Lieber George Lucas,

In der Septemberausgabe der „epdFilm“ bin ich über ein Glosse gestolpert, welches an George Lucas adressiert ist und - vermutlich nicht nur mir – sondern allen Fans der Sternenkriege aus der Seele spricht…enjoy.
Lieber George Lucas,
in unserer Wohnung finden sich derzeit: zwei ausfahrbare Plastiklaserschwerter (rot und grün), drei STAR WARS-Videokassetten, sechs DVDs, 23 STAR WARS-Comics, vier Jedi-Jugendromane, ein Schachspiel mit Darth Vader als Dame, ein aufblasbarer Darth-Maul-Sessel, drei Yoda-Kaffeebecher, ein Raumschiffe-Quartett, zwei STAR WARS-PC-Spiele und drei Umzugskisten mit Fanliteratur. Wir haben alle Filme in allen Versionen mehrfach gesehen, Themenpartys veranstaltet und Wochenenden damit verbracht, den Lego-Sternenzerstörer zusammenzubauen. Außer dem Kauf des roten Laserschwerts, das schneller zerbröselt ist als Prinzessin Leias Heimatplanet, bereuen wir nichts. Niemand hat uns gezwungen, Geld und Zeit an Ihre Kinofantasien zu verschwenden. Was wir getan haben, haben wir aus Liebe getan.
Aber jetzt, George Lucas, finden wir, dass es mal gut ist. Und wundern uns, dass Sie so gar nicht lockerlassen können. Schließlich haben Sie in Ihrem Gewerbe alles erreicht. Die Zeitschrift „Forbes“ zählte Sie 2005 als einen von zwei Filmemachern (der andere war Ihr Kumpel Spielberg) unter die 400 reichsten Amerikaner und schätzte Sie auf dreieinhalb Milliarden Dollar – ein Betrag, mit dem man wahrscheinlich das Haushaltsdefizit von Litauen ausgleichen könnte. Sie haben den Blockbuster, das Merchandising und den Dolby-Ton auf den Weg gebracht und die höchsten Auszeichnungen Hollywoods bekommen. Nebenbei werden an Sie, wie „Time“ herausgefunden hat, mehr offene Briefe adressiert als an Britney Spears. Die Geschichte, lieber George Lucas, wird Sie nicht vergessen. Und wahrscheinlich hat in einer fernen Galaxis längst jemand Ihre Botschaft aufgefangen: „Die Macht wird mit Dir sein!“ Laut genug war sie jedenfalls.
Trotzdem sind Sie, Mr. Lucas, seit dreißig Jahren damit beschäftigt, dieselben Kühe zu melken: INDIANA JONES, den wir hier vernachlässigen wollen, und eben das STAR WARS-Franchise, Von dem dachten wir eigentlich, dass es nach zwei Fan-Generationen durch wäre; eine letzte Trilogie hatten Sie ja selbst schon abgesagt. Und nun haben Sie mal so nebenbei ein Stück ins Kino geschoben, das uns echt ratlos zurück lässt. Die CLONE WARS, ein Sequel zum Prequel oder Prequel zum Sequel … Irgendein Mittelteil halt, in dem Typen auftreten, die nie einer vermisst hat – der Sohn von Jabba! – und Lücken in einer Geschichte geschlossen werden, deren Dramatik sich nur noch aus dem Wechsel von Umgehungsmanövern und Frontalangriff speist.
Sollte es, Mr. Lucas, NICHT in Ihrer Absicht liegen, ein kinematographisches Terrorregime zu errichten, dann verabschieden Sie sich jetzt und für immer von R2-D2 und Obi-Wan Kenobi. Erfinden Sie sich neu. Überraschen Sie uns. Verfilmen Sie etwas Unverfilmbares, Shakespeares Sonette meinetwegen oder das „Kapital“. Sie können sich alles leisten – sogar einen Kassenflop. Und sollten Ihnen gar nichts einfallen, dann bedenken Sie, was William Shatner alias Captain Kirk einmal den Jungs am Ende der Filmverwertungskette – den Fans – geraten hat: „Get a life!“ Leben Sie, Mr. Lucas! Die Welt da draußen ist es wert. Wenn erstmal der ganze Techno-Schrott wieder weggeräumt ist.
Alles Gute für die Zukunft wünscht Sabine Horst
von: André