Im Tal von Elah

„Ich hab es da drüben gehasst, aber nach einer Woche hier, konnt ich es kaum erwarten wieder dorthin zu kommen.“

Vor wenigen Jahren, machte sich Regisseur Paul Haggis mit seinem gefühlvollen Drama und Episodenfilm „LA Crash“ einen Namen in der Filmbranche. Sein Film gewann sogar den Oscar für Best Picture. Leider etwas undankbar, denn im selben Jahr gewann Ang Lee für „Brokeback Mountain“ den Regie-Oscar und so war es doch sehr verwunderlich, dass „Brokeback Mountain“ – als deutlich besserer Film – nicht auch für Best Picture ausgezeichnet wurde, sondern eben „LA Crash“. Scheinbar hatte sich die Academy dann doch nicht getraut, das emotionale Liebesdrama um zwei homosexuelle Cowboys, mit allen Ehren zu würdigen – was sehr Schade war.

Dessen ungeachtet war „LA Crash“ ein wunderbarer Film und so wundert es nicht, dass Paul Haggis dem Drama treu bleibt und mit „Im Tal von Elah“ eine bewegende – wenn auch nicht ganz so großartige – Geschichte, von der Ermordung eines jungen Soldaten im eigenen Land, erzählt und dessen Vater, der versucht die Umstände dieses Verbrechens zu ergründen.

Die Rolle des Vaters – ein pensionierter MP-Sargent und Vietnam Veteran – übernimmt Tommy Lee Jones, der damit ebenfalls seiner Linie treu bleibt und einmal mehr als Ruhepol, bedeutungsschwanger durch die Gegend guckt, während man versucht, die all umfassende Wahrheit des Universums, in seinem zerfurchten Gesicht zu ergründen. Lee Jones passt natürlich wie kein zweiter in die Rolle und macht sich deren Charakter vollständig zu Eigen. Mal in tiefe Gedanken versunken, mal wutentbrannt – obwohl immer beherrscht – und mal in tiefer Trauer, mimt Lee Jones den Soldatenvater und sorgt dafür, dass man der wenig aufgeregten Handlung vom ersten Moment bis zur letzten Minute gespannt folgt.

Natürlich gibt es noch andere Darsteller, wie beispielsweise Charlize Theron als alleinerziehende Mutter und – von den Kollegen gemoppter – Detective, die sich redlich bemüht gequält zu wirken, aber der man auf Grund ihres phänomenalen Aussehens, die Rolle einer frustrierten und von allen heruntergespielten Frau nur schwer abkaufen kann. Ein echter Gewinn – wenn auch mit wenig screen time gestraft – ist Susan Sarandon als trauernde Mutter eines ermordeten Sohnes und Ehefrau eines kontrollbesessenen, introvertierten Mannes.

Jedoch bleibt dies ein Tommy Lee Jones Film, denn er ist es, an dem sich die Geschichte verankert und er ist es, dem man überall hin folgt, um die Wahrheit, über die Ermordung seines Jungen herauszufinden. Dieser war im Irak stationiert und wurde wenige Tage nach seiner Heimkehr als vermisst gemeldet, um dann wenig später als Leiche – verstümmelt und verbrannt – aufgefunden zu werden. Die Spur führt, über einen vermutlich missglückten Drogendeal zurück zur Ursache allen Übels, dem Militär. Doch handelt es sich hierbei keinesfalls um eine Verschwörung seitens der Regierung oder ein dunkles Geheimnis der U.S. Armee.

Nein, die Wahrheit ist viel ernüchternder, viel schockierender und realistischer, als alles was man sich als routinierter Zuschauer, anti militärischer Filme, vorstellen mag. Und so findet man sich – schlussendlich – bedrückt und bewegt wieder, alleingelassen in einer Welt, in der einiges im Argen liegt und hat einen schwermütigen Film gesehen, an dem man im Grunde nichts weltbewegendes auszusetzen hat und die eigene Seele verlangt nach „Menschlichkeit“. Gut gemacht Paul Haggis.

Autor: André

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