Rundumschlag der Kurzreviews
Vorbei die Osterferien, es wird Zeit wieder zu arbeiten und bevor ich mich dem Blockbuster-Kino-Sommer unterwerfe und mir Highlights wie: „WOLVERINE“, „ILLUMINATI“, „STAR TREK“, TERMINATOR 4“, „TRANSFORMERS 2“ und natürlich „HARRY POTTER“ gebe… wollte ich nochmal kurz was zu den März/April Filmen loswerden:
„GRAN TORINO“
…Hat für mich als Drama überhaupt nicht funktioniert. Die Charaktere kamen aus der Schublade, die Dramaturgie wirkte aufgesetzt und die Story vom grantigen Grandpa, der durch die vorwitzige Jugend wieder zu lieben lernt, ist auch nicht wirklich neu…ABER. Volle Punktzahl für Clint Eastwood und seine humorig, ironische und kompromisslose Performance, die mich oft herzhaft, böse schmunzeln ließ und über weite Strecken größere Mängel des Films vergessen machte.
GRAN TORINO ist ein kleines, mittelprächtiges Drama, wird aber nie langweilig und unterhält ungemein gut, da der Film nicht die bierernste Schiene fährt und sich des Öfteren durch humorige Einwürfe und viel Selbstironie aufzulockern weis.
„SLUMDOG MILLIONÄR“
…Hätte mir garantiert viel besser gefallen, wenn der Film nicht durch diverse Auszeichnungen und 8 Oscarprämierungen so vorgehypt worden wäre. SLUMDOG MILLIONÄR ist ein modernes Märchen mit stark exotischem Touch… mir gefiel die moderne ungezwungene Inszenierung und dass sich der Film, trotz knallbunter Farben, vielen Bollywoodeinflüssen und kitschiger Lovestory, nicht zu schade war auch ein paar verstörende Bilder, von menschenunwürdigen Lebensverhältnissen, der größtenteils armen indischen Bevölkerung zu zeigen. Dadurch ergab sich ein hoch interessanter Kontrast, den die durchgestylten und verblümten Bollywoodopern immer zu verschleiern gedenken.
Mit Sicherheit nicht die ganzen Lorbeeren wert, die er eingeheimst hat, aber SLUMDOG MILLIONÄR weis durch seine exotischen Schauplätze, unverbrauchte Darsteller, moderne Inszenierung und einen erstklassigen Soundtrack durchaus zu überzeugen sowie ein schlüssiges Gesamtkonzept auf die Leinwand zu bannen.
„JOHN RABE“
…Ein integerer Mann, der sich, in Zeiten von Faschismus und Kriegsgewitter, seine Menschlichkeit bewahrte und Verantwortung für über 200.000 chinesische Flüchtlinge übernahm. Die Geschichte von John Rabe ist größtenteils völlig unbekannt, dabei waren seine Taten mindestens genau so groß und selbstlos, wie die von Oskar Schindler.
Regieneuling Florian Gallenberger gibt Rabe nun die Lobby, die er verdient und widmet ihm den längst überfälligen Kinofilm, nach dessen originalen Tagebüchern. Dabei herausgekommen ist ein bewegendes, schockierendes und persönliches Drama, dass natürlich nicht an Spielbergs Meisterwerk heranreicht, den Menschen, John Rabe, aber mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle sehr lebendig und eindringlich portraitiert und dessen Mut zur Menschlichkeit, gebührend feiert… JOHN RABE, ein wichtiger und sehenswerter Film.
„RACHELS HOCHZEIT“
…Nein, nein, keine Frühjahrskomödie, kein Feel-Good-Movie. RACHELS HOCHZEIT ist ein durchgeknalltes Familienportrait mit tief tragischem Fundament und multikulturellen Einwürfen, damit es nicht zu langweilig wird. Erzählt wird das titelgebende Ereignis, zudem sich ein Haufen skurriler Charaktere in Familie Buchmans traumhaft, ländlichem Anwesen einfinden. Mit dabei auch Rachels rebellische Schwester Kym, die es ausgezeichnet versteht, die fröhliche Stimmung, der ausgelassenen multi-kulti Hochzeitgesellschaft, zu sprengen und alte Familienwunden wieder aufplatzen zu lassen.
