Schärfer als die Realität

Immer öfter stößt man ja heutzutage, im gut sortierten DVD-Regal, auf diese putzigen kleinen Plastikdöschen in wahlweise blau oder dunkelrot. Anfangs dachte ich, es hielte sich um irgendwelche Spiele für eine dieser neuen Trendkonsolen der next-Generation. Bei genauer Betrachtung viel dann schnell auf, in den Döschen befinden sich Filme, Filme auf sogenannten advanced-DVDs, also weiterentwickelte Silberlinge, die eine deutlich höhere digitale Datenmenge speichern können als die bisherigen DVDs. Ist also ne tolle Sache, auf ein so ne Blu-RayDVD könnten demnach 2-3 Filme passen, oder bsw. die Herr der Ringe Extended Edition + Bonusmaterial (herkömmlich auf 4-DVDs erhältlich), spart somit ne Menge Platz im Schrank und man muss nicht dauernd die Scheibe im DVD-Player wechseln.
Laut Hersteller erfüllen die tollen neuen Dinger aber einen ganz anderen Zweck, nämlich Filme in HD (wahnsinnig trendiger Fachbegriff für hochauflösend), sprich die Filme werden in einer nie zuvor da gewesenen Bild- und Tonqualität präsentiert. Zu Recht müsste jetzt ein Jeder aufschreien: „MOMENT!!! Das haben die Hersteller uns doch schon bei den DVDs versprochen.“ Nun ja, das war gelogen, denn es geht noch besser, noch klarer, noch schärfer. Genau genommen ließe sich dieser Prozess, dank immer fortschrittlicheren Speichermedien, unendlich fortsetzen. Das heißt zumindest solange, wie sich der ahnungslose Verbraucher verarschen lässt, denn die Frage lautet nicht „was ist machbar?“ sondern „was ist sinnvoll?“
Also! „sind hochauflösende Filme sinnvoll?“ ja klar, insofern man über eine gigantische digitale Projektionsfläche, etwa im Format einer Kinoleinwand, verfügt, dann ist ein hochauflösendes Bildformat wünschenswert, weil im Direktvergleich eine herkömmliche DVD ein etwas unschärferes Bild liefern würde. Nur wie steht es mit Otto-Normalverbraucher Daheim? NEIN!!! selbst für den größten Plasma und LCD Fernseher reicht die Brillanz einer Standard DVD völlig aus. Ja sicher, wer sich 10cm vor den Bildschirm setzt, dem mag auffallen, dass der kleine Baum da am Horizont im Vergleich schon ein wenig deutlicher rüberkommt, setzt man sich dann aber wieder aufs Sofa, so muss man schon ziemlich die Augen zusammen kneifen um den Unterschied noch ausmachen zu können. UND BITTE!!! Nicht auf den Vergleich im Schaufenster des lieblings Elektrohändlers reinfallen. Ein bisschen Feintunning an Kontrast, Sättigung und Schärfe des Monitors und schon sehen beide Bilder wieder verblüffend gleich aus. Es ist wie mit den 10 Megapixel Kameras, ach die sind so Klasse, vorausgesetzt man möchte seine Urlaubsbilder im DIN A0 Format ausdrucken, für das Fotoalbum genügen schon Aufnahmen einer 2-3 Megapixel Kamera.
Jetzt darf man der Multimediaindustrie aber auch keine zu großen Vorwürfe machen, im Grunde wollen sie ja nur unser Bestes. Natürlich muss sich die Sache auch ein wenig rentieren, schafft ja auch Arbeitsplätze, deshalb kostet so ne Blu-Ray oder HD-DVD auch gut und gerne 5-10€ mehr als die Standard-DVD (pro Film etwa 20€, Blu-Ray ab 25€, HDs ab 30€), klar man braucht auch ein neues Abspielgerät (auf Standard-Playern läuft sowas exklusives nicht) und selbst Oma Hildegard versteht, dass man ein entsprechend großformatiges TV-Gerät benötigt, sonst lohnt der ganze Spaß ja nicht. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich außerdem ein Abspielgerät für Blu-Ray und eins für HD-DVD besorgen, da nicht jeder Film in beiden Formaten erhältlich ist und bisweilen unklar bleibt, welches Format sich am Ende durchsetzen wird. Zum Glück bieten sämtliche Kreditinstitute mittlerweile günstige Zinssätze zur Finanzierung der ganzen Gaudi an, vielleicht sollte man aber lieber doch nochmal über das Ganze schlafen und überlegen, ob der Spaß eine Privatverschuldung über die nächsten fünf Jahre wert ist.
