Hellboy – Die goldene Armee

„you know I can’t smile without you…“

Vermutlich hätte Ron Perlman schallend gelacht, hätte man ihm vor zehn Jahren gesagt, dass er mit Ende fünfzig die wohl markanteste Rolle seiner langen Filmographie, als zwei Meter großer, knall roter Muskelprotz, mit Schweif, Steinfaust und abgefeilten Hörnern spielen würde und noch dazu wild durch die Gegend springend und um sich ballernd, den fiesesten und finstersten Fabelwesen in den Allerwertesten zu treten. Nun tut er Besagtes schon zum zweiten Mal, in der Fortsetzung der Comicadaption von Guillermo Del Toro und muss sich erneut gegen uralten Mächte behaupten, in: HELLBOY – DIE GOLDENE ARMEE.

Tja man muss ihn schon mögen, diesen HELLBOY, einen Actionhelden vom alten Schlag: grob, brutal, Zigarre paffend, große Knarren liebend und immer einen frechen Spruch auf den Lippen, aber natürlich ein gutes Herz. Eine Figur die so bizarr aussieht, dass das Pavian-artige Affengesicht von Ron Perlman für sie wie Bestimmung anmutet. Genau das muss sich auch Guillermo Del Toro gedacht haben, als er Perlman für die Rolle des HELLBOY besetzte. Sicherlich ein kleiner Geniestreich, ebenso die Adaption des gleichnamigen Comicflicks welches sich seine wahnwitzigen Geschichten aus allen möglichen Mythen, Sagen, Historie und Alltags Konflikten zusammenmixt und dennoch – dank Del Toro – auf der Leinwand halbwegs glaubwürdig rüberkommt.

Das liegt vor allem daran, dass der Regisseur genau zu wissen scheint, welche Freiheiten seiner Comicverfilmung unterliegen und wovon er besser die Finger lassen sollte. So bedient sich HELLBOY in seiner Dramaturgie – trotz hohen Potentials – eher oberflächlichen und allgemeintauglichen Konflikten ohne diese episch breit zu wälzen oder in zu ernsthafter Tiefgründigkeit zu versinken. Das Fundament von HELLBOY gründet auf simpler Märchenlogik und ist genau darum herrlich unkompliziert und leicht bekömmlich. Der Film bemüht sich erst gar nicht um anmaßend reale Bezüge – wie z.B. THE DARK KNIGHT  - sondern bleibt seinem Genre vollkommen treu, weshalb man das Geschehen also weniger in Frage stellen, als vielmehr nur akzeptieren muss, um unheimlichen Spaß an der Sache zu haben.

Lässt man sich erstmal auf dieses kindliche Niveau herab, so entfaltet sich vor einem eine fantastische Welt der Mythen und Märchen, in der ein dunkler Elbenprinz versucht seinen geliebten Planeten, mittels einer mechanischen, unbesiegbaren Armee, von der Seuche der Menschheit zu befreien, während nur ein Dämon aus der Hölle ihn davon abzuhalten vermag. Nebenbei hat dieser außerdem ernsthafte Beziehungsprobleme mit seiner pyromanisch begabten Freundin und einen Autoritätskonflikt mit einem neuen mysteriösen Agenten im Team und dann ist da noch sein Freund der hellsehende Wassermann, der sich in die Schwester des Elbenprinzen verliebt…

Klingt wie ein abgedrehter Kitschroman, das ist es auch, aber dieser wird ungemein aufgepeppt mit knackigen Actionszenen, viel frechem Humor und einem Fundus aus faszinierenden Fabelwesen, wie sie sonst nur ein George Lucas in seinen STAR WARS Filmen unterzubringen vermag. Einmal mehr entpuppt sich Guillermo Del Toro als echter Monsterfan und lässt diese auch des Öfteren von echten Darstellern in großartigen Kostümen verkörpern, anstatt sie nachträglich am Computer zu generieren. Auch der dunkle Elbenprinz ist ein Highlight, verfügt er doch nicht nur über eine mystische Aura und edle Motive, sondern außerdem über ungeahnte Kung Fu Skills die ihn anmutig über die Leinwand flippen lassen. Das alles ist aber noch gar nichts gegen die wohl beste und überraschendste Liebeskummerszene in einem Comicfilm ever…including Barry Manilow. 

What being said…HELLBOY – DIE GOLDENE ARMEE ist eine durchweg gelungene, wenn nicht sogar bessere, Fortsetzung der Comicadaption. Simple gestrickt und mit naiver Märchenlogik versehen, aber dafür dem Fantasygenre frönend und ungemein sympathisch, weil unkompliziert und heiter, dabei trotzdem konsequent und mit ordentlich Action versehen…Ein Highlight nicht nur für Comicfans.

Autor: André

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