Fantasy Filmfest 2009 (Köln)
Nur 40 Autominuten entfernt vom „Fantasy-Filmfest 09“, da stellt man sich als Cineast doch einen nette Programmauswahl zusammen und macht sich auf den Weg nach Köln, um einige der Geheimtipps und Überraschungshits der kommenden Kinomonate schon mal vorab zu betrachten, bloß um dann festzustellen, dass „DISTRICT 9“ ausverkauft ist…
Naja, der startete ja – auf Grund seines Erfolgs in den Staaten – nur eine Woche später regulär und so begann das FFF09 dann also mit einem garantierten DVD Knüller für den Filmabend mit Freunden: „BLACK DYNAMITE“.
BLACK DYNAMITE
Blackspoitation, so nannte sich eine Welle von – größtenteils – schlecht produzierten Actionfilmen der 70er, in denen erstmals schwarze Darsteller in den Hauptrollen, zu heldenhaften Filmikonen stilisiert wurden. Berühmtestes Beispiel dieser Zeit ist „SHAFT“ gefolgt vom weiblichen Äquivalent „FOXY BROWN“.
Auf eben dieser Welle beruht auch die Actionkomödie „BLACK DYNAMITE“, die den Titel gebenden Supercop auf ein aberwitziges Actionabenteuer schickt und dabei die gängigsten Klischees des Genres persifliert. Muskel bepackteeeeeeeeeeeee Helden, dickbrüstige Frauen, jede Menge Pimps, Kung Fu und „Can you dig it“-Sprüche, der Film reiht sich damit in eine ganze Serie genreveräpelnder C-Movies ein, von denen schon viele Vorlagen nicht berauschend wahren, entwickelt aber mit fortlaufender Handlung eine ganz eigene Dynamik, mit „Over the Top“-Trashfinale, die ihn dann doch sehr unterhaltsam macht.
Natürlich bleibt „BLACK DYNAMITE“ ein Nischenfilm, an dem vor allem Genrekenner und Filmfreaks ihre Freude haben sollen, dies erreicht er aber auch problemlos und mit ein paar Bier auf DVD ist dieses Machwerk garantiert kein Fehlgriff für den Filmabend mit Freunden.
MOON
Ein definitives Genrehighlight ist dieser kleine Sci-Fi-Thriller im Retrolook, der seine Vorbilder in Klassikern wie „ALIEN“ und „2001“ sucht. Inszeniert wurde dieses atmosphärisch dichte Erstlings-Werk von Duncan Jones (Kameramann und Sohn von David Bowie).
„MOON“ bugsiert einen einzelnen Mann mit einer Aufgabe auf dem Mond und zwingt ihn dort – in Isolation – zur Auseinandersetzung mit seinen eigenen Psyche und Moral, unterstützt wird er nur von einem Supercomputer namens Gerty.
Für sein niedriges Budget sieht „MOON“ wirklich große Klasse aus, Jones lässt sehr stimmungsvolle und schöne Bilder einfangen, die enorm zur tristen und deprimierenden Atmosphäre des Films beitragen. Unterstützt wird das noch durch einen erstklassigen Soundtrack und natürlich Sam Rockwell, der für diese „One Man Show“ sehr dankbar ist und eine sehr beeindruckende Performance abliefert. Eine coole Idee ist das Display des Computers Gerty (OV: Kevin Spacey), welches dessen automatisierte Handlungsabläufe und Aussagen mit Smiley-Faces unterstützt. Auch sonst ist „MOON“ voll von liebevollen Details, Zitaten des Genre und Anflügen von Ironie – Weckruf „The one and only“ von Casney Hawkes. Leider fehlt es der Geschichte ein wenig an Spannung, was als Drehbuch noch toll zu funktionieren schien, zieht sich im Endergebnis etwas in die Länge und hätte sicher als Kurzfilm (dann aber auch mit weniger Details) vermutlich besser funktioniert.
