The Limits of Control

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 02.11.2009 von Sven

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Inhalt: “The Limits of Control” erzählt in betörend schönen, fast magischen Bildern die Geschichte eines geheimnisvollen Fremden (Isaach De Bankolé), der nach Spanien reist, um dort einen Auftrag zu erledigen. Welchen Charakter dieser Auftrag hat, bleibt zunächst im Dunkeln. Das Vorhaben des ebenso entschlossenen wie schweigsamen Mannes scheint sich allerdings nicht in legalen Bahnen zu bewegen.

Manchmal hat es zudem den Anschein, als ob er selbst nicht genau wüsste, was er in dem fremden Land zu tun hat. Auf den verschiedenen Stationen seiner Reise durch Spanien trifft er auf einige mysteriöse Gestalten, die rätselhafte Botschaften für ihn bereithalten. mu legend power leveling Ist ihnen zu trauen? Während die Geschehnisse sich immer weiter verwirren und die Zusammenhänge immer unklarer werden, wächst auch das unheimliche Gefühl der Bedrohung mehr und mehr an. mu legend zen for sale Wer oder was steckt hinter dem ganzen? Eine große internationale Verschwörung? (Pressetext: Tobis)

Kritik: “Hinab glitt ich die Flüsse, von träger Flut getragen / da fühlte ich: es zogen die Treidler mich nicht mehr.” So lautet jenes Zitat aus Arthur Rimbauds erstmals 1871 veröffentlichtem “Le Bateau ivre”, oder zu deutsch “Das trunkene Schiff”, welches uns Jim Jarmusch nun ganz zu Anfang, zur allgemeinen Einstimmung auf seinen mitllerweile zehnten Film, auf der eingeblendeten Texttafel präsentiert.

Es empfiehlt sich vielleicht, sich doch zumindest ein wenig, mit jenem 100 Zeiligem Werk des französischen Symbolisten und Wegbereiter der Surrealisten, welcher später einmal unter anderem Künstler wie Bob Dylan, Jim Morrison oder Klaus Mann beeinflussen sollte, in so fern zu beschäftigen, als dass sich doch bisweilen, etliche Parallelen zwischen Rimbauds “Le Bateau ivre” und Jarmuschs knapp 140 Jahre später erschienem “The Limits of Control” finden lassen.

So handeln beide Werke in ihren Grundelementen vom dem “sich treiben lassen”, vom vollständigen Kontrollverlust (The Limist of Control/Die Grenzen der Kontrolle) sowie dem trunkenen und diffusen, ja einfach surrealen Zustand des Träumens. Sogar die verwendete Farbsymbolik, lässt sich stellenweise nahezu 1:1 von dem einem Medium in das andere übertragen, ohne dadurch aber wirklich an Zugkraft zu verlieren.

Auch greift Autorenfilmer Jarmusch bei seinem “The Limits of Control” erneut, wie schon 10 Jahre zuvor bei “Ghost Dog – Der Weg des Samurai”, die Thematik des einsam umherziehenden Wolfes, des “Lone Man” auf, welcher sich selbst nur ein paar wenige, dafür aber unerschütterliche und grundlegende Regeln auferlegt hat: “Keine Mobiltelefone, kein Sex, keine Schußwaffen.”

Bis auf eben jene Punkte, und vielleicht noch der Tatsache dass in beiden Filmen die Protagonisten schwarz sind, gerne hin und wieder meditieren und sich durch ähnliche berufliche Tätigkeiten kleiden, haben aber beide Werke, kaum mehr etwas miteinander gemein und beschreiten fast gänzlich unterschiedliche Wege, was sowohl den Erzähltempus und Rhytmus ihrer Geschichten, als aber auch die jeweiligen Kernaussagen betrifft.

Handelte “Ghost Dog” noch von Kommunikation und Informationsaustausch, so widmet sich “The Limits of Control” der Imagination sowie der Realität im Kontrast hierzu, bzw. adidas stan smith femme wie eben jene sich auch durch den jeweiligen Standpunkt, also die Wahnehmung des einzelnen Betrachters, beeinflussen und verzerren lässt. Nike Air Max Thea femme Auch, oder vielleicht sogar erst gerade deswegen, obwohl Sie beide, von ein und demselben Regisseur stammen.

So dürfen wir nun diesmal, anstelle von Forrest Whitaker, eben Isaach De Bankolé, welcher noch vielen Zuschauern als Raymond, der stets gut gelaunte, französische Eisverkäufer und “beste Freund” des Ghost Dog aus bereits oben gennanten Film bekannt sein dürfte, nun selbst in der Rolle des namenlosen Auftragkillers, für knappe 120 Minuten dabei zuschauen, wie er durch mehrere spanische Ortschaften, von Madrid bis Sevilla reist, verschiedene mysteriöse Botschaften von noch mysteriösereren Charakteren via Streichholzschachtelpost empfängt und dazu gerne Espresso trinkt, sich mit seinen Gesprächspartnern über monekulare Grundstrukturen und die Filme Hitchcocks “unterhält”, und anschließend gerne das örtliche Museum aufsucht, um sich dort angekommen, immer ganz genau nur einem einzelnen Werk zu widmen (“El Violín” von Juan Gris, “Desnudo” von Roberto Fernandez Balbuena, “Madrid desde Capitán Haya” von Antonio López Garcia sowie Antoni Tàpies “Gran Sábana”), die Hallen der Kunst dann wieder zu verlassen, und sich schließlich auf die, meistens per Zugfahrt durchgeführte Reise zur nächsten Ortschaft zu begeben, wo das gleiche Spiel, nur im anderen Anzug, wieder von vorne beginnt.

Anbei währen hierzu noch natürlich die äußerst skurrilen, teilweise recht schrägen Figuren zu nennen, welche unserem “Lone Man” auf seinem Weg, in der folgenden Chronologie begegnen: Die Kreole (Alex Descas), Der Franzose (Jean-François Stévenin), Die Violine (Luis Tosar), Die Nackte (Paz de la Huerta), die Blonde (Tilda Swinton), das Molekül (Youki Kudoh), die Gitarre (John Hurt), der Mexikaner (Gael García) und zu guter Letzt, der Amerikaner (Bill Murray).

Allesamt sind diese nämlich, die eigentlichen und wahren Hauptdarsteller des Filmes. asics gel stratus homme Während der fremde, schwarze Auftragskiller durch überwiegendes Schweigen brilliert, denn keiner isst bitteschön so cool kleine Papierstückchen wie De Bankolé, so sind es aber nunmal eben genau jene surrealen Nebenfiguren, wie das Molekül oder auch die Blonde, die dank ihrer Gesprächigkeit über Musik und Wissenschaft, die Boheme und Sex sowie Filme und Kunst das allgemeine Szenario immer mal wieder, wenn auch nur kurzzeitig, durchbrechen und mit Leben auffüllen.

Dementsprechend ist der “Lone Man” eben auch nur das “trunkene Schiff”, welches sich, benommen vom vielen Wasser und ohne Führungskraft am Steuer dahertreibend, durch das allzu berauschende und surreale sowie tiefblaue Meer aus “Le Bateau ivre” bewegt, und uns dabei aus der Ich-Perspektive von seinen Abenteuern zwischen dem “Rostrot der Liebe” von den “Rhythmen und Delirien”, sowie dem nächtigen “Fieberhimmel” über ihm zu berichten weiß. Dabei bieten etliche Stellen in Jarmuschs Film einen hierzu passenden Vergleich an, wie z.B. alleine schon die Farbsymbolik der stetig den Besitzer wechselnden Zündholzschächtelchen.

Allerdings ist “The Limits of Control” ein warer Makrokosmus solcher Querverweise in die Rrichtung der Moderne des ausgehenden 19ten bzw. Nike Air Huarache femme beginnenden 20ten Jahrhundert. Nike Air Jordan homme So zitiert Jarmusch schon allein im Titel, William S. mu legend zen Burroughs gleichnamiges Essay über Kontrolle und Manipulation der Massen. Dies spiegelt sich dann in der bewussten Irreführung des Publikums wieder, welches zu Anfang noch vergebens versucht, die jeweiligen Indizien und Codes der im Grunde ja sehr simplen Hitmanstory zu entschlüsseln, später aber resignierend festellen muss dass es Jarmusch dabei aber gar nicht auf den eigentlichen Plot anlegte, sondern auf das ganze Drumherum und Dazwischen, das lediglich Ausschmückende und Verzierende. adidas stan smith femme rose “Diamonds are a girl’s best friend”, zitiert der dolmetschende Franzose hierzu, bereits am Anfang des Filmes.

Auch die ausgeübte Sprachkritik aus Burroughs Werk, fand Eingang in Jarmuschs Film, denn sein “Lone Man” scheint Sprachen zu verstehen, die er allerdings vorgibt gar nicht zu beherrschen. Immer wieder wird er hierzu gefragt “Sie sprechen kein Spanisch, oder?” Sprache ist in “The Limits of Control” schließlich genauso arbiträr und willkürlich, wie die Realität in der Sie gesprochen wird.

Abstraktion und Unwirklichkeit, sowie Erzählstruktur und narratives Element werden zusätzlich noch durch die Arbeit des Kameramannes Christopher Doyle unterstrichen, welcher sich schon u.a. Adidas Zx Flux Femme Leopard für die Mitarbeit an Wong-Kar Wais “In the Mood for Love” und dessen Nachfolger “2046″, sowie etwas massentauglicherer, cinematographisch aber dennoch hervorstechender Ware alá Yimou Zhangs “Hero” auszeichnete.

