Jumper


„Paladine töten Jumper, ich töte Paladine, so einfach ist das.“
Ein unsympathischer Superheld, eine Organisation religiöser Fanatiker – die ihn töten will, ein Tropfen pseudo-Mythologie und eine Menge Actionwust; das ist Jumper, der neue Sci Fi-Action Kracher von Regisseur Doug Liman (Die Bourne Identität; Mr. & Mrs. Smith).
David Rice (Hayden Christensen) dachte immer, er sei ein ganz gewöhnlicher Typ – bis er durch Zufall entdeckt: Er ist ein “Jumper”. Sekundenschnell kann David nach Tokio teleporten, ins Kolosseum nach Rom oder zu den Pyramiden von Gizeh. Seiner Freundin (Rachel Bilson) schenkt er zwanzig Sonnenuntergänge in einer Nacht. Oder er besorgt sich ein paar Millionen aus dem nächsten Banktresor.
Doch dann nimmt sein Leben eine dramatische Wendung. Verfolgt von einer Geheimorganisation, die Menschen wie ihn auslöschen will, verbündet sich David mit einem anderen “Jumper” (Jamie Bell) und erkennt, dass er die Schlüsselfigur in einem jahrtausendealten Krieg ist…(Quelle: Pressetext)
Jumper packt das Superhelden-Thema mal von der anderen Seite an; David nutzt seine Fähigkeiten praktisch ausschließlich zu seinem eigenen Vorteil, „Mit großer Kraft kommt große Verantwortung.“ wäre ein Satz über den er nur müde lächeln würde. Dieses Handeln ist nachvollziehbar und verständlich, ist David doch in jungen Jahren von seiner Mutter verlassen worden und sieht in seinem Vater keine Vorbilds- oder Respektsperson, kein Wunder also, dass David zu einem ungeliebten, arroganten Egomanen heranwächst. Leider macht der Film dieses Thema nicht zum Schwerpunkt seiner Handlung, sondern setzt – wie dieser Tage jeder Blockbuster – lieber auf möglichst rasante Action und virtuose Effekte. David entwickelt sich nicht weiter, erkennt nicht, dass sein Lebensstil zwar einfach und erfüllend, aber letzten Endes eben doch falsch ist. Auch seiner Freundin Millie tut er mit seinem überheblichen Verhalten keinen Gefallen und kann auch auf Dauer keine Sympathien für sich beim Zuschauer wecken.
Das liegt auch an Hayden Christensen, der wirklich gar nichts seit Star Wars dazu gelernt hat und immer noch unbeholfen und hölzern von Szene zu Szene stolpert. Keines seiner gesprochenen Worte, keiner seiner Gesichtsausdrücke, wirkte auf mich glaubhaft, sondern immer aufgesetzt und bemüht charmant, natürlich ohne Erfolg, weil einfach künstlich. Auch Rachel Bilson (Der Letzte Kuss; O.C. California) find ich zu diesem Zeitpunkt in einem Kinofilm reichlich deplatziert; ihr Schmollgesicht passt gut in eine gehobene Teenie-Soap, aber im Spielfilm fehlt ihr meiner Meinung nach „das gewisse Etwas.“ Natürlich reduziert sich ihre Rolle auch nur auf; die perfekte Freundin und später auf das hilflose, süße Mädchen das gerettet werden will. Typisch und ganz ähnlich bei Kirsten Dunst in Spider-Man, aber anders als bei Dunst, war mir Bilson ziemlich egal. Das ist traurig und lag eindeutig an ihrer Schauspielkunst und dem Drehbuch.
Pluspunkte konnte bei mir nur – der andere Jumper – Griffin wecken. Jamie Bell ist stets bemüht seiner Rolle, Tiefgang und Persönlichkeit zu verleihen, auch wenn ihm das grotenschlechte Drehbuch kaum Gelegenheit dazu lässt. Und natürlich Samuel L. Jackson in der Rolle des Roland – Anführers der Geheimorganisation – die sich nur „Die Paladine“ nennt. Beide versuchen der schwachen Story eine Mythologie zu verpassen, indem sie von; seit Jahrtausenden andauerndem Krieg zwischen „Jumpern“ und „Paladinen“ quatschen. Klar, dass auch dieser Ansatz im Actionwust untergeht und nie konsequent ausgearbeitet wird.
Könnte man nun denken, dass zumindest die Action über zahlreiche Mängel und Schwächen der Handlung hinweg tröstet, leider auch hier Fehlanzeige. Das dauernde Hin und Her teleportieren lässt keine Zeit sich auf einen Schauplatz einzulassen, zudem machen es die ständig wechselnden Einstellungen schwer so etwas wie Atmosphäre oder Spannung zu erzeugen. Es ist, als würde jemand hinter einem sitzen und mit der Fernbedienung dauernd durch die Kanäle zappen, wobei die einzige Konstante dann aus David, Griffin oder irgendeinem Paladin besteht. Hinzu kommt, dass dem Film ein großer Showdown fehlt; die Finale Auseinandersetzung zwischen Roland und David fällt mehr als dürftig aus und zielt wohl auf eine Fortsetzung ab. Genau wie viele Frage, die zwar aufgeworfen, aber nicht beantwortet werden.
Sollte es also tatsächlich zu einer Fortsetzung kommen, so müsste diese schon um drei Klassen besser sein als dieser unausgegorene Sci-Fi Actionbrei, bei dem es schwer fällt aufmerksam zu bleiben, weil einem die Charaktere völlig egal sind und die Handlung inkonsequent erzählt wird sowie zu gar nichts führt. Am Ende ist man so schlau wie vorher, hat nichts Weltbewegendes gesehen und ist um ein paar Euro ärmer. Meine dringende Empfehlung lautet; lieber drumherum jumpen.
Autor: André