diesen Film dennoch zu ertragen.

PUBLIC ENEMIES

Ein Crime-Thriller von Michael Mann ist eigentlich immer eine sichere Sache. Nicht so jedoch bei „PUBLIC ENEMIES“, obwohl Mann mit seiner Stammcrew arbeitet und mit Johnny Depp und Christian Bale, zwei Topdarsteller besetzt, bleibt der Film über weite Strecken uninteressant und fade.

Inhaltliche Schwächen und fehlender emotionaler Zugzwang, wahren ja schon Bestandteile von „MIAMI VICE“, dafür entschädigte aber der düster-coole Buisnesslook. In Sachen Ästhetikkk und Visualisierung kann „PUBLIC ENEMIES“ da aber nicht mithalten, ohnehin ist die kühle, klare Optik für einen Genrefilm, der in den 30ern spielt, sehr gewöhnungsbedürftig und die oftmals uninsperierte, schlampige Kameraführung scheint der reichen Ausstattung und den Ansprüchen eines Michael Mann nicht gerecht zu werden.

Obwohl der Film auch sehr gelungene Momente hat und keiner der Darsteller negativ auffällt, lässt einen die Geschichte ziemlich kalt und die Referenzen zu Michael Mann machen diesen normalerweise passablen Streifen zu einer echten Enttäuschung, die man lieber übersehen sollte.

G.I.JOE – GEHEIMAUFTRAG COBRA

Der Erfolg der TRANSFORMERS-Filme beschert Hasbro dicke schwarze Zahlen, darum schickt der Spielzeuggigant, gleich mal die zweite seiner große Spielzeug-Actionserien in die Lichtspielhäuser. G.I.Joe ist hierzulande gänzlich unbekannt, wird aber in den Staaten groß gefeiert, es handelt sich um eine international operierende, streng geheime, militärische Spezialeinheit, bestehend aus Superagenten mit besonderen Fähigkeiten in allen bekannten und unbekannten Waffen- und Kampftechniken.

Der Film ist natürlich mindestens genauso bescheuert, lächerlich und inhaltslos zusammengetackert, wie die Vorlage. In vieler Hinsicht ist „G.I.JOE“ aber trotzdem genau das was TRANSFORMERS nicht sein konnte, nämlich unbeschwert unterhaltsam sowie freiwillig und unfreiwillig komisch. Im Gegensatz zu TRANSFORMERS, ist sich der Film nämlich seines niedrigen Niveaus und den oberflächlichen Figürchen durchaus bewusst und kaschiert dies mit einem Overkill an akzeptablen bis peinlichen Computeranimationen und gut gelauntennnnnn Darstellern, vorweg sogar einige Könner wie Dennis Quaid, Senna Miller und Joseph Gordon-Levitt, die hier selbstverständhoffnungslosnglos unterfordert werden.

Natürlich rechtfertigt die reichhaltige Action und das gehobene Trashlevel noch lange nicht die Kinopräsenz von „G.I.JOE“, aber lieber würde ich mir diesen Quatsch dreimal hintereinander anschauen, als noch einen einzigen TRANSFORMERS-Film von Michael Bay.

Autor: André

Miami Vice

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 22.05.2007 von Sven

miami-vice

Hüstel… Bitte lasst es einfach. Ich geb ihm ne glatte 5. Der Trailer hat mich, als ich ihn das erste Mal gesehen hatte, heißgemacht wie ne Herdplatte und das Endprodukt war zäh wie Kaugummi. Collin Ferall ist ne Niete und sollte den Oscar für den besten Dackelblick des Jahrhunderts bekommen. Dämlicher Affe. Foxx leistet eher mittelmässige Arbeit, kommt aber trotzdem alle mal besser rüber als Mr. Ferall. Dabei stößt mir zusätzlich unangenehm auf den Magen, das Foxx weniger zusehen ist als Ferall und er praktisch null Chance hatte seine Rolle zu vertiefen. Es ist auch kein richtiger Buddy-Movie wie man es erwartet hätte: Die beiden sind einfach “Arbeits”-Partner und haben sonst keine wirkliche Verbindung zueinander.

Die Story ist einfach abartig dumm und oberflächlich. Das hätte mich ja eigentlich auch gar nicht gestört, wenn dafür wenigstens Spannung und Action drin gewesen wären. Doch leider zieht sich der Film wie Kaugummi endlos in die Länge, wobei einen dann auch nach einer gewissen Zeit die zu Anfang noch ziemlich cool wirkende Doku-Digital-Optik ziemlich auf den Driss geht. Gute Umsetzung: “Collateral”! Anschauen und zufrieden sein! Schlechte Umsetzung: “Miami Vice”. Besser erst gar nicht anschauen!