Doyle pointiert, akzentuiert und interpretiert auf zweiter Ebene, hebt die Geschichte somit auf ein nächsthöheres Level an, welches es tatsächlich schafft, einen Teller voller Birnen, wie ein impressionistisches Stilleben von Monet oder Van Gogh aussehen zu lassen. Kein Wunder also, das Jarmusch ihm ungewöhnlich viel Freiraum und Mitbestimmungsrecht am Set zugewiesen hat.

Die Querverweise zwischen im Film präsentierter und photographierter Kunst, und den jeweiligen farblichen und architektonischen Gegebenheiten der wechselnden Locations, werden nochmals gesondert hervorgehoben und betont. Ebenso wie die liebevoll durchdachten Kamerafahrten durch die jeweiligen Unterkünfte des “Lone Man”, welche ebenfalls erneut die Thematiken und Stilrichtungen der einzelnen, im Film gezeigten Kunstwerke aufgreifen, und dabei neu zu interpretieren versuchen. So finden sich sowohl kubistische, neu-realistische als aber auch expressionistische Züge in den einzelnen Bauten und Wohnungen wieder, in denen sich unser Auftragskiller des Nächtens dann seine Mütze voll Schlaf genehmigt.

Doyle hält eher auf Distanz, bietet also nur selten CloseUp’s oder gar Detailaufnahmen, betont durch die vielen Halbnahen und Totalen aber gleichzeitig nochmals die lediglich subjektive Wahrnehmung der Realität, in dem wir schließlich den “Lone Man” irgendwann nicht mehr als wirkliche, eigenständige Figur realisieren, sondern vielmehr als leeres Gefäß, als strudelndes Objekt im Wind der Ereignisse. Manchmal verschwindet er sogar so vollends, dass wir die Geschehnisse gar aus seiner Ich-Perspektive wahrzunehmen scheinen, die Mauer zwischen Protagonist und Publikum also niergerissen scheint.

Auch die Locations werden von Minute zu Minute einsamer, weiter und surrealer. nike air jordan 3 femme Befinden wir uns ganz zu Anfang noch, gerne in mit Menschen gefüllten Altstädten, mit Cafés, öffentlichen Plätzen und besetzten Sitzbänken, so wandern wir gegen Ende des Films nur noch durch staubige und leblos wirkende Wüsten, in welchen wir keinerlei Bezug mehr, zur eventuellen Realität zu finden vermögen.

Man munkelt, die Musik von “Boris” und “Sunn O)))”, würde all das ebenfalls noch zusätzlich enorm unterstreichen, leider ist mir aber beim erstmaligen Sehen, aufgrund der gewaltigen Bilderflut, nicht in den Sinn gekommen auch noch auf den Score zu achten.

Fazit: Jim Jarmusch bestreitet nach “Broken Flowers” nunmehr wieder ganz eindeutig, weniger massentaugliche Wege im Arthousesektor. Seine enddlosen symbolischen Spielereien, Metaphern und Zitate zur modernen Kunst und Populärkultur, mögen manch einen Zuschauer wohl ziemlich überfahren und vor lauter aufgeladener Schwere schlicht im Kinosessel erdrücken.

Auch die Tatsache das “The Limits of Control” somit eindeutig mehr Konzept und Konstrukt als eine wirkliche Story aufzuweisen vermag, mag hierbei auf vielen Gesichtern zunächst wohl eher für Verwunderung und Verwirrung sorgen, als für wirkliche Begeisterung.

Transformers – Revenge of the Fallen

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 26.10.2009 von Sven

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Inhalt: KABUMM!!!

Kritik:

“An explosion is a sudden increase in volume and release of energy in an extreme manner, Nike Air Max 90 femme usually with the generation of high temperatures and the release of gases. Adidas Zx Flux Homme An explosion creates a shock wave.”

(wikipedia)

Fazit: The only part that pissed me off about that movie is that there wasn’t more action.

Drag Me To Hell

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 24.06.2009 von Sven

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Inhalt: Christine Brown (Alison Lohman) führt ein glückliches Leben mit ihrem Freund Clay Dalton (Justin Long) in Los Angeles.

Als Kreditsachbearbeiterin entscheidet sie über die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden und kann vielleicht sogar ihrem hinterlistigen Kollegen eine Beförderung wegschnappen, wenn sie etwas skrupelloser mit Risikokandidaten umgeht. Bei einer geheimnisvollen Zigeunerin, die sie um Hilfe anfleht, bietet sich ihr genau diese Chance – sie hätte ihr ein Darlehen bewilligen können, entschließt sich aber mit schlechtem Gewissen für eine Ablehnung, um Punkte bei ihrem Chef (David Paymer) zu sammeln. Eine Entscheidung, die nicht folgenlos bleibt. Christines Leben wird zur Hölle auf Erden, denn die jetzt obdachlose Zigeunerin belegt sie mit einem mächtigen Fluch.

Beistand und Rat findet sie allein bei dem Seher Jas (Dileep Rao), der ihr einen möglichen, aber schwierigen Weg zeigt, der ewigen Verdammnis zu entgehen. Während die finsteren Mächte immer näher rücken, muss Christine eine weitere Entscheidung treffen: Wie weit wird sie gehen, um sich von dem Fluch wieder zu befreien?

(Pressetext: Universal)

Kritik: Schon bereits in den Opening Bills lässt uns Sam Raimi, durch das Einblenden des damals verwendeten Produktions Logos der Universal Company wissen, dass er nach seinem Ausflug in den Mainstreamsektor mit seiner “Spider-Man”-Triologie und knappe 17 Jahre nach seinem “Army of Darkness”, nun wieder zu seinen eigentlichen Wurzeln, zu seinen Erfolgen in den 80er und frühen 90er Jahren, mit seiner “Evil Dead”-Reihe und dem Kettensägen-schwingenden Bruce Campell in der Rolle des Ash, seinen tiefschwarzhumorigen, das Genre neu definierenden Storys und seinen nur allzu oft aus den typischen Schema herrausfallenden und äußerst skurillen Charakteren, zurückgekehrt ist.

Mit einem Paukenschlag katapultiert man uns dann schließlich auch direkt in den Film hinein und der geneigter Zuschauer wird bereits seine helle Freude schon allein an der Vortitelsequenz gehabt haben: Die Bewegung, das Tempo und die Rasanz in jedem einzelnem Frame deutlich spür- und sichtbar, die überdramatisierten, stark plakativen und stilisierten Perspektiven und Einstellungen sowie jenes von Minute Eins an klar wahrnehmbare “This is going to be one hell of a ride”-Feeling weisen einen in die richtige Richtung und verkünden lautstark: “Raimi ist zurück!”

Dabei war er ja eigentlich auch nie wirklich weg, der Raimi Sam. Doch vermutlich war auch für ihn, der nur knapp 100 Minuten kurze “Drag Me To Hell”, so etwas wie eine kleine Auflockerungsübung, ein kleiner rebellischer Befreiungsakt vom schwer lastenden, da äußerst kostspieligen und deshalb auch ebenso verantwortungsfordenden “Spider-Man”-Franchise. Die Teile II und III gehören mit ihren 200 bzw. 260 Millionen US$ an Budget immernoch zu den Top Ten der teuersten Filme aller Zeiten und der bereits angekündigte vierte, vermutlich dann 2011 in die Kinos kommende Teil der Reihe, wird da vermutlich auch nochmal zu übertrumpfen wissen.

Natürlich hätte aber wohl auch kaum ein anderer Regisseur besser in ein Projekt wie “Spider-Man” gepasst wie Sam Raimi, jener Mann der am Set stets im Anzug erscheint, ganz nach Vorbild von Alfred Hitchcock, bewies dieser doch bereits schon mit “Darkman” im Jahre 1990, dass er ein Händchen für jene, sich nicht allzu ernst nehmende Comicadaptionen besitzt. Doch nach dem etwas lustlos sowie überzeichned wirkenden und schlicht zu mageren dritten Teil und den u.a. darin völlig deplatziert wirkenden Tanzeinlagen von Peter Parker aka Tobey Maguire, musste mal wohl wieder ein etwas kleineres Projekt mit etwas mehr Bewegungsfreiheit für den Ausnahmeregisseur her.

Zusammen mit seinem Bruder und Hauptdrehbuchverantwortlichen Ivan, wühlte Raimi dann schließlich das bereits um 1992, also kurz nach “Army of Darkness” fertiggestellte Drehbuch zu “Drag Me To Hell” hervor und begann mit dem äußerst ungewöhnlichen, aber ebenso glaubhaften und liebevollen Casting.

Alison Lohman, welche wohl vielen Lesern hauptsächlich noch durch Tim Burtons Idee des ultimativen Unschuldsengels bzw. der Rolle der Sandra Templeton Bloom in “Big Fish” ein Begriff sein sollte, verkörpert nämlich so ziemlich das genaue Gegenteil einer tapferen und unerschrockenen Horror- und Splatterfilmamazone, welche grimmig durch Eingeweide, Schlamm und Körpersäfte stapft. Dementsprechend ist auch zunächst ihr Charakter, der der stets moralisch und ethisch integeren, mit sich selbst immer im Reinen befindlichen Bankangestellten Christine angelegt, welche aber im laufe der Handlung eine komplette 180° Kehrtwendung vollzieht und schließlich in einem Überbild, in einer Metathese der Ikonografie der ultimativen Kämpferfrau gipfelt, welches auch den hier zu lesenden Text einleitet.

Selbst beim zweiten mal Anschauen, wird man schlicht von der puren Plakativität der verwendeten Querverweise zum trashigen Horrorfilm der 80er Jahre, aber auch der schlichten Selbstreferenz seitens Raimi, in dieser Szene erschlagen und überwältigt. Einfach grandios unterhaltsam und köstlich amüsant.

