Sieben

„Hemingway hat mal geschrieben…die Welt ist so schön und wert das man um sie kämpft…letzterem stimme ich zu.“

So lautet das traurige Fazit eines der beklemmensten Thriller der letzten Jahre. Die Rede ist von Sieben einem Krimi über zwei Detectives, die an einer Mordserie ermitteln, welche die sieben Todsünden zum Vorbild hat.

William Somerset (Morgan Freeman) hat genug von der Polizeiarbeit. Der in die Jahre gekommene Detective geht in genau einer Woche in den Ruhestand, zuvor muss er aber noch den Neuen, Detective David Mills (Brad Pitt), in seine Arbeit einweise. Beiden fällt der gegenseitige Umgang schwer, denn der ungeduldige, redselige Mills ist das genaue Gegenteil zu dem ruhigen, abgeklärten Somerset. Eine neue Mordserie zwingt beide jedoch zur Zusammenarbeit, denn der Täter foltert und tötet anschließend, sogenannte Todsünder, Menschen die gegen die sieben Sünden des Teufels verstoßen haben. Zudem findet Somerset heraus, dass der junge Mills durch seine Arbeit, seine Frau Tracy (Gwyneth Paltrow) stark vernachlässigt. Tracy kommt mit dem Großstadtleben nicht gut zurecht und vertraut Somerset ein Geheimnis an: sie ist schwanger.

Maßlosigkeit, Habsucht, Hochmut, Trägheit, Wollust, Neid und Zorn. So lauten die sieben Todsünden nach dehnen der Psychopath John Doe (Kevin Spacey) seine Opfer auswählt.

Von Anfang an schafft Regisseur David Fincher den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen, denn seine düsteren, beklemmend schockierenden Bilder, sorgen für eine unglaublich dichte Atmosphäre. Gekonnt erzeug er dabei ein fast schon mystisches Szenario, durch das sich der großartige Morgan Freeman und sein Kollege Brad Pitt bewegen. Die subtile Spannung und psychische Grausamkeit, die der Film mit jedem Mord steigert, wirken beinahe unerträglich und die alptraumhaften Bilder der Opfer brennen sich in die Köpfe der Zuschauer ein, nicht zuletzt, weil Fincher seinem Publikum nie einen klaren Einblick gewährt, sondern stets Platz für die eigene Fantasien des Betrachters übrig lässt. Doch nicht nur die düstere Atmosphäre oder die exzellenten Darsteller sorgen für ordentlichen Nervenkitzel, es ist vor allem die Thematik mit der sich Fincher befasst: Die Abgründe der Menschheit. Verdeutlicht durch die sieben Todsünden zeigt Fincher eine Welt ohne glauben an Werte, Moral und Anstand. Eine Welt voller Grausamkeit und ohne Hoffnung. Wie der alte Somerset, der den Glauben an das Gute im Menschen verloren hat, oder der naive Mills, der nicht erkennt welches Glück er hat und schließlich zerbricht, als sein heile Weltbild einstürzt. Nicht mal am Ende wenn sich John Doe stellt und seinen grausam, genialen Plan vor den Augen der Detectives offenbart, gönnt Fincher dem Zuschauer ein aufatmen. Nein im Gegenteil, er lässt die Bestie mit dem Zuschauer sympathisieren. Er gibt ihr ein glaubwürdiges, ein fast schon edles Motiv für die Morde an den unschuldigen Opfern, bis es schließlich zum finalen Thrill kommt und man die ganze Monstrosität eines brillant aufspielenden Kevin Spacey zu spüren bekommt. Jetzt offenbart Fincher die schreckliche Wahrheit und denn genialen Plot, bei dem einem dann konsequenter Weise klar wird, dass es manchmal eben kein Happy Ending gibt. Erst jetzt kommt die Hoffnung in Gestalt von Morgan Freeman der denn Kampf nicht aufgibt und seinen Glauben wiederfindet. Fast schon zu spät will man meinen, denn der Schock sitzt zudem Zeitpunkt so tief, dass man besser ganz schnell ein Stückchen Schokolade mümmelt damit es einem wieder besser geht.

Fazit: Sieben ist ein brillant beklemmender, filmisch tadellos umgesetzter, großartig besetzter Thriller, dessen Grausamkeit und subtile Spannung nur schwer zu überbieten sind.

Autor: André

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