Watchmen – Die Wächter

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 07.03.2009 von André

Was viele bezweifelten, Zack Snyder hat es möglich gemacht. WATCHMEN, hier zu Lande kaum bekannt, in Amerika Kultstatus; eine zwölf teilige Comicserie aus den 80ern, die sich durch eine tief hintergründige Geschichte und komplexe Charaktere auszeichnet. Mit Preisen überhäuft, schaffte es der Comic sogar auf die Liste der „100 besten literarischen Werke aller Zeiten“, ausgewählt von der TIMES, als einziger seiner Art. Regisseur Zack Snyder, der zuletzt die Comicpanels von Frank Miller in 3oo adaptierte, hat sich des komplexen Stoffes angenommen und in einem Geniestreich, das Ganze auf die Leinwand gebannt.

 

WATCHMEN erzählt einen Verschwörungskrimi um sechs, eigentlich schon ausgediente Superhelden, die durch einen Mord an einem der Ihrigen, aus der Reserve gelockt werden und Teil einer schicksalsbestimmenden Verschwörung werden, bei der es nicht um weniger, als den Fortbestand der Menschheit geht…

 

Der Comic gehörte lange Zeit zu jenen Werke, die im Allgemeinen als „unverfilmbar“ gelten, weil zu komplex, zu aufwändig, zu teuer. Obwohl die Idee einer filmischen Umsetzung schon lange Jahre durch die Hollywoodstudios geisterte und immer wieder Drehbücher, Filmrechte und auch Regisseure, rumgereicht und ausgetauscht wurden, macht es doch erst die Computertechnik der letzten Jahre möglich, die Vorlage glaubwürdig und werkgetreu zu adaptieren. So kam es, dass WATCHMEN nun erst jetzt, mehr als zwanzig Jahre nach Veröffentlichung des Comics, für die Leinwand realisiert wurde.

 

Und was Zack Snyder da geschaffen hat, verschlägt einem den Atem, lässt einen ungläubig Staunen und in einem epochalen Meisterwerk versinken. Ein derartiger Detailversessenheit, soviel Respekt für die Vorlage und vor allem, die Erschaffung eines glaubwürdigen Universums sowie, die Rekonstruktion der Stimmungen, die der Comic bei Leser erzeugt, all das gab es zuletzt bei der Adaption von Tolkiens DER HERR DER RINGE durch Peter Jackson. Dabei muss Snyder gar nicht viel machen, wie schon bei 3oo, fügt er den teilweise stark filmesk gestalteten Comicbildern, einfach das Element der Bewegung hinzu. Dazu kommen noch die wechselnde Erzählperspektive der einzelnen Charaktere, die zahlreichen Rückblenden, die komplexen Figuren sowie die anspruchsvolle Storyline, und schon sind die wichtigsten Elemente von WATCHMEN eingefangen.

 

Nein, mal im Ernst. Man muss es Snyder danken, dass er sich so sklavisch an die Vorlage hält, dass er nicht versucht, die Komplexität der Geschichte zu vereinfachen, dass er enorm kompromisslos in seiner Umsetzung verfährt, dass er seinem Publikum über 2 ½ Stunden anspruchsvolle Kost serviert, die eine enorme Aufmerksamkeitsspanne erfordert, dass sein Film eben nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner bedient, sondern fordert, auch mal schockiert und ungeschönt, nicht simplifiziert, dem Respekt der Vorlage schuldig, den Stoff transportiert, den es zu erzählen gibt. Das und nicht weniger hatte sich Snyder zur Aufgabe gemacht und es ist ihm auch gelungen.

 

Ich könnte jetzt noch ewig philosophieren, über die genau getroffenen Charaktere, die opulente Ausstattung, die cool choreographierten Kämpfe, die schicken Special Effekte, den tollen Soundtrack, die virtuosen Einstellungen, den liebevoll gestalteten Anfang, die vielen kleinen Details und und und… aber stattdessen würd ich einfach mal sagen: REINGEHEN!!! und ein epochales, dichtes, Comicspektakel genießen, was seines Gleichen noch lange suchen wird. WATCHMEN ist ein Ereignis, volle Punktzahl, besser kann man diesen Comic nicht umsetzen, das darf man nicht verpassen.

 

Autor: André

The Wrestler

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 07.03.2009 von André

Werdet Zeugen der vollständigen Destruktion einer Legende. In Darren Aronofskys THE WRESTLER, liefert Mickey Rourke das beeindruckende, bewegende, intensive und zutiefst erschütternde Portrait eines ausgebrannten Mannes und seiner gescheiterten Sportlerkarriere ab.

Es ist ein Trauerspiel, welches man da auf der Leinwand verfolgt. Denn jeder weis, das was er da sieht ist echt. Mickey Rourkes aufgedunsenes, deformiertes Gesicht spiegelt den Verlauf eines exzessiven Lebens wieder, gefühlt mit Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum, einer kurzen Boxkarierre, Botoxbehandlungen und etlichen operativen Eingriffen. Kein noch so gutes Make Up hätte diesen Prozess des Zerfalls so eindringlich, so persönlich wiederspiegeln können, wie die ungeschönte, knallharte Realität und diese so unverblümt und choragiert zu präsentieren, so eindringlich und so persönlich, das ist es, was den WRESTLER so sehenswert macht.

Es ist auch nicht übertrieben zu behaupten, dass Mickey Rourke diesen Film im Alleingang trägt und dass die zahlreichen Symbiosen zwischen seinem Privatleben und der Rolle der Grund dafür sind, weshalb die Charakterstudie von Randy „The Ram“ Robinson, so ehrlich und glaubhaft rüberkommt, weshalb man jede Minute Leid, Schmerz und Zerfall dieser Figur mitfühlt. Mickey Rourke gibt in diesem Film alles von sich, physisch und psychisch präsentiert er sich hier zu hundert Prozent und zeigt dabei keine Scharm oder Eitelkeit. Es ist dieser Mut, der Rourke den Golden Globe und einige andere Auszeichnungen einbrachte und pure Ironie sowie vermutlich auch bezeichnend für den Charakter, dass der Oscar ihm verwehrt blieb.

Dabei muss man ehrlicher Weise erwähnen, dass die Geschichte vom WRESTLER nicht unbedingt neu ist, dass Aronofsky mit beliebigen Versatzstücken des Genres arbeitet und dass man den Verlauf des gesamten Films, bereits im Ansatz erkennen kann. Sei‘s drum, was Aronofsky hier zeigt ist ungeschönte Filmkunst ganz ohne großen Schnick Schnack, nur den Charakteren seines Filmes verpflichtet. In dreckiger Optik und grobkörnigen Bildern erzählt er die Geschichte von Randy „The Ram“ Robinson, einem, von Verfall und Wehmut gezeichneten, Profiwrestler, dessen Zenit in den Glemmjahren der 80er erreicht war und der seitdem auf dem Weg nach ganz unten ist. Seiner Karriere hat Randy Familie, Gesundheit und auch Vermögen geopfert und so bleibt ihm nur ein einsames Leben, eine entfremdete Tochter, längst vergangener Ruhm und die erkaufte Zuneigung einer liebgewonnenen Freundin, die als Stripperin arbeitet. Seine Brötchen verdient Randy mit Gelegenheitsjobs im Supermarkt und harten Wrestlingmatches in der Untergrundszene an den Wochenenden. Dann winkt plötzlich ein Rematch mit seinem Erzfeind, das die Karriere wieder ankurbeln könnte, doch Randy macht die Gesundheit Probleme…

Selten zuvor wurde die Geschichte des gescheiterten Underdogs so glaubhaft und ehrlich inszeniert. Aronofsky beschönigt hier Garnichts, zeigt den Zerfall des alternden Sportlers in jedem Detail: seine Versuche sich mit Schmerzmitteln und Steroiden auf der Höhe zu halten, die knallharten Wrestlingmatches, bei denen er seinen Körper, für ein nach Blut lechzendes White-Trash-Publikum, veräußert und entstellt, den Spott der Außenwelt ob seines vergangenen Ruhmes, den Respekt im Ring und von Fans und Kollegen, das unbarmherzige Geschäft mit dem eigenen Körper, den Zerfall der Familie, den immerwährenden Wunsch nach Ruhm und Anerkennung und den Preis der Gesundheit. Und wenn man dann im Abspann der Hymne des WRESTLERs von Springsteen lauscht, dann ist man geplättet, wehmütig, zutiefst bewegt von diesem intensiven Portrait und den Tränen nahe.

Autor: André

Der Vorleser

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 04.03.2009 von André

Literaturverfilmung eines der erfolgreichsten deutschen Romane der Nachkriegszeit. Herausgekommen ist ein mittelprächtiges Drama über Moral, Schuld und Scham, welches nach Oscarauszeichnung für Kate Winslet und mehrfach Nominierung in verschiedenen Kategorien, ziemlich enttäuscht und große Gefühlsmomente schmerzlich vermissen lässt.

 

Mitte der 60er Jahre trifft der 15 jährige Michael auf die mehr als doppelt so alte Hanna, trotz des Altersunterschiedes entbrennt zwischen den beiden eine leidenschaftliche Affäre, die jedoch nur einen Sommer anhält. 8 Jahre später, Michael ist inzwischen Jurastudent, kreuzen sich die Wege der beiden erneut bei einem Schauprozess für Kriegsverbrecher, bei dem Hanna sich als ehemalige KZ-Aufseherin, verantworten muss…

 

Was als leicht anrüchige Romanze alla DIE REIFEPRÜFUNG beginnt, gipfelt nach etwa einem Drittel Film in einem tragisch breit gewälzten Nachkriegsdrama, bei dem jedoch Emotionen zu Gunsten moralischer Grundsatzdiskussionen und pathetischem Holocaustgeseiere auf der Strecke bleiben. Eigentlich schade, denn, sofern man den Roman nicht kennt, entpuppt sich die plötzliche Wendung des Films, samt dem Geheimnis der Hanna Schmitz, als durchaus überraschend und völlig unvorhergesehen, auch wenn sich bereits zu Anfang ein Schleier über der Figur Hanna ausbreitet.

