Krabat

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„Alles hat seinen Preis.“
Ganz so schlecht wie ihr Ruf ist sie nun wirklich nicht, die Verfilmung des Fantasy-Jugendromans KRABAT von Autor Ottfried Pressler und sie als „billigen deutschen Trittbrettfahrer des POTTER-Hypes“ zu Vor-verurteilen ist mit Sicherheit unangebracht. Zum einen, weil der Film viel beseelter ist als unzählige andere Fantasyromanverfilmungen wie CHRONIKEN VON NARNIA, DER GOLDENE KOMPASS oder ganz aktuell TINTENHERZ. Und zum anderen, weil KRABAT sich nur sehr oberflächlich mit HARRY POTTER vergleichen lässt, beide sind Waisen und junge Zauberer, das war’s auch schon. Natürlich ist die Verwandtschaft mit HARRY POTTER nicht von der Hand zu weisen, für Harry, denn KRABAT wurde bereits 1971 veröffentlicht.
Den Vorwurf, den man der Adaption von Regisseur Marco Kreuzpainter aber machen kann, ist, dass sie viel zu spät kommt, so spät, dass KRABAT in der heutigen Filmwelt überhaupt nicht mehr auffallen kann, denn längst hat der große Bruder Hollywood die Fantasyfans verwöhnt und übersättigt mit kolossalen epischen Bildern von DER HERR DER RINGE und HARRY POTTER. Angesicht solcher Konkurrenz, kann KRABAT nur die kleinste Violine der Welt spielen lassen, ja, wie soll den auch ein so kleines düsteres Märchen, dessen Verfilmung mit einem Budget von 10 Millionen Euro – für deutsche Verhältnisse großzügig, aber im Vergleich mit der Konkurrenz natürlich lächerlich – überhaupt noch irgendwie Akzente setzen können???
Diese Frage konnten anscheinend weder Kreuzpainter noch Kameramann Daniel Gottschalk beantworten, denn ihrem Film sieht man die starke Orientierung an den großen Vorbildern an und das war schon der erste Fehler, weil KRABAT visuell nur viel unspektakulärer sein kann als der sich aufdrängende Vergleich eines POTTER-Films. Es gibt keine Fabelwesen, keine Burgmauern, keine spektakulären Zauberduelle, nur die alte Mühle, den Wald, ein bäuerliches Dorf und dunkle Zauberer, die sich in Raben verwandeln können – ein kleiner Effekt, der toll aussieht und in KRABAT zu einem Höhepunkt stilisiert wird, in einem POTTER-Film aber alle zwei Minuten im Hintergrund vonstatten geht – also was sollen visuelle Angleichungsversuche mit den Großen?!
Jetzt darf man mit der Optik auch nicht zu hart ins Gericht gehen, KRABAT ist atmosphärisch sehr dicht, düster, bedrohlich und magisch, es kommt durchaus Stimmung auf, auch dank des lautstarken Scores. Auch die – der Story wegen – sparsam dosierten Effekte sehen gut aus, da sind ein paar Abkupferungen hier und da durchaus verzeihlich.
Unverzeihlich sind hingegen viele erzählerische Mängel und langweilige oder hilflose Inszenierungen. Sehr häufig bedient sich der Film eines Voice-overs, um Handlungsabläufe zu straffen oder die Stimmungen gezeigte Charaktere zu definieren. Das ist erzählerisch schwach und zeugt von wenig Können und/oder Vertrauen in die eigenen Bilder, ein Film sollte seine Priorität stets auf die Bilder lenken, insbesondere eine Romanverfilmung, sonst kann man doch gleich das Buch lesen oder das Hörbuch hören, hier hätte man durchaus kreativer sein können, wie so manches mal in der Inszenierung, die doch arg standardisiert wirkt und nichts neues bietet. Zu den peinlichen Höhepunkten gehört eine Actionsequenz, bei der sich die jungen Zauberer mit berittenen Soldaten anlegen, billige Slow Mo Effekte alla MATRIX und hilflos hektisch geführte Wackelkamera sollen Spektakel erzeugen und wirken nur stümperhaft und kraftlos, Anzeichen deutlicher Überforderung von Regie und Kamera.
Auch Hauptdarsteller David Kross ist gradezu erschreckend eindimensional, zu häufig schleichen sich böse Anfängerfehler ein, die man Angesichts einer derart großen Produktion doch lieber hätte vermeiden sollen, vielleicht in dem man etwas erfahrenere Leute mit den wichtigen Aufgaben betraut hätte. Das sich dies lohnt sieht man am der übrigen Besetzung: Christian Redl, Robert Stadelober und Daniel Brühl tagen die Geschichte und springen da ein wo Regie und Hauptdarsteller versagen.
Zuletzt sei da noch der Inhalt, sprich die Handlung, die orientiert sich stark am Roman und kommt ohne Längen und mit viel Spannung locker über kurzweilige zwei Stunden. Stark vernachlässigt wird nur die – eigentlich sehr wichtige – Liebesbeziehung zwischen Krabat und seinem Mädchen Kantorka, die als Basis dient um den Bann des dunklen Mühlenmeisters zu brechen. Ein wichtiger Punkt, der im Finale zum tragen kommt, jedoch zuvor kaum aufgebaut wurde und somit ziemlich kraftlos bleibt, schade für alle Romantiker.