Keinohrhasen

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Schön…schön…schön und das mein ich jetzt nicht etwa sarkastisch oder zynisch, denn Keinohrhasen ist ein gelungener Mix aus Witz, Gefühl und Romantik, der vor Allem durch seine beiden Protagonisten getragen wird.
Ludo (Til Schweiger) ist ein erfolgreicher Klatschreporter für die Boulevardzeitung „Blatt“. Für einen seiner Skandalberichte geht er jedoch zu weit und wird zu dreihundert Sozialstunden in einem Kinderhort verdonnert. Dort trifft er auf Anna (Nora Tschirner) die Ludo noch aus Kindertagen in Erinnerung hat. Damals war sie nämlich sein Lieblingsopfer für fiese Streiche, Zeit also dem arroganten Frauenaufreißer Ludo einiges zurück zu zahlen. Doch dann kommt es natürlich anders, denn Anna verliebt sich in Ludo…
Drehbuch, Regie und männliche Hauptrolle Til Schweiger, bewies bereits mit Barfuss, dass er ein Händchen für witzig-skurrile Liebesgeschichten hat. Zwar ist Keinohrhasen etwas konstruierter, simpler und durchschaubarer als Barfuss aber stören tut dies nicht, denn der Film hat viel Herz und nimmt sich, neben vielen Gags, vor Allem Zeit für die Gefühle seiner beiden Hauptcharaktere ohne dabei schnulzig oder kitschig zu wirken. Dies verdankt man einem guten Drehbuch, ehrlichen und glaubwürdigen Dialogen und natürlich der hervorragenden Besetzung.
Schweiger hortet um sich und seine (ich muss es an dieser Stelle sagen) grandios, grandios und durch niemand anderen besser zu besetzenden, weibliche Hauptrolle Nora Tschirner, das Who is who der deutschen Film- und Fernsehszene. Diese besetzt er mit sehr überzeichneten skurrilen Figuren und lässt sie dann in prägnanten, oftmals schräg-witzigen Situationen Auftreten. Diese Szenen wirken teils sehr überdreht und satirisch, lockern das Ganze aber ungemein auf und bieten nicht zuletzt viele Lacher. Allein das Interview mit Jürgen Vogel (spielt sich selbst) ist ein Highlight das man mal gesehen haben sollte.
Wie eingangs erwähnt sind es jedoch Til Schweiger und Nora Tschirner die diesen Film so sehenswert machen. Natürlich ist Schweiger kein erstklassiger Schauspieler, aber den Maschoarsch mit gutem Herz kauf ich ihm jederzeit ab. Sein Charakter vereint viele manntypische Eigenschaften in sich und trifft mit seinen teils frechen Sprüchen und ehrlichen Aussagen oft den Kern des männlichen Denkens, weshalb man sich als Kerl wunderbar mit ihm identifizieren kann, auch wenn unverständlich bleibt, dass er nicht auf Anhieb das wohl liebenswerteste Geschöpf auf Erden erkennt und es stattdessen dauernd vor den Kopf stößt, aber dies ist ja auch irgendwie typisch Mann.
Der Star des Films bleibt hingegen die Frau. Nora Tschirner wartet die ganze Palette der weiblichen Eigenschaften und Emotionen auf, von schlagfertig über humorvoll, intelligent, frech, gemein, merkwürdig, zerbrechlich, traurig, frustriert, unsicher, liebenswert, süß, sexy oder schlicht und einfach faszinierend und bezaubernd, spielt sie sich in die Herzen des Publikums und macht es ein jedem schwer sich nicht in sie zu verlieben. Das wichtigste ist aber, dass sie in jeder Hinsicht überzeugt, sie ist die perfekte Freundin aber ohne das sie traurig mit Reeäuglein in die Kamera schmollt. Sie spielt einen glaubwürdigen Charakter mit eigenen Macken, ebenso ehrlich wie menschlich und nicht zuletzt sehr witzig.
Denn das ist die Stärke von Keinohrhasen, ehrliche Gefühle und viel Witz, wobei es auch hier die kleinen Späße sind die das größte Potential haben. Nicht das Interview mit Jürgen Vogel oder der cholerische Redakteur Rick Kavanian, sondern Ludos freche Rechtfertigungen auf sein Singleleben seiner Schwester gegenüber oder Annas Freundin, die Ludo erklärt wie Mann heutzutage die Frau oral befriedigt und Anna selbst die die Krankenhausrezeption zusammenschreit oder panisch ins Bad stürmt als Ludo zu später Stunde vor der Tür steht. Egal was passiert der Zuschauer fühlt mit und bleibt gefangen in dieser einfachen aber sehr schönen Liebeskomödie die zudem mit einem außergewöhnlich guten Soundtrack untermalt ist (ignoriert man mal das Weihnerlich „apologize“ von One Republik). Keinohrhasen ist somit ein sehr gelungener leichter Film mit viel Herz ganz ohne Kitsch und Klischee, der einem die grauen Tage des Winters ein großes Stück versüßen kann.
Autor: André
am 05.01.2008 um 05:34
diesmal bin ich voll deiner meinung:
sogar kackbratze till schweiger ist zu ertragen, man muss ihm sogar tribut zollen, weil er das drehbuch geschrieben hat, seine rolle gut spielt und auch die regie nicht ganz verhauen hat. letzeres haben ihm aber (wie du ja auch geschrieben hast) vor allem die darsteller abgenommen. in nora bin ich ja eh verliebt, auch wenn man im film sieht, wie unförmig ihre figur ist. die ist so cool, die könnte auch ne tonne wiegen und ich würde sie heiraten…
mathias schweighöfers darstellungstalent ist ja schon bewiesen, trotzdem hat er nach ben (soloalbum) und schiller (großartig im gleichnahmigen fersehfilm) jetzt auch noch komödiantisches gespühr für eine rolle dazu gepackt. über jürgen vogel (zweifelsohne toll) sprechen wir dann wieder nach “die welle”. der verspricht ja im trailer der überfilm zu werden, was abzuwarten bleibt.
aber ich schweife ab: der film ist gut, was man von einer (deutschen) romantic-comedy erstmal nicht erwartet. und mit einem ausverkauften haus in saal eins des cinemaxx in woche drei, bei anschließendem applaus, scheint auch das publikum das zu würdigen…