Cloverfield

„I hab’s gesehn, es lebt…“

Mensch war das ein Hype, wer sich nur entfernt für Filme begeistern kann, kam die letzten Monate im Internet nicht an Cloverfield vorbei. Lange Zeit blieben Name und Handlung des Films geheim, der im Sommer 07 veröffentlichte Teaser offenbarte eine Bedrohung die New York heimsucht. Katastrophe? Terroranschlag? Monster? die Gerüchteküche brodelte doch die Antwort gab es erst Monate später und sie lautete: Monster!

Robs Freunde schmeißen eine Abschiedsparty für ihn, denn er geht für einen neuen Job nach Japan. Mit der filmischen Dokumentation der Feierlichkeiten wird Robs bester Kumpel Hud beauftragt. Leider läuft die Party nicht so wie geplant, Rob verkracht sich mit seiner Freundin Beth, die wütend davon zieht und kurz darauf wird New York von einem riesigen Monster angegriffen. Die Situation ist außer Kontrolle, Rob und seine Freunde wollen raus aus Manhattan doch dann erhält Rob einen Notruf von Beth, er beschließt sie zu retten…

Gozilla 2.0 möchte man meinen und man würde nicht irren, doch was Cloverfield so interessant macht ist nicht etwa die platte Handlung, sondern der Stil der Inszenierung. In den Fußstapfen des Blair Witch Projekts präsentiert sich der Film in einem dokumentarischen Stil, bei dem der Zuschauer praktisch in die Rolle von Hud, dem Kameramann, schlüpft und durch sein Kameraauge das Geschehen auf der Leinwand verfolgt. Durch diese Methode wird das Publikum quasi zu einem Teil des Films, wie ein Voyeur verfolgt es das Schicksal von Rob und seinen Freunden und sieht und weis dadurch niemals mehr als diese. Dieser Effekt erzeugt eine unglaublich dichte und gleichsam faszinierende Atmosphäre der man sich nur schwer entziehen kann, vorausgesetzt man übersteht die ersten zwanzig Minuten langweiliges Partygetuhe das wohl den Zweck hat die Protagonisten einzuführen und ebenso öde wie das Abschlussvideo der eigenen Abi-Feier daherkommt.

Die Charaktere machen die Sache nicht leichter, denn sie sind allesamt austauschbare Figuren dessen Schicksal, über die gesamte Filmlänge, uninteressant bleibt ganz gleich wie schrecklich dieses auch sein mag. Das es nicht rosig sein kann wird einem schon zu Anfang klar, wenn der auf der Leinwand eingeblendete Text verkündet, dass man nun dokumentarisches Filmmaterial einer SD-Karte zu sehen bekommt welche an dem Ort sicher gestellt wurde, der früher mal als Central Park bekannt war. Das die Figuren viel zu oberflächlich und klischeebehaftet sind, stört jedoch nur zu Anfang, sobald das Monster auftaucht hält allein schon die Wackelaction von Huds Kameraführungsstil die Zuschauer bei Laune. Dafür, dass dieser nur amateurhafte Aufnahmen des Geschehens liefern kann, entschuldigt er sich bereits mehrfach im Vorfeld auf der Party. Natürlich macht dieser Stil den Reiz des Films aus, ist aber nicht für schwindelanfällige Leute und solche die sich nicht für verwackelte Momentaufnahmen und Zufallseinstellungen begeistern können.

Bleibt noch das Monster, welches für ein Budget von grade mal 20.000.000$ gar nicht übel aussieht und vom Design her an eine Kreuzung aus Echse, Fisch und Alien erinnert, auch die fiesen, spinnenartigen Parasiten, die ihm vom Korpus fallen, können überzeugen. Unklar bleibt die Herkunft des Ungetüms, ganz zum Schluss gibt es einen kleinen Hinweis, (Tip: auf den Hintergrund achten.) Auch dessen Schicksal bleibt ein Mysterium, überhaupt kommt das Ende, wie schon beim Blair Witch Projekt, sehr abrupt und bleibt größtenteils offen, womit dank des Introtextes zu rechnen war und was eigentlich auch nicht weiter stört.

Fassen wir zusammen: Cloverfield wird dem Hype nicht gerecht, dafür ist die Story zu belanglos, die Charaktere zu platt, das Budget zu klein. Letztendlich gibt es nicht viel Monsteraction, sondern mehr Atmosphäre geladenes Gerenne durch zerstörte Straßenschluchten wobei der Kinotrailer die spektakulärsten Bilder vorweg nimmt. Das Paket unterhält und ist in seinem Genre auch einzigartig, aber kann nicht begeistern und ist somit auch kein unbedingtes muss im Kino, für die DVD jedoch sicherlich ein Highlight, auf dem HD-Flattscreen kommt sicher auch die DV-Optik besser zur Geltung.

Autor: André

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