Invictus – Unbezwungen

Längst Mal überfällig, setzt Clint Eastwood dem Friedens-Nobelpreis-Träger Nelson Mandela ein filmisches Denkmal und widmet sich, in sportlich-politischer Kollaboration, dem Ende der Apartheid in Südafrika. Wichtige Botschaft, sympathische Darsteller und – wie immer – solide Inszenierung, sorgen für kurzweilige Unterhaltung, die ganz nebenher schonmal Lust auf Fußball-WM macht.

INHALT: Die Freilassung des politischen Gefangenen Nelson Mandela, leitet eine neue Zeit im aufgespaltenen Südafrika ein. Das Ende der Apartheid ist mit der Wahl Mandelas, zum Präsidenten, besiegelt. Dieser steht nun vor der schwierigen Aufgabe: die Vergeltungswünsche der schwarzen Opfer sowie die Ängste der weißen Unterdrücker, zu zerschlagen. Im Rugbysport und der anstehenden Weltmeisterschaft im eigenen Land, sieht Mandela eine Chance, beide Volksgruppen im Frieden zu einer Nation zu einen, jedoch gilt die südafrikanische Nationalmannschaft als krasser Außenseiter…

KRITIK: Ohne überschäumenden Pathos oder sentimentalen Kitsch, gelingt Eastwood der schwierige Balanceakt zwischen politischen Großtaten und sportlichem Wettkampf. Ganz unaufdringlich und doch unübersehbar, vermittelt er dabei die wichtige Botschaft von Frieden und Toleranz unter den Völkern und bietet gleichzeitig seinem Helden Mandela einen große Bühne, um dessen vorbildliches Handeln entsprechend zu würdigen.

Für Publikumsliebling Morgan Freeman, war es eine große Ehre den ehemaligen Präsidenten Mandela verkörpern zu dürfen, der von seinen politischen Gegnern beinahe 30 Jahre gefangen gehalten wurde. Freeman nimmt die Rolle dankend an und zeichnet – wie immer – mit zurückhaltender Sympathie und einfacher Herzlichkeit ein rundes und glaubwürdiges Bild eines großen Anführers. Viel Platz für tiefgreifende Charakterstudien und persönliche Hintergründe gewährt ihm Eastwood dabei kaum, zu groß und wichtig sind die Botschaften, die Mandela repräsentiert. Er ist der Vater der Vergebung, welcher persönliche Demütigungen und private Konflikte unter gutmütigem und weitsichtigem Führungsstil, dem Wohle einer ganzen Nation unter ordnet. Matt Demon hat da als Teamkapitän eher das Nachsehen , darf aber zumindest dem großen Vorbild nacheifern und seinem Team vermitteln, das Nationalsport für viele durchaus mehr sein kann, als nur körperlicher Wettkampf zwischen zwei Mannschaften.

Diese Botschaft, versteht man auch im fußballbegeisterten Deutschland, wo man sich als Zuschauer an – hierzulande recht exotisch ausfallenden – Rugbypartien erfreuen kann. Wirklich erklären kann der Film diesen brutalen Sport auch nicht, bei dem zwei gegnerische Mannschaften versuchen den Ball auf die jeweils gegenüberliegende Seite des Spielfelds zu prügeln. Das hat viel Ähnlichkeit mit dem, nicht weniger komplizierten, American Foodball, wirkt aber noch viel härter, da die Spieler keinerlei Körperschutz tragen. Spielerische Raffinesse und Technik, wird hier gerne mal durch bloße Muskelkraft ausgeglichen und Eastwood fängt dies auch mit entsprechender Spannung und dem Gefühl einer martialischen Schlacht beizuwohnen ein. Besonders gut gelingt ihm das packenden Finalspiel der Weltmeisterschaft, in dem die südafrikanischen „Springböcke“ auf die neuseeländischen „All Blacks“ treffen. Einem legendären Angstgegner im Rugby, der seine Gegner vor jeder Partie, mit einen furchteinflössenden, indianischen Kriegstanz einschüchtert, ein eindrucksvolles Schauspiel. Die entscheidenden Minuten dieser Begegnung, überträgt Eastwood in heldenhaften Zeitlupeneinstellungen. Den – gefühlt – millionsten Kameraschwenk über die, auch gerne Mal computeranimierte, Zuschauertretbühne, hätte er sich dabei ruhig verkneifen können. Auch die recht unpassende und unstimmig inszenierte Androhung eines Terroranschlags – dann auch noch mit Flugzeug – hätte wirklich nicht sein müssen, ansonsten bildet das Spiel aber einen gelungenen und spannenden Höhepunkt, in einem routiniert und solide Inszenierten Drama.

Dem stets beherzten Engagement und gutem Handwerk seiner Filme , tut auch INVICTUS keinen Abbruch, Eastwood inszeniert hier nicht sein größtes aber dennoch sehr sehenswertes, menschliches Drama. Für soviel konstante Qualität gab es Oscarnominierungen für Haupt- und Nebendarsteller, nicht nur Sport ist ein Politikum, aber das wussten wir ja schon.

Autor: André

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