Und dafür das die beiden Schauspieler wohl 6 Wochen lang bei echten Undercover-Cops lernen durften und sogar bei echten Drogendeals mit dabei waren, benehmen sich die beiden ach so tollen “Undercover”-Cops doch ziemlich Leihenhaft und begehen natürlich auch noch den ältesten Klischee-Drogendealer-Filmfehler aller Zeiten: Sie geraten in Schwierigkeiten wegen Frauen! Und diese “Ich geh mal mit der Schnecke vom Obermafiosie ins Bett weil ich total in sie verliebt bin”-Drecks-Rotz-Sidestory hängt einem wirklich von Anfang bis Ende einfach nur zum Hals raus. Vorallem die Sexszenen sind derart Würgereiz auslösend das ich ach… Ne komm! Geht ja mal garnicht!

Autor: Sven

Miami Vice

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 22.05.2007 von André

Zugegeben, viel weis ich nicht über die beliebte 80ger Jahre Serie in der Sonny Crocket und Rico Tubbs als verdeckte Ermittler der Drogenfandung von Miami üble Typen hinter Schloß und Riegel bringen. Doch das muss ich wohl auch nicht, denn bis auf die Namen der Protagonisten hat die gleichnamige Kinoadaption von Regisseur Michael Mann nicht viel mit der Serie „Miami Vice“ gemeinsam. Auf die kultigen Outfits und Pastellfarben der 80ger wurde gänzlich verzichtet, stattdessen wird die Story in das heutige coole, düstere, durchgestylte, moderne Miami versetzt, dass wir zum Beispiel aus „Bad Boys“ kennen. Dabei ist Manns unverwechselbarer Stil, bekannt aus Spitzenstreifen wie „Heat“ oder „Colleteral“, während des ganzen Films präsent und leider auch das einzige was diesen Film, zumindest für Ästeten, sehenswert machen könnte.

Gut, storytechnisch konnte man nicht viel erwarten: Sonny und Rico müssen als verdeckte Ermittler einen üblen Drogenboss hinter Schloß und Riegel bringen, und auch die Dialoge mussten einen nicht vom Hocker reißen, da in der Hinsicht auch die Serie nicht grade punkten konnte. Jedoch könnte man diese Defizite durch rasante Action und einen Spritzer Humor wieder gut machen, wie gesagt könnte, denn „Miami Vice“ hat davon leider viel zu wenig und setzt stattdessen auf seine Charaktere und deren miese Stimmungen. Im Grunde ein lobenswerter Ansatz, Mann will das sein Film mehr ist als nur ein üblicher Buddy-Copmovie mit viel Action und lockeren Sprüchen, aber dabei setzt er leider aufs falsche Pferd.

Nämlich Colin Farell als Sonny Crocket, der eindeutig stärker gewichtet wird als sein Partner Jamie Fox und es dabei gekonnt vermag keinerlei Sympathien auf seine Seite zu bringen. Farells Interpretation eines coolen, unnahbaren Undercovercops wirkt durchweck prollig, angeberisch und unsympathisch, lediglich Jamie Fox als Rico Tubbs kann das Publikum bei Laune halten und entschädigt ein wenig für den bulligen Testosteronprotzer an seiner Seite. Weitere Charaktere sind kaum erwähnenswert denn sie bleiben blass und uninteressant.
Besonders nervig ist die Affäre zwischen Sonny und Isabel, der Frau des Drogenbosses, die kitschig und aufgesetzt wirkt und den Film nur unnötig in die Länge zieht. Auch die Action kommt leider viel zu kurz, die wenigen Szenen sind zwar gut Inszeniert, durchaus packend und konsequent, aber grade hier wird trotz vorhandenen Potenzials wie: Speedboten, Sportwagen, Hellicoptern und Großkaliberwaffen sehr reduziert gearbeitet und dadurch nichts wirklich Spektakuläres oder Neues gezeigt. Einzig lobenswert ist die Kamera, die wahrhaft schöne und mit Atmosphäre geladene Bilder eines dunklen, unheimlichen Miamis einfängt. Dank digitaler, Hochauflösender Kameratechnik wirkt das Bild stellenweise ungewöhnlich scharf und detailreich, was gleichsam faszinierend wie entzaubernd wirken kann aber wohl die Zukunft des Films ist und eher Gewöhnungssache.

Fazit: „Miami Vice“ schafft es weder als Thriller noch als Actionkracher zu überzeugen, zu standardisiert und selten die Action, zu durchschaubar und uninteressant die Handlung. Dazu kommt das der Film auf Grund seiner Modernisierung nicht mal was für Fans der Serie bietet, wer sich also von Michael Manns Genie einfangen lassen möchte sollte sich lieber „Heat“ oder „Colleteral“ anschauen, alle Fans der Serie sollten bei ihr bleiben und diesen Streifen als zufälligen Namensfetter abhacken.

Autor: André