Flags of our Fathers – Letters from Iwo Jima

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So, weil grade neu im Verleih, hab ich mir mal ein „Double-Feature“ in Sachen Kriegsepos gegeben und mir Clint Eastwoods neuste Regiestückchen „Flags of our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“ reingezogen.
Das Konzept fand ich ja schon mal richtig geil. Beide Filme behandeln die Ereignisse rund um die Schlacht auf der japanischen Insel Iwo Jima, zu Zeiten des zweiten Weltkriegs. Der eine Film aus der Sicht der Amerikaner, der andere befasst sich ausschließlich mit den Japanern. Eine tolle Idee die Thematik „Krieg“ objektiver zu behandeln und sich ausführlich mit beiden Seiten zu befassen. Schade nur, dass trotz Authentie, toller Ausstattung und großen, sowie schockierenden Bildern, der Funke nicht recht überspringen mag.
„Flags of our Fathers“ beschäftigt sich nur indirekt mit dem Kriegsschauplatz Iwo Jima. Vielmehr steht ein dort entstandenes Foto, welches sechs Soldaten beim aufstellen der Nationalflagge zeigt, im Vordergrund und die daraus resultierende Werbekampagne, zur Finanzierung des Krieges, an der Heimatfront. Das durch Zufall entstandene Foto, weckt im kriegsmüden Amerika neuen Mut und Nationalstolz. Da das Land pleite ist, werden die drei überlebenden Soldaten des Fotos nach Hause geholt und sollen als gefeierte „Kriegshelden“ neue Geldgeber zu Spenden animieren.
Trotz seines Titels und Potenzials, verzichtet der Film größtenteils auf übermäßigen Pathos. Im Gegenteil, die Werbekampagne wird sehr kritisch beleuchtet und es wird schnell deutlich, dass die Veranstalter keinen Anstand oder moralische Grenzen kennen, um an das geliebte Geld zu kommen. Auch der Missbrauch der Pseudo Kriegshelden, die als Marionetten in einer gigantischen Kriegsmaschinerie fungieren, wird klar herausgearbeitet. Ebenso der Verfall der drei Soldaten, der von bemühter Gleichgültigkeit über Selbstaufopferung bis hin zum Alkoholismus reicht. Was den Film trotz alldem nur mittelmäßig macht, sind seine eindimensionalen, wenig packenden Charaktere, die keinerlei Wandel vollziehen, sondern leicht zu durchschauen und klar einzuordnen sind. Auch in Sachen Kriegsscharmützel wartet der Film zwar mit einer großen Schlacht aller „Soldat James Ryan“ auf, wird dann aber schnell ruhiger und zeigt fortan, in Rückblenden, nur noch kleinere Gefechte, die deutlich unspektakulärer ausfallen. Bei allem kann der Film aber trotz toller Inszenierung und schockierender Bilder nur mäßig begeistern, da (so makaber das auch klingen mag) man derartige Bilder schon zuhauf aus anderen Kriegsepen kennt. Somit bleibt „Flags our Fathers“ größtenteils langweilig und durchschaubar und weist nur Bruchstücke von Neuheit und Interesse auf.
Schon deutlich besser gefällt da schon „Letters from Iwo Jima“. Ganz einfach schon aus dem Grund, weil man hier mal nicht mit cowboyartigen Draufgängern und Football spielenden „War? No problem!“ Soldaten konfrontiert wird, sondern einer ganz anderen Kultur mit ganz anderer Mentalität, beim sterben zusieht. Hier ist fast ausschließlich die Insel Iwo Jima Schauplatz der Handlung und deren Angriff Mittelpunkt.
Die Geschichte dreht sich zum einen um den kommandierenden General, der mit der Verteidigung der Insel beauftragt wurde, sowie einen jungen japanischen Soldaten, der sich mit den katastrophalen Bedingungen der japanischen Truppen, sowie der nicht allzu gut verlaufenden Schlacht auseinandersetzen darf.
Im Gegensatz zu „Flags of our Fathers“ werden hier zahlreiche neue Aspekte ins Spiel gebracht. z.B. die schlechte Versorgung und Ausrüstung der japanischen Truppen, die sich unteranderem mit Durchfallepidemien abquälen mussten, oder aber das ewige Gerede von Ehre und Tod fürs Vaterland, welches zuweilen auch zu zwanghaften Selbstmord-Rieten führte und natürlich die katastrophale Lage der Japaner, die im Stich gelassen und uneinig, eine Schlacht gegen eine Übermacht schlagen musste. Das tolle an dem Film ist, dass hier sehr respekvoll und vorurteilsfrei mit den Sitten, Gebräuchen und der Situation dieser fremden Kutur umgegangen wird. Leider taucht auch hier das Problem der eindimensionalen Charaktere, sowie die Eintönigkeit des Films auf. Endlose Höhlengespräche oder Rumhockerei und Gerenne durch dunkle Gänge, dies lässt den Film leider streckenweise sehr langatmig erscheinen, jedoch sehr nett sind die zahlreichen Brücken, die durch Perspektivwechsel und wiederkehrende Bilder zu „Flags of our Fathers“ geschlagen werden.
Zum Schluss dieses mäßigen, insgesamt vier Stunden, Double-Features bleibt jedoch nur die Erkenntnis, dass nicht viel Neues von der Front gezeigt wird und die traurige, aber bereits bekannte Massage, dass Krieg, egal aus welcher Perspektive, immer furchtbar und sinnlos ist, war und sein wird.
Autor: André