Kurzfilmfest und Kulturschock

Ach Mensch, da hat ich doch glatt n Zahlendreher im Datum vom 16ten und 19ten, jetz stand ich um halb drei vorm verschlossenen Kino, obwohl ich erst um 19uhr zum arbeiten da sein musste. Tja kann passieren, so nutzte ich die Zeit bis zur Arbeit für nen ausgedehnten Stadtbummel und war dann, wie zwischenzeitlich bestellt ne halbe Stunde früher am Kino.

An diesem Samstag war Kurzfilmfest und ich an der Kasse schwer in Action, weil zur Abwechslung mal richtig was los war im beschaulichen „CINEMA“ Wuppertal. Die Klientel bestand aus größtenteils älteren Herrschaften und einigen Personen des Filmbuiss, nich das mir irgendein Name was sagte, aber untereinander wurde hier und da fleißig über Film gefachsimpelt, zumindest was ich so mitgekriegt hab hinter meiner Kasse (heul).

Keine Stunde vor Ort baute sich vor mir sogleich eine zierliche Frau mittleren Alters auf und verlangte sowas wie den Geschäftsführer zu sprechen. Huch!!! etwas verwirrt sah ich mich um, konnte aber keinen der, sagen wah mal Vorgesetzten entdecken. So ließ die Dame ihre Entrüstung vorerst an mir aus. Die Beschwerde drehte sich um ein paar Leute, die wohl nach Vorstellungsbeginn noch Einlass erhielten, sich aber derart daneben benommen haben müssen, dass die Dame sich enorm gestört fühlte (es waren wohl auch Beschimpfungen im Spiel). Sogleich merkte sie an, dass außerdem ihr Nachbar derart laut seine Nachos verschlungen hätte, dass man dem Filmverlauf kaum Folgen konnte. Gleichermaßen schockiert wie belustigt versuchten Moritz und ich die Frau zu besänftigen „…das sei mitunter der Grund, warum die Leute nicht mehr ins Kino gingen.“ fügte diese noch hinten dran. Wir versprachen ihr beim nächsten Besuch eine Freikarte „darum ginge es ihr nicht.“ betonte sie, naja jedenfalls entschuldigten wir uns mehrfach und rieten ihr beim nächsten mal doch eher bescheid zu geben damit wir eine Möglichkeit hätten zu reagieren (natürlich kann ich niemanden fürs Nacho knabbern aus‘em Kinosaal schmeißen, aber Störungen und Pöbeleien müssen ja wirklich nicht sein, kommen bei unserer Kundschaft auch so gut wie nie vor).

Apropo so gut wie nie. Nach dem Kurzfilmfest wollte ich mich eigentlich schon mal an die Abrechnung machen um gegen 23uhr zu verduften, da rief ein Besucher an und meldete er habe Geldbörse und Brille im „Studio“ (einer der Vorführsäle) fordere Reihe verloren. So kroch ich auf allen vieren samt Taschenlampe die Reihen entlang, mit dem Ergebnis ein Cap gefunden zu haben jedoch keine Brille oder Geldbörse. Ich sah im Laufe des Abends nochmal bei Saal Licht nach, mit dem selben Ergebnis und telefonierte locker noch dreimal mit dem Herren um ihn davon zu überzeugen das die Sachen entweder gestohlen oder niemals hier verloren wurden. Moritz meinte der Herr hätte die Sachen vermutlich nur verkrost da, wie schon erwähnt, unsere Kundschaft die Sachen eher als Fund an der Kasse abgibt als einzustecken, wie an jenem Abend beispielsweise einen Schlüssel der aber wieder seinen Besitzer fand.

Und noch eine Kuriosität begab sich an jenem Abend. Der „Tamilische Film“ ein Ereignis, bei dem ein Veranstalter unseren größten Saal mietet und dort einen heimischen Film in der Landessprache zeigt, solch ein Machwerk setzt sich meistens zusammen aus enormen Gewaltszenen und Bollywood tanzeinlagen. Jedenfalls sehr gut besucht, an der Kasse herrschte ein Massenaufgebot an Tamilen, zuvor hatten sich der Veranstalter und seine Homies noch vor den Filmrollen zum Posenshotting vor der Kamera eingefunden (lustige Freaks). Anstehen scheint dieser Kultur übrigens fremd zu sein, vielmehr scheinen drängeln, schubsen, quetschen und durcheinander reden sehr beliebt, was ich später auch an der FressalienTheke zu spüren bekam. Von allen Seiten wedelte eine Gestalt mit nem Zehner und verlangte was zu trinken oder zu knabbern. Urplötzlich kamen mir die Beatles („Help, I need somebody, Help, would just anybody…“) nun denn irgendwie hab ich das auch noch bewältigt gekriegt, jedoch war der Saustall der hinterlassen wurde enorm, ganz zu schweigen vom emensem Leergut was in den Keller verfrachtet werden musste, nicht von mir alleine, Robin tat hier das meiste Handwerk. Ich war primär mit putzen, spülen und abrechnen beschäftigt, letzteres musste ich zweimal erneut beginnen und wurde Mehrfach unterbrochen am Ende ist vermutlich alles falsch gewesen, aber verzählt haben dürfte ich mich nicht, jedenfalls war alles Geld am Ende da und Mehr (wo das immer herkommt) seis drum. Aus meinem 23uhr Feierabend wurden dank des Tamilenaufgebots auch nichts, um 2.30uhr konnt ich endlich nach Hause fahren.

Autor: André

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