Pan’s Labyrinth

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Die Flut der Fantasie- und Märchenfilme scheint noch lange nicht abzureißen. Auch in diesem und kommendem Jahr erwarten uns noch zahlreiche fantastische Geschichten wie beispielsweise: Narnia: Prinz Kaspian, Der goldene Kompass oder The Spiderwick Chronicles, Natürlich wird auch Harry Potter und der Halbblutprinz sämtliche Fanherzen höher schlagen lassen. Besonders das jüngere Publikum erfreut sich enorm an derartigen Fantasiefilmen, umso erstaunlicher ist es, dass Regisseur Guillermo del Toro sein kleines Märchen wohl eher einem erwachseneren Publikum zudachte. Denn Pan’s Labyrinth ist durch seine düstere Optik und seine ernsthafte Thematik mal so gar nichts für zarte Kinderseelen.
Spanien 1944: offiziell ist der Bürgerkrieg seit über fünf Jahren vorbei. Nur eine kleine Gruppe von Rebellen kämpft ungebrochen in den nördlichen Bergen von Navarra. Die verträumte 10-jährige Ofelia (Ivana Baquero) kommt mit ihrer Schwangeren Mutter (Ariadna Gil) nach Navarra, um ihrem neuen Stiefvater vorgestellt zu werden. Captain Vidal (Sergi López), einem faschistischen Offizier mit dem Auftrag, das Territorium von Rebellen zu Reinigen. Fasziniert von Fabeln und Märchen entdeckt Ofelia hinter den Hügeln ein zugewachsenes, eingefallenes Labyrinth, in dessen Herzen sie Pan, einen uralten Satyr trifft…
Nichts ist unschuldiger und verletzlicher als die Seele eines Kindes. Es ist also kein Wunder, dass die kleine Ofelia denn grausamen Alltagssituationen, wie den Schmerzen der schwangeren, schwer kranken Mutter, oder den grausam, faschistoiden Methoden ihres neuen Stiefvaters, zu entkommen versucht, indem sie sich in eine Märchenwelt flüchtet. Dort hat sie die Möglichkeit die Dinge zu verändern, dem Leiden ihrer Mutter ein Ende zu bereiten und die Aussicht auf einen Zufluchtsort, an dem sie und ihre Familie wieder glücklich vereint seihen können. Mit viel Fantasie und Liebe zum Detail, verschmilzt Guillermo del Toro die grausam reelle Rebellion Spaniens mit der fiktionalen Märchenwelt der Fabelwesen. Ofelia verbirgt in sich die Seele einer Prinzessin und muss dreierlei Prüfungen bestehen, um in ihr unterirdisches Königreich zurückkehren zu können. Ihr Wegweiser ist dabei der zwielichtige Pan, bei dem bis zuletzt unklar bleibt auf wesen Seite er eigentlich steht. Außerdem helfen kleine Feen dem Mädchen dabei die schwierigen Prüfungen zu bestreiten. Was, mal abgesehen von der spanischen Rebellion, klingt wie ein beschauliches Fantasiefilmchen für die ganze Familie, entpuppt sich als ausgesprochen düsteres und, vor allem für Kinder, sehr beängstigendes Schauermärchen. Bedeckt von Schlamm und kriechendem Getier, muss Ofelia zusehen, wie eine fette, riesige Kröte ihr Innerstes nach außen kehrt, um einen geheimnisvollen Schlüssel zu offenbaren, oder mit ansehen, wie ein kinderfressendes Monster ihren geliebten Feen die Köpfe abbeißt. Kein leichter Tobak für die lieben Kleinen und das sind noch die harmlosesten Beispiele. Noch schockierender sind die Foltermethoden des Captain Vidal, spätestens nachdem dieser mit einer Bierflasche einem vermeintlichen Rebel die Nase in die Visage hämmert und ihm anschließend eine Kugel durch den völlig zertrümmerten Schädel jagt, dürfte klar sein, dass dies ganz und gar kein Kinderfilm ist. Del Toro schildert auf besonders detailreiche und brutale Weise das faschistoide Treiben Vidals, immer wieder unterbricht er die zwar düsteren, aber größtenteils schönen Kindheitsfantasien mit schockierend, brutalen Szenarien. Schießereien, Folterszenen, Hinrichtungen, genau wie für Ofelia, wirken auch für den Zuschauer die Ausflüge in die liebevoll gestaltete Fantasiewelt, wie eine Erleichterung. Hier gibt es keine Intrigen, hier ist jede Figur klar definiert, mit Ausnahme von Pan, die Aufgaben klar verteilt und Anstrengungen werden belohnt. Ganz anders als ihm realen Leben, wo es Hinterhalt gibt und Folter, wo Intrigen gesponnen werden, die Grenzen verschwimmen und Unschuldige sterben müssen. Del Toro lässt beide Welten aufeinander prallen, stellt sie Gegeneinander, schildert, dass sich in beiden Welten sowohl Gefahr als auch Hoffnung verbirgt und zeigt dann schließlich auf dramatische Weise wie nah Glück und Leid beieinander liegen können. Zudem erhält er das Mysterium und überlässt es seinem Publikum zu entscheiden, ob die Fantasiewelt von Ofelia nur ein kreatives Hirngespinst oder doch Realität war, letzteres möchte das Kind in einem, welches noch an Märchen und Fabelwesen glaubt, zumindest stark hoffen.