Damit dürfte auch für Lohman endlich der Absprung vom braven Mädchen Image ein für allemal geschafft worden sein, hat Sie doch nun auf wirklich erstaunliche Art und Weise unter Beweis gestellt, dass Sie auch ganz anders kann als von ihr erwartet, nach noch solch eher misslungenen Ausbruchsversuchen wie z.B. in “Wahre Lügen” mit Kevin Bacon.

Aber auch Justin Long, welcher bisher eigentlich eher der reinen Komödie zuzuordnen war, sich aber mit dieser Aussrichtung ja auch bei “Drag Me To Hell” und unter Spaßvogel Raimi nicht allzu weit aus dem Fenster lehnt, sowie die für ihr Alter noch erstaunlich fidele Lorna Raver in der Rolle der bösen Zigeunerhexe Mrs. Ganush, bisher überwiegend im Serienbereich zu finden, leisten beide solide und unterhaltsame Arbeit.

Auch wendet sich Raimi, für ihn eher untypisch, einem wesentlich helleren Setting zu, als das dies noch bei seinen bisherigen Filmen der Fall war, wo ja das Bild doch noch überwiegend mit Dunkelheit und Finsternis durchsetzt war, was aber natürlich auch auf das verwendete Figurenkonzept von “Drag Me To Hell” und den dort eher schützenswerteren Charakteren, wie insbesondere eben Christine aber auch ihren Freund Clay zurückzuführen ist.

Das der Film ein wahres “Back to the Roots” seitens Raimi ist kann man ebenfalls an der noch wirklich plüschigen und gedämpften 80er Jahre Atmosphäre bereits zu Anfang des Filmes erkennen, wenn wir z.B. das etwas veraltet wirkenden Mobiliar auf Christines Arbeit begutachten dürfen, die mit den ätzend grauen und hellbraunen Tönen durchtänkten Filzstoffsessel und Schreibtische, oder aber eben auch Christine selbst, in ihren hochverschlossenen grauschwarzen Buissnesskostüm, wie es vornehmlich noch von Sekretärinnen in den Büros der Donald Trumps dieser Zeit getragen wurde.

Doch nicht nur die Austattung, sondern auch der Schnitt und die Kamera reisen zurück in die Zeit der “Reagonomics”, der Glamourisierung und Ideologisierung insbesondere der amerikanischen Finanz- und Börsenmärkte, der Zeit als es noch verdammt hip war, an der Wall Street oder im Bankengeschäft tätig zu sein, aber auch eben jener  Zeit in der der billig heruntergeburbelte Horrortrash einen erneuten Aufschwung durch den mittlerweile boomenden Videomarkt verzeichnen konnte.

Ob nun diese Verkettung des Filmes mit der damals noch so aufstrebenden Weltwirtschaft etwa wirklich eine etwaige Kritik an der derzeitigen Finanzkrise darstellen soll, so wie es einige Filmkritikerkollegen noch hiebei in ihren Artikeln resumierten, dessen bin ich mir selber doch noch eher unsicher, denn zwar ist der Ansatz hierzu klar vorhanden, der Stoff reicht aber nicht wirklich hierfür aus.

So ist aber “Drag Me To Hell” nicht nur in der reinen Optik, zumindest noch ganz zu Anfang des Filmes noch ein kleiner Querverweis auf die damlige Wunschvorstellung einer stetig wachsenden Wirtschaft, sondern auch insbesondere in seiner Erzählweise, eine deftige Hommage und stellenweise auch Persiflage, an die damalige Horror-, Gore- und Splatterkultur, in welcher ja schließlich auch Raimi selbst seine allerersten Erfolge verbuchen konnte.

Ohne Scham wird auch erneut die Grenze zur Selbstreferenz immer weiter und tiefer angerissen. So verbaute Raimi erneut, standardmäßig sein rostgelbes 1973er Oldsmobile, welches neben der Flasche “Maker’s Mark Whiskey” in bisher wirklich fast allen seinen Filmen auftaucht, sogar im Western “Schneller als der Tod” wo es allerdings als Planwagen getarnt war.

Neben diesen Gadgets alá “Big Kahuna Burger”, Trunkshots oder auch “Red Apple Cigarettes”, startet Raimi aber nochmal so richtig durch gen Ende des Filmes, wenn es dann wirklich an das “Eingemachte”, im warsten Sinne des Wortes geht. Wer sich in den letzten 15 Minuten von “Drag Me To Hell” nicht zwangsläufig auch nur ansatzweise an “Tanz der Teufel II” erinnert fühlt, demjenigen kann dann wirklich nicht mehr geholfen werden.

Dabei beschreitet Raimi diesmal allerdings auch wesentlich blutarmere Wege, als z.B. noch in “Tanz der Teufel” oder “Tanz der Teufel II”. Der Hauptschwerpunkt liegt diesmal doch wesentlich stärker als noch sonst, auf überzogenen und vollkommen plakativ abstrusen Ekelhorror: Der Eiter spritzt und die Galle fließt in Strömen. Dieses doch sehr amüsant vermittelte Bild wird dann noch zusätzlich durch die wirklich packenden und gerade auch durch ihre Einfachheit so bestechenden Schockeffekte abgerundet und komplementiert.

Ich hätte es mir zumindest nicht mehr vorstellen können, auch nur noch ein eiziges Mal in meinem Leben von ein paar simple knarrenden Holzböden, quitschenden Eisentoren und “Buh”-Flasheffekten so gut unterhalten werden zu können, wie eben in “Drag Me To Hell”.

Und auch wenn vieles, vermutlich aufgrund des eng gesteckten Zeitrahmens und eines wahrscheinlich eher niedrig angesetzten Budgets, dann doch per Griff in die Zauberkiste Computer realisert wurde, halten sich sogar die VFX und SFX die Waage und bilden ein kaum zu bemängelndes, rund laufendes und äußerst unterhaltsames Gesamtkonstrukt. Danke Sam!

Fazit: “Raimi Is Back” und zwar in voller Stärke und Vitalität. Der Regisseur der “Evil Dead”-Serie, welche übrigens 2010 von ihm selbst neu aufgelegt werden soll, hat sich vermutlich im strikt kontrollierten “Spider-Man”-Franchise ein wenig unterfordert gefühlt und beschreitet mit “Drag Me To Hell” wieder etwas ältere Pfade, welche allerdings äußerst erfrischend auf das aktuelle bzw. heutige Image des Horrorfilmes wirken, denn sein neuestes Werk ist ganz so, wie seine vorangegangen Horrorklassiker: Pures Genre, aber größtenteils auf den Kopf gestellt und persifliert.

In Anbetracht des derzeitig stark grassierenden “neuen Realismus” im Hollywoodaction- und auch Horrorkino, als direkte Antwort der Traumfabrik auf die Ereignisse von 9/11, sowie solch sich oftmals viel zu ernst nehmenden Tortureporn’s alá “SAW” und “Hostel”, als direkte Antwort auf Guantanamo, und natürlich und selbstredend der endlos langen Kette billiger und lieblos heruntergekurbelter Asia-Horror-Plagiate, wirkt Raimis neuestes Werk erfrischend leicht und köstlich unterhaltsam.

Viele seiner alten Fans dürften mit diesem durch und durch runden Gesamtpaket erstmal wieder zufriedengestellt sein und sich nun auch wieder gegenseitig darin versichern können, dass Rami immer noch seine eigentlichen Wurzeln zu erkennen vermag und diesen auch treu geblieben ist.

Denn “Drag Me To Hell” besticht durch alles was einen guten alten Raimihorror nunmal so ausmacht: Ekelsplatter at it best, rabenschwarzer Humor sowie skurril außergewöhnliche Kameraarbeit, Schnitttechnik und natürlich eben jene bunten und schrägen Charaktere. Ein Kinobesuch lohnt sich definitiv, für den bisher innovativsten Horrorfilm seit “Der Nebel“.