Autor: André
am 30.08.2007 um 16:10
Ja verdammt, er IST es wert!!! Wo muss ich unterschreiben??? ;-)
Also ich kann mich ja noch an die DVD/Kino Abende mit unseren Lieblings-HD-Beamer im “CiNETAL” erinnern und selbst dort, auf ner knapp 60-70m² Leinwand projeziert, ging die Qualität einer DVD, über einen stinknormalen Player abgespielt, völlig in Ordnung. Die Schärfe war OK und das einzige Manko des Kontrastes und der Fabsättigung hätte man durch bessere Einstellungen am Beamer ausgleichen können. Leider hatten wir dafür ja nicht genügend Zeit, weswegen das Bild dann halt ein wenig Milchig wirkte oder dunkle Bereiche unklar erschienen. Aber selbst die Rasterwirkung eines DVD-Bildes hätte man auf einer daraufabgestimmten Leinwand (sprich: Ohne Perforation für die Boxen dahinter) nicht mehr wargenommen.
Will sagen das ich erstmal noch ner ziemlich langen, laaaaangen Zeit meinen DVD`s treu bleiben werde (nicht zuletzt deswegen weil die ja auch nicht gerade billig waren) und erst in knapp ein oder zwei Jahrzehnten, dann wenn sich die Konsumenten auch auf ein Format geeinigt haben, auf HD-fähiges Material zurückgreifen werde. Sonst wird das nachher noch so ein Fiasko für viele Käufer wie bei Video2000 und VHS anno dazumal!
am 30.08.2007 um 17:03
Mh… Noch eins zu der Theorie das sich dieser Vermarktungsprozess ewig weiterführen lässe:
Nunja theoretisch gesehen ist dies, was zumindest die reine Qualität des eigentlichen Filmes angeht, eigentlich nicht der Fall, denn die Speichergröße wird weiter wachsen, natürlich, (Terrabyte etc.) aber wird dies wird eher Auswirkungen auf den Umfang bzw. Quali und Quantität von Bonusmaterial und Ausstattung, etc. auf einer DVD/BlueRay haben und weniger auf die eigentlich Qualität des Hauptfilmes.
Denn irgendwann, so wie auch schon bei den Digitalen-Spiegelreflex-Kameras, ist ein Maximum an Qualität nunmal erreicht. Und diese maximale Qualität eines Mediums hängt von der jeweiligen Ausgabegröße und Ausgabemöglichkeitqualität, welche nunmal begrenzt ist, ab. Die Grenze für Fotoqualität (10-15 Millionen Megapixel etc.) ist bei der jeweiligen Endausgabengröße (für z.B. Werbemittel) schon erreicht, wie z.B. Posterleinwände oder Großformatige Werbung.
Das denke ich wird bei der DVD auch nicht anders sein, denn dort ist die maximale Größe nunmal die einer, z.B. Multiplex-Leinwand, auch schon längst erreicht. Somit lohnt sich eine Aufstockung der Pixeldichte und Anzahl selbst nicht wenn dann die maximale Qualität schon erreicht ist. Es wäre dann einfach dumm, und zwar so dumm das selbst der Dümmste darauf nicht mehr hereinfallen würde! Es hätte keinen Sinn, keinen Zweck ausser mehr Rechenleistung zu beanspruchen zum Brennen einer DVD.
Alles was sich irgendwann noch ändern wird ist die Kapazität und nicht die Qualität. Auch das ein Film dann nicht mehr in 4GB sondern in 1Terrabyte auf nen Rohling gepresst wird hat dann keine Auswirkung mehr auf die Qualität sondern nur auf die Datenmenge! Und da umkompremierte Daten einfach besser sind als kompremierte (aufgrund einer gewissen Dateninfomationsdichte) ist das auch eigentlich schon alles!