 

Doch grade im zweiten Akt, dem zentralen Kern der Geschichte, spielt die Beziehung der beiden Hauptfiguren plötzlich eine untergeordnete Rolle. Ins Zentrum tritt das Drama des Holocaust: die Täter, die Opfer, es wird diskutiert über Moral und Gesetz, Gerechtigkeit und Schuld. Wir lernen eine andere Seite der Hanna Schmitz kennen und dürfen uns unser eigenes Urteil bilden. Klar, der Clou der Geschichte ist, dass hier ein Täter zum Opfer stilisiert wird, doch es geht hier nicht um Holocaust, sondern um zwei Liebende, deren Beziehung auf Grund von Scharm, Schuld und Fehlern der Vergangenheit zerbricht und anstatt, dass der Film eben diese Motive klar beleuchtet und an den Charakteren festhält, liefert er lieber Denkanstöße und reichlich Diskussionsstoff für die Mittelstufe.

 

Erst im letzten Akt, wird die Beziehung der beiden wieder persönlicher und man konzentriert sich wieder auf die Gefühlslage der Figuren, nur leider wurden die einfühlsamen Stimmungen bis dahin nahezu gänzlich zerstört und die Nähe, welche man zu den Charakteren aufgebaut hatte, fehlt oder lässt sich nur schwer wieder rekonstruieren, was auch an fehlenden Informationen zum Aktivismus beider Figuren liegt.

 

So dümpelt die Geschichte im ungewissen und tut sich schwer mit konkreten Aussagen, was bleibt sind Grautöne und das Gefühl hier einen Lehrfilm über moralische Grundsätze, in Form eines Dramas, präsentiert bekommen zu haben, der die wirklich interessante Aspekte lieber verschleiert.

Wenigstens über die darstellerischen Leistungen kann man nicht groß meckern, Schauspielzögling David Kross kann doch komplexer agieren als KRABAT zuletzt vermuten ließ und natürlich hat Kate Winslet den Oscar längst verdient, wenn sie mir auch in ZEITEN DES AUFRUHRS besser gefiel. Ralph Fiennes ist mit einer schwammigen Rolle gestraft, deren Motivationen im Gefühlschaos versumpfen, ein Umstand, der aber sowohl der Rolle des alten, wie auch der des jungen Michael Berg anhaftet.

 

Unterm Strich also für Freunde der Literaturvorlage sicherlich eine nette Ergänzung, im Grunde aber ein überschätzter Film der inhaltlich wenig überzeugt und bei dem eigentlich nur Kate Winslet wirklich gut weg kommt.

 

Autor: André            

96 Hours

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 26.02.2009 von André

Knallharter Actionthriller von Besson-Jünger Pierre Morel, mit Liam Neeson als Ex-Geheimagent in der Hauptrolle. Neeson ist auf der Suche nach seiner entführten Tochter und stellt dabei die Unterwelt von Paris auf den Kopf.

Bryan ist Geheimagent im Ruhestand, die geschäftigen Dienstjahre haben seine Ehe zerstört und darum versucht er die verlorene Zeit mit Tochter Kim wieder aufzuholen. Diese bittet ihren Vater um die Erlaubnis einer Ferienreise nach Paris, zusammen mit Freundin Amanda. Obwohl Bryan der Sache misstraut, willigt er, um die Liebe seiner Tochter willen, ein, ein Fehler. Denn kaum sind Kim und Amanda in Paris gelandet, da werden sie auch schon von einem albanischen Prostitutionsring verschleppt, glücklicherweise hört Papi die Entführung am Handy mit an und macht sich prompt auf den Weg nach Frankreich. In Paris angekommen, nutzt Bryan die alten Kontakte und Fähigkeiten, um die Fährte der Entführer aufzunehmen. Die Zeit arbeitet gegen ihn, denn Bryan bleiben nur geschätzte 96 Stunden, bis sich die Spur seiner Tochter für immer verliert…

Anfänglich noch recht einfach gehalten, gewinnt die Handlung im Laufe der Zeit immer mehr an Spannung und Intensität. 96 HOURS, der eigentlich TAKEN heißt, ist ein packender und harter Actionthriller nach dem Strickmuster der BOURNE-Trilogie. Sobald Bryan in Paris angekommen ist, läuft der Film nahezu ungebremst im Actionrausch: packende Zweikämpfe, heftige Schießereien, Verfolgungsjagten und Folterszenen, Bryan zieht alle Register und schreckt, auf der Suche nach seiner Tochter, vor nichts zurück.

Für den Zuschauer ist dies ungemein spannend und unterhaltsam, Regie-Newcomer Morel ist einer von wenigen, die mit den stilistischen Mitteln, welche die BOURNE-Filme so prägten, gekonnt umzugehen weis. Wackelkamera, schnelle Schnitte, kurze harte Actionbits, all das kann Morel effizient nutzen, um die Spannung bis zum Äußersten zu steigern und seinem, eigentlich durchschnittlichen Actionthriller, das gewisse Etwas zu verpassen. Sicherlich ist 96 HOURS dabei weniger perfektioniert und raffiniert, als BOURNE, der Spannung tut dies jedoch keinen Abbruch, wofür sich natürlich auch Liam Neeson verantwortlich zeigt.

Denn sowohl die Rolle des treusorgenden Vaters, als auch die, des in die Jahre gekommenen, eiskalten Elitekämpfers, nimmt man Neeson ohne Probleme ab, zumal er, anders als Jason Bourne, die Sache auf ein persönliches Level befördern kann. Immerhin sucht Bryan hier seine Tochter und dies führt des Öfteren zu moralisch fragwürdigen Aktionen Seitens des Ex-Geheimagenten, solchen die den berechnenden Killer, auf eine subtil gezeichnete, emotionale Ebene ziehen, die sein Handeln einerseits legitimiert, aber gleichzeitig auch in Frage stellt…wenn man so will.

Zugegeben die Rolle des Sympathen fällt für Neeson einfach aus; seine Ex-frau, Famke Janssen in einer undankbaren Nebenrolle, ist ein besserwisserisches Miststück, ihr neuer Lover, ein schleimiges Arschloch. Auch der französische Kantaktmann beim Geheimdienst wirkt schmierig, die bösen Jungs sprechen albanisch, gucken grimmig und tragen Tatoos und das Töchterchen ist natürlich unschuldig, naiv und tapsig. Obwohl 96 HOURS auf einen realistischen Look getrimmt ist, zeichnen sich die Charaktere und Weltanschauungen reduziert und einfach. Das macht aber nicht viel aus, denn der Film legt ohnehin keinen großen Wert auf viel Gerede. Es geht vor allem rasant und actionbetont zur Sache, knackige 1 ½ Stunden werden nie langweilig und fesseln bis zur letzten Minute, viel mehr sollte man von einem Actionthriller nicht erwarten dürfen.

Rasante Spannung und konsequente Härte, entschädigen also für einen recht einfachen Plot und klare schwarz/weiß Rollenverteilung, nichts desto trotz ist 96 HOURS der, mit Abstand, packenste Actionthriller seit den BOURNE-Filmen und zeigt, dass es nicht immer rafiniert verschachtelte Verschwörungsplots sein müssen, um ein Kinopublikum gekonnt zu unterhalten.

Autor: André

Milk

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 22.02.2009 von André

Sean Penn für Toleranz. Als Messias der amerikanischen Schwulenrechtsbewegung, verkörpert er den, als ersten bekennend homosexuell, in ein politisches Amt gewählten, Politaktivisten Harvey Milk. Ein biographischer Film von gesellschaftlicher Relevanz, inszeniert von Gus Van Sant und für acht Oscars nominiert.

MILK befasst sich ausschließlich mit der politischen Karriere des Harvey Milk, welche dieser erst im Alter von 40 startete. Als Bürgerrechtler kämpfte er Anfang der 70er Jahre in San Francisco für die Gleichberechtigung von Homosexuellen und brachte den Kampf, als frisch gewähltes Stadtratsmitglied, auf eine politische Ebene. Innerhalb weniger Jahre setzte Harvey Milk eine Lawine in Gang, die zu gesellschaftlichem Umdenken führte und die Schwulenszene nicht nur stärkte, sondern auch der öffentlichen Denunzierung, Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen ein Ende setzte. Sein Erfolg brachte ihm viel Anerkennung und Freundschaften, aber auch politische Gegner auf Seiten der Konservativen und fundamentalistischen Christen…

Nach der oscarprämierten Dokumentation WER WAR HARVEY MILK, setzt Regisseur Gus Van Sant dem Bürgerrechtler nun mehr als zwanzig Jahre später ein Denkmal in Form eines biographischen Spielfilms. Anders als beispielsweise BROKEBACK MOUNTAIN, welcher anhand eines subtil erzählten Liebesdrama um zwei Männer, nach Akzeptanz für Homosexuelle suchte, schildert MILK den öffentlichen Kampf der Schwulenrechtsbewegung, sachlicher, auf gesellschaftlicher Ebene und orientiert sich dabei an der Biographie von Harvey Milk. Auch wenn die Geschichte frei adaptiert wurde, so ist sie dadurch doch biographischen und historischen Zwängen unterworfen und wirkt deutlich weniger persönlich und emotional als beispielsweise BROKEBACK MOUNTAIN. Fairerweise sollte man jedoch auch erwähnen, dass MILK zwar ähnliche Ziele wie BROKEBACK MOUNTAIN verfolgt, nämlich Akzeptanz der homosexuellen Minderheit, in erster Linie aber die Biographie eines Bürgerrechtlers schildert und sich daher viel eher mit Werken wie MELCOM X oder GANDHI vergleichen lässt.

