Die Ermordung des Jessy James durch den Feigling Robert Ford


Inhalt: 1881: Jessy James (Brad Pitt) und seine Bande gelten schon seit über einen Jahrzehnt als DIE Gangster der amerikansichen Westernzeit. Ihre Namen tauchen in Zeitungen, Groschenromanen und besonders in den Fahndungsausschreiben der Polizei auf. Allerdings will Jessy’s in die Jahre gekommener Bruder Frank (Sam Shephard) nach einem eher misslungenen Zugüberfall, die James-Gruppierung entgültig auflösen um fortan ein bürgerliches Leben führen zu können. Und so verstreuen sich die Wege der 3 Geschwister und Jessy landet schließlich bei den 5 Ford-Brüdern mit denen er zusammen hofft neue Coups und Überfälle planen zu können. Unter ihnen befindet sich auch der 19-Jährige Robert Ford (Cassey Affleck), welcher schon seit seiner Kindheit ein begeisterter Fan Jessy’s ist. Zunächst wird Robert auch von Jessy aufgenommen und akzeptiert. Er sieht in ihm schon fast eine Art kleinen Bruder. Doch als Jessy’s Gelassenheit sich plötzlich immer mehr in Abneigung, Misstrauen und insbesondere Spott gegenüber Robert, verändern, wächst in dem 19-Jährigen ein tiefer Hass gegenüber seinem ehemaligen Helden und Idol.
Kritik: Die knapp 159 Minuten mit denen “Die Ermordung des Jessy James durch den Feigling Robert Ford” aufwartet, sind zuallerersteinmal zwar beeindruckend, ergreifend einfühlsam, imposant und tiefgehend. Aber nichtsdestotrotz bleiben es einfach wirklich 159 lange und streckenweise sehr zähe Minuten.
Einige Szenen dieses, doch sehr speziellen und unheimlich auf Charaktertiefe aufbauenden, Neo-Westerns, sind zugegeben wirklich schon dermaßen gut verfilmt, das man fast weinen möchte so einen fantastischen Film noch auf großer Leinwand erleben zu dürfen. Allein schon die Intro-Sequenz bietet einfach wunderschöne und epische Landschaftsaufnahmen, welche dannoch gepaart mit den sehr ergreifenden und intimen Close-Up-Aufnahmen von Brad Pitt’s, ganz besonders in diesen Szenen geradezu unheimlich ausdrucksstarken, Gesicht und dem einfühlsamen Voice-Over des Erzählers, einfach eine perfekte Harmonie ergeben, welche dem Zuschauer wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ebenso die geradezu genial gefilmte Ermordung eines gewissen Ed Miller (grandios verkörpert in dieser Szene von Garret Dillerhunt), oder aber auch der Überfall am Anfang des Filmes, welcher mit sowohl hervorragend kameratechnischer Arbeit als auch sogar auffallend gutem SurroundSound-Effekten besonders hervorsticht.
All diese Szene und noch einige mehr, wie z.B. auch die im Titel besagte Ermordung des Jessy James, sind einfach einige der besten die ich jemals erleben durfte und sind bei diesem Film einfach auf eine enorme Charaktertiefe, die fantastische Kameraarbeit von Roger Deakins und die selten so gut erlebte schauspielerische Leistung fast aller Beteiligten zurrückzuführen (Einzig Cassey Affleck als Robert Ford hatte in einigen wenigen Szenen minimale Schwächen). Eine seiner größten Stärken, aber auch fatalsten Schwächen des Filmes liegt jeddoch einfach in der Länge dieses Machwerks.
Eines der Vorteile der knapp 3 Stunden Filmmaterial die uns in “Die Ermordung des Jessy James durch den Feigling Robert Ford” gezeigt werden, ist zunächst einmal das der Film sich damit auch Zeit lässt für den Charakteraufbau und insbesondere den Aufbau einer sehr intensiven und starken melancholischen Grundstimmung, welche sich bei “Die Ermordung des Jessy James durch den Feigling Robert Ford” hauptsächlich durch die vielen tristen aber gleichzeitig auch wunderschön imposanten Landschaftsaufnahmen bildet. Diese Melancholie ist so eindringlich und überzeugend erschaffen worden, das sie einem auch nach verlassen des Kinosaals immer noch beschäftigt.
