Sex And The City – Der Film

“Du kennst mich Süße, ich glaube nicht an die Ehe. Botox andererseits das klappt jedesmal.“

Ich wusste schon, warum ich vergangenen Sommer jede, auch noch so charmante Einladung von Bekannten und lieben Freundinnen abgelehnt habe, mir mit Ihnen den SEX-AND-THE-CITY-Film anzusehen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre, ich mag die Serie und hab Sie mir immer gerne angesehen, wenn auch längst nicht so regelmäßig und exzessiv wie zahllose Fans weltweit. Darum hat der nun produzierte Kinofilm, vier Jahre nach Beendung der TV-Serie, auch sicher eine Existenzberechtigung, immerhin konnte jeder, wirklich jeder beliebte Charakter für diese finale Reunion gewonnen werden.

Und trotzdem, irgendetwas fühlte sich falsch an, sich das im Kino anzusehen. Carrie & Co gehören für mich auf die Mattscheibe, da waren Sie sechs Jahre lang und haben TV Geschichte geschrieben: haben den Frauen von heute gezeigt, wie man sich als erfolgreiche, unabhängige Singlefrau, im New-Yorker-Dschungel behaupten kann und dass, trotz Männer, Mode und sündhaft teuren Schuhen, am Ende es immer die Freundinnen sind, die einem durch die leidlichen Episoden des Lebens helfen.

Nun sind Carrie, Samatha, Charlotte und Miranda also wieder vereint um ein großes Ereignis zu feiern: Carries Hochzeit mit John „Mr. Big“ Preston. Leider wird die groß aufgezogene Feier und Carries glamouröser Auftritt zum Desaster. Big kriegt Torschlusspanik und kommt nicht zum Altar, Carrie ist entsetzt und flüchtet mit Ihren Freundinnen in die Flitterwochen nach Mexico. Auch bei Miranda hängt der Haussegen schief, Ihr Mann Steve gesteht Ihr einen Seitensprung, worauf Sie Ihn empört verlässt und Samatha, mittlerweile nach L.A. umgezogen, quält sich durch den Alltag einer monogamen Beziehung und versucht der leckeren Versuchung Ihres attraktiven Nachbarn zu wiederstehen. Ach ja, und Charlotte wird dann doch noch schwanger…

Man merkt, dass die Gründe der Reunion eher fadenscheiniger Natur sind: Samatha ringt mit alten Problemen, Charlotte perfektes Leben wird noch perfekter und um Carrie und Miranda werden eher unmotivierte Konflikte gestrickt, die ein wenig Drama in den ansonsten harmlosen Komödie bringen sollen…sei‘s drum. Viel schwieriger wiegt der Verlust der alten Werte, die die beliebte TV-Serie einst auszeichneten. Was wurde aus der Unabhängigkeit, aus dem großen Glück in dem die Männer nur die zweite Geige spielen? Warum möchte Carrie auf einmal heiraten? Warum sorgt Sie sich um Ihre finanzielle Sicherheit ohne Mr. Big? Warum glaubt Sie plötzlich, Sie sei ohne Mann verloren??? Dieser Wandel, von der selbstbewussten und unabhängigen Carrie, zur verängstigten und unsicheren Carrie, ist nicht nur traurig und unverständlich zu beobachten, sondern widerspricht auch sämtlichen Aussagen der TV-Serie.

Wie zum Ausgleich wirkt hingegen Mirandas völlig übertriebener Emanzenausbruch dem armen Steve gegenüber. Dieser steht, den Tränen nahe, wie ein Schluck Wasser vor seiner Göttin Weib und gesteht Ihr den einmaligen Fehltritt, als Folge der sechs monatigen Flaute im eigenen Ehebett. Doch Miranda bleibt erbarmungslos und wirft Steve und Ihr Glück überstürzt auf die Straße, um sich von nun an als betrogene Frau und Singlemom selbst zu bemitleiden. In der vorm Altar stehen gelassenen Carrie, findet Sie die perfekte Leidensgenossin und so quälen sich die beiden, einen entsetzlich langen Zeitraum gemeinsam durch ihr Elend. Während Charlottes Schwangerschaft kaum Erwähnung findet, sorgt einzig Samantha für ein paar heitere Momente und spricht Wahrheiten aus, die Ihrem ursprünglichen Charakter entsprechen. Sie bleibt sich am Ende treu und findet als einzige zu den Wurzeln der TV-Serie zurück. Die anderen Mädels scheinen verloren und lassen sich in die traditionelle Rolle der Ehefrau und Mutter zurück drängen, sehr sehr schade.  

Desweiteren fand ich den Film mit 145 Min. Laufzeit eindeutig zu lang. Nach einem stimmigen und glamourösen Auftakt wird die Story entsetzlich zäh und fade und lässt mit dem zu erwartendem Happy End viel zu lange auf sich warten. Die Stimmungen der TV-Serie werden dabei kaum erreicht und immer schwerer wiegt der unverständliche Wandel der einst so vertrauten Charaktere, von dessen Sympathie allein weite Strecken des Films leben müssen. Wo inhaltlich neue Wege gegangen werden, da wurde Äußerlich kaum etwas geändert. Der Look des Films sprengt nicht den der Serie und bleibt eigentlich zu unspektakulär für einen Kinofilm – wie gesagt Carrie & Co gehören auf die Mattscheibe – das wäre aber alles kein Problem gewesen, hätte man dafür die inhaltlichen Qualitäten der Serie nicht über Bord geworfen, so ist SEX AND THE CITY – DER FILM nur ein fader Aufguss der TV-Serie und kann auch nur von deren Prestige zehren.

Jede Wiederholung einer Folge SEX AND THE CITY macht mehr Spaß, jeder sechs stündige Staffelmaraton ist tausendmal unterhaltsamer, als diese enttäuschende Produktion einer schwachen SEX AND THE CITY Folge in Spielfilmlänge.

Autor: André

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