Man sollte sich also bewusst machen, dass MILK von einer faktisch, konformen, Trockenheit unterspült ist und ein paar Längen beinhaltet. Van Sant versucht diese Sachlichkeit mit Einblicken in eine locker, schrullige, stets gut aufgelegte Schwulenszene zu relativieren. Obwohl er sich dabei teilweise schon nah am Rande der Schwulenklischees bewegt und nahezu den halben Film verstreichen lässt, ehe mal eine Frau zu sehen ist, kann man ihm diese Kleinigkeit, auf Grund des Kontrastes zur auflockernden Unterhaltung, wohlwollend abnehmen, ist der Film doch durchgängig um Authentizität und Glaubwürdigkeit bemüht.

Auch die Darsteller in Haupt und Nebenrollen leisten hervorragende Arbeit, allen voran natürlich Sean Penn der hier als Hollywoodstar und Charakterdarsteller gar nicht wiederzuerkennen ist, sondern man von Anfang an den Eindruck hat, da ist Harvey Milk auf der Leinwand, diese schrullig, charmante, leicht schmierige Persönlichkeit, welche natürlich stets ins rechte Licht gerückt wird und immer ein paar weise Zeilen für ihre Jünger auf den Lippen hat, ein Umstand, der sich auf Grund des tragischen Ablebens von Harvey Milk nicht vermeiden lässt, soll dieser Film ihn ja nicht in allen Facetten reflektieren, sondern seine Größe als Mensch hervorheben. Die einzige Enttäuschung, ist die Figur des Stadtratsmitglieds Dan White, die Josh Brolin verkörpert, aber viel zu selten und nur sehr wage beleuchtet wird, dabei jedoch von zentraler Bedeutung für die Geschichte ist und man sich daher doch mehr Details, Seitens dieser Figur erhofft hatte.

So ist MILK letztendlich ein qualitativ ansprechendes, biographisch erzähltes Drama von gesellschaftlichem Wert, mit einem nicht wiederzuerkennenden Sean Penn. Jedoch lediglich auf Grund seiner thematischen Wichtigkeit einem standardisierten Biopic überlegen. Wer sich für gesellschaftlich brisante Themen und Lebensgeschichten wichtiger Persönlichkeiten interessiert, ist in diesem Film gut aufgehoben.

Autor: André

The International

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 22.02.2009 von André

Nach dem großen Erfolg von DAS PARFÜM versucht Regisseur Tom Tykwer nun mit einem, um Realismus bemühten, harten Verschwörungsthriller nachzulegen. Die Hochglanzoptik, internationale Schauplätze und Darstellergrößen lassen einen Vergleich mit Hollywood nicht scheuen, darüber stehen allerdings eine emotionslose und zu faktisch bemühte Inszenierung, sowie eine sich im Kreis drehende Handlung, die ins Leere verläuft und zwei Hauptcharaktere ohne Relevanz.

Interpol Agent Louis Salinger und Staatsanwältin Eleanor Whitman ermitteln bereits seit Jahren gegen den international mächtigen Bankkonzern IBBC. Alle Anstrengungen zur Aufdeckung von Terrorfinanzierung, Unterstützung von Kriegen und dubiosen Waffengeschäften verliefen jedoch ohne Erfolg. Beweise werden gefälscht, Ermittlungen sabotiert und Zeugen verschwinden oder kommen um. Im Kampf gegen den übermächtigen Gegner riskieren Salinger und Whitman nicht nur ihre Kariere, sondern auch ihr Leben, jedoch halten beide an ihrem Ziel fest, die IBBC muss gestürzt werden…

Die Optik ist breit und edel, die Stars vorhanden, die Action brachial und die Thematik könnte nicht näher am Zeitgeschehen sein. Trotzdem, in Tykwers THE INTERNATIONAL funktioniert nichts von alledem. Da treten zwei, von Gerechtigkeit besessene, Idealisten gegen einen übermächtigen Gegner an, der Verknüpfungen zu jeder Instanz und zu jedem Land besitzt, der Finanzen kontrolliert und nahezu alles und jeden kaufen kann, kurz: der die ganze Welt beherrscht. Dennoch sind beide, trotz andauernder Rückschläge und Verluste, der festen Überzeugung, dass die Gerechtigkeit siegen wird und dass, in einem System, welches von Korruption unterwandert ist und, indem der die Macht und Kontrolle besitz, der das Geld in der Hand hält, ihre Mission letztendlich von Erfolg gekrönt wird. Es kostet beide Hauptfiguren eine halbe Ewigkeit herauszufinden, dass dies niemals passieren wird und dass ihr Vorhaben, zumindest auf legaler Ebene, in jedem Fall zum Scheitern verurteilt ist.

Das sich der gesamte Plot von THE INTERNATIONAL nur an diesem Thema aufzieht, dass Geld die Welt regiert, dass Gerechtigkeit käuflich ist und dass in Zeiten der Globalisierung, sämtliche Transaktionen und Finanzierungen irgendwie zusammenlaufen, ist eine gewaltige Enttäuschung, denn nichts von alledem dürfte, selbst für einen BILD Abonnenten, neu sein. Längst müsste jedem bewusst sein, dass man im Zeitalter von Börsengeschäften und globalem Wirtschaftshandel, die Geldströme nicht mehr kontrollieren kann, dass mit Sicherheit jeder von uns, allein durch den Kauf eines Müsliriegels, irgendwie indirekt internationalen Terror finanziert und das besonders, das Schüren von Konflikten und das Verursachen von Schulden, den großen Geldinstituten Milliardenerträge beschert.

Nun wär ja der einfache und substanzlose Plot, um die große, böse Bank und den Gerechtigkeit wahrenden Interpol Agenten, samt Staatsanwältin, ja noch zu verschmerzen, würde die ereignislose Handlung, wenigstens von ein paar spektakulär, spannenden Actionsequenzen überdeckt werden. Doch leider ist dies kein JAMES BOND oder MISSION IMPOSSIBLE, nein, hier wird Realismus groß geschrieben und darum greift der Interpol Agent auch nur ein einziges Mal, wirklich beherzt zur Waffe, in einer Museumsschießerei, die mehr mit STIRB LANGSAM zu tun hat, als mit Authentizität und Glaubwürdigkeit. Das einzig Signifikante, welches diese Auseinandersetzung von jeder X-beliebigen Schießerei in einem Actionfilm unterscheidet, ist der Schauplatz und das ist mehr als armselig, weil es die einzige Sequenz bleibt, an der sich Aktionfans festklammern können.

Auch das Potential der Darsteller Clive Owen und Naomi Watts, bleibt völlig hinter den Erwartungen. Beide bekommen kein ausreichendes Fundament um ihre Motivation und ihr Handeln zu begründen, auch ihre Beziehung zueinander wird kaum beleuchtet, bis Naomi Watts Figur sich plötzlich aus dem Geschehen zurückzieht, was nicht weiter stört, da sie ohnehin nur schmückendes Beiwerk für Owen war. Aber auch sein Charakter stolpert mehr durch das Geschehen, als das er irgendetwas Konstruktives dazu beiträgt. Nachdem seine Figur, zur Freude des gelangweilten Zuschauers, endlich begriffen hat, dass der Gegner zu mächtig ist, um ihn auf üblichem Weg zu stürzen, muss sich Owen sogar für einen persönlich motivierten Rachefeldzug hergeben, bei dem nicht mal er die ausführende Kraft ist. Alles läuft auf einen mehr als unspektakulären und bedeutungslosen Showdown hinaus, der die Handlung komplett fallen lässt und alles wieder auf Anfang spult.

Nach 118 Min. Laufzeit ist man um keine Information reicher und wurde weder spannend unterhalten, noch in irgendeiner Form emotional bewegt. THE INTERNATIONAL ist ein zu theoretischer, traniger und unspektakulärer Actionthriller. Viel zu gewollt, viel zu bemüht, viel zu ernst und nimmt sich viel zu wichtig, um auf irgendeine Weise zu überzeugen. Hoch budgetierter Standard ohne das gewisse Etwas, langweilig, vorhersehbar und uninteressant, eine tödliche Mischung für diesen pseudo Actionthriller.

Autor: André

The Spirit

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 14.02.2009 von André

Fehlende Dynamik, unrhythmische Erzählweise, nicht schlüssige Handlung, teils peinliche Dialoge und merkwürdiger Humor… THE SPIRIT liefert eine Menge Schießpulver, um ihn gekonnt in der Luft zu zerfetzten. Tatsächlich bewegt sich der Streifen auf einem sehr schmalen Grat zwischen „peinlichem Trash“ und „ernst zu nehmendem Film“, jedoch wohlwollend betrachtet, ist THE SPIRIT ein experimenteller, verspielter Comicflick, voller cooler Ideen und Ambitionen. Man sollte auch nicht vergessen, dass hier ein Regiedebütant am Werk war, Frank Miller ist zwar einer der berühmtesten und anerkanntesten Comickünstler unserer Zeit, von Film hat er allerdings wenig Ahnung und das scheint ihn auch nicht zu kümmern. Vielmehr benutzt Miller das Medium, um eine Hommage für sein Vorbild Will Eisner, seiner Zeit Schöpfer des „Spirit“, zu kreieren und diese einem breiteren Publikum zugängig zu machen. Dabei ist es Miller viel wichtiger, seinen und Eisners Comicstil zu bewahren, als sich den Konventionen eines Films zu unterwerfen.