Autor: Sven

Burn after Reading

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 05.11.2008 von Sven

butrn-after-reading.jpg Burn after Reading Inhalt: »Burn after reading! – Nach dem Lesen vernichten!« so eigentlich müsste die Anweisung für die Lektüre der Memoiren des suspendierten CIA-Agenten Ozzie Cox (John Malkovich) lauten. Doch daran denken die Fitnesstrainerin Linda Litzke (Frances McDormand) und ihr gutaussehender, aber etwas dümmlicher Kollege Chad Feldheimer (Brad Pitt) natürlich nicht im Traum, als sie zufällig eine CD mit dem offensichtlich brisanten Manuskript in der Umkleidekabine ihres Clubs finden. Die beiden wittern das ganz große Geschäft mit den geheimen Staatsaffären. Dass aber ausgerechnet die Liebesaffären des sexuell umtriebigen Regierungsbeamten Harry Pfarrer (George Clooney) die Erpressungsversuche behindern würden, konnte natürlich niemand ahnen. Schon bald ist den Amateur-Erpressern eine ganze Horde diverser Geheimdienste auf den Fersen. Und dann kommen auch noch die Russen ins Spiel… (Pressetext: Tobis) Kritik: Hollywood auf der Suche nach seinen Ursprüngen. War 2006 eine Rückkehr zum Film-Noir deutlich spürbar, wohl auch bedingt durch die starken Misserfolge im Irakkrieg, und ist seit 2007 wieder vermehrt einer Auffrischung der klassichen Heldengeschichte gefragt, so wendet man sich jenseits des Atlantiks derzeit auch gerne wieder Geschichten mit satirischen Unterton zu. An Vorbildern wie den großen Screwball-Komödien alá Frank Capras “Mr. Deeds geht in die Stadt” (1936), “Es geschah in einer Nacht” (1934) oder aber auch Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (1941), wird sich neuerdings wieder mehr oder weniger stark orientiert. Das Verlangen nach mehr Skurilität innerhalb der Geschichten seitens Hollywood, macht derzeit sogar vor Slapstickgrößen wie Monty Phyton oder Chaplin nicht Halt und plündert fröhlich in der eigenen Filmgeschichte was das Zeug nur hält. Eher missglückte, oder vielmehr einfach plump und lieblos umgesetzte Auswüchse dieser, momentan noch eher zurückhaltenden Bewegung, kann man z.B. bei 08/15 Comedy-Schnulzen wie “What Happens in Vegas” (2008) oder “Over Her Dead Body” (2008) begutachten, wo der, für das Genre der Screwball-Comedy, eigentlich auch so fundamentale Bestandteil des ewigen Geschlechterkampfs, vergleichsweise dann doch eher simple und nur auf die gröbsten Bestandteile reduziert, schnell und nur mit wenig Herz abgerattert wird. Filme wie “Wall-E” (2008) oder Serien wie “Sex and the City” (1998-2004) bzw. dessen gleichnamige Kinoauskoppelung aus 2008, wissen hierbei schon eher zu Punkten, da Sie bewusst versuchen altbewertes in die Neuzeit zu überführen oder gar auf einer ganz anderen und dafür moderneren Metaebene abspielen zu lassen, ohne jedoch dabei, aber den Kern der Geschichte aus den Augen zu verlieren bzw. schleifen zu lassen. mu legend redzen for sale Eine ebenfalls gelungenes Beispiel der Synthese von klassichem Genre, nämlich dem der Slapstick, und modernem Storytelling, stellt aber auch z.B. Michel Gondrys “Be Kind Rewind” aus dem Jahre 2008 dar, welcher allerdings genau umgekehrt verfährt. Gondry-typisch bedient er sich nur im Detail, in einzelnen Momenten und Szenen seiner Vorbilder, aber im Kern der Geschichte versucht er etwas ganz neues zu erzählen und somit also etwas gewagtere und mutigere, damit natürlich aber auch gleichzeitig unsicherere Wege zu beschreiten, als noch oben genannte Werke. Auch der hier zu besprechende “Burn after Reading” rutscht ganz eindeutig zweideutig in eben jenes Genre der klassischen Screwball-Komödie, stellt somit ebenfalls einen modernen Bastard dar, welcher versucht eine Chimäre ähnlich “Be Kind Rewind” zu formen, welche im Kern als äußerst Coen-typisch im Stile des Film-Noir, jedoch in den einzelnen kleinen Momenten als pure Screwball-Comedy daherzukommen vermag. Da wären zum einen die, eigentlich für die beiden Regie-Brüder nicht verwunderlichen, äußerst unterhaltsamen und mit Wortwitz durchtränkten Dialoggefechte die sich diesmal u.a. Hollywoodgrößen wie George Clooney, Tilda Swinston, John Malkovich oder Brad Pitt, je nach Situation und Szene, gegenseitig an die Köpfe pfeffern dürfen. Doch teilweise erreichen die Dialoge bei “Burn after Reading” einen ganz und gar anderen Status als z.B. noch bei “The Big Lebowski” (1998) oder “Fargo” (1996). Denn waren Sie in den genannten vorangegegangenen Werken noch klar und unmissverständlich mit einer, stets dem Plot dienlichen und vorrantreibenden, wirklichen Aussage dahinter verbunden, so werden sie nun größtenteils um ihrer Selbstzweck, also der reinen Idee des Witzes, verwendet. Dies fördert natürlich noch umso mehr das Gefühl, man säße gerade in einer typischen Screwball-Komödie, da für dieses Genre damals eben auch oftmals so verfahren wurde, Geschwätz einzufügen um des Geschwätzes Willen, zur reinen Unterhaltung und nicht um wirklich den Plot voran zu treiben. Keineswegs soll dies nun heißen der Film böte an Inhalt nur heiße Luft oder würde auf der Stelle treten und nicht wirklich vorwärts treiben, ganz im Gegenteil. Denn für genügend Überraschungen innerhalb der Storyline haben die Coens auch diesmal, wieder erneut gesorgt. Und auch die kleinen Seitenhiebe auf das C.I.A., den Schönheits- und Fitnesswahn in unserer Gesellschaft und die sinnetleerte und hohle Spießigkeit der Upperclass wurden verstanden, aber… Wenn man den Film allerdings wirklich böses wollen würde, so könnte man natürlich behaupten er käme einfach nicht an die Klassiker der beiden Brüder heran, was sowohl Dialoge und Charaktere, als aber auch Plot und Story betrifft. Dies mag sogar stimmen, da eine, wie bisher eigentlich auch immer bei den Coens verwendete und bei dem Genre des Schachtelfilms auch typische, wirklich überraschende Auflösung der gesamten Geschichte am Ende ebenso fehlt, wie auch eine wirkliche Tiefe oder gar Entwicklung seitens der Charaktere, was auf den ersten Blick natürlich auf grobe Faulheit und Unlust seitens der beiden Autoren schließen lassen würde, vor allem weil man eigentlich weiß, das die beiden spätestens seit “No Country for Old Men” (2007) besseres abliefern können. Ein weiterer Beweis dafür, soll übrigens auch der Film “Barton Fink” (1991) von den beiden darstellen, wovon ich mich selbst aber bisher noch nicht überzeugen konnte, da ich ihn nocht nicht gesehen habe. Ähm… Back to Topic: Doch das die Dialoge teilweise mehr auf Witz, als auf wirklichen Inhalt ausgelegt sind, soll, wie bereits erwähnt, vermutlich einfach noch stärker den Screwball-Charakter des Films unterstreichen, wohingegen die Charaktere bewusst relativ eindimensional gehalten wurden um sie als klare Satiren und Karikaturen zu verstehen. Dadurch das der Film realtiv flott voranschreitet und die Story trotz ihres verwirrenden Aufbaus doch recht zügig abgehandelt ist, würde der Aufbau wirkliche tiefgängiger Charaktere einfach nur unnötig Zeit schinden. Das gesamte Projekt wurde vermutlich eher weniger (von allen Beteiligten!) als nächster wirklicher Kultfilm betrachtet, sondern vielmehr als Fun-Projekt, welches lediglich kurzweilig unterhalten soll, sowohl auf Seiten der Schauspieler und Mitwirkenden, als auch beim Publikum. Das anscheinend zumindest die Schauspieler bei diesem Projekt wirklichen Spaß hatten, lässt sich dann auch in praktisch jeder Sekunde des Films spüren. Allen voran, und nach den Trailern eigentlich wirklich überraschend, bleibt vor allem George Clooneys Interpretation des teilweise äußerst schmierigen und zum Ende hin auch arg paranoiden Ex-Secret Agent Harry, dem Zuschauer lange Zeit im Gedächtnis. An zweiter Stelle wären hierbei sowohl Tilda Swinston, als herzloses, unterkühltes Miststück, als aber auch Brad Pitt als etwas beschränkter Fitness-Spinner zu nennen. Pitt jedoch verliert sich allerdings irgendwann im eigenem Over-Acting und dem Zurückspuhlen und Wiederholen der einzelnen Ticks, Marotten und Macken der Figur, was zur Folge hat, das seine Rolle des Chad ziemlich scchnell anfängt zu nerven. Einzig Malkovich, leistet hierbei lediglich nur routinierte Arbeit, was aber auch an einer schlechten deutschen Synchro gelegen haben mag. Nun könnte man den Film allerdings aber eben auch nicht nur als reines Fun-Projekt, sondern sogar auch als bewusstes Statement der beiden Brüder an Hollywood betrachten, die bei diesem Film auch wesentlich stärker auf das handwerkliche Können bei Regie und Dialog, als auf die Geschichte an sich gesetzt haben. mu legend zen for sale Dabei trieben sie ihr Spielchen sogar schon fast soweit, das man den Film beinahe als Farce seiner selbst wahrnimmt und die zum Schluß folgende “Auflösung” nur noch als das krönende i-Tüpfelchen. Vielleicht, aber nur vielleicht, stellt “Burn after Reading” somit auch eine kalte Abrechnung dar, ein “Fuck You” an Hollywood, welches sich Jahrelang schon dreist an solch plötzlich dagewesenen Regie-Wunderkindern wie Quentin Tarantino, Guy Ritchie, Kevin Smith oder eben auch den beiden Coen-Brüdern genüßlich labt und dabei mittlerweile sogar schon nicht mehr davor zurückschreckt, eben jene damals so neuen Ideen einfach radikal auszuschlachten, auf die simpelsten Mechanismen zu reduzieren, diese dann gewohnt routiniert zu kopieren und somit radikal an ihre reine Geldmaschinerie anzupassen. Bewusst auf den, durch Filme wie “Pulp Fiction” (1994), “Snatch” (2000), “Memento” (2000) oder “The Big Lebowski” (1998) für Hollywood anscheinend, klar berechenbar gewordenen Faktor “Kult” reduzierte Streifen, wie “Shoot ‘Em Up” (2007), “Running Scared” (2006), “Smokin’ Aces” (2006), “Lucky Number Slevin” (2007) oder “Kiss Kiss, Bang Bang” (2005) mögen zwar allesamt vielleicht noch recht Unterhaltsam sein, sogar auch teilweise zumindest im Ansatz wirklich ernsthaft versuchen neue und eigenständige Wege zu beschreiten, jedoch fehlt ihnen ganz eindeutig oftmals einfach das Herz und die Seele die wirklich für einen Kultfilm nötig sind. Man spürt einfach ob da nun ein Drehbuchautor, ein Regisseur oder ein Kameramann mit Leib und Seele hinter einem Projekt steht, oder anstelle dessen nunmal die Konzerne und Majorstudios mit ihren klaren Kosten, Nutzen und Gewinnberechnungen. Gerade diese Reduzierung von einstiger vollkomener Individualität und Kreativität, welche Regisseure wie die Coen-Brüder einst so auszeichnete und auch noch immer auszeichnet, auf eine simple Rechnung, dürfte auch die Coens selber, nicht gerade begeistern. Weswegen der Gedanke nahe liegt, das beide nun mit ihrem aktuellen Werk und dessen Auflösung bzw. dem geschicktem Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers, ein klares Statement gegenüber Hollywood setzen wollten. Wenn man nämlich beachtet, was die Coens diesmal im Vergleich zu ihren früheren Werken anders gemacht haben, fallen einem nämlich zunächst einmal natürlich, oben bereits erwähnte, Punkte wie z.B. eben die Gestaltung der Dialoge oder der Charaktere auf, aber eben auch ganz besonders der, im Vergleich zu früheren Werken, extrem andersartige Aufbau der einzelnen Szenen bzw. deren Untermalung durch den Score. Hatte man bei “Fargo” oder “The Big Lebowski” noch stets klar vor Augen geführt bekommen, das alles nur ein “Spiel” ist, alles nur “Entertainment” und “Fun”, gemixt mit schrägen Dialogen und Charakteren, so läuft es trotz den konträr dazu, noch wesentlich eindimensionaleren Charakteren bei “Burn after Reading” gerade erst durch die Wahl des Scores und den Szenenaufbau, teilweise dem Zuschauer eiskalt den Rücken herunter. Streckenweise wird eine derart extreme Spannung in den einzelnen Szenen erzeugt, das man einfach denken muss es würde gleich Wer-Weiß-Was passieren. Doch der Schlag folgt zugleich, denn spätestens nach den nächsten Schnitt muss der Zuschauer festellen, das der Klimax zwar erreicht wurde, aber entweder überhaupt keine oder aber lediglich eine humoritische Auflösung folgt. Dieses Spiel mit den Erwatungen des Zuschauers bzw. dem Bruch der typische Erzähl- und Auflösungsgform des Schachtelfilmgenres, welches Sie ja praktisch mit neu definiert haben, könnte man, wenn man eben noch weitere Punkte wie Dialog, Plot, Rolleninterpretation und Charaktere an sich, mit einbezieht, als Statement seitens der Coens verstehen, das ihrerseits der Zenit somit überschritten ist, dass das kommerzielle Hollywood Sie mal am Arsch lecken kann und das Sie die Schnauze voll haben von billiger Abkopiererei. Dies ist natürlich zunächst erstmal alles reine Interpretation meinerseits und vielleicht hat die beiden ja auch, was den Score und Aufbau der Spannung in den einzelnen Szenen von “Burn after Reading” angeht, ja doch noch ein wenig ihr “No Country for Old Men” angeheftet. Man wird erst einmal abwarten müssen ob sich diese These in naher Zukunft bewahrheitet. Aufschluss darüber können uns nur die kommenden Werke von Joel und Ethan Coen geben. Fazit: “Burn after Reading” ist eine relativ kurzweilige, dafür aber sehr unterhaltsame und streckenweise auch wirklich neue und überraschende Krimikomödie, mit etlichen Anlenungen an das Genre der alten Screball-Comedys, was sich in flotten und knalligen Sprüchen und äußerst skurilen Charakteren bemerkbar abzeichnet. Der, von vielen vermutlich erhoffte, Superhit alá “The Big Lebwoski” ist es leider diesmal nicht geworden und der Film versteht sich wohl mehr als Fun-Projekt unter Hollywood-Kollegen. Denoch ist er sehr sehenswert und es lohnt sich definitiv, ihn auch mehrere Male zu sich zu führen, da weniger die Geschichte und die Story im Vordergrund steht, als das Spiel an sich. Wenn ihr es nicht mehr ins Kino schaffen solltet bevor der Film abläuft, ist es nicht so gravierend, denn er reicht auch allemal auf DVD zu Weihnachten.