RACHELS HOCHZEIT ist ein zuweilen bissiges und abgedrehtes Familiendrama, ganz unkonventionell und beinahe improvisatorisch im Dokustyle erzählt… die wacklige Kamera und teils quälend, lange, banale Szenen erzeugen den Effekt, man sei selbst Gast dieser unkonventionellen Hochzeitsgesellschaft. Obwohl die Konflikte einfach und konstruiert wirken und viele Charaktere, zu unterhaltungszwecken, offenkundig überzogen agieren, stellte sich bei mir das Gefühl ein, ich sei selbst Teil dieser, streckenweise bizarren, Veranstaltung. Die Darsteller, samt Starbesetzung Anne Hathaway, wirken überzeugend, die Inszenierung ungewohnt und Highlight ist das, gegen den Strich aller Konvention erdachte Hochzeitsevent… eine interessante und merkwürdige Mischung.
Autor: André
am 01.05.2009 um 18:22
merkwürdig…
,dass sich so lange zeit keiner dafür verantwortlich gezeichnet hat, diese komischen reviews mal zu kritisieren. so kann das halt nicht stehen bleiben.
zu slumdog: deine kritik ist ja durchaus positiv, aber warum dann die 3 affen?
das ist der neue “titanic”. deswegen muss man den film nicht lieben, aber wie bei “titanic”, wird einem bei jedem mal gucken, immer mehr auffallen, wie gut der film gemacht ist…
tolle bilder, eine tolle geschichte und etwas sentimentalität. 8 oscars. die mehrheit davon zu recht.
noch mehr rege ich mich auf über deine 3 affen zu “gran torino”:
super film! ok, kein “million dollar baby”, klar, der war noch besser. aber in sich genau so geschlossen, genau so gut gespielt und fast so gut. selten – oder sogar noch nie – habe ich eine “komödie” gesehen, die den wandel zur tragödie so unaufgesetzt, so stimmig geschafft hat. deine “volle punkzahl” für eastwood, ok. die “mängel des films”: nein, definitiv nicht!
die story passt. die dialoge (allein die im keller, super in der OV) stimmen. “wird [...] nie langweilig und unterhält ungemein gut”, stimmt.
4 affen, mindestens.
am 02.05.2009 um 14:37
Bei Gran Torino kann ich dir nur zustimmen, fand auch das war eine völlige runde Sache, die im Gegensatz zum etwas überfrachteten fremden Sohn, auf allen Ebenen vollständig funktioniert, ungeheueren Spaß macht und auuh ein bißchen bewegt.
Slumdog ist jedoch keinesfalls der neue Titanic, sondenr in drei Jahren mit Sicherheit vergessen. Allein dieses unglaublich flache “Liebespärchen”, dass außer den Zurufen “Jamaaaaal!” – “Latikaaaaa!” praktisch keine anderen Dialoge wechselt, wird sich wohl kaum ins kollektive Gedächtnis aller Alterschichten von 11 bis 88 brennen. Das bleibt ein nettes Filmchen das mit pseudohipper Inszenierung souverän seine geringen Produktionskosten verschleiert, aber weder als Darstellung sozialer und krimineller Realitäten, noch als verträumtes Hollywoodmärchen irgendwie überdurchschnittlich wäre.
“Da kann man halt mal gucken wie die da in Indien so leben” (Zitat Heidi Klum). Dafür 8 Oscars?! Vor allen Dingen die Siege in den technischen Kategorien (insbesondere Kamera und Ton) fand ich bei der diesjährigen Konkurrenz einfach nur lächerlich.
am 02.05.2009 um 17:01
lol
heidi klum zu zitieren ist unfair. das ist n totschlag-argument, da kommt man nicht gegen an….
am 03.05.2009 um 11:08
…Bei “Gran Torino” bin ich mit vollkommen anderen Erwartungen ins Kino spaziert, so konnte mich der fein gestreute Humor zwar überraschen, aber das Drama kam bei mir zu kurz…wobei ich dir recht gebe was den “Wandel” angeht. nur selten konnte Komik und Tragödie in einem Film so gut harmonieren.
…”Slumdog Millionär” werde ich mir bestimmt auch nochmal ansehen, aber schließe mich da voll und ganz Marcs Meinung an…der Film ist schick, modern und streut ein wenig Sozialkritik…”mehr” nicht. was bleibt ist ein exotisches Setting und Einblicke in eine andere Kultur, reicht für einen guten Film, reicht nicht für 8 Oscars und ein Haufen geheucheltes Lob…lässt sich mit dem Aufwand und er technischen Entwicklungen die Cameron für “Titanic” gestemmt hat überhaupt nicht vergleichen.
..aber der hat ja auch 3 Oscars mehr bekommen.