Selbstredend unterscheidet sich dieser Stil und der Look des Films, im wesentlichen nicht sonderlich von Frank Millers SIN CITY, bei dem Miller zwar auch Regie führte, aber dies in Zusammenarbeit mit Robert Rodriguez, der auf Grund seiner Erfahrung, sämtliche der kleinen und größeren Unstimmigkeiten, die THE SPIRIT inne wohnen, vermeiden konnte, weshalb SIN CITY natürlich nach wie vor, die bislang beste Miller Comicadaption bleibt. Doch wem SIN CITY gut gefiel, der wird auch THE SPIRIT was abgewinnen können, denn visuell gelingt es Miller seinen unverwechselbaren schwarz/weiß Look, um einige Elemente zu erweitern. Daraus ergeben sich neue  Ideen wie man Comicpanels im Film umsetzen kann, Miller sprüht geradezu vor kreativen Einfällen und streut diese breit in seinen Film, weshalb der hart in Kontrast gesetzte schwarz/weiß Look niemals langweilig wird und THE SPIRIT zumindest optisch betrachtet, einen hohen künstlerischen Anspruch aufweist.

Leider muss man auch sagen, dass Miller immer noch in Comicpanels denkt und sein Film darum, ähnlich wie SIN CITY und 3oo, an Dynamik kränkelt. Miller beschränkt sich auf die Größe seiner Einstellungen, er wagt es so gut wie nie die Kamera zu bewegen, denn Rahmen seiner Comicbilder zu sprengen und sich den Möglichkeiten von Film zu öffnen. Dadurch wirkt sein Film statisch, wie ein unheimlich cool gezeichnetes Storyboard oder eben Comic, aber erinnert mehr an eine Diashow, als an einen Kinofilm. Glücklicherweise sind die Dias so cool gestaltet und abwechslungsreich gestaffelt, dass man dies vergeben kann.

Mehr Probleme macht da schon die krude erzählte Handlung, deren dramaturgische Schwächen und fehlende Höhepunkte lassen sich weniger verneinen. Der Spirit (Gabriele Macht) ist ein Ex-Cop, der des Nachts in seiner Stadt „Central City“ für Recht und Ordnung sorgt. Sein Erzfeind ist der Octopus (Samuel L. Jackson), ein wahnsinniger Wissenschaftler und kriminelles Genie, dass ebenso wie der Spirit, unverwundbar ist. Doch viel interessanter als die andauernden Intermezzi mit dem Octopus, sind die vielen Frauengeschichten, die der Spirit am Laufen hat. Da währe zunächst Ellen (Sarah Paulson) die Tochter des Polizeichefs, dann Sand Serif (Eva Mendes), eine Diebin die der Spirit seit seiner Kindheit kennt und Lorelai (Jaime King) der Todesengel, die Spirit niemals von der Seite weicht, außerdem noch Sliken Floss (Scarlett Johansson), die Assistentin vom Octopus… All diese Frauen repräsentieren die unterschiedlichen Stärken und Schwächen des Spirit und sind jede für sich, zehnmal interessanter als der blasse Superheld mit Machoattitüde, den Gabriele Macht verkörpert. Selten war ein Superheld so brav und langweilig wie der Spirit und das in einer so sündigen Stadt, voller schöner Frauen in sexy Outfits. Lustiger ist da schon Samuel L. Jackson als durchgeknalltes Verbrechergenie, der seinen größten Auftritt in Naziuniform zu „Deutschland über alles“ hat, allein das ist den Ticketpreis wert. Die Frauen tun das was sie hier am besten können, sexy sein und geil aussehen, selten dürfen sie mehr in einem Frank Miller Comic oder Film, das macht aber nichts.

Zuletzt sei noch vor dem merkwürdigen, manchmal kindischen, manchmal derben Humor des Films gewarnt, denn THE SPIRIT  ist deutlich weniger düster und brutal als beispielsweise SIN CITY, dafür erlaubt er sich einige echt kranke Scherze und viel Klamauk und Slapstick, mal mehr, mal weniger gut getimt. In jedem Fall aber gewöhnungsbedürftig, weil vielleicht unerwartet, darum hier die Warnung.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, für experimentierfreudige Comicfans ist THE SPIRIT sehr zu empfehlen, weil ein Pool der Kreativität und der optisch, anspruchsvollen Ergüsse. Leider kein wirklich guter Unterhaltungsfilm, weil sehr speziell und in Erzählstruktur, Dramaturgie und Dynamik deutlich eingeschränkt. Wer aber mal Lust auf was Anderes hat, und zur Not auch eine Enttäuschung in Kauf nehmen kann, der sollte es wagen ein Ticket zu lösen.

Autor: André

Glaubensfrage

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 11.02.2009 von André

Der Haussegen hängt schief, in der von Nonnen und Priestern geführten, katholischen St. Nicholas Schule, mitten in der Bronx. Zumindest sieht das Direktorin und Oberschwester Aloysius (Meryl Streep) so. Die urkonservative und chronisch übellaunige Ordensschwester, herrscht mit strenger Hand und Furcht über die Schüler von St. Nicholas. Ein Dorn im Auge, ist ihr darum der aufgeschlossene und liberale Menschenfreund, Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman), dessen Toleranz und herzerweichender Einsatz für die Gemeinde, so gar nicht zu Schwester Aloysius bewehrtem Konzept passen. Unter besonderer Fürsorge des Paters, steht der einzige schwarze Junge der Schule,  Donald (Joseph Foster II), der, auf Grund seiner Hautfarbe, kein leichtes Spiel bei den Mitschülern hat. Ausgerechnet diese besondere Fürsorge, wird Pater Flynn jedoch eines Tages zum Verhängnis, nämlich als Donalds noch junge Lehrerin und Ordensschwester James (Amy Adams) gegenüber Schwester Aloysius den Verdacht äußert, Pater Flynn habe sich an dem schwarzen Jungen vergangen. Ein schwer wiegender Vorwurf, dem Oberschwester Aloysius, nicht ganz uneigennützig, nachgeht…

GLAUBENSFRAGE basiert auf einem, mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten, Theaterstück und verstrickt auf sehr clevere Weise die Themen: Religion, Machterhalt, Denunzierung und sexueller Missbrauch, allesamt unter dem Deckmantel des Zweifels. Denn wirklich konkret, oder genau, erfährt man als Zuschauer nie, welche düsteren Ereignisse sich hinter den Mauern der katholischen Klosterschule abspielten. Stattdessen ist man angewiesen auf Meinungen und Schilderungen der Protagonisten. Ein ungemein unterhaltendes Psychospiel, welches hier mit dem Zuschauer getrieben wird, der sich immer zwischen den Stühlen der beiden, in Konkurrenz stehenden Parteien befindet, und Sympathien sowohl für den gutherzigen Pater, als auch für die grantige Oberschwester aufbaut.

Angesicht der Thematik, ist dies eine ungemein brisante und spannende Angelegenheit, bei der bis zuletzt alle Möglichkeiten offen stehen. Denn als Zuschauer lässt der Film einem viele Freiheiten und hält sich mit Anklagen und meinungsprägenden Aussagen, in allen Bereichen,  zurück. Vielmehr liefert er Indizien, streut Andeutungen und übermittelt unterschwellig Stoff zur eigenen Meinungsbildung. GLAUBENSFRAGE ist ein Film der Zwischentöne, hier ist nichts schwarz oder weiß, gut oder böse, richtig oder falsch. Jede Figur hat ihre Makel und ihre Größe und stellt den Zuschauer vor schwierige Auseinandersetzungen mit: Moral, Anstand, Recht und Pflicht. Welche Meinungen man sich bildet, wofür man sich entscheidet, darin lässt einem der Film die freie Wahl, klar ist nur, auch wenn GLAUBENSFRAGE zum Ende dann doch die Umstände konkretisiert, der Zweifel, die menschliche Fehlbarkeit, der Irrtum, bleiben bis zuletzt mit im Raum stehen und sind ein ständiger Begleiter, das ist vielleicht die wichtigste Aussage, die der Film übermitteln kann.

Ein solcher Film steht und fällt natürlich mit seinem Darstellerensemble, welches hier in Haupt- und Nebenrollen gleich mal vier Oscarnominierungen einheimste, für: Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams und Viola Davis – die die Mutter des Jungen Donald spielt. Für die leise Erzählweise und feine Regie, zeichnet sich John Patrick Shanley aus, der auch das Drehbuch adaptierte, ebenfalls oscarnominiert. Zugegeben in diesem Fall eine enorm dankbare Aufgabe, war er doch mit einer preisausgezeichneten Vorlage und solch großen Darstellern gesegnet. Viola Davis hat nur zwei aufeinander folgende Szenen, die jedoch von unheimlicher Aussagekraft und Wichtigkeit zeugen, dass ihre Rolle soviel Anerkennung fand. Ein seltenes Geschenk für einen Darsteller und natürlich sehr überzeugend gespielt. Amy Adams ist die naive Unschuld des Films, ihr Charakter ist der einzige, dem alle Sympathien ohne Zweifel gelten, leider ist sie dadurch auch am uninteressantesten, obwohl sie von zentraler Wichtigkeit für die beiden Kontrahenten Streep und Hoffman ist, kämpfen diese doch unterschwellig um ihre Gunst. Philip Seymour Hoffman ist, wie immer, genial, auch wenn diese Rolle nicht sein höchstes Können abverlangt. Das Highlight des Films ist jedoch Meryl Streep, sie schafft es, aus einer archetypischen Oberschwester, einen glaubwürdigen Menschen zu machen und obendrein als tyrannisches Miststück, dennoch Sympathien zu gewinnen, in diesem Punkt kommt ihre Rolle der aus DER TEUFEL TRÄGT PRADA sehr nahe und selbstredend verdient Streep für diese Performance alle Lorbeeren die sie kriegen kann.

