Nochmal zum “Vorleser”

Tja, wie es das Schicksal wollte, fand ich mich doch kürzlich tatsächlich erneut im Kino wieder um mir, trotz ungeliebten ersten Eindrucks, zum zweiten Mal den “Vorleser” anzusehen.

Auch nach wiederholter Sichtung hat mir der Film nicht wirklich besser gefallen. Der mittlere Part, indem die intime, leise Stimmung des ersten Drittels, krude durch die ganze Holocaust-Theatralik verwurstet wird, zerschmetterte erneut bei mir jegliches Interesse am weiteren Verlauf der Geschichte, folglich konnte auch die letzte Episode, von Hannas Gefangenschaft und Michaels seelischem Zerfall, keine Punkte mehr bei mir sammeln, im Gegenteil. Das letzte Drittel empfand ich als viel zu langatmig und tragisch aufgesetzt, einzige Ausnahme bildet die Passage, in der Michael Hanna die besprochenen Kassetten schickt, was für mich, das einzige emotionale Highlight des ansonsten schwer ermüdenden Films darstellt.

Trotzdem gibt es einen halben Affen mehr, für die wirklich schöne leise, unaufdringliche Einleitung des Films, in der die Sommeraffäre zwischen Michael und Hanna beschrieben wird, und die mich liebevoll, an einen sorgfältig inszenierten Softporno erinnert hat, wobei ich mich leider nicht entsinne, einen solchen jemals gesehen zu haben, „sorgfältig inszeniert“ meine ich. Von mir aus, hätte der Film nach diesem Kapitel Enden können. Ich muss sagen, ich beneide David Kross ein bisschen dafür, sich mit Kate Winslet nackt im Bett herumgewälzt zu haben, nachdem er vermutlich zu jung ist, um unzählige Male von seiner Freundin in “Titanic” geschleppt worden zu sein…was für ein Glückspilz.

Autor: André

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