So ist Paris


Inhalt: Paris, die Stadt der Liebe, die Stadt der Emotionen und des Chaos: Im Alltag der Millionenmetropole prallen Welten aufeinander, wenn sich die Wege ganz normaler, aber völlig individueller Menschen kreuzen: Gemüsehändler auf sentimentalen Abwegen, ein Uniprofessor auf der Jagd nach jungen Frauen, ein Tänzer auf der Suche nach Vollendung, eine Sozialarbeiterin im Dauereinsatz, eine Bäckersfrau mit unkonventionellen Überzeugungen, ein illegaler Immigrant in der Stadt seiner Träume. In “So ist Paris” sucht jeder seinen Platz, seine andere (Liebes-) Hälfte, sein Kätzchen. Unter der Herrschaft des Alltäglichen, in der liebenswerten Sentimentalität des Banalen, wird das Unspektakuläre König – im grandiosen Rahmen der unvergänglichsten aller Städte… (Pressetext: Prokino)
Kritik: Schwermütig, gegensätzlich, tragikomisch, nicht überall schön, nicht immer unbeschwert, “So ist Paris”. Cédric Klapischs Liebeserklärung an seine Heimatstadt, entführt uns in satten 129 Minuten Gesamtlaufzeit in all die kleinen, eigentlich ach so alltäglichen und banalen, aber gerade deswegen manchmal auch so außergewöhnlichen Situationen, die sich SO auch nur in einer Metropole wie Paris, welche sich zwischen Vergangenheit und Zukunft gefangen, jeden Tag neu selbst erfinden muss, abspielen können. Klapisch legt dabei allerdings keinen Wert auf Glorifizierung, sondern hat erkannt, ebenso wie Olivier Assayas und Frédéric Auburtin in ihrem wunderbahrem Episodenfilmprojekt “Paris, je t´aime” von 2006, das die eigentliche Schönheit und die Faszination von Paris gerade erst in eben ihrer Unvollkomenheit, in ihrem stetigen Wandel und ganz besonders den sowohl gesellschaftlich soziologischen als auch allgemein infrastrukturellen Unterschieden liegt.
Es sind die Reibungspunkte, die Klapisch interessieren, die Gegensätze zwischen Tradition und Moderne, von Alt und Neu, von Arm und Reich, aus denen Paris seinen Reiz zieht.
Da gerade diese Vielschichtigkeit und Unvollkommenheit sich nur schwer durch einen A-typischen Plotaufbau verdeutlichen lässt, entschied sich auch Cédric Klapisch für das Konzept eines Episodenfilms. Klapisch versucht aus einem Pool von Characters, die vage durch ihre Geschichten miteinander verknüpft sind, ein stimmiges Gesamtkonstrukt zu erzeugen, welches zwar äußerst unterhaltsam daherkommt, letztendlich dann allerdings doch leider hinter Filmen wie eben “Paris je t´aime” stehen bleiben muss.
“Paris je t´aime” hat “So ist Paris” gegenüber nämlich einen klaren Vorteil: Den Moment der wirklichen Alternation innerhalb des filmischen Gesamtkonzepts! Das Konstrukt hinter “Paris je t´aime” allein verdeutlicht schon besser eben jenen Reiz von Paris, als es jemals der gesamte Film “So ist Paris” auch nur ansatzweise schaffen könnte. 18 an sich klar von einander getrennte Episoden, gespielt in 18 unterschiedlichen Arrondissement von Paris, von 18 unterschiedlichen Regisseuren einzeln erdacht und einzeln verwirklicht… Es ist logisch das dies wesentlich mehr Vielfalt und Abwechslung innerhalb des Endprodukts hervorruft als es ein alleinig erdachtes Konzept jemals schaffen könnte.