Kein Zweifel also an der Qualität von GLAUBENSFRAGE, ein leiser brisanter Film, der einem Aussagen nicht aufzwingt sondern anbietet und mit hochkarätigen, allseitig, überzeugenden Darstellern brilliert. Ein Ereignis im Kino, dass man ein einfach nicht verpassen darf.

Autor: André

Frost/Nixon

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 11.02.2009 von André

Amerikanische Politikgeschichte verfilmt von Ron Howard, da mögen hier und da zunächst die Alarmglocken läuten, zeichnen sich Howards Filme wie z.B. APOLLO 13, AMERICAN BEAUTY oder A BEAUTIFUL MIND zwar stets durch gute Unterhaltung und Qualität aus, genießen in Kritikerkreisen aber auch den Ruf, Erzeugnisse der schmierigen Anbiederung an die Oscarjuroren und des unterschwelligen Pathos fürs gemeine Volk, zu sein. Im Falle FROST/NIXON kann man jedoch entwarnen, hierbei handelt es sich um eine brisanten Politthriller der die Konfrontation zweier Egomanen schildert, einem Ereignis, welches TV Geschichte schrieb, die „Nixon Interviews“.

Amerika 1977, nach der „Watergate Affäre“ genießt der freiwillig abgedankte Ex-Präsident Richard Nixon (Frank Langella) zwar Amnestie aber keine Anerkennung. Vielmehr gilt er als Fallbeispiel für Machtmissbrauch und die negativen Ereignisse seiner Amtszeit überschatten sein Leben und werden ihm überall zum Vorwurf gemacht. Eine Reihe von TV-Interviews soll da Abhilfe verschaffen und der Person Nixon wieder zu politischem Erfolg und Respekt verhelfen. Als Interviewer wird der, als Playboy verrufene, Showmaster David Frost (Michael Sheen) herangezogen, ein Mann, den Nixon rhetorisch in die Tasche stecken kann, doch womit der Ex-Präsident nicht rechnet, auch der Entertainer Frost ringt um Anerkennung und verspricht sich beruflichen Erfolg durch die Interviews, weshalb er sich entsprechend akribisch vorbereitet und so sitzen sich die Kontrahenten Frost und Nixon eines Tages im Rededuell gegenüber, bei dem nur einer gewinnen kann…

FROST/NIXON ist unterhaltsame Kost für Rhetorik-Fans und Politik-Interessierte, zwar kann der Film keine neuen Ereignisse schildern und bringt auch keine, bislang unbekannten, Fakten ans Tageslicht, aber dafür zeichnet er zwei brillant gespielte Egomanen, als vielschichte Charaktere, mit Wünschen und Handlungsmotiven die jeder nachvollziehen kann. Das volle Lob für diese Leistung, zwei nur oberflächlich bekannten Persönlichkeiten, so glaubwürdig, Leben einzuhauchen, dürfen allein Frank Lagella und Michael Sheen für sich beanspruchen. Beide haben mit ihren Rollen jahrelange Theatererfahrung und führten das gleichnamige Stück bereits in London und New York auf. Folglich haben die beiden ihre Rollen nahezu bis zur Perfektion über Aussprache, Gestik und Mimik verinnerlicht und liefern dadurch eine mehr als beeindruckende darstellerische Leistung ab. Michael Sheen schafft es gar nicht mehr das aufgesetzte Fernsehlächeln eines Entertainers loszuwerden und Frank Langella überzeugt durch beeindruckende Körperbeherrschung und (im Original) herrlich nuschelnde Dialoge.

Der politisch brisante Inhalt des Films, wird durch Archivaufnahmen und Kommentare der Nebendarsteller in Interviewform unterstützt. Natürlich erlaubt sich der Film auch ein paar additive Freiheiten, was den geschichtlich belegten Verlauf betrifft, dies geschieht um die Charaktere des Films dichter zu zeichnen und nicht zuletzt auch der Spannung wegen. So läuft alles beispielsweise, auf den letzten Interviewtermin mit Nixon, am vierten Interviewtag, hinaus, der wie ein „Boxkampf“ inszeniert wird und dessen Ausgang das Schicksal beider Parteien bestimmt. Man muss sagen, das Ron Howard hier wirklich gute Arbeit geleistet hat, selbstverständlich sind die Interviewtermine, sprich Rededuelle zwischen Frost und Nixon, mit steigerndem Intensität als Highlights des Films gestaffelt, aber mit eben solcher Sorgfalt werden auch die charakterbildenden Szenen der Protagonisten beleuchtet. Das größte Kunststück von FROST/NIXON ist es wohl, die politischen Untaten und den Machtmissbrauch von Richard Nixon zwar aufzuzeigen und anzuprangern, aber die Person nicht zu verteufeln und als ultimativen Bösewicht der Politikgeschichte abzustempeln. Man glaubt diesem Mann sein politisches Kalkül und seine Prinzipien ebenso sehr, wie sein Bedauern und seine Scharm. Das macht die Verbrechen die Nixon begangen hat nicht legitim, aber es zeigt, das hinter der Fassade des berechnenden Tyrannen auch ein verletzlicher Mensch steckt und das Nixon in der Politik nicht der einzige blieb und bleibt, der dazu verführt wurden im Guten, Böses zu vollbringen.

FROST/NIXON ist eine unterhaltsame, auch mal humorvolle Mischung aus Politthriller und Charakterstudie. Beide Hauptdarsteller brillieren hier in ihren Rollen und Ron Howard zeigt, dass es auch ohne überschwänglichen Pathos und moralische Sülze gehen kann. Toller Film, überragend gespielt, keine Frage, anschauen.

Autor: André

Der seltsame Fall des Benjamin Button

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 05.02.2009 von André

Es beginnt, mit einer kaum wieder zu erkennenden Cate Blanchett, auf dem kalt ausgeleuchteten Sterbebett. An der Seite der, perfekt auf uralt geschminkten Cate, ihre Tochter mittleren Alters. Nachdem Cate dieser, ein äußerst seltsames Märchen, über einen blinden Uhrenmacher erzählt hat, der eine Bahnhofsuhr konstruierte, die Rückwärts läuft, greift die Tochter zu einem Tagebuch und beginnt zu lesen: „4. April 1918…“ was folgt ist die Chronik des Benjamin Button, ein Mann, der kurioser Weise alt geboren wurde und im Laufe seines Lebens immer jünger wird…

Dreizehn Oscarnominierungen für DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON, darunter selbstredend die Königsdisziplinen „Beste Regie“ und „Bester Film“, das gab es nicht mehr seit DER HERR DER RINGE und es scheint, dass Regisseur David Fincher mit seinem epischen Drama nun endlich mal den Nerv der Academy-Juroren getroffen hat. Verdient hätte Fincher die Auszeichnungen allemal, denn unlängst hat er mit mutigen, experimentellen und eindringlichen Filmen wie: SIEBEN, FIGHT CLUB oder ZODIAC bewiesen, welches Talent in ihm steckt. Trauriger weise, muss es nun leider ein äußerst konventionelles, wenig aufregendes Oscardrama wie BENJAMIN BUTTON sein, welches ihm die höchste aller Filmauszeichnungen bescheren könnte, denn bis auf die visuelle Gestaltung und technische Umsetzung des Films, hat BENJAMIN BUTTON so Garnichts von dem, was Finchers vorherige Erfolge auszeichnete.

Dabei sollte es doch längst bekannt sein, dass die Essenz eines jeden Films seine Geschichte ist und genau diese ist im Falle von BENJAMIN BUTTON äußerst kraftlos und vor allem Dröge geraten. Frei nach der Vorlage von F. Scott Fitzgerald, zeichnet sich hierfür Eric Roth verantwortlich, der bereits das Drehbuch zum Welterfolg FORREST GUMP verfasste. Das BUTTON etliche Symbiosen mit GUMP aufweist, lässt sich dabei nicht verleugnen, ist aber auch gar nicht mal wirklich störend. Viel enttäuschender ist, dass der Film trotz großer Gefühle, jegliches Konfliktthema scheut und trotz starker Nähe zu seinen Charakteren, diesen doch so fern bleibt. Tatsächlich ist seit Forrest Gump niemand mehr so unbeholfen und trantütig durch die Weltgeschichte geschlurft, wie Benjamin Button. Nur war das im erstgenannten Fall noch unterhaltsam und oftmals ironisch, zumal Gump wenigstens noch die Entschuldigung hatte, eine etwas längere Leitung zu haben, als der gewöhnliche Mensch. Button hat diese Entschuldigung nicht, er ist der kindlich, naive Greis und später der altkluge Jüngling, aber zu jederzeit enorm uninteressant. Getrieben von Gedanken, Träumen, Wünschen und Launen, die für den Zuschauer im verborgenen bleiben, nutz er mal die eine Gelegenheit und lässt eine andere verstreichen, sucht nach Erfüllung in Nebensächlichkeiten und der großen Liebe, als ultimativen Sinn des Lebens…schnarch.

Das Ganze wäre mit Sicherheit weniger ansträngend, würde es sich nicht so furchtbar lang ziehen und so erschreckend gewöhnlich bleiben, denn bis auf die Besonderheit, dass Benjamin rückwärts altert, durchlebt er all die trivialen und doch so prägenden Ereignisse eines ganz normalen Lebens, bleibt dabei aber ein Mysterium, eine unglaublich blass und allgemein gezeichnete Persönlichkeit, ohne spezifische Fähigkeiten, Talente oder Interessen. Auch in Sachen Emotionen verhält er sich relativ neutral, es kommt nie zu großen Gefühlsausbrüchen, egal welcher Art, wenn Benjamin überhaupt eine Leidenschaft hat, dann ist es höchstens die Liebe zu seiner Kindsfreundin Daisy und auch die ist nur oberflächlicher Natur.