Naked Weapon

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 02.10.2008 von Sven

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Silent Hill

Inhalt: Charlene (Maggie Q), Katt (Anya) und Jing (Jewel Lee), drei ebenso bildhübsche wie wohlhabende junge Damen, jetten durch die schönsten Städte der Welt und treffen einflußreiche, mächtige Männer – um ihnen auf phantasievollste Weise den Garaus zu machen. Seit ihrem 13. ray ban aviator crystal Lebensjahr erbarmungslos zu Killermaschinen der höchsten Leistungsklasse gedrillt, verführt und terminiert das tödliche Trio so lautlos, blitzschnell und gründlich, daß nicht einmal das organisierte Verbrechen, geschweige denn die geballte Polizeimacht bislang ihren Fährten folgen konnte.

Nur der junge CIA-Agent Jack Chan (Daniel Wu) kennt die Identität von Charlene. Chan aber schweigt, denn er hat sich in die todbringende Schönheit verliebt. Für Charlenes Chefin Madame M (Almen Wong Pui-Ha) ist jede Gefühlsregung gleichbedeutend mit Verrat, und ein Cop kommt ihr schon gar nicht in den Dunstkreis. Nun muß sich Charlene entscheiden: Für Chan oder ihre mörderische Familie… (Pressetext: Media Asia Films)

Kritik: So etwa um die Jahrtausendwende herum feierten, vor allem bei den Produktionen aus Hong Kong, die späten 70er und frühren 80er Jahre, mit ihrer rohen Mentalität der damaligen Knüppler und “Hau Drauf”, kurzum Eastern-Filme, ein kleines und auch relativ zügig wieder verflogenes, dafür aber fast durchgängig spürbares Revival, insbesondere auch innerhalb der örtlich gedrehten Actioner. Die Kampfszenen und Choreografien wurden wieder ein wenig härter und blutiger, oftmals auch wieder gewagter und virtuoser.

Man richtete für kurze Zeit im Land der aufgehenden Sonne, seinen Fokus wieder, zumindest was die reine Action angeht, auf altbewärtes und es entstanden dabei auch recht anschauliche Werke wie Ang Lees “Crouching Tiger, Hidden Dragon”, Zhang Yimous “Hero” oder Lau Wai-keungs und Mak Siu Fais “Infernal Affairs”, dessen Drehbuch dann ja 2006 für Martin Scorseses gebündeltes 4er Kombo Starpowerpaket, bestehend aus Jack Nicholson, Leonardo DiCaprio, Mark Wahlberg und Matt Damon in “The Departed” herhalten musste.

Diese kurze Initialzündung, dessen Druckwelle allerdings so enorm war, das Sie nach jahrelanger Flaute den asiatischen Film auch wieder in die europäischen und amerikanischen Kinos spülen ließ, (“Crouching Tiger, Hidden Dragon” war für 10 Oscars nominiert und gewann davon 4!) ebnetete, so kann man vielleicht sogar sagen, auch erst gerade den Weg für andere, kleinere aber dafür wirklich erstklassige Produktionen auf den internationalen Markt, wie z.B. nike roshe run jene von Wong Kar Wai, verantwortlich u.a. für solch feine Meisterwerke wie “In the Mood for Love” oder dessen loses Sequel “2046″, die wohl auch erst nach dem Millenium hierzulande wirklich Gehör finden konnten, weil vorher schlichtweg die ausländische Distribution asiatischer Filme nur mangelhaft betrieben wurde bzw. chaussures asics überhaupt erst betrieben werden konnte, da kaum eine Nachfrage hierzu herrschte. air jordan 9 Das asiatische Kino entdeckte sich dann, nach diesen jüngtsen Erfolgen, gänzlich neu, wurde experimenteller und spielfreudiger und das in einem schier rasanten Tempo.

Umso mehr schmerzt es dann, wenn solch totale Rohrkrepierer, wie der hier zu besprechende “Naked Weapon”, dieses allgemein doch wirklich unterhaltsame und Erfolg versprechende neue Image des asiatischen Films, verzerren und einen üblen Nachgeschmack beim Zuschauer hinterlassen.

Ich würde gerne einmal einen ruhigen Abend mit Autor und Produzenten Wong Jing und Regisseur Ching Siu-Tung verbringen, nur um herausfinden zu können, was diese beiden geritten haben muss als Sie mit der Produktion des besagten Films begannen und ob Sie wirklich glücklich mit ihrer beiden Leben sind. Ob Sie nicht jeden Abend von Alpträume heimgesucht werden, für dieses Verbrechen an der Menscheit das die beiden hier produziert haben, für den Genocid etlicher unschuldiger Hirnzellen des Zuschauers und ob Sie nicht vielleicht schonmal darüber nachgedacht habe, das der Suizid in manchen Fällen sehr wohl eine sinnvolle Alternative darstellen kann.

“Naked Weapon” ist einfach auf ganzer Linie unerträglich miserabel und eigentlich eine grobe Beleidigung, ja fast schon ein tätlicher Angriff an den Verstand und die Intelligenz eines jeden Zuschauers. ugg classic mini sale Regie, Drehbuch und sogar das Schauspiel, trotz Maggie Q in der Leading Role, sind einfach unterstes, geradezu Tiefseeartiges Niveau und sowohl Lieb- und Einfallslos, schlecht durchdacht und geradezu durchlöchert mit riesigen, schrotflintenartigen Plotholes, wirken einfach größtenteils unbeholfen und auf gesamter Spieldauer schlicht dilletantisch. asics femme Um es mit Oliver Kalkofes groben Worten zu verdeutlichen: Wäre dieser Film ein Pferd, man hätte es vermutlich längst erschossen!