Doch soll dies keine wirkliche Kritik gegenüber “So ist Paris” darstellen, denn Klapisch kam vielleicht auch einfach zu spät mit seiner Idee, bzw. zu früh hinter “Paris je t´aime”. Und dafür hat er immernoch eine ziemlich unterhaltsame und abwechslungsreiche Geschichte abgeliefert. Auch versteckt sich die eigentliche Kritik nämlich ganz woanders…
Klapischs Werk hat leider nämlich mit zwei ganz anderen eher unschönen Problemen zu kämpfen. Einerseits wäre da die Tatsache das “So ist Paris” teilweise einfach zu unrund läuft. Der feine Garn der die einzelnen Geschichten miteinander verwebt, droht an einigen Stellen einfach zu reißen, da sich Klapisch entweder zu kurz oder aber zu lang mit einer Situation, einer Geschichte oder einem Charakter aufhält, so dass, wenn der Schnitt auf ein anderes Sujet dann kommt, es entweder zu apprupt oder aber zu spät erscheint.
Wenn wir etwa in einer, von der Optik her leicht an Michel Gondry erinnernden und auch nett gestalteten aber einfach für die allgemeine Geschichte unnützen, Traumsequenz Rolands Architektenbruder dabei zusehen dürfen, wie er versucht vor der banalen Normalität seines Lebens zu fliehen, dann mag dies zwar nett aussehen, bringt jedoch die eigentliche Kerngeschichte überhaupt nicht weiter. Auch vielleicht gerade durch diese teilweise ungerrecht wirkende Aufteilung der Laufzeit, vermag es “So ist Paris” nicht recht einen schlußendlich wirklich alles umspannenden Bogen um seine Geschichte, seine einzelnen Figuren ziehen zu können, so dass aus derart vielen und kleinteilig erzählten Geschichten dann für den Zuschauer ein wirklicher Schuh daraus werden würde.
Zudem, und dies ist der zweite und wesentlich schwerwiegendere Kritikpunkt, wirken einige der Figuren des Filmes leider vollkommen deplatziert und Störend. Auch ihre Storys verlaufen sich im nachhinein und ohne großes Zutuen für die Geschichte, schlicht im Sande. Zu nennen wären hier einerseits die Episode um einen Afrikaner, der seine Reise nach Europa in einem kleinen Motorboot antritt. Die zwar einfühlsam fotografierten Bilder des afrikanischen Flüchtling auf seinem Weg ins ersehnte Paradies, mögen für sich allein stehend zwar vielleicht noch leidlich funktionieren, jedoch wirken Sie innerhalb dieses Filmes lediglich wie eine lieblos drangetackerte und nur allzu nachlässige Abhandlung der Pariser Immigrationsproblematik.
Auch das Auftreten etlicher anderer Randfiguren bzw. die zwar wirksame aber dennoch unnütze und schlußendlich auch sinnlose Vertiefung einiger Charaktere, wie z.B. die des verwahllosten Bettlers der sich scheinbar in Elisé verguckt hat, oder aber auch die bereits erwähnte Sequenz über den Architekten, führen letztendlich zu nichts. Zwar verschaffen diese Szenen den jeweiligen Figuren gekonnt Plastizität und Tiefe, jeddoch führen uns die Figuren an sich, danach dann leider überhaupt nicht mehr weiter.
Zwar schmälern all diese Schwächen das Gesamtpaket ein wenig, aber nichtsdestotrotz sind sie irgendwie verzeihbar, da der Kern der Geschichte immer noch überragt, auch wenn er streckenweise im Film, schon ein wenig drohte zu versinken. Klapisch beweist nämlich trotz allem, insbesondere bei der liebevollen Setzung seiner Figuren, der Besetzung und Verkörperung durch die Schauspieler und auch den Aufbau ihrer jeweiligen Szenen, großes führerisches und cineastisches Können.
Er nimmt seine Figuren äußerst ernst, behandelt Sie respektvoll und weiß Sie stets ins rechte Licht zu rücken. Auch wenn einige seiner Figuren fehl am Platze wirken mögen, so besitzen sie alle jedoch ihren ganz eigenen Charme und sind voller Leben.
