Der Goldene Kompass

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Zu keiner Jahreszeit lässt sich das Kinopublikum lieber in fantastische Welten entführen, als zur Weihnachtszeit. In diesem Jahr ist es die Verfilmung des ersten Bandes der dreiteiligen Romanvorlage His Dark Materials von Philip Pullman, die das Publikum verzaubern soll. Besonders in England genießt die Kinder-Roman-Trilogie einen hohen Bekanntheitsgrad und wird auch außerhalb der Zielgruppe sehr geschätzt. Beste Vorrausetzungen für eine weitere epische Fantasy-Trilogie auf der großen Leinwand, dachte sich wohl das Produktionsstudio New Line Cinema und stellte Regisseur Chris Weitz ein Megabudget von 150 Millionen Dollar zur Verfügung um den ersten Teil Der Goldene Kompass zu realisieren.
Man darf bemerken, dass es nach Filmen wie Der Herr der Ringe, Harry Potter und Die Chroniken von Narnia durchaus schwierig geworden ist das Fantasy-Publikum noch ins Staunen zu versetzen. Kennern des Genres jedenfalls, dürften zu Recht zahlreiche Symbiosen mit eben diesen Filmen, bei der Betrachtung von Der Goldene Kompass auffallen. Tatsächlich besitzt der Film keinen wirklich eigenen Stil, sondern kopiert vielmehr Einstellungen aus vielen anderen bekannten Fantasy-Streifen. Wirklich schlimm ist das aber eigentlich nicht, denn auch deren Vorlagen, nämlich die Bücher, weisen viele Ähnlichkeiten auf. Nein in Sachen Optik kann man dem Film keinen Vorwurf machen, Der Goldene Kompass sieht toll aus: opulente Ausstattung, prachtvolle Sets, authentische Kostüme, malerische Fantasy-Landschaften und durchaus gelungene Effekte bieten ein zwar erwartetes und auch fast schon gewohntes, aber stimmiges Gesamtbild.
Auch beim Zusammenspiel der Darsteller setzt man auf Balance. Natürlich ist Dakota Blue Richards keine Shakespeare-Mimin, dafür fehlt es ihr schlicht an Erfahrung und emotionaler Reife. Ähnlich wie bei Harry Potter platzierte man darum, um sie und ihre jungen Schauspielkollegen zahlreiche namenhafte Darsteller wie: Nicole Kidman, Eva Green, Sam Elliot oder Daniel Craig, trotzdem halten sich diese zurück und überlassen der kleinen Dakota die Show. Funktioniert im Prinzip auch gut, lediglich die vielen animierten Tierchen (Dæmonen) und der Krieger Eisbär Iorek, lassen dann alle Darsteller ab und an blass aussehen, dies kann man aber auch vergeben denn mal ehrlich; Wer würde überhaupt neben einem drei Meter großen gepanzerten, sprechendem Eisbären auffallen.
Was dem Film aber eindeutig fehlt ist ein Fundament und mindestens genauso wichtig wie die gelungene Optik, der dringend notwendige Tiefgang. Kenner der Bücher können beides aus der schriftlichen Vorlage ziehen und sich an den Bildern berauschen, allen anderen fehlt aber der Bezug zu Charakteren und Geschichte, da der Film nicht in der Lage ist diesen zu vermitteln. Es wird viel zu oberflächlich mit den Figuren und dem Stoff der Erzählung umgegangen, für sogenannte charakterprägende Momente ist keine Zeit. Die einzelnen Figuren werden, im jeweils passenden Moment, kurz eingeführt und spulen dann innerhalb von zwei Minuten, in teils sehr schlechten Dialogen, ihre jeweilige Lebensgeschichte, ihre Träume, Wünsche, Absichten und was sonst noch zu erwähnen ist, herunter. Das ist natürlich Gift für die Atmosphäre, ein wenig mehr Sorgfalt und vielleicht eine halbe Stunde mehr Film hätten hier schon weitergeholfen. Bei den zu vermittelnden Inhalten der Geschichte verfahren die Macher ähnlich minimalistisch, auf das Notwendigste wird eingegangen, vieles aber nur angeschnitten und kritische Punkte verharmlost wenn nicht gar völlig ignoriert, beispielsweise blutlose Gefechte und Schlachten oder die Kritik an der Kirche durch die Darstellung des Magisteriums. Die Macher mögen diese Entscheidungen mit dem Sigel „kindergerecht“ verteidigen aber durch solche Weichspülgänge geht die Essenz des Stoffes und somit auch die Magie, wenn man so will, auf jeden Fall aber der Anspruch der Erzählung völlig flöten. Vielmehr ärgert man sich über die naive, teils plumpe Erzählweise des Film, besonders bei einer FSK 12 Freigabe wo man dank der Vorlage doch auf mehr Anspruch gehofft hatte.
So bleibt Der Goldene Kompass zwar ein hübsch illustriertes aber doch recht einfaches und durchschaubares Fantasy-Abenteuer im Weichspülgang, welches seiner Vorlage nicht gerecht wird. Anschauen kann man sich den Film dennoch, in einer Rangliste wäre er wohl irgendwo zwischen Chroniken von Narnia und Harry Potter einzuordnen, ist aber dadurch leider nur durchschnittlich.
Autor: André