Es fällt schon deutlich auf, dass BENJAMIN BUTTON mehr Schein als Sein ist, ein opulent gezeichnetes Drama mit fantastischer Ausstattung, technisch wunderschön umgesetzt und doch so leer und leblos, voller altkluger, allgemeinverständlicher Lebensphrasen und der über allem prangernden Message: „Nutze die Zeit, die Dir gegeben ist.“ Wirklich tiefgreifend wird der Film nie, weder thematisiert er die Problematiken des Alters noch der Jugend oder allem dazwischen, vielmehr zeichnet er kleine nette Episoden aller Lebensabschnitte, ohne dabei aufzuregen oder groß zu berühren. Als Zuschauer bleibt man Beobachter, irgendwas zwischen gelangweilt und unterhalten, dabei entwickelt sich die Lebensgeschichte des Benjamin Button zu einem Trauergesang, der gegen Ende immer ansträngender wird und einen, nach gefühlten vier, obwohl nur 2 ½ Stunden, erschöpft und ziemlich unbewegt aus dem Kinosaal entlässt.

Auch die Performance der Darsteller bleibt dabei ungewöhnlich blass, für ein Drama. Brad Pitt wird erschlagen und unterdrückt von genialem alters Make Up und bizarr, grotesken, digitalen Maskeneffekten. Cate Blanchett kann erst gegen Ende, wenn ihre Figur stärker ins Zentrum rückt, beweisen, welch großartige Schauspielerin sie ist. Beide blieben für mich aber deutlich unter den Erwartungen, wobei Blanchett, zumindest gegen Ende, wieder was wett machen konnte.

Was bleibt ist der Eindruck großer Bilder, die wenig erzählen. Fincher ist ein visueller Perfektionist, zeichnet großartig, komponierte Bilder und revolutionäre Effekte in ein episch, breit gewälztes Trauerspiel des Lebens, mit meditativer Grundstimmung und unspektakulären Ereignissen. DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON ist ein Film der auf höchstem Niveau, wenig verkauft und anspruchsvoller sein will, als er eigentlich ist. Mit Sicherheit ist das Ganze gut gemeint und in seiner Qualität auch soweit in Ordnung, als das man ein Kinoticket lösen kann. Nur leider ist der Film eben nicht das große Meisterwerk geworden, als das er vermarktet wird und welches man David Fincher gewünscht hätte, sondern ein knapp überdurchschnittliches, episches Drama, dass in seinem Inhalt und Aussage dermaßen banal daherkommt, das man sogar noch Abstriche machen muss und ganz bestimmt handelt es sich dabei, auch ohne bisher die Konkurrenz gesehen zu haben, keineswegs um den beste Film des vergangenen Jahres.

Autor: André

Der Fremde Sohn

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 31.01.2009 von André

Mit reichlich Verspätung hat es DER FREMDE SOHN pünktlich zur Oscarsaison, nur einen Monat vor Bundesstart von Eastwoods wesentlich aktuellerem Film GRAN TORINO, nun doch noch in die Kinos geschafft. Der Film feierte bereits vergangenes Frühjahr in Cannes Premiere und traf dort auf ziemlich zweigeteilte Meinungen. Mir persönlich völlig unverständlich, denn bis auf wenige Marginalien präsentiert sich DER FREMDE SOHN als äußerst schickes und ergreifendes Gesellschaftsdrama, welches zudem auf einer wahren Begebenheit beruht und die Geschichte eines Skandals berichtet, bei dem einer verzweifelten Mutter, nach Verschwinden ihres Kindes, ein falscher Sohn als der Ihrige aufgezwungen wurde.

Dieser Vorfall ereignete sich Ende der 20er Jahre in Los Angeles, zu einer Zeit, in der das dortige Polizeidezernat, inoffiziell, noch korrupter und krimineller gehandelt wurde, als die Straftäter, die es eigentlich verfolgen sollte. Im Zentrum der Geschichte steht die alleinerziehende Mutter Christine Collins (Angelina Jolie), deren neun Jahre alter Sohn eines Tages spurlos verschwindet. Nach Monaten der Ungewissheit und des bangen Wartens, teilt die Polizeistelle von L.A. der besorgten Mutter die frohe Botschaft der Wiederauffindung ihres Jungen Walter mit. Die Wiederzusammenführung von Mutter und Sohn wird als Presseereignis, medienwirksam am Bahnhof gefeiert, um so größer das Entsetzen in Christines Augen, als diese feststellen muss, dass das Kind, welches ihr präsentiert wird, nicht ihr Sohn ist. Schnell wird auf ihren Zweifel reagiert; Sie sei traumatisiert, verwirrt, das Kind habe sich verändert, alles völlig normal, es bestehen kein Zweifel, der kleine Junge sei ihr eigener Sohn. Obwohl sich der anfängliche Zweifel und der mütterliche Instinkt schon bald durch scheinbar unwiderlegbare Fakten bestätigen, beharrt die Polizei auf dem Erfolg ihrer Ermittlungen und ist sogar bereit, Christine Collins, auf Grund geistiger Verwirrtheit, einweisen zu lassen. Diese fühlt sich dadurch jedoch nur in ihrer Meinung bestätigt und findet sogar in einem Gemeindepfarrer (John Malkovich) einen mächtigen Verbündeten, doch in einem eng gestrickten korrupten System, tritt sie einen beinahe hoffnungslosen Kampf an und die Zeit drängt, denn die Spur ihres vermissten Sohnes wird immer kälter…

Zunächst mal auffällig, ist die opulente und hervorragende Ausstattung des Films, die von den zeitgemäßen Mode, über die schicken Oldtimer, bis hin zu den liebevoll gestalteten Sets, sehr gut recherchiert wurde und einen authentischen sowie gleichsam filmreifen Hollywoodflair der 20er Jahre wiederspiegelt. Nicht unwesentlich trägt dazu Angelina Jolie, mit einer zurückhaltenden Art, kräftigem Make Up und einem gewissen Starappeal bei. Gleichzeitig besitzt sie außerdem die nötige Präsents und Stärke, um sich als alleinerziehende Mutter, in dieser von Männern dominierten Welt, glaubhaft, zu behaupten. Dennoch ist es sehr begrüßenswert, dass sich der Film nicht einer möglichen Emanzenparade aussetzt, sondern, bis auf einen kleinen Ausflug in das Deportationslager ungeliebter Frauenzimmer/Nervenheilanstalt, mit der Thematik der unterdrückten Frauenrechte, der damaligen Zeit, zurückhält und seinen Fokus auf der allgemeinen „David gegen Goliat“ Geschichte beharren lässt.

Im mittleren Teil erlaubt sich, produzierender Regisseur Clint Eastwood, zu Gunsten der Spannung, jedoch einen kleinen Ausschweifer ins Thrillergenre und lässt neben dem skandalösen Drama, seinen ganz eigenen Horrorfilm mit Psychokiller abfahren, ein überraschendes Detail, welches die Geschichte ungemein bereichert und für diverse Wendungen und Spannungselemente sorgt, dafür darf sogar der Hauptplot einen Moment zurückstehen, denn nach vielen Wendungen landet Eastwood dann doch wieder beim zentralen Thema und konzentriert sich ganz auf seine Hauptdarstellerin. Diese leistet hier einiges und darf in diversen Szenen glänzen, ganz ohne die Reize ihres Körpers zu benutzen, der ja seit einiger Zeit ohnehin nur aus Haut und Knochen besteht. Etwas enttäuschend ist die zu knapp geratene Rolle von John Malkovich, der zwar einen soliden, aber leider keinen bleibenden Eindruck hinterlässt und hier nur als Staffage dient, während Jolie sich austoben darf, naja, es sei ihr gegönnt.

Wir fassen also zusammen: Eastwood kann seinen Dramareigen um ein weiteres gelungenes Werk aufstocken und präsentiert hier einen schick ausstaffierten, spannend erzählten und sogar überraschenden Film, mit einer glänzenden Hauptdarstellerin, die hier in großen Ausbrüchen und auch leisen Tönen überzeugt. Natürlich verhält sich die Inszenierung, für Eastwood nicht überraschend, sehr klassisch zeigt sich darin aber gekonnt und begeistert sogar mit Genreübergreifenden Elementen und vielen Wendungen, die die Spannung bis zuletzt aufrecht erhalten, das sollte man sich nicht entgehen lassen.

Autor: André

Sieben Leben

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 31.01.2009 von André

Im letzten Jahr konnte Will Smith bei mir, mit seinen beiden Auftritten in I AM LEGEND und HANCOCK nicht grade viele Punkte sammeln. Das Potenzial beider Geschichten wirkt auf mich, durch die läppischen Mainstream-Verfilmungen und ihrer zwangsläufigen Reduktion auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, nach wie vor völlig verschenkt und auch Smith selbst konnte mich in seiner Kombi aus tragisch, komischem Helden nicht überzeugen. Für mich besitzt Willie einfach nicht die Komplexität, um gleichzeitig dramatisch und komisch zu sein, sodass immer eins von beidem aufgesetzt oder konstruiert wirkt, wobei ich in diesen beiden Spezialfällen die Schuld vor allem den beknackten Drehbüchern zusprechen möchte, denn ich bin immer noch ein Fan von I’ROBOT und Smiths Engagement und Können in Filmen wie ALI, DAS STREBEN NACH GLÜCK und nun auch SIEBEN LEBEN, beweisen eindeutig, dass er auch mehr sein kann, als der coole, charismatische und smarte Actionheld, der vom Kinopublikum so geliebt wird und es ist auch zu begrüßen, dass Willie sich nicht auf diese Rolle festlegt, sondern alle paar Jahre auch mal einer Herausforderung stellt, an der er selbst wachsen kann.

