Grindhouse – Death Proof

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Der Meister des „Pulp“, der Kultregiesseur der 90ger, Mr. Quentin Tarantino meldet sich zurück um erneut Kinogeschichte zu schreiben. Von Tarantinos Filmen kann man immer das Unerwartete erwarten, denn keiner seiner Streifen passt in eine Schublade oder lässt sich durch ein Genre zusammenfassen. Nein, Tarantinos Filme sind immer überraschend, immer eigen und immer eine Liebeserklärung ans Kino. So auch sein neuster kleiner TrashStreifen Death Proof – Todsicher mit dem Quentin Tarantino den Exploitation und B-Movies der wilden 70ger Jahre huldigt.
Wieder einmal beweist der Meister sein Genie und seine Liebe zum Film, und zwar indem er ein scheinbar grottenschlechtes und schon längst ausgestorbenes Genre zum Kinokult erhebt. Extreme Darstellung von Sex und Gewalt, verpackt in eine miese Story und dank niedrigem Budget, sowie schlechten Darstellern, grauenvoll umgesetzt. So oder ähnlich lassen sich zahlreiche Schundmovies der 70ger Jahre beschreiben. Brutal, pornographisch und politisch unkorrekt, wären weitere Adjektive die man dieser Beschreibung hinzufügen könnte. Derartige Filme liefen meistens in Spätvorstellungen der Bahnhofs- und Pornokinos, in Amerika auch „Grindhouses“ genannt. Die Kopien dieser Steifen passten sich dem Inhalt an, denn sie wurden bis zum Maximum ausgelutscht und wiesen zahlreiche Kratzer, Risse, Farbverluste, Tonstörungen, Bildsprünge und sonstige Fehler auf. Das alles kümmerte jedoch nicht das anspruchslose Publikum, welches sich am konsequent zwang- und zensurlosen Stil dieser kleinen Filmchen erfreute. Eben diese Zwanglosigkeit und natürlich die exzessive Darstellung, müssen auch Tarantino schwer begeistert haben, wie sonst ließe sich erklären, weshalb er, zusammen mit Robert Rodriguez, das Projekt Grindhouse ins Leben rief. Death Proof ist nur ein Teil dieses Projekts, welches im Herbst mit Planet Terror von Rodriguez komplettiert wird.
Was Tarantino anpackt wird meistens auch besonders und so wundert es nicht, dass auch Death Proof mehr geworden ist als nur ein gewöhnliches B-Movie. Der Meister greift sich nämlich wieder einmal das Beste vom Genre heraus und haut damit mächtig auf die Kacke: „A new kind of terror is coming, at 200 miles per hour“ meinen tut er damit Stuntman Mike (Kurt Russel) und seine Teufelskarre, denn Mike ist ein abgewrackter Stuntfahrer dessen Hobby es ist, hübsche junge Dinger aufzureißen und sie dann, mit Hilfe seiner frisierten Monsterkutsche, ins Jenseits zu befördern. Sowas kann auch nur Tarantino abziehen, erst führt er minutiös, mit viel Dialogen und ruhigen Szenen vier Schönheiten in seine kleine Trashstory ein, um sie nur wenige Minuten später genauso minutiös in tausend Stücke zu zerfetzen. Den dafür verantwortlichen Autocrash zeigt er gleich mehrmals aus verschiedenen Perspektiven, sodass der Zuschauer auch schön das Schicksal jedes einzelnen Unfallopfers vorgeführt bekommt. Klar ist diese Szene nichts für schwache Nerven, denn müsste man bei Tarantino nicht mit derlei Makaberheiten rechnen, beispielsweise das abgetrennte Bein, das eben noch locker aus dem Beifahrerfenster hing oder der Reifen, der eines der hübschen Gesichter zu Gulasch verarbeitet, so müsste man sich glatt bekotzen. Aber Tarantino spielt halt gern mit den Erwartungen seines Publikums und weis irgendwie immer zu überraschen. So auch bei den nächsten vier Ladys die Stuntman Mike ins Visier nimmt, Pech für ihn, denn die heißen Chicksen sind selbst Stuntfrauen und treten Mike gewaltig in denn Arsch. Hier beweist der Meister sein Genie, denn die Ironie, dass der Frauenverachtende Mike, der sich stets wehrlose Schönheiten als Opfer ausguckt, von selbiger Frauenpower in die Schranken gewiesen wird ist einfach genial. Aber nicht nur im Plot, auch sonst weis Tarantino sein Edeltrash-Filmchen zu etwas ganz besonderem zu machen, zum Beispiel indem er die Szenen seiner gewohnt guten Trivialdialoge mit den Macken ausgelatschter Filmkopien versieht. So gibt es plötzlich Kratzer, Hänger, Farbverluste oder abgebrochenen Sätze zu beäugen und man glaubt tatsächlich in einem Grindhouse zu sitzen. Tja Tarantino liebt eben Kino mit all seinen Eigenschaften, nur bei den gekonnt umgesetzten Stunt und Aktionszenen verzichtet er wieder auf derlei SchnickSchnack und präsentiert echte Handarbeit vom aller Feinsten, bis hin zum abruptesten und wohl besten Filmende, dass ich seit langem gesehen habe.
Fazit: Tarantinos Hommage an die TrashMovies der 70ger, ist visuelles Eyecandy ganz anderer Art und ein wahres Highlight für Nostalgiker, FilmGeeks und Kinofans.
Autor: André