Milk

Sean Penn für Toleranz. Als Messias der amerikanischen Schwulenrechtsbewegung, verkörpert er den, als ersten bekennend homosexuell, in ein politisches Amt gewählten, Politaktivisten Harvey Milk. Ein biographischer Film von gesellschaftlicher Relevanz, inszeniert von Gus Van Sant und für acht Oscars nominiert.

MILK befasst sich ausschließlich mit der politischen Karriere des Harvey Milk, welche dieser erst im Alter von 40 startete. Als Bürgerrechtler kämpfte er Anfang der 70er Jahre in San Francisco für die Gleichberechtigung von Homosexuellen und brachte den Kampf, als frisch gewähltes Stadtratsmitglied, auf eine politische Ebene. Innerhalb weniger Jahre setzte Harvey Milk eine Lawine in Gang, die zu gesellschaftlichem Umdenken führte und die Schwulenszene nicht nur stärkte, sondern auch der öffentlichen Denunzierung, Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen ein Ende setzte. Sein Erfolg brachte ihm viel Anerkennung und Freundschaften, aber auch politische Gegner auf Seiten der Konservativen und fundamentalistischen Christen…

Nach der oscarprämierten Dokumentation WER WAR HARVEY MILK, setzt Regisseur Gus Van Sant dem Bürgerrechtler nun mehr als zwanzig Jahre später ein Denkmal in Form eines biographischen Spielfilms. Anders als beispielsweise BROKEBACK MOUNTAIN, welcher anhand eines subtil erzählten Liebesdrama um zwei Männer, nach Akzeptanz für Homosexuelle suchte, schildert MILK den öffentlichen Kampf der Schwulenrechtsbewegung, sachlicher, auf gesellschaftlicher Ebene und orientiert sich dabei an der Biographie von Harvey Milk. Auch wenn die Geschichte frei adaptiert wurde, so ist sie dadurch doch biographischen und historischen Zwängen unterworfen und wirkt deutlich weniger persönlich und emotional als beispielsweise BROKEBACK MOUNTAIN. Fairerweise sollte man jedoch auch erwähnen, dass MILK zwar ähnliche Ziele wie BROKEBACK MOUNTAIN verfolgt, nämlich Akzeptanz der homosexuellen Minderheit, in erster Linie aber die Biographie eines Bürgerrechtlers schildert und sich daher viel eher mit Werken wie MELCOM X oder GANDHI vergleichen lässt.

Man sollte sich also bewusst machen, dass MILK von einer faktisch, konformen, Trockenheit unterspült ist und ein paar Längen beinhaltet. Van Sant versucht diese Sachlichkeit mit Einblicken in eine locker, schrullige, stets gut aufgelegte Schwulenszene zu relativieren. Obwohl er sich dabei teilweise schon nah am Rande der Schwulenklischees bewegt und nahezu den halben Film verstreichen lässt, ehe mal eine Frau zu sehen ist, kann man ihm diese Kleinigkeit, auf Grund des Kontrastes zur auflockernden Unterhaltung, wohlwollend abnehmen, ist der Film doch durchgängig um Authentizität und Glaubwürdigkeit bemüht.

Auch die Darsteller in Haupt und Nebenrollen leisten hervorragende Arbeit, allen voran natürlich Sean Penn der hier als Hollywoodstar und Charakterdarsteller gar nicht wiederzuerkennen ist, sondern man von Anfang an den Eindruck hat, da ist Harvey Milk auf der Leinwand, diese schrullig, charmante, leicht schmierige Persönlichkeit, welche natürlich stets ins rechte Licht gerückt wird und immer ein paar weise Zeilen für ihre Jünger auf den Lippen hat, ein Umstand, der sich auf Grund des tragischen Ablebens von Harvey Milk nicht vermeiden lässt, soll dieser Film ihn ja nicht in allen Facetten reflektieren, sondern seine Größe als Mensch hervorheben. Die einzige Enttäuschung, ist die Figur des Stadtratsmitglieds Dan White, die Josh Brolin verkörpert, aber viel zu selten und nur sehr wage beleuchtet wird, dabei jedoch von zentraler Bedeutung für die Geschichte ist und man sich daher doch mehr Details, Seitens dieser Figur erhofft hatte.

So ist MILK letztendlich ein qualitativ ansprechendes, biographisch erzähltes Drama von gesellschaftlichem Wert, mit einem nicht wiederzuerkennenden Sean Penn. Jedoch lediglich auf Grund seiner thematischen Wichtigkeit einem standardisierten Biopic überlegen. Wer sich für gesellschaftlich brisante Themen und Lebensgeschichten wichtiger Persönlichkeiten interessiert, ist in diesem Film gut aufgehoben.

Autor: André

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