Nach dem überraschenden Erfolg von DAS STREBEN NACH GLÜCK, ist SIEBEN LEBEN nun die zweite Zusammenarbeit von Will Smith und Regisseur Gabriele Muccino. Diesmal erzählen beide die Geschichte von Ben Thomas, einem Mann der von Schuldgefühlen, die aus seiner Vergangenheit herrühren,  zerfressen wird. In der Hoffnung auf Vergebung und Erlösung, hat Ben sieben fremde Menschen ausgewählt und deren Charakter geprüft, denn er ist in der Lage die Lebensumstände dieser Menschen, die allesamt irgendeine Art Hilfe benötigen, entscheidend zu verändern…

Mehr sollte nicht über die Handlung des Films verraten werden, denn der Hauptplot setzt sich aus der Ergründung von Bens Vergangenheit und den daraus folgenden Konsequenzen zusammen, dabei schlägt SIEBEN LEBEN einen überaus melancholischen und dramatische Weg ein, der gleichsam konsequent und bedrückend ist, wie sich das für ein gutes Drama gehört. Dazwischen wird eine sehr leise und traurige Stimmung angeschlagen, dessen einziger Lichtblick, die aufkeimende Liebe zwischen Ben und Emily (Rosario Dawson) darstellt, einer Frau, der Ben auf Grund einer angeborenen Herzschwäche helfen möchte.

Damit der Film funktionieren kann, ist es ungemein wichtig, sich auf die gutmütigen und leidenden Charaktere der Geschichte vollständig einzulassen, denn mitunter gibt sich SIEBEN LEBEN, trotz der depressiven Stimmung, sehr gutartig und rührseelig, ein Umstand, der auch schon in DAS STREBEN NACH GLÜCK spürbar war und der auf den pessimistischen Zyniker im Publikum, mitunter doch etwas weltfremd wirken könnte. Auch lässt sich der geheimnisumwobene Plot, samt seinem dramatischen Endes, für den erfahrenen Genregänger relativ schnell ergründen, was aber nicht zwangsläufig zur Langeweile oder Dessinteresse führen muss, wenn man den oben angeführten Ratschlag beherzigt.

Denn immerhin sehen wir Will Smith hier in einer, für ihn, nicht grade gewöhnlichen Rolle und in dieser weis er auch ohne smarte Sprüche oder überschwängliche Actioneinlagen zu gefallen und vor allem, zu berühren, denn auf Grund der traurigen und schönen Geschichte des Films, wird dem einfühlsameren Zuschauer die ein oder andere Träne sicher nicht erspart bleiben und vermutlich soll das auch so sein. Doch eben jenes Publikum sei auch vorgewarnt, denn SIEBEN LEBEN ist einer aufkommenden Frühjahrsdepression eher zuträglich und fördert diese mitunter sogar bis zum Äußersten. Die frohe Botschaft verbirgt sich hier nämlich im Subtext und mag dem von Traurigkeit und Melancholie geplagten Kinogänger mitunter abhanden kommen. Wer also ohnehin eine schwierige Zeit durchmacht, sollte sich von diesem Film tunlichst fern halten, denn SIEBEN LEBEN ist nur etwas für einfühlsame Dramatiker, die sich gern bewegen lassen, aber Gefühle der Traurigkeit auch Händeln können. Der zerbrechlichen Seele oder dem zynischen Realisten bringt dieser Film nur Unmut und Langeweile und das könnte mitunter noch dramatischer Enden, als es SIEBEN LEBEN jemals aufführen könnte. 

Autor: André             

Twilight

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 26.01.2009 von André

Vorpubertäre Mädchenfantasien, verpackt in eine harmlose und langweilige Vampiregeschichte, das ist TWILIGHT oder BISS ZUM MORGENGRAUEN, der einführende Teil einer vierteiligen Trendroman-Reihe von Hobbyautorin Stephanie Meyers. Und wie das dieser Tage nun mal so ist mit den kommerziell erfolgreichen Trendromanen, konnte es ja nicht lange dauern, bis dieser nun auch in filmmischer Form über die Leinwände der Lichtspieltheater flackert und Scharen von Teeniegirls im schmalzigen Wust, ihrer eigenen Träume schmachten lässt.

Das traurige daran ist, dass sich TWILIGHT so verdammt berechnend verhält und zugleich unglaublich naive Scheiße erzählt, die weder sonderlich anspruchsvoll, noch wirklich unterhaltsam ist. Ja, man kann sogar behaupten, dass TWILIGHT weder einen erzählerischen, noch einen künstlerischen Wert besitzt und sich dabei plump und schamlos simpelster Elemente bedient, um seine minderjährige Zielgruppe geschickt einzulullen und ihr das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Im Grunde sind Buch und Film nichts weiter als perfekt getimte Trendphenomene, die die Grundlagen einer trivialen Romanlektüre oder wahlweise TV-Soap, dreist mit einfachsten Horror- und Mystikelementen verknüpfen, um die derzeitige allgemeine Begeisterung der Kids für Tod, Fantasy und Gothic zu bedienen. Würde man sich die Mühe machen und das ständige hin und her der Titelheldin Bella, zwischen Faszination Freitod, dem Wunsch nach Unsterblichkeit und dem Wert des eigenen Lebens, genauer analysieren, man würde ein Szenario der kalkulierten Perversion vorfinden, aber ganz so teuflisch möchte ich TWILIGHT dann doch nicht bewerten, denn es handelt sich hierbei schließlich nur um einen Film und quasi den Nachfolger von Serien wie BUFFY, ANGEL oder ähnlichem, nur eben im Kino.

Die Handlung ist schnell erzählt, denn wie eingangs erwähnt, erzählt sie nicht sonderlich viel: da ist dieses Mädchen Bella (17), dass zu ihrem Paps in ein traniges dreitausend Seelen Örtchen namens Folks, irgendwo im kälteren Norden von Amerika, zieht. Bella ist die Sorte Teeniegirl, die sich gerne vor der Welt versteckt, eine introvertierte Einzelgängerin, hübsch ohne es zu zeigen, mit Interessen Jenseits des Niveaus ihres Alters. Klar, dass die gewöhnlichen Multikulti Kids der Highschool ihr am Arsch vorbeigehen, währe da nicht dieser große metrosexuelle Knabe mit der vornehmen Blässe im Gesicht, dieser Edward. Edward ist der fleischgewordene Traum aller weiblicher Tweens: gutaussehend, groß, gepflegt, zurückhaltend, sensibel, einfühlsam, kultiviert, belesen, romantisch und mysteriös, denn Edward ist ein Vampir, was ihn für Bella und alle übrigen Girls der Welt, unglaublich aufregend und interessant macht. Aber das wirklich tolle ist, dass Edward eine verletzte Seele ist, ein Typ der sich hasst für das was er ist und der sich fürchtet vor dem, was er werden könnte und das gibt Bella den Rest. Sie muss ihn haben und so kommt es auch, natürlich platonisch, konservativ, Händchen halten, stundenlang anschmachte und dann irgendwann, der erste Kuss, fertig und ist das romantische Glück perfekt, taucht urplötzlich ein „böser“ Vampir auf, der Bella nach dem Leben trachtet, so das Edward zum Helden werden kann und seine Liebste schützen muss…

Im wesentlichen, passiert also 1 ½ Stunden nichts, außer romantisch, naives Gesäusel, bis völlig unmotiviert aus dem Nichts, diese plötzliche Bedrohung auftaucht, um fast schon entschuldigend, zumindest kurzweilig,  für Spannung zu sorgen. Für über 2 Stunden Laufzeit, ist das definitiv zu wenig Geschehen und das auch noch so unerträglich bieder und brav, denn TWILIGHT möchte ausschließlich die minderjährige, weibliche Zielgruppe bedienen und macht sich gar nicht erst die Mühe einem reiferen Publikum zu gefallen.     

Dementsprechend hart muss dann auch die Kritik ausfallen: TWILIGHT bietet keinen nennenswerten Höhepunkte und bewegt sich auf dem Niveau von Teenagern, weiblichen Teenagern muss man dazu sagen, den für die Kerle hat der Film im Grunde gar nichts und für die Mädels nur die verträumten, blumigen Weltanschauungen, die sie sich in ihren jungen Jahren so herbeisehne. Ein Film so zäh wie Kaugummi und langweiliger als Gras beim wachsen zu beobachten, sowas kann man als Teenieserie machen, sollte man aber im Kino vermeiden. TWILIGHT kann man getrost der verkorksten Generation überlassen, der er gewidmet ist, auch wenn er, um abschließend ein paar versöhnlicher Worte zu finden, längst nicht so furchtbar war, wie er vielseitig beschrieben wird, jedoch genauso uninteressant.

Autor: André

Zeiten des Aufruhrs

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 23.01.2009 von André

Wir erinnern uns, wie Leo und Kate auf dramatischste Weise gemeinsam mit der TITANIC untergegangen sind und treffen beide nun viele Jahre später erneut als Paar auf der großen Leinwand wieder. Nur ist der Anlass diesmal deutlich weniger romantisch, dafür nicht minder dramatisch, denn Sam Mendes ZEITEN DES AUFRUHRS zeichnet die beklemmende Reflektion eines konservativen Lebensstils in den 50er Jahren, in denen das Glück und die Träume eines jungen, idealistischen Ehepaares, von den harten Fakten der Realität, je zerschmettert werden.