Fazit: Pan’s Labyrinth ist ein düsteres, visuell wunderschön erzähltes, Märchen für Erwachsene. Hier trieft kindlich, naive Fantasie auf grausam, schockierende Realität, nicht leicht zu verdauen und grade darum sehr sehenswert. Die zauberhaften Bilder werden zudem von einem wunderbar mystischen Score begleitet, dessen finstere Titelmelodie sich einem tief in die Seele brennt.
Autor: André
am 03.12.2008 um 03:39
nur gute kritiken, wohin man auch schaut. extrem gute sogar.
mal ne andere:
habe “pan’s labyrinth” gestern gesehn. alle menschen waren bisher begeistert. ich habe noch nicht eine, nicht EINE, negative äußerung zu dem film gehört.
ich stelle mich also ein: jetzt kommt großes kino. lege mich zurück. spot an. licht aus. kutsche an. die fährt nämlich als erstes ins bild. und das durchaus so meisterwerklich. wie ich es erwartet hab. tolle bilder. das “insekt” (später dann: fee) macht alles richtig, also das kind (den zuschauer) neugierig. kamerafahrt (wohl die beste im ganzen film) großartig: fährt um den baum, das insekt herum, der kutsche nach. spannung baut sich auf. alles super bis dahin.
um jetzt nicht den ganzen film nachzuerzählen:
kind wird mies behandelt, (nazi-)regime, gute haushälterin, der “ober-boss” zerschlägt, äußerst brutal, ne flasche auf dem gesicht eines unschuldigen. *spätestens ab hier für (potentielles zielpublikum:) kinder! völlig ungeeignet*
und jetzt?
ganz schwach, wenn man nicht beide teile im kopf verbindet.
ok, blöde formulierung. man darf durchaus vom zuschauer verlangen, etwas zu verbinden. bessere (als eh schon gute) filme machen das. durchaus auch handlung. sogar märchen. aber nicht “nur so”. nicht unreflektiert.
es bleibt:
unspannende prüfungen für das mädchen: “iss nichts” – sie isst.
schlimmer aber: diese prüfungen bleiben ohne jede konsequenzen auf ihr “reales” leben – sprich ohne einfluss auf die „normale“ handlung
ok, die dritte – und schon letzte – prüfung hat auswirkungen auf das ende, welches “das Kind in einem, welches noch an Märchen und Fabelwesen glaubt, zumindest stark hoffen lässt” (andrè)
es stimmt: die atmosphäre des films fesselt einen. die bilder sind toll. gerade deshalb habe ich mir auch eine tolle handlung gewünscht.
die bleibt leider völlig aus. vielleicht habe ich mir besonders wegen der gelungenen atmosphere eine auswirkung der “prüfungen” auf die handlung gewünscht. oder auch nur, weil ich den film dann mögen könnte.
so bleiben es für mich 2 filme – gemixt.
jeder einzelne für sich – handlungsschwach, unbedeutend, gut gemacht.
ein beispiel für ein gutes erwachsenen-märchen gefällig?
lawn dogs – heimliche freunde (bitte auf englisch ansehen)
am 03.12.2008 um 13:59
Ach du meine Güte, ist schon etwas her, dass ich diesen Film sah…habe aber immernoch diese drückende Stimmung und die schaurigen Märchenbilder im Kopf – die ecklige Kröte, der Kinderfresser mit den Augenhänden *huuuarrrgh* – doch toller Film.
Zu den expliziehten Einwänden – zwei Filme, Handlungsschwach ect. – kann ich daher nicht groß was sagen, nur soviel: “Pans Labyrinth” ist im Gegensatz zu den meisten Fantasyfilmen und/oder Romanverfilmungen kein aufgeplustertes, buntes Effektespektakel zur bloßen Unterhaltung, sondern ein sehr ernster und bedrückender Film, der sich vom Zauber der Märchenwelt bedient, um den Zuschauer für die Unschuld und Fantasie eines Kindes zu sensibilisieren.
Auf sowas muss man erstmal kommen, denn im Grunde ist der Film nur ein einfaches Drama. Das er dafür aber wenig Komplexität erreicht und sich recht simple in Sachen Dramaturgie verhält, hängt alles mit dem Standpunkt des Kindes zusammen auf das sich der Film konzentriert. Die Charaktere sind so gezeichnet, die Handlung so erzählt, wie sie ein Kind begreifen würde…zumindest sehe ich das so und darum find ich den Film so gut und besonders.
Falls du aber nach negativer Resonanz zu “Pans Labyrinth” suchst, frag doch mal den Sven, dem hat der Film nämlich auch nicht gefallen.
am 03.12.2008 um 14:30
Also wie immer…