So bleibt „MOON“ ein kleines aber feines Liebhaber Stück für Genrefans, dass seiner Konzeption treu bleibt und sich tapfer gegen konventionellelErdzählsträngenge und vordergründige Effekte stellt, eine Eigenschaft, der Danny Boyles „SUNSHINE“ nicht gerecht wurde.
THIRST – DURST
Südkoreas Exportschlager und Kultregisseur Chan-Wook Park hat erneut ein abgedrehtes, unkonventionelles, enorm innovatives, ideenreiches und selbstverständlich unvergleichliches, Meisterwerk geschaffen und das in einem Genre, von dem man dachte, es sei alles erzählt worden; einem Horrorthriller über Vampire.
In „THIRST“ wird ein Priester, durch eine Bluttransfusion, vom Blutdurst befallen und verliebt sich in ein junges Mädchen, welches im Alltag einer kleinbürgerlichen Familie zu ersticken droht… mehr sollte man nicht im Vorfeld über diesen Film wissen, der so viele Wege einschlägt und Ideen freilegt, dass man bequem drei Filme daraus machen könnte. Der kreative Pool von Chan-Wook Park scheint jedenfalls unerschöpflich und schafft es sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch für jede Menge Überraschung zu sorgen. Fast wirkt es, als müsste man ihn zwingen in seinen Geschichten ein Ende zu finden, so einfach kann er längst durchgekauten Szenarien und Situationen neues abgewinnen und immer neue Einfälle hinzufügen, genial und so abgefahren, dass es selbst ein erfahrenes Publikum umhaut und Neueinsteiger beinahe überfordert.
Überflüssig zu erwähnen, das man diesen Film sehen muss. „THIRST“ ist ein Paradebeispiel für Innovatives, modernes und anspruchsvolles Kino gleichermaßen, das darf man nicht verpassen.
BRONSON
Michael Peterson ist Englands brutalster und gestörtester Gefängnisinsasse, seine Historie ein Beleg für übersteigerte Gewaltexzesse, soziale Inkompetent, Gesellschaftsgefährdung und grenzenlose Dummheit. Klar, dass dieser Mann zum König aller Vollzuganstalten gekrönt wurde und von seinen Fans nur liebevoll Bronson genannt wird, nach dem Darsteller zahlreicher Actionhelden des 70er Jahre Kinos.
Regisseur Nicolas Winding Refn nahm sich diesen modernen Antihelden als Vorlage für eine intensive und bizarre Satire über Gewalt und das Tier im Manne. Das das Ganze so gut funktioniert, ist vor allem Tom Hardy zu verdanken, der eine so energiegeladene, kraftvolle und aufzehrende Performance abliefert, das es einem schlicht Angst einflößt. Mit verschmitztem Schneuzerlächeln und Fleischmütze spielt Hardy den personifizierten Wahnsinn und stolpert von einer bizarren Situation in die Nächste. Das Szenario in „BRONSON“ ist extrem übersteigert und erinnert oftmals an einen exzessiven Vollrausch, bei dem Gewalt und Aggression als treibende Kraft im Vordergrund stehen. Kein unbedingt angenehmes Gefühl, jedoch so aussagekräftig und einnehmend, dass es sich nicht ignorieren lässt und mit diesem Statement wird der Film seinem Vorbild wohl am gerechtesten.
„BRONSON“ ist ein kräftezehrender, surealer Trip mit einem brillanten Hauptdarsteller, der einem Antihelden ein verstörendes und aussagekräftiges Denkmal setzt, ohne ihn zu glorifizieren.
Autor: André
am 24.09.2009 um 02:59
1. endlich bewegung hier!
2. du hast es geschafft! die “kritik” ist gleichzeitig bewertung und trailer. ich will “moon” jetzt sehen.
3. sehen wir uns bestimmt bald in unserem coolen, neuen 3D-kino wieder. ;)