Der Erwerb eines Familienhauses in der verheißungsvollen „Revolutionary Road“, verspricht dem Ehepaar Wheeler den baldigen gesellschaftlichen Aufstieg. Doch obwohl beide nach den Regel spielen: Sie Haus und Kinder hütet, während Er täglich zur ungeliebten Arbeit geht, um die Finanzen zu sichern, will sich das gemeinsame Glück nicht so recht einstellen, Missmut macht sich breit. Hoffnung entsteht durch einen Ausbruch, die Wheelers wollen ihr Leben hinter sich lassen und nach Frankreich auswandern, jedoch wird der anfängliche Enthusiasmus schnell durch Zweifel, Ängste sowie Gedanken an Sicherheit und Verantwortung getrübt und der gemeinsame Traum vom einem erfüllten Leben, droht für immer zu verschwinden…

ZEITEN DES AUFRUHRS ist ein ziemlich bedrückendes und auch gemeines Drama, welches mit Sicherheit keinen Zweifel daran lässt, dass Regisseur Sam Mendes kein Fan von traditionellen Lebensstilen oder Rollenverteilungen ist. Der Film demontiert auf ziemlich akribische Weise die Illusion von Sicherheit und Erfüllung im traditionellen Arbeits- und Familienleben und ist schwer damit beschäftigt alle Varianten und Schattenseiten eines konservativen Lebensstils aufzuzeigen. Für die Charaktere im Film bleibt jeder Kompromiss, jedes Aufopfern, jeder Verzicht ohne Belohnung und ihr Leben scheint festgefahren, vorbestimmt und von Leere erfüllt zu sein. Das ist ziemlich bitter und genau genommen auch ein wenig unfair, denn Mendes sucht in seinem Film stets das Negative und ist wenig bemüht seinen Figuren Aufmunterung, Hoffnung oder positive Beispiele zu schenken. Was man erlebt, ist also eine sehr festgefahrene, eingeschränkte und vor allem negative Sichtweise auf die Dinge die gezeigt werden und der Zuschauer kann aus vielen Wendungen und Möglichkeiten frei wählen, wo die Dingen anfingen schief zu laufen oder welches die Fehler sind, die das Glück der Protagonisten immer wieder verhindern.

Auffällig ist außerdem, dass das Thema des Films nicht grade neu ist und bereits in etlichen Filmbeispielen persifliert, dramatisiert oder kritisiert wurde. Warum ZEITEN DES AUFRUHRS trotz alledem sehr empfehlenswert ist liegt am stimmigen Gesamtbild und natürlich den hervorragenden Darstellern. Kamera, Schnitt und Musik sind tadellos, zudem wird die Geschichte sehr sorgfältig und fein erzählt und wirkt niemals aufgesetzt oder konstruiert, das muss man Mendes lassen, sein Fokus konzentriert sich auf das Negative, wirkt aber stets plausibel, auch wenn man als Zuschauer weiß, dass es auch anders sein könnte.

DiCaprio und Winslet haben seit TITANIC viel dazugelernt, ihr beider Schauspiel ist hervorragend ausgearbeitet und für Details sensibilisiert, beide harmonieren wunderbar miteinander und spiegeln ein glaubwürdiges und nachvollziehbares Bild ihrer Charaktere wieder. Persönlich werd ich wohl nie ein Fan von DiCaprio und sein jugendliches Gesicht, besonders in so reifen Rollen, stets als etwas störend empfinden, doch das ist Geschmackssache, denn der Rolle an sich ist er gewachsen und seine Besetzung gerechtfertigt. Das Winslet sogar für die Rolle mit einem Globe belohnt wurde, ist nur ein kleines Extra, denn in ihrem Schauspiel unterliegt, noch überragt sie die übrigen Darsteller, die bis in die Nebenrollen großartiges leisten, besondere Erwähnung finden an dieser Stelle Kathie Bates und Michael Shannon.

Bleibt also zu sagen, dass ZEITEN DES AUFRUHRS nicht viel und nichts Neues erzählt, aber dennoch angesehen werden sollte, weil sich dieser Film technisch tadellos verhält, die Geschichte trotz Bekanntheit fesselt und die Darsteller sich nicht um sonst so abgemüht haben sollten. Für Romantik und Gekuschel aller TITANIC ist in diesem Film jedoch kein Platz, auf breit gestreuten Pessimismus sollte man also gefasst sein.

Autor: André

Australia

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 23.01.2009 von André

Wer ist bitte Baz Luhrmann? ,war meine erste Frage nachdem ich den Teaser zu AUSTRALIA gesehen hatte. Nach kurzer Recherche im Netz war ich klüger, es ist der Typ der ROMEO & JULIA sowie MOULIN ROUGE! inszeniert und geschrieben hat – Drehbücher natürlich, schon klar, dass R&J von Shakespeare ist – beide Filme ließen mich nach erster Betrachtung spontan durchs Wohnzimmer reihern, denn es lässt sich nicht leugnen, dass Luhrmann eine gewisse Affinität zu Kitsch, Schmalz und Schrillheit hat, zumindest darf man seinen bunten, überdrehten Stil als gewöhnungsbedürftig bezeichnen.

Glücklicherweise, verhält sich AUSTRALIA da schon etwas gesetzter, zwar frönt Luhrmann auch hier der Naivität und dem Kitsch alter Schmonzettenfilme wie VOM WINDE VERWEHT oder LEGENDEN DER LEIDENSCHAFT, dass hat aber, wenn man sich drauf einlässt, einen gewissen Charme, denn immerhin bleibt Luhrmann seinem Stil treu und wagt es in Zeiten, in denen die vorherrschenden Mittel guter Filme, Reduktion und Realismus lauten, mit opulent verträumten und kitschig verspielten Bildern, eine wilde Mixtur aus Abenteuer, Romanze und Kriegsdrama auf die Leinwand zu bringen.

Im Zentrum der alles ineinander verwustenden Geschichte stehen Nicole Kidman und Hugh Jackman als wunderbar überdrehtes Traumpaar. Beide geben hier Musterrollen, Sie die etwas naive englische Lady von gutem Stand und Haus, Er den ungehobelte Raufbold mit gutem Herz und Machoattitüde. Nach anfänglichen Differenzen funkt es natürlich heftig zwischen den beiden und kaum hat sich das Traumpaar gefunden, wird es auch schon auf die Probe gestellt, denn der Streit um den Adoptivsohn treibt die beiden auseinander und schlussendlich droht ihre Liebe sogar noch im Bombenhagel der japanischen Fliegerflotte zu erlöschen, dramatisch, dramatisch.

Wie schon in seinen vorherigen Filmen, scheint es Luhrmann nicht zu kümmern, dass seine Geschichte und Charaktere quasi direkt aus einem schmalzigen Kitschroman auf die Leinwand übertragen sein könnten. Viel mehr scheint es ihm Freude zu machen, klassische Bestandteile der Trivialliteratur zu bebildern und dabei weder Kosten noch Mühe zu scheuen, denn AUSTRALIA sieht nicht nur surreal und künstlich, sondern vor allem episch und groß aus, wie eine erdachter Welt aus einem Paralelluniversum in der alles möglich ist, magisch und verspielt, ein Traumland welches sich wieder zu den Wurzeln der großen klassischen Hollywoodfilme begibt und – was enorm wichtig ist – sich dabei nicht so wichtig nimmt, den der Film ist sich seiner Klischees, seiner kitschigen Bilder und schmalzigen Geschichte durchaus bewusst und weis all diese Elemente auch gelegentlich zu ironisieren. Im Vordergrund steht der Spaß und die Ambition eine künstliche Welt zu schaffen, in die der Zuschauer für 2 ½ Stunden eintauchen kann, um zu Träumen und in einem farbenprächtigen Bilderrausch zu schwelgen, wie man ihn eben nicht alltäglich, sondern nur im Film finden kann.

Das auch den Darstellern dieses Konzept zusagt, ist an ihrer Spielfreude anzumerken, besonders Nicole Kidman wagt sich weit vor und legt ihre englische Lady enorm überzeichnet und over acted an, nur um in den richtigen Momenten dann wieder mit Feinheit und Präzision zu glänzen. Auch Hugh Jackman genießt seine Rolle zwischen Indiana Jones und Crocodile Dundee sichtlich und gibt gerne den heroischen Abenteurer und Traumprinzen. Wie bereits erwähnt, zeichnen sich die Charaktere nicht grade sehr komplex und bleiben größtenteils in Klischeeverhalten stecken, doch beide Darsteller verkörpern dies mit einer Leichtigkeit aus Ironie und Charme, das es immer glaubhaft wirkt und einen nicht aus der Geschichte reißt.

Überhaupt wirkt die wilder Mixtur der übergreifenden Genre äußerst passend für einen solchen Film, denn sie  sorgt für reichlich Abwechslung im Geschehen, sodass, trotz der enormen Laufzeit und durchschaubaren Geschichte keine Langeweile entstehen kann und der Zuschauer stets unterhalten bleibt. Vorrausetzung ist natürlich, dass man sich auf einen derartigen Film einlassen kann. Wem klassische Filmfiguren und überzeichnet, kitschige Traumwelten zu wider sind, für den ist AUSTRALIA natürlich überhaupt nichts und der sollte diesen Film auch tunlichst meiden, den er würde ihn hassen und verteufeln und damit läge er falsch, denn AUSTRALIA hat zu viele Ambitionen, zu viel Engagement und ist viel zu speziell, um ihn einfach als schlechten Film ab zu tun, ob er gefällt oder nicht ist einfach Geschmackssache, es gibt sicherlich bessere Filme, aber es gibt auch unzählig Schlechtere.

Autor: André