“Dünn” ist gar kein Begriff mehr, wenn man über die Story sprechen will! “Katastrophal” ist als Beschreibung hinfällig sobald man über die “Leistungen” der Regie und der Schauspieler reden will! Und “Grenzdebil” ist die mindeste Bezeichnung für so manchen Dialog der in diesem Streifen fällt! Wer diesen Film ohne Hirnblutungen übersteht, dem wird empfohlen sich danach selbst mit einer Axt oder einem anderen scharfen Gegenstand frei nach Wahl, ein eigenes Körperteil abzuhacken/abzusägen/zu picksen, nur um zu überprüfen ob wenigstens die rudimentären Grundfunktionen des Großhirns, wie eine simple Wahrnehmung von Schmerz, noch intakt sind.

Eigentlich erfreulich für die asiatische Filmbrange dürfte ja die Tatsache sein, dass das oben aufgeführte Beispiel von “The Departed” mittlerweile keine Seltenheit mehr ist, und fernöstliche Filmideen in den letzten Jahren zuhauf von Hollywood adaptiert wurden. Doch “Naked Weapon” verkehrt genau andersherum: Er klaubt sich seine Plot- und Szenenfetzen bei großen Vorbildern zusammen, verwurstet das ganze dann zu einem eigenen, allerdings kümmerlichen und ganz und gar ungeniessbaren Brei, und serviert diese genauso armselige wie auch rotzfreche Kopie dann schlußendlich dem Zuschauer.

So wird sich der geneigte Rezipient relativ schnell an Filme wie “Battle Royal”, “The Killer”, “Léon – Der Profi” oder “Nikita” erinnert fühlen, wenn z.B. Nike Noir das Casting der durch Madame M gekidnappten Mädchen in einem Cage-Fight gipfelt, an dessem Ende laut Regel nur eine einzelne als Überlebende hervorgehen darf, oder aber Katherine bei der Flucht eine Betonwand mit einem Vorschlaghammer niederreißt und Sie ihre Kollegin Charlene in einer wirklich herzzerreißenden Szene (sic!) durch das freigelegte Loch entlässt und dieser dann verspricht bald nachzukommen und Sie nicht im Stich zu lassen!

Der dreckige Rest der nicht geklauten Ideen im Film, wirkt allerdings dann im Vergleich, vielleicht auch gerade deswegen, weil es eben anscheinend dann noch nicht einmal mehr etwas gutes, für das schlecht zu kopieren gab, noch sinnfreier und noch mehr bodensatz-sätziger als die noch oben genannten Plagiatsversuche!

Da wären zum einen das Wegfallen oder je nach Plotabschnitt das gerne auch ebenfalls so häufig angewendete “Einfach-wieder-aus-dem
-Nichts-Hervorholen-weil-die-Story-es-Jetzt-gerade-wieder-benötigt” von kompletten charakterlicher Motivationsgründe (sogar mehrfach innerhalb einer einzigen Szene!), die sich im Sande verlaufenden McGuffins die das Szenario vorantreiben sollen, die gänzlich hirnrissige und an den Haaren herbeigezogene Einführung eines Endgegners und der damit verbundenen Erzwingung eines geradezu brechreichzerregend umgesetzten Showdowns, oder aber auch zu guter Letzt das Fehlen jeglicher Glaubhaftigkeit seitens der Charaktere wenn z.B. Madame M die Mädchen seit ihrer Kindheit gefangengehält, Sie bis zum sowohl physischen als auch psychischen Zusammenbruch kaputtdrillt und Sie schlußendlich sogar noch von den hauseigenen Söldnern unter eigener Beobachtung (Und anscheinend auch eigener Genugtuung) vergewaltigen lässt, direkt im Anschluss aber die ehemals Gepeinigten fröhlich und munter unter ihren Kommando reienweise die Gangsterbosse dieser Welt umnieten ohne dabei jemals wieder an die Vergangenheit zu denken, oder gar Rachegedanken zu hegen.

Das bei so viel Bullshit im Script, den Darstellern auch nicht gerade mehr die Wahl gelassen wurde (Ganz arg schlimm hat es hierbei Daniel Wu als Agent Jack Chan getroffen!) lässt sich zwar auch irgendwie nachvollziehen, jedoch selbst mit diesem Hintergrund vor Augen wirkt alles dargebotene seitens der Schauspieler dennoch ziemlich blamabel und gehört augenschleinlich eher unter der Kategorie “Peinlich” abgeheftet. Und daran ist diesmal, zumindest so wie ich es von hier aus einschätze, ich kann leider aber auch kein Kantonesisch um es wirklich zu überprüfen, sogar noch nicht einmal wirklich die deutsche Synchro dran Schuld.

Wie Maggie Q es mit diesem Machwerk in ihrer Actress-Reel, dann doch noch in Hollywoodproduktionen alá “Mission: Impossible III” oder “Stirb Langsam 4.o” geschafft hat, bleibt mir vermutlich auf Ewig ein Rätsel. Ein knackiger Hintern und hübsch lange Beine, könnten natürlich das Motiv sein, aber ich will hier ja auch niemanden etwas unterstellen, nicht wahr?

Den einzigen wirklich weit, weit, weeeeeeeeeit entfernten Silberstreifen am Horizont dieses Films, bieten hierbei die, zumindest ganz zu Anfang, rund, flüssig und zumindest halbwegs durchdacht wirkenden Kampfchoreografien, welche sich, den in der Einleitung hier bereits erläuterten damaligen allgemeinen Hype im asiatischen Film, anschließen und sich an den harten Choreos der 70er und 80er Jahre, wie z.B. jene alá “Lady Snowblood” oder John Woos “City Wolf” und “City Wolf II” orientieren, aber bis auf die Eröffnungsszene, welche sich dann aber auch wieder eher an Luc Bessons “Nikita” von 1990 richtet, niemals wirklich die Klasse und den Stil dahinter zu erreichen vermögen.

Da die Kampfchoreografien ebenfalls von Ching Siu-Tung, der ja hier auch die Regie übernahm, ausgedeixelt wurden, rate ich hiermit dem Mann, welcher laut IMDB am Set wohl schon so ziemlich überall mal versucht hat seine schmierigen Pfoten dranzuheften, sei es nun als Regisseur, Schauspieler oder auch Stuntman, doch mal ernsthaft darüber nachzudenken sich vielleicht eben nur noch explezit in genau dieser Sparte herumzutreiben. Das er wenigstens das kann, nämlich anscheinend gute Choreos abliefern, zeigt dann ja auch wiederrum die Tatsache, das er hierfür bei Filmen wie “House of Flying Daggers” oder eben auch sogar “Hero” und “The Killer” mit an Bord geholt wurde.

Bei unseren Drehbuchautoren und gleichzeitig auch Produzenten Wong Jing sehe ich allerdings da schon eher ziemlich schwarz. Wer an solch äußerst dubios anwirkenden Titeln wie “Raped by an Angel 3: Sexual Fantasy of the Chief Executive”, “Raped by an Angel 4: The Raper’s Union” oder aber auch “Girl with the Diamond Slipper” (hübsch!) mitgewirkt hat, der sollte dann doch besser nochmal gründlich über seine Karriere im “Film”-Buisness nachdenken.

Und um mich nun doch noch zumindest ein ganz klein wenig versöhnlich mit dem Film zu stimmen: Die Kamera von Choi Sung Fai hat zwar im Großen und Ganzen auch nur eher die Basics abgehandelt, sich aber zumindest in ein bis zwei winzigen Szenen bzw. Einstellungen getraut, auch mal etwas, zwar nicht wirklich neues, aber zumindest aus dem sonstigen Einheitsbrei hervorstechendes, zu produzieren.

Fazit: “Naked Weapon”würde man wohl heutzutage in der Jugend und Chatsprache als einen “Epic Fail” bezeichnen. Einen Film wie diesen, wo wirklich einfach gar nichts zu stimmen scheint, die Grenzen zur Platt- und Dummheit nicht zu existieren scheinen und nach der Hälfte der Spielzeit das eigene Gehirn anfängt sich Mord- oder zumindest Selbstmordgedanken auszudenken und man langsam auch anfängt diese sogar als mögliche Lösung für die einem gerade verursachten Schmerzen wahrzunehmen, ja solch ein Film, dem wünsche ich nicht einmal meinem ergsten Feind an den Hals (Sorry André, das ich ihn dir empfohlen habe! ;-) ).

“Naked Weapon” funktioniert einfach ÜBER-HAUPT-NICHT! Selbst als trashiger Exploitationer würde er nicht mal ansatzweise durchgehen. Selbst hierfür würde er einfach weder genügend Härte noch genügend Sex bieten. Er besitzt etliche Hänger und riesige Plotholes, existenzielle Charaktereigenschaften und Beweggründe werden einfach nach belieben ausgetauscht oder fallengelassen, wie es gerade passt. nike chaussures Zum Ende verliert sich der Film in einen geradezu grotesk anmutenden und völlig an den Haaren herbeigezogenen Showdown, der den qualitativen Absturz ins Bodenlose nur noch unterstreicht.

Alle am Film Beteiligten sollten sich in eine Ecke stellen und dafür schämen, was Sie hier auf die Menscheit losgelassen haben! Und ich favorisiere dieses Prachtwerk an zeitgenössischer Cinephelie inzwischen zu meinen persönlichen Bottom 10, irgendwo zwischen “Silent Hill“, “Sweeney Todd“, “Fluch der Karibik III” und “Happy Go Lucky“.

