Edge of Love
Ein neues Liebesmelodram von der Insel, da durfte man doch sehr gespannt sein, besonders da das Letzte dieser Art für so viel positives Aufsehen, bis hin zu den Oscars® sorgte.
In der Hauptrolle erneut Keira Knightley, die derzeit etwas festgefahren wirkt, spielt sie doch schon zum dritten Mal in Folge, die romantisch verklärte Lady in historischem Gewand. Aber seis drum, wenn sie mit süßlichem Lächeln, in tollen Kostümen, das Unschuldslamm verkörpert und dabei gleichsam zerbrechlich, wie wunderschön, mit der Zigarette kokettiert, dann hat das durchaus seinen Reiz.
Nicht minder reizvoll, sogar um einiges Interessanter, ihre Spielgefährtin Sienna Miller, die hier eine laszive, leicht manische, Freigeisttänzerin mit Hang zum Masochismus verkörpert. Zu den Damen gesellt sich Matthew Rhys, als liebestoller Lebemann und exzessiver vollsuff Dichter, Dylan Thomas.
Die drei verstricken sich in einen klassischen, wenn auch liberalen, Liebesreigen, bei dem sie sich gegenseitig, mal freundschaftlich, mal verführerisch oder mal hinterhältig, den Kopf verdrehen, um sich so die bittere Zeit des Krieges zu versüßen. Auch wenn die drei schon genügend Potenzial mitbringen, sich ihr Leben gegenseitig schwer zu machen, wird es erst richtig kritisch, als Soldat und Frontmann Cillian Murphy auf der Matte steht, um Keira den Hof zu machen.
In Ereignisfreier Lethargie und unnötigen Effektspielereien, entfaltet Regisseur John Maybury sein Liebesmelodram „EDGE OF LOVE“ auf der großen Leinwand. Augenscheinlich fehlt es dem Film eindeutig an Höhepunkten, Dramatik, echten Emotionen und Budget, um den Zuschauer wirklich zu packen. Hinzu gesellen sich noch etliche Drehbuchmängel, die das Potential der einzelnen Charaktere gekonnt zu verhindern wissen und ihnen niemals ein echtes Profil gönnen, von dem sie zehren können. Sämtliches Handeln der Figuren wirkt sprunghaft und unmotiviert, ihre Konstellationen und Gefühle füreinander verschwommen und unklar. Auch richtet sich der Fokus der Erzählung auf viel zu viele Themen, die allesamt nur angerissen und inkonsequent aufgegriffen werden, in Folge dessen vermag keine dieser, an sich spannenden Perspektiven, zu fruchten.
Maybury präsentiert hier eine enorm unausgegorene Geschichte, von der völlig unklar bleibt, was sie nun eigentlich erzählen will. Das Potential ist durchaus spürbar, allein die Anwesenheit des Dichters Thomas samt seiner ironisch, zynischen Kommentare zum Geschehen, lassen die Ambitionen der Erzählung erahnen und auch die beiden Ladys hohlen das Möglichste aus ihren Figuren heraus. Etwas Abseits, ja fast schon überflüssig, gerät hingegen Cillian Murphy, der die Spannungen des Dreigestirns immer wieder unterbricht, um sein eigenes klischeeverseuchtes Kriegstrauma zu überwinden, eine zweifelsohne undankbare Rolle..
Hinzu gesellt sich das Ärgernis der uninsperierten Inszenierung von Maybury, der sich zu Anfang in albernen Montagen und nervigen Kameraspielchen wie, Unschärfen, Verzerrungen, mehrfach Überblendungen und Weichzeichnern verrennt, nur um anschließend die völlige Tristesse in Grautönen abzufeiern.
Man darf also behaupten, dass diese unausgegorene schlichte Präsentation, als durchaus überflüssig betrachtet werden kann und sich mit der erzählerischen Finesse und der ambitionierten Inszenierung von „ABBITTE“ überhaupt nicht vergleichen lässt, da helfen auch keine guten Darsteller mehr und selbst Genrefans dürften mächtig enttäuscht werden.
Autor: André