Desweiteren lässt sich der Film somit aber auch Zeit für sich selbst. Es wird nicht auf die Uhr geschaut und gesagt: “Mann jetzt müssen wir aber mal ein bischen vorwärts kommen und mehr Storytelling einbinden”. Diese Tatsache ist insbesondere in einer Zeit in der Hollywoods Werke sich genau in dieser Hinsicht stark verschlimmern, besonders bemerkenswert und es gehört schon ordentlich Respekt gezollt an den Regiesseur Andrew Dominik dafür, das er mit so einer untypischen und, in der heutigen Zeit alle Regeln brechenden, Erzählweise ans Publikum herantritt und damit nicht zuletzt auch riskiert zu floppen.
Denn teilweise stöß einem die Spieldauer doch sehr ans Gemüt. Sie fordert die Aufmerksamkeit des Zuschauers extrem heraus, da dieser ja auf die nächste starke Szene hofft und vergeblich wartet, wärend er dabei aber lediglich mit vergleichsweise “banalen” Dialogen und langatmigen Sequenzen abgefüttert wird. Klar bieten die “langweiligeren” Passagen dem Zuschauer die Zeit zur Identifikation und zur Tiefenbildung der einzelnen Charaktere. Und erhoffte Spitzen-Szenen sind ja auch vorhanden und über den kompletten Film verteilt, jeddoch dann aber so rar und im Vergleich zu den “langweiligen” Passagen so kurz, das man sich einfach irgendwann unwohl fühlt, zwischenzeitlich sogar im Geiste, aus dem Film herausgeht, zurück in die Realität, die Geschichte einem einfach nicht mehr fesselt und das einfach nur weil die Aufmerksamkeitsspanne schon überreizt ist und nicht etwa weil die Grundgeschichte zu langweilig wäre.
[Achtung SPOILER im nächsten Absatz!]
Und umso mehr wundert es dann auch das sich Andrew Dominik für den genialen Plot-Twist, die unerwartete Erzähl- und Geschichtswendung am Schluss des Films einfach kaum mehr Zeit lässt, sondern aus dem nichts heraus alles auf die wesentlichen Aspekte herunterschraubt und die Geschichte dann vorwärts treibt wie ein Wilder. Und auf einmal kommt das Ende doch viel unerwarteter und plötzlicher als man es durch die vorangegangenen Minuten noch erwartet hätte. Denn nach der Ermordung des Jessy James ist für Dominik nicht einfach Schluß, sondern er versucht noch (lobenswerter Weise) auf Robert Ford’s Leben einzugehen bzw. die Auswirkungen des Mordes an Jessy James auf Robert Ford’s Charakter. Und eigentlich ist dieser Abschnitt des Filmes mindestens genauso interessant, wenn nicht sogar Storytechnisch gesehen wesentlich stärker und interessanter als alles am Film bzw. dessen Story zuvor. Denn die Wandlung die Robert Ford am Schluß durchlebt würde schon alleine für einen eigenen Film ausreichen, so interessant ist sie Charaktertechnisch gesehen. Und eben aus diesem Grund mag ich es nicht recht begreifen warum genau dieser Abschnitt so heruntergerissen wurde, als würde man nur noch einen Akt bzw. eine Filmrolle am Set gehabt haben.
[SPOILER Ende!]
Fazit: “Die Ermordung des Jessy James durch den Feigling Robert Ford” sollte man sich unbedingt noch im Kino anschauen, da er, nicht zuletzt auch durch seine fantastischen Aufnahmen welche erst auf großer Leinwand vollends erblühen, wohl eines der unübertroffenden Highlights dieses Jahres ist. Jeddoch muss man sich eindeutig auf die Länge des Filmes einlassen und akzeptieren das auch die ungerrechte Aufteilung der Laufzeit, insbesondere zum Schluss des Filmes, wohl einen wirklich faden Beigeschmack bei den meisten hinterlassen wird.
Autor: Sven
am 06.11.2007 um 22:16
mensch der Sven schreibt ne Filmkritik sUPER!!!
Spaß bei Seite, klasse Text, trifft auch meine Stimmung zu dem Film also von wegen klasse Kamera, drei vier (ACHTUNG Bohlendeutsch) mEGA gEILE Schlüsselszenen aber halt ja LAAAAAAAAAAAAAANNNG!!! (wie der Titel schon leicht andeutet) und trotzdem total sehenswert wenn man in der Stimmung ist für ruhige Bilder und leise Erzählweise, halt was für nen Kultur Kreis aber ehe nix wenn man einfach nur “Bock auf Kino” hat.