So ist Paris

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 23.07.2008 von Sven

Inhalt: Paris, die Stadt der Liebe, die Stadt der Emotionen und des Chaos: Im Alltag der Millionenmetropole prallen Welten aufeinander, wenn sich die Wege ganz normaler, aber völlig individueller Menschen kreuzen: Gemüsehändler auf sentimentalen Abwegen, ein Uniprofessor auf der Jagd nach jungen Frauen, ein Tänzer auf der Suche nach Vollendung, eine Sozialarbeiterin im Dauereinsatz, eine Bäckersfrau mit unkonventionellen Überzeugungen, ein illegaler Immigrant in der Stadt seiner Träume. In “So ist Paris” sucht jeder seinen Platz, seine andere (Liebes-) Hälfte, sein Kätzchen. Unter der Herrschaft des Alltäglichen, in der liebenswerten Sentimentalität des Banalen, wird das Unspektakuläre König – im grandiosen Rahmen der unvergänglichsten aller Städte… (Pressetext: Prokino)

Kritik: Schwermütig, gegensätzlich, tragikomisch, nicht überall schön, nicht immer unbeschwert, “So ist Paris”. Cédric Klapischs Liebeserklärung an seine Heimatstadt, entführt uns in satten 129 Minuten Gesamtlaufzeit in all die kleinen, eigentlich ach so alltäglichen und banalen, aber gerade deswegen manchmal auch so außergewöhnlichen Situationen, die sich SO auch nur in einer Metropole wie Paris, welche sich zwischen Vergangenheit und Zukunft gefangen, jeden Tag neu selbst erfinden muss, abspielen können. Klapisch legt dabei allerdings keinen Wert auf Glorifizierung, sondern hat erkannt, ebenso wie Olivier Assayas und Frédéric Auburtin in ihrem wunderbahrem Episodenfilmprojekt “Paris, je t´aime” von 2006, das die eigentliche Schönheit und die Faszination von Paris gerade erst in eben ihrer Unvollkomenheit, in ihrem stetigen Wandel und ganz besonders den sowohl gesellschaftlich soziologischen als auch allgemein infrastrukturellen Unterschieden liegt.

Es sind die Reibungspunkte, die Klapisch interessieren, die Gegensätze zwischen Tradition und Moderne, von Alt und Neu, von Arm und Reich, aus denen Paris seinen Reiz zieht.

Da gerade diese Vielschichtigkeit und Unvollkommenheit sich nur schwer durch einen A-typischen Plotaufbau verdeutlichen lässt, entschied sich auch Cédric Klapisch für das Konzept eines Episodenfilms. Klapisch versucht aus einem Pool von Characters, die vage durch ihre Geschichten miteinander verknüpft sind, ein stimmiges Gesamtkonstrukt zu erzeugen, welches zwar äußerst unterhaltsam daherkommt, letztendlich dann allerdings doch leider hinter Filmen wie eben “Paris je t´aime” stehen bleiben muss.

“Paris je t´aime” hat “So ist Paris” gegenüber nämlich einen klaren Vorteil: Den Moment der wirklichen Alternation innerhalb des filmischen Gesamtkonzepts! Das Konstrukt hinter “Paris je t´aime” allein verdeutlicht schon besser eben jenen Reiz von Paris, als es jemals der gesamte Film “So ist Paris” auch nur ansatzweise schaffen könnte. 18 an sich klar von einander getrennte Episoden, gespielt in 18 unterschiedlichen Arrondissement von Paris, von 18 unterschiedlichen Regisseuren einzeln erdacht und einzeln verwirklicht… Es ist logisch das dies wesentlich mehr Vielfalt und Abwechslung innerhalb des Endprodukts hervorruft als es ein alleinig erdachtes Konzept jemals schaffen könnte.

Doch soll dies keine wirkliche Kritik gegenüber “So ist Paris” darstellen, denn Klapisch kam vielleicht auch einfach zu spät mit seiner Idee, bzw. zu früh hinter “Paris je t´aime”. Und dafür hat er immernoch eine ziemlich unterhaltsame und abwechslungsreiche Geschichte abgeliefert. Auch versteckt sich die eigentliche Kritik nämlich ganz woanders…

Klapischs Werk hat leider nämlich mit zwei ganz anderen eher unschönen Problemen zu kämpfen. Einerseits wäre da die Tatsache das “So ist Paris” teilweise einfach zu unrund läuft. Der feine Garn der die einzelnen Geschichten miteinander verwebt, droht an einigen Stellen einfach zu reißen, da sich Klapisch entweder zu kurz oder aber zu lang mit einer Situation, einer Geschichte oder einem Charakter aufhält, so dass, wenn der Schnitt auf ein anderes Sujet dann kommt, es entweder zu apprupt oder aber zu spät erscheint.

Wenn wir etwa in einer, von der Optik her leicht an Michel Gondry erinnernden und auch nett gestalteten aber einfach für die allgemeine Geschichte unnützen, Traumsequenz Rolands Architektenbruder dabei zusehen dürfen, wie er versucht vor der banalen Normalität seines Lebens zu fliehen, dann mag dies zwar nett aussehen, bringt jedoch die eigentliche Kerngeschichte überhaupt nicht weiter. Auch vielleicht gerade durch diese teilweise ungerrecht wirkende Aufteilung der Laufzeit, vermag es “So ist Paris” nicht recht einen schlußendlich wirklich alles umspannenden Bogen um seine Geschichte, seine einzelnen Figuren ziehen zu können, so dass aus derart vielen und kleinteilig erzählten Geschichten dann für den Zuschauer ein wirklicher Schuh daraus werden würde.

Zudem, und dies ist der zweite und wesentlich schwerwiegendere Kritikpunkt, wirken einige der Figuren des Filmes leider vollkommen deplatziert und Störend. Auch ihre Storys verlaufen sich im nachhinein und ohne großes Zutuen für die Geschichte, schlicht im Sande. Zu nennen wären hier einerseits die Episode um einen Afrikaner, der seine Reise nach Europa in einem kleinen Motorboot antritt. Die zwar einfühlsam fotografierten Bilder des afrikanischen Flüchtling auf seinem Weg ins ersehnte Paradies, mögen für sich allein stehend zwar vielleicht noch leidlich funktionieren, jedoch wirken Sie innerhalb dieses Filmes lediglich wie eine lieblos drangetackerte und nur allzu nachlässige Abhandlung der Pariser Immigrationsproblematik.

Auch das Auftreten etlicher anderer Randfiguren bzw. die zwar wirksame aber dennoch unnütze und schlußendlich auch sinnlose Vertiefung einiger Charaktere, wie z.B. die des verwahllosten Bettlers der sich scheinbar in Elisé verguckt hat, oder aber auch die bereits erwähnte Sequenz über den Architekten, führen letztendlich zu nichts. Zwar verschaffen diese Szenen den jeweiligen Figuren gekonnt Plastizität und Tiefe, jeddoch führen uns die Figuren an sich, danach dann leider überhaupt nicht mehr weiter.

Zwar schmälern all diese Schwächen das Gesamtpaket ein wenig, aber nichtsdestotrotz sind sie irgendwie verzeihbar, da der Kern der Geschichte immer noch überragt, auch wenn er streckenweise im Film, schon ein wenig drohte zu versinken. Klapisch beweist nämlich trotz allem, insbesondere bei der liebevollen Setzung seiner Figuren, der Besetzung und Verkörperung durch die Schauspieler und auch den Aufbau ihrer jeweiligen Szenen, großes führerisches und cineastisches Können.

Er nimmt seine Figuren äußerst ernst, behandelt Sie respektvoll und weiß Sie stets ins rechte Licht zu rücken. Auch wenn einige seiner Figuren fehl am Platze wirken mögen, so besitzen sie alle jedoch ihren ganz eigenen Charme und sind voller Leben.

Dies mag natürlich auch an der fabelhaften Besetzung liegen, denn Juliette Binoche, Romain Duris und auch besonders Fabrice Luchini wissen einfach in ihren Rollen wirklich aufzugehen und Sie derart liebevoll, dreidimensional und glaubhaft zu verkörpern, dass man wirklich denken mag Sie säßen gerade höchstpersönlich vor einem. Bei Binoche und Duris ist dies aber auch vermutlich einfach auf eine gewisse Routine und schauspielerische Erfahrung bzw. das bereits Erlernte und das Bergerschen des nötigen Handwerks zurückzuführen, wohingegen man bei Luchini sogar streckenweise wirklich die Leidenschaft hinter seiner Rolle erkennt.

Auch der restliche Cast ist durchweg gut gelungen. Man mag dabei z.B. an die arabische Bäckerergehilfin denken oder eben auch jenen verarmten Bettler, der sich zwar storytechnisch nicht ganz einfügen will, aber trotzdem eine, gerade für zwei solch kurze Auftritte, wirklich enorme Tiefgängigkeit bekommt. Es sind auch vorallem auch die kleinen Figuren die wirklich im Gedächtnis bleiben, so wie die Bäckereibesitzerin, die Studentin, die Frau des Architekten…

Das der Film überhaupt eine solch beeindruckende Authentizität gegenüber seinen Figuren entwickeln kann, liegt dabei allerdings auch in der durchgängig zwar sehr schlicht gehaltenen, sogar teilweise auch relativ kühl wirkenden aber dennoch durchgängig auch sehr persönlichen Kameraführung von Christophe Beaucarne. Die gewählten Motive und Sujets versprühen sowohl Klarheit, Eindringlichkeit als auch teilweise wirklich tiefe Emotionalität. Insbesondere jene Sequenzen die innerhalb der Wohnungen der Protagonisten spielen, wirken wie eine Einladung auf den Zuschaue “Hey, das sind meine Charaktere. Die sind alle ziemlich nett. Fühl dich ganz wie Zuhause bei ihnen und mach es dir gemütlich!”.

