Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

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„mich hat ein Skorpion gebissen.“
„war er groß?“
„riesig.“
„gut.“
Die Filmgeschichte kennt nur einen wahren Abenteurer, daran konnten bisweilen weder Mumien noch sexy Grabräuberinnen, Geheimnisse von Tempelrittern oder goldene Bücher etwas ändern und darum muss nun Dr. Henry Jones Junior – nachdem er sich vor fast 20 Jahren auf den letzten Kreuzzug begab – noch einmal zu Hut und Peitsche greifen um dem Kinopublikum ein echtes Abenteuer zu liefern.
Als die Sonne denn signifikanten Schatten an die Jeeptür warf und dazu die bekannte Fanfare von John Williams ertönte, da bekam ich tatsächlich für einen Moment Gänsehaut. Da ist er wieder – Indy – älter sieht er aus, grauer, mehr Falten aber er ist es: Indiana Jones in einem neuen großen Abenteuer …das Königreich des Kristallschädels – was für ein scheiß Titel – aber egal. Harrison Ford macht eine gute Figur, Indy ist auf ewig mit ihm verschmolzen, darüber kann auch Fords Rüstigkeit nicht hinwegtäuschen. Das Outfit sitzt, die Gesten auch und selbst in den Actionszenen kann Ford noch mächtig und – vor allem – glaubhaft, austeilen.
Die Geschichte wurde auf Grund von Fords Alter in die 50ger Jahre verlagert; die Nazis sind besiegt, dafür machen jetzt die Russen Stunk, außerdem bekommt Indy einen jungen Sidekick mit Rockabilly-Attitüde verpasst und muss sich mit Mühten Mythen um Roswell-Aliens auseinander setzten, naja…
Wenn man sich mit dem Alien-Kram – der eigentlich nicht wirklich zu Indy passt – gut stellt, geht das erste drittel des Films eigentlich in Ordnung – sieht man mal von ein paar peinlichen Gags mit animierten Erdhörnchen und der „Kühlschrank vs. Atombombe“ Aktion ab. Es gibt ein paar nette Anspielungen auf Indys frühere Abenteuer, Referenzen zu Lucas American Graffiti und halsbrecherische Verfolgungsjagden die Spaß machen. Nicht so lustig sind die vielen CGI unterstützten Effekte, die die Action oftmals überkochen lassen und so entweder peinlich, oder lächerlich wirken. Überhaupt hatten Spielberg und Lucas ja eigentlich Filmkunst der „alten Schule“ versprochen, doch scheinbar sind sie dann doch schwach geworden und bedienen sich leider viel zu oft der moderneren Action-Inszenierung, die natürlich arg im Widerspruch zu Indiana Jones steht und ganz klar aufs junge Publikum abzielt.
Darum natürlich auch Shia LeBeouf, der zwar – wie erst befürchtet – überhaupt nicht nervt, sondern eigentlich in seiner Rolle als junger Rebell Mutt Williams gefällt, aber eben auch oft das Zepter in die Hand nimmt und beinahe genauso oft austeilt wie Indy selbst – für Fans ist dies ein echter Dämpfer, ahnen sie doch, dass der junge Milchbubby denn geliebten Helden bald ablösen könnte. Schade ist auch, dass Cate Blanchett als Bösewicht viel zu wenig Raum bekommt um wahrhaft diabolisch zu wirken, ganz anders als ihre Vorgänger kann man sie nicht wirklich hassen oder um Indy bangen, wenn sie ihn – ca. alle 20min – gefangen nimmt und sein Leben bedroht. Der sonst brillante John Hurt ist als brabbelnder Kauz völlig verschenkt und auch Karen Allen die als Marion – Indys Flamme aus dem ersten Teil – wieder auftaucht ist bestenfalls gut gemeint; ihre Streitgespräche mit Indy wirken aufgesetzt und deren Liebe zu oberflächlich – beides lebt nur von der Sympathie des ersten Films und kann eigentlich gar nicht überzeugen.
Je weiter der Film voran schreitet, desto mehr Ärgernisse, Peinlichkeiten und Unnötigkeiten tauchen auf – Ich habe ernsthaft zweimal mit dem Gedanken gespielt einfach aufzustehen und den Saal zu verlassen, weil ich nicht weiter zuschauen wollte, wie Spielberg und Lucas den armen Indy demontieren – letztendlich bin ich doch sitzen geblieben – was nicht hätte sein müssen – denn spätestens im Königreich des Kristallschädels artet die Geschichte um Maya, Kalter Krieg und Aliens völlig aus und ist wohl am besten mit Ankes Worten zu beschreiben; „plemplem“.
Sicher ist Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ein unterhaltsamer und aberwitziger Abenteuerfilm, nur leider eben auch eine völlig unnötige Fortsetzung der Indiana Jones-Reihe, die ihren Helden ursprünglich zur Filmlegende machte und ihm nun mit dieser Vorstellung viel mehr schadet als bereichert. Von mir aus können Spielberg und Lucas mit Shia machen was sie wollen, aber lasst mir Indy in Ruhe, der hat was Besseres verdient.
Autor: André
am 27.05.2008 um 00:02
oha, wir sind wirklich einer meinung andré…..kann das mal bitte jemand schriftlich festhalten? ;)
am 27.05.2008 um 16:15
Kann deiner Kritik ebenfalls nur zustimmen, so wie anscheinend der Rest der Welt auch. Siehe auch die Kritiken bei den Fünf Filmfreunden oder bei Nerdcore. Und überall werden fast immer die gleichen Themen bemängelt: CGI, Drehbuch, George Lucas…
Ich werde keine eigene Kritik mehr über “Indiana Jones 4″ verfassen, da Sie nur eine weitere ähnliche Botschaft vermitteln würde, wie alle anderen.
Der Film ist aber dennoch sehenswert, unterhaltsam und kein ganz so schmerzvoller Nachfolger für die alte Reihe, wie es z.B. die Episoden I-III für das alte “Star Wars” waren. Würdig ist es der Film allerdings dennoch nicht, zur alten Triologie gezählt zu werden…
Ich würde allerdings auch meinerseits wohl noch stärker erwähnen wollen, dass mir das erste Drittel des Films trotzdem wirklich gut gefiel, dass zumindest dieses erste Drittel wirklich Indiana Jones war, mit nur wenigen und auch wirklich kleinen Macken. Der Kühlschrank hat mich z.B. überhaupt nicht gestört nur das letzte Bild dieser Sequenz war halt “to much” und eben diese beschissenen Eichhörnchen. Aber nach dem ersten Drittel baut der Film dann wirklich mit laufender Minute immer mehr ab, setzt zu stark sein Augenmerk auf Shia, benutzt Indiana nur noch als Randfigur und schußtert “Mutt” wirklich jede Lorbeerenszene zu, während Harrison langsam immer weiter verdrängt wird.
Der junge Wilde löst den grau gewordenen Meister ab, so dass Lucas und Spielberg mit “Indiana Jones 4″ einen perfekten Übergang zu einer neuen Triologie mit Shia erschschaffen haben. Perfekt da, nicht allzu grausam für den Fan und eben auch gleichzeitig spannend für die neuen Zuschauer. Kein würdiger Nachfolger, aber immerhin nicht allzu grausam.
P.S.: “Müthen” schreibt man “Mythen”