Die Geschwister Savage

„Tuh doch was, schließlich bist du Doktor.“
„Nein Dad; er ist Doktor der Philosphie für Theaterwissenschaft.“
„Wie am Broadway?“
„Nein; mehr Theater mit sozialkritischem Anspruch…“

Humor macht die schwierigen Dinge des Lebens erträglicher, auf diese Weise begegnet uns Tamara Jenkins mit ihrer einfühlsamen Tragikomödie Die Geschwister Savage, bei der sie Regie führte und das Drehbuch schrieb, welches ihr eine Oscarnominierung einbrachte.

Der an Demenz leidende Lenny Savage (Philip Bosco) lebt zusammen mit seiner Frau Doris in Seniorenparadies Sun City. Als Doris überraschend verstirbt, sind plötzlich ihre beiden Kinder Wendy (Laura Linney) und Jon (Philip Seymour Hoffman) in der Pflicht und müssen sich um ihren Vater kümmern. Dies ist jedoch leichter gesagt als getan, da die beiden wegen Vorkommnissen in ihre Kindheit kaum noch Kontakt zu ihrem Vater haben. Deshalb kommt es zu einem Aufeinandertreffen, das alte Wunden wieder aufreißt…(Quelle: Pressetext)

Anders als man erwarten würde, schafft es Regisseurin Tamara Jenkins die schwergewichtige Handlung enorm elegant und für den Zuschauer leicht bekömmlich zu transportieren. Möglich macht dies ihr exzellentes Drehbuch, welches den schwierigen Drahtseilakt zwischen Drama und Komödie mit Bravur meistert. Die Geschwister Savage zeichnet sich durch eine Mischung aus starken Dialogen, stimmigen Bildern und spitzem Humor aus, der selbst dramatischste Momente erträglich macht, ohne despektierlich zu sein. Das macht diese Tragikomödie zu einer zutiefst menschlichen und feinsinnigen Geschichte, mit einer eindringlichen Thematik die – früher oder später – Jeden etwas angeht.

Doch – getreu nach Jenkins – muss dies kein Drama sein, denn der Film zeigt, dass man auch schwierigste Situationen bewältigen kann, wenn man sich seinen Humor bewahrt. Natürlich wird hier nichts beschönigt, die Pflicht, sich um seine unselbständigen Eltern zu kümmern, ist nicht leicht und geht einher mit viele Problemen, Kompromissen, Schuldgefühlen und Leid. Der Film lässt seine Charaktere all diese komplexen Gefühle spüren und schildert auf sehr eindringliche Weise den letzten Lebensabschnitt eines Pflegebedürftigen sowie seiner Angehörigen. Der Focus bleibt dabei aber auf den Angehörigen Wendy und Jon – was gut ist – denn sie tragen die Verantwortung und sie sind es, die am Ende mit ihren Entscheidungen weiter leben müssen.

Natürlich steht und fällt ein solcher Film mit der Wahl seiner Darsteller. Laura Linney und Philip Seymour Hoffman liefern – wie erwartet – eine Glanzleistung ab. Mit Charme, Leichtigkeit, Witz und Facettenreichtum verkörpern sie ihre Charaktere absolut glaubwürdig und untermauern damit die ohnehin schon anspruchsvolle und gekonnte Inszenierung.

Somit darf ich an dieser Stelle die Lobeshymne des Trailers – ein Zitat von Patrick Z. McGavin aus dem Screen International Magazin – ohne bedenken wiederspiegeln: „Spitzer Humor, starkes Drehbuch, exzellente Regiearbeit und überwältigende Schauspieler…Die Geschwister Savage verdient die Bestnote.

Autor: André

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