Dies mag natürlich auch an der fabelhaften Besetzung liegen, denn Juliette Binoche, Romain Duris und auch besonders Fabrice Luchini wissen einfach in ihren Rollen wirklich aufzugehen und Sie derart liebevoll, dreidimensional und glaubhaft zu verkörpern, dass man wirklich denken mag Sie säßen gerade höchstpersönlich vor einem. Bei Binoche und Duris ist dies aber auch vermutlich einfach auf eine gewisse Routine und schauspielerische Erfahrung bzw. das bereits Erlernte und das Bergerschen des nötigen Handwerks zurückzuführen, wohingegen man bei Luchini sogar streckenweise wirklich die Leidenschaft hinter seiner Rolle erkennt.
Auch der restliche Cast ist durchweg gut gelungen. Man mag dabei z.B. an die arabische Bäckerergehilfin denken oder eben auch jenen verarmten Bettler, der sich zwar storytechnisch nicht ganz einfügen will, aber trotzdem eine, gerade für zwei solch kurze Auftritte, wirklich enorme Tiefgängigkeit bekommt. Es sind auch vorallem auch die kleinen Figuren die wirklich im Gedächtnis bleiben, so wie die Bäckereibesitzerin, die Studentin, die Frau des Architekten…
Das der Film überhaupt eine solch beeindruckende Authentizität gegenüber seinen Figuren entwickeln kann, liegt dabei allerdings auch in der durchgängig zwar sehr schlicht gehaltenen, sogar teilweise auch relativ kühl wirkenden aber dennoch durchgängig auch sehr persönlichen Kameraführung von Christophe Beaucarne. Die gewählten Motive und Sujets versprühen sowohl Klarheit, Eindringlichkeit als auch teilweise wirklich tiefe Emotionalität. Insbesondere jene Sequenzen die innerhalb der Wohnungen der Protagonisten spielen, wirken wie eine Einladung auf den Zuschaue “Hey, das sind meine Charaktere. Die sind alle ziemlich nett. Fühl dich ganz wie Zuhause bei ihnen und mach es dir gemütlich!”.
Fazit: “So ist Paris” will das der Zuschauer sich kurzzeitig im Film wie Zuhause fühlt, ein bischen mit im plaudert aber danach auch einfach wieder geht. Dem Film hätten einige Streichungen was die Storyline und einzelne Figuren angeht, sicherlich gut getan, das Gesamtpaket damit eher abgerundet und gestrafft, jedoch fühlt man sich immernoch durchgängig unterhalten und wirkliche Längen entstehen eigentlich kaum, oder sind zu vernachlässigen. Auf der Seite der Regie wird somit durchgängig gute bis wirklich fabelhafte Handwerkskost geboten, mit einigen Patzern innerhalb der Aufteilung der Laufzeit, was aber ebenfalls zu verschmerzen sein dürfte. Schauspielerisch werden einige Glanzleistungen geboten die auch Kameratechnisch gut in Szene gesetzt worden sind. Ein Film denn man sich gerne anschaut, der einen nicht hetzt, sich Zeit lässt und einfach ein paar kleinere und nette Geschichten dem Zuschauer erzählen möchte.
Autor: Sven
am 24.07.2008 um 04:55
also muss ich den nicht unbedingt anschauen, wenn ich “Paris je’Taime” gesehen habe?!
es sei natürlich ich bin ein riesen fan solcher filme, oder paris. aber der film hat nichts was “Paris je’Taime” nicht hat oder irgend etwas, was man umbedingt und wirklich gesehen haben sollte?
am 24.07.2008 um 14:05
Nein, muss man nicht unbedingt geschaut haben, ist aber trotzdem ein netter kleiner Film. “Paris je t’aime” ist jedoch wesentlich besser und bringt das Paris-Feeling auch besser rüber.