Deutsches Kino, angeschaut… Teil 1
„Wir könn doch nur „Nazidramen“ und „Komödien“. Derartige Sprüche hört man viele, kommt es zum Gerede um deutsches Kino. Ganz von der Hand zu weisen, ist dieses Vorurteil sicherlich nicht und – mal ehrlich – wie schnell wird heutzutage ein Film made in germany ab gewunken, geht es um die Entscheidung an der Kinokasse. Den Mainstream-Kinogänger reizen deutsche Filme kaum, es sei den sie heißen KEINOHRHASEN oder DER SCHUH DES MANITU – Nr.2 und Nr.1 der erfolgreichsten deutschen Filme aller Zeiten – was kein Indiz für gute Qualität ist.
Auch ich lege bei deutschen Filmen gerne mal mehr Skepsis an den Tag, als bei so manchem Blockbuster – ein schwerer Fehler, wie mich die letzten Monate lehrten – denn ich hab mir viel deutsches Kino angesehen und war das ein ums andere mal – doch – schwer begeistert von so manchem Werk. Natürlich möchte ich euch – ja euch beiden – meine Meinung über die betrachteten, einheimischen Filme nicht vorenthalten. Darum präsentiere ich an dieser Stelle die ersten 12 Kurzreviews aus meiner Serie „Deutsches Kino, angeschaut…“
AUF DER ANDEREN SEITE
Aktuelles Werk, des deutsch-türken Fatih Akin. Ein literarisch verfilmter Kulturtrip dreier – ineinander verstrickter – Schicksale; modern, emotional, spannend und authentisch in ruhigen, kraftvollen Bildern erzählt, sehr sehenswert.
DAS LEBEN DER ANDEREN
Der Oscarfilm von Regisseur Florian Henckel von Donnersmark. Bewegendes Historiendrama über die Methoden des Überwachungsstaat DDR, mit einem beeindruckenden und subtilem Schauspiel von Ulrich Mühe (†); anspruchsvolles, schockierendes und gefühlvolles Plädoyer gegen das Vergessen und für mehr Menschlichkeit, sehr sehenswert.
DAS PARFÜM
Süskinds Pflichtlektüre der Mittelstufe, verfilmt von Starregisseur Tom Tykwer. Tolle Ausstattung, große internationale Darsteller, schöne Bilder und dennoch nur ein Schatten des Romans, trotzdem gut.
DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI
Gut gemeinter MessageFilm von Hans Weingarten – gegen den Kapitalismus – mit jungen, wilden Idealisten. Fängt gut an, wird dann aber immer schwächer und langweilt zudem mit vorhersehbarem Dreiecks-Beziehungskonflikt. Anstelle von Bildern und Geschichten, nervt der Film mit plakativen Diskusionen über eine bessere Welt und verrennt sich über die Message in langatmiger Theorie die keinen Spaß macht, so lala.
EIN FREUND VON MIR
Komödie mit guten Darstellern über Verantwortung, Freundschaft, Liebe und Leben. Daniel Brühl macht den Anspruch, Jürgen Vogel die Unterhaltung. Das Resultat ist viel Spaß gepaart mit Nachdenklichkeit und ein wenig Romantik. Kleiner Film zum aufmuntern und durchatmen, einfach aber gut.
FREE RAINER
Schonungslose Abrechnung mit der Fernsehbranche und schockierender Einblick in ein Business, dem nichts heilig ist. Noch ein MessageFilm von Hans Weingarten und die Wahrheit über das Medium Fernsehen. Auf Grund der Aufklärung und einer überragenden Einleitung sehr sehenswert, dennoch auch hier viel Konstruktion und plakative Botschaften, die etwas übers Ziel hinaus schießen, Schade.
GEGEN DIE WAND
Fatih Akins Durchbruch. Ein krasses Liebesdrama mit aktuellem Bezug und kulturellem Einblick ins deutsch-türkische Leben; exzessiv, leidenschaftlich, gefühlsbetont und knallhart. Ein Film der einen aussaugt, stark gespielt, klasse erzählt und toll gefilmt, sehr sehenswert.
KEINOHRHASEN
Til Schweigers Erfolgsfilm des letzten Jahres. Leichte, spaßige Liebeskomödie mit viel deutscher Prominenz und einer bezaubernden Nora Tschirner. Ein Film für Jedermann, gute Unterhaltung mit viel Spaß und Gefühl, einfach aber gut.
KIRSCHBLÜTEN – HANAMI
Bewegendes Drama von Doris Dörrie über das Altern und Sterben. Beeindruckend gespielt von Elmar Wepper sowie mit einem Kulturtrip nach Japan. Großes Gefühlskino in meditativen Bildern, sehr sehenswert.
KNALLHART
Radikales Jugenddrama über einen fünfzehn Jährigen, der in Berlin – Neukölln zum Drogenkurier aufsteigt; düsteres, authentisches und brutales Portrait einer Jugend, die nichts zu verlieren hat und einer unschuldigen Seele, die von ihr verschlungen wird, stark und echt gespielt, sehr sehenswert.
PORNORAMA
Augenscheinlich provokante und dennoch harmlose Komödie mit Nostalgietough. Ein Spiel mit der Naivität der Aufklärungsfilme, konservativen Wertvorstellungen und freier Liebe. Das ganze aber bemüht lustig und enttäuschend, harmlos verpackt. Mehr leichte Unterhaltung als anstößiger Sex, unspektakulär und banal, kann man sich schenken.
STELLUNGSWECHSEL
Amüsante kleine Komödie über fünf arbeitslose – Normalo – Männer, die aus Verzweiflung und Geldnot einen „Begleitservice“ eröffnen. Leichte Unterhaltung mit viel Charme und liebenswerten Charakteren – überraschend – die scharfe Kritik am System der Arbeitsagenturen, einfach aber gut.
Wird fortgesetzt…
Autor: André