Es ist 9.45h und…

…es geht zur Arbeit… !!!KOTZ!!! Ich war doch gestern schon… Naja ich denke das ich von dort aus dann weiterschreiben werde…

…Jetzt ist es 12.o8h und ich bin seit ca. 2 Stunden hier.

Was ich tue, was meine Arbeit ist wollt ihr wissen? Naja eigentlich tue ich hier nicht viel, denn ich bin Filmvorführer in nem kleinen Arthousekino namens “Cinema”, vor 2oo7 trug es noch den Namen “Cinetal”.

Wie kam es dazu wollt ihr wissen? Nunja also, als klein Svenni so 15 Jahre alt war, stellte er ziemlich schnell fest das sich ein Leben, das praktisch oder überwiegend nur aus Party, Frauen und Alkohol (…öhöm…) bestand, sich auf die Dauer nicht so leicht nur aus dem eigenen Taschengeld bezahlen lässt. Also versuchte ich mir damals einen netten Job zu suchen der wenig Aufwand erfordern und trotzdem gut bezahlt sein sollte, frei nach dem Motto: “Möglichst wenig Arbeit!!! (Wie schon in der Schule :-) ) Aber trotzdem gut Kohle!!!”. In einem kleinen verschlafenen Nest wie Schwelm, gestaltete sich das zunächst eher als recht schwierig, doch dann machte mich mein Vater eines Tages darauf aufmerksam das unser örtliches Kino wohl Nebenstellen zu vergeben hätte. “Hey…” dachte ich mir “…Filme gratis + Cooler Job + Geld, warum nicht?” und wurde dann auch prompt, vermutlich wegen meines Charmes, meiner Intelligenz und nicht zuletzt meines guten Aussehens, schließlich als Kartenabreißer eingestellt. Wenn ich heute zurückblicke waren die 5,65€ pro Vorstellung, sprich pro 1 1/2 Stunden, für ein bischen Kartenfleddern und Getränke holen, für meine damaligen Verhältnisse genau das was ich auch suchte.

Nach knapp 3 oder 4 Monaten kam dann auch schon die erste Beförderung, die zwar nicht mehr Geld, aber dafür einen höheren Status versprach. So war ich dann für die nächsten 3 Jahre Kassierer, konnte damit bei den Schulkollegen mächtig prollen und war eigentlich ziemlich zufrieden mit meiner Situation. Nicht zuletzt macht die Arbeit beim Kino nämlich auch wegen den Kollegen mächtig Spaß. Irgendwann kommt man mit den ganzen Schüler- und Studentenpack das dort arbeitet, dann nämlich auch ins Gespräch, es werden kleinere private Filmvorführungen nur für die Mitarbeiter organisiert und man trifft sich auch privat mit den Leuten. Es gab Weihnachtsfeiern wo man seinen Pegel nicht richtig eingeschätzt hatte und anschließend bei Julia Vester auf der Rückfahrt in ihr Auto kotzte (das ist ne andere Geschichte) oder aber auch die Chefin zu “Modern Talking” total abging, Bowlingabende unter den Mitarbeitern oder gemeinsame Saufrunden auf der Schwelmer oder der Gevelsberger Kirmes. An meinem 16ten Geburtstag gab es Freibier und die “Herr der Ringe II”-Premiere im großen Lichtburg-Saal und an Bernds, 25ten galub ich, Geburtstag hatte die Belegschaft einen “kleinen” Film (Die vollen 45Min. kamen lediglich durch die Outtakes von John zustande!) für ihn gedreht an original Schauplätzen im Kino. John hatte damals Bernd verkörpert, Flori und Nils übernahmen die Musikeinlagen und ich war in einer Rolle als “Vorführer-Praktikant” zu sehen. Alle anderen hatten auch kleinere Rollen zugesteckt bekommen aber leider hat es “Bernd: The Movie” bis heute noch immer nicht in die “imdb.de Top 100″ geschafft.

Nach den drei Jahren als Kassierer wurden dann diverse Umstruktuierungen vorgenommen, viele erstklassige Kollegen verließen uns und was dann schließlich den Nagel auf den Kopf traf, war das unser Chef nun täglich antanzte und uns Feuer machte. Praktisch die ganzen drei Jahre lief der Laden auch ohne Präsenz von seiten der Chefetage doch dann meinte man wohl auf uns mehr Druck ausüben zu müssen damit das Geschäft besser fluriere. Was man dabei wohl nicht bedacht hatte war das A) Der Lohn den meisten, wegen der ganzen zusätlichen neuen Arbeit die uns aufgetragen wurde, dann doch zu wenig wurde, B) das schlechte Geschäft wohl weniger an uns, sondern eher am allgemeinem Kinosterben lag und C) von uns so ziemlich niemand unseren Chef mochte, zumindest die meisten von uns. Klar kamen wir alle mit ihm aus, mussten wir ja auch, doch er war einfach ein alternder, miesepetriger Bonzen und kein Menschenfreund (Dies ist nur meine rein subjektive Meinung). Mit “Umstruktierungen” waren z.B. solche Dinge wie Stromsparen durch “Öfters mal das Saallicht nicht brennen lassen”, “Mehr Sauberkeit und Ordentlichkeit durch öfters mal selber putzen” und “Mehr Einsparen dadurch das der Chef jetzt einige Vorstellungen selber arbeitet” gemeint. Also lief es im Endeffekt darauf hinaus das wir sogar gar nicht mehr wirklich viel arbeiten hätten können, selbst wenn wir es gewollt hätten, da uns unendlich viele unserer eigenen Vorstellungen vom Chef geklaut wurden, was dann im Endeffekt weniger Lohn für uns bedeutete.

Naja wenigstens wurde dann dadurch das einige Leute uns verließen, was ja an sich nicht gerade positiv war, eine Stelle als Vorführer frei und so konnte ich dann, bevor mir die Situation irgendwann dann selber auch nicht mehr passte, da Chefchen mich zum Schluß sogar persönlich noch auf dem Kicker hatte, wenigsten noch für ein 3/4 Jahr als Vorführer arbeiten. Und dieser Vorteil, nämlich das ich schon Vorführen konnte, brachte mir dann auch eine neue Stelle im “CiNETAL” (tädäää). Hachja und es war/ist herlich: Der neue Chef war zum knuddeln, die Bezahlung stieg auch und zwar um mehr als 50% und die Atmosphäre ist hier auch ebenfalls viel gemütlicher und Heimlicher als im kahlen Schwelmer Kinocenter. Allenfalls fehlt mir hier nur die Gemeinschaft und die Kollgialität vom Kino in Schwelm, will sagen die Leute von damals. Aber zu den meisten hält man ja auch weiterhin noch Kontakt und besucht die “Übriggebliebenen” abundzu im Kino.

Aber auch im CiNETAL gab es einige Veränderungen: So wurde im Januar der Betrieb von der Atoll übernommen, der Name wurde wieder in Cinema umgeändert und mein, wohl angenehmster und bestgelauntester Chef aller Zeiten, Detlef, hat das Haus verlassen. Dennoch “The Show must go On” und vorallem kriegen wir heute gegen 16h noch nen neuen Star, denn der André fängt dann, dank meiner Unterstützung, hier auch an und es werden dann nur noch Buddy-Schichten geschoben und Filme geschaut.

Autor: Sven

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