Fazit: “So ist Paris” will das der Zuschauer sich kurzzeitig im Film wie Zuhause fühlt, ein bischen mit im plaudert aber danach auch einfach wieder geht. Dem Film hätten einige Streichungen was die Storyline und einzelne Figuren angeht, sicherlich gut getan, das Gesamtpaket damit eher abgerundet und gestrafft, jedoch fühlt man sich immernoch durchgängig unterhalten und wirkliche Längen entstehen eigentlich kaum, oder sind zu vernachlässigen. Auf der Seite der Regie wird somit durchgängig gute bis wirklich fabelhafte Handwerkskost geboten, mit einigen Patzern innerhalb der Aufteilung der Laufzeit, was aber ebenfalls zu verschmerzen sein dürfte. Schauspielerisch werden einige Glanzleistungen geboten die auch Kameratechnisch gut in Szene gesetzt worden sind. Ein Film denn man sich gerne anschaut, der einen nicht hetzt, sich Zeit lässt und einfach ein paar kleinere und nette Geschichten dem Zuschauer erzählen möchte.

Autor: Sven

Happy-Go-Lucky

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 11.07.2008 von Sven

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Inhalt: “Poppy (Sally Hawkins) arbeitet als Grundschullehrerin im Norden Londons und ist das, was man eine wahre Frohnatur nennt: stets gut gelaunt, offenherzig, hilfsbereit und ihren Mitmenschen gegenüber unvoreingenommen. Kurzum: Poppy muss man einfach gern haben. Mit der großen Liebe hat es allerdings noch nicht so richtig geklappt – ist aber auch halb so wild. Schließlich hat Poppy ja ihre Mitbewohnerin Zoe, ihre Schwester Suzy und noch einen ganzen Haufen bester Freundinnen, mit denen sie um die Häuser ziehen kann. Poppys unbeschwerte Art löst in ihrer oft etwas missgelaunten Umwelt allerdings auch Befremden und Erstaunen aus. Manche halten sie für ein wenig schlicht, einige sogar für verrückt. Auf jeden Fall aber führt Poppys Dauerflirt mit dem Leben zu den absurdesten Situationen, deren Komik nicht selten in anarchischer Auflösung gipfelt.” (Pressetext: Tobis)

Kritik: Zunächst einmal ein tiefes “WTF!?” für die obrige Inhaltsangabe vom Verleih Tobis! “…deren Komik nicht selten in anarchischer Auflösung gipfelt.”? Hat man euch ins Hirn gekackt Jungs? Naja wie dem auch sei…

Ich hatte ja eigentlich erwogen, mir die “Happy-Go-Lucky” Kritik zu ersparen. Fast zwei ganze Stunden ist dieser Streifen lang, hat mich somit schon zur genüge kostbare Lebenszeit gekostet… Die Review war in Deutsch, möglich dass die Originalfassung ein wenig besser kommt, aber ich bin nicht auch nur im Ansatz bereit, dies irgendwann einmal, freiwillig testen zu wollen.

Den Ankündigungen zufolge soll “Happy-Go-Lucky” ein humorvolles FeelGood-Movie sein, eine Komödie. Zumindest der Trailer und die Werbung sind dermaßen auf Comedy zurechtgetrimmt, dass man dies glauben mag, vielleicht sogar annimmt, es könnte sich um eine Komödie mit romantischen Zusatz handeln. (Siehe obrigen Schwachsinn Pressetext)

Leider ist “Happy-Go-Lucky” aber höchst nervig, nur bedingt unterhaltsam und stellenweise derart langatmig, dass ich sogar Mühe hatte, wach zu bleiben. Einige Zuschauer aus anderen Vorstellungen, verließen schon bereits nach den ersten 30 Minuten die Vorstellung, aber ich hatte ja doch noch die Hoffnung, dass sich in “Happy-Go-Lucky” ja vielleicht doch noch irgend etwas tut, dass sich das Leiden und die Engelsgeduld letztendlich doch noch auszahlt. War nicht. Und falls ich in der Zukunft nochmal eine derart grausame Zeit im Kino erlebe, werde ich eigenhändig die verdammte Kopie verbrennen!

Da es Filmemacher Mike Leigh (“Vera Drake”) anscheinend nicht für nötig hält, dass, was er mit “Happy-Go-Lucky” sagen will, via einer halbwegs unterhaltsamen Story zu vermitteln, werde ich hier auch keine, wie sonst von mir erwartet, so üblich scharfsinnige und stets höchst informative sowie natürlich auch rein objektive Filmkritik meinerseits erbringen, sondern nur schnell ein paar Wörter in das WordPress kloppen…

Eine durchgehende Story gibt es in “Happy-Go-Lucky” nicht, als Charakterstudie taugt der Film aber mangels authentischer Figuren leider ebenso wenig. Und eigentlich sollte eine Inhaltsangabe wie folgt lauten:

“Poppy ist eine nervige Grundschullehrerin, die niemanden mit ihrem Gequassel verschont. Das soll uns dann aber vom Regisseur als “Happy” und gutgelaunt verkauft werden. Sie hält nur dann endlich die Fresse, wenn man gerade hoffen würde, dass sie ihren Mund aufmacht und ihre Meinung sagt.”

Z.B. gleich beim ersten Mal, als ihr Fahrlehrer (Eddie Marsan) eine rassistische Bemerkung macht, wird diese von Poppy nur schweigend quittiert, allerdings dann später bei den eigenen Freundinnen breitgetreten und als “unzumutbar” dargestellt.

Der Fahrlehrer ist ein wandelndes Klischee, steht für jedes Vorurteil unter der Sonne und verkörpert diese auch in jeder Sekunde mit perfekten Sarkasmus. Eddie Marsan ist wirklich beeindruckend in der Rolle des Fahrlehrers Scott! Leider bildet er damit aber auch gleichzeitig den einzigen, winzigen und gänzlich alleine strahlenden glanzvollen Moment des gesamten Filmes.

Die im “Happy-Go-Lucky” Trailer verstümmelte Szene im Buchladen ist in Wirklichkeit dann auch viel länger. Denn Poppy muss den bemitleidenswerten Buchhändler, dem der Sinn nicht nach Small Talk steht, erstmal gehörig zuquatschen. Sie beweist somit gleich auch direkt in der ersten Sequenz dem Zuschauer, ihre fehlende Respektlosigkeit und Sensibilität gegenüber anderen Menschen (der Buchhändler läuft ihr sogar irgendwann davon, doch das scheint Sie keineswegs zu interessieren, sie macht einfach weiter).

Auch schwer zu ertragen ist eine über Gebühr ausgedehnte Szene, in der wir Poppys betrunkener Chicksengang (inkl. betrunkener Poppy selbst) ewig lange dabei zuhören müssen, wie sie über nur wenig interessantes reden. Als einziger bei einer Party nüchtern zu sein ist nicht sonderlich aufregend, wir haben das sicher alle schon einmal erlebt, und so ist auch diese Szene für den Zuschauer.

Nachdem wir Poppy dann gerade endlich hassen gelernt haben, werden uns aber ein paar Szenen geliefert, die diesen Blick revidieren sollen und Poppy’s Charakter denn dringend nötigen Tiefgang verpassen möchten, denn wir bisher so schmerzlich vermisst haben.

Das haut nicht hin. Too little, too late! Das ist die einzige Antwort, die mir dazu einfällt. Die Puzzle-Teile fügen sich nicht zu einem Bild zusammen, Poppy wird nicht zu einer glaubhaften dreidimensionalen Figur.

Ach ja, ein Mann fällt ihr dann gegen Mitte/Ende des Films auch noch vom Himmel in einer der Szenen, wo eigentlich nur noch ein Comic-Armor mit Pfeil und Bogen und ein innerer Monolog fehlt.

“The Road to Reality” heißt das Buch, das Poppy übrigens in der Buchhandlung zufällig aus dem Regal fischt. Der Weg zur Realität. “Den möchte ich lieber nicht gehen”, sagt sie fröhlich vor sich her sprudelnd und gackernd (sic!) und stellt es rasch wieder weg.

Bei Poppy hat jener normalerweise ja eigentlich “gesunder” Optimismus des Menschen, leider einen völlig anderen Gang eingeschlagen. Sie besitzt schon längst, keinerlei Bezug mehr zur eigentlichen Realität und wankt nur noch gluckernd und völlig verblendet, durch den Film. Und die armen Kreaturen um Sie herum müssen dann auch noch, ebenso wie der Zuschauer, unter dem sinnlosen Hirnhangdrüsenejakulat, welches sie ununterbrochen von sich absondert, leiden.

Sie ist wie ein 30 jähriges Kind, welches keinerlei Verantwortung für ihre Umwelt tragen will. Mehr noch, sie scheint auch erst überhaupt nicht, die dafür benötigte geistige Reife zu besitzen! Eine Art weiblicher Michael Jackson, welcher am liebsten niemals seine Neverland Ranch verlassen will! Und dafür soll man die Braut dann auch noch bewundern??? Geschenkt, lieber Mike Leigh…

Aber: Die Mission des Films, die Frage die er dem Zuschauer ja eigentlich stellen möchte, dies aber aufgrund mangelnder Kompetenz und oben genannter Probleme vergeigt, ist laut Leigh selbst: “Was ist Glück? Und wird die Welt erträglicher, wenn man auf ihre Hässlichkeit mit Abkapselung reagiert, oder wenn man sich ihr öffnet?”. Und die Antwort daruf lautet schlicht, dass man eine Balance dazwischen finden muss! Und weder das eine noch das andere, zumindest in der Extreme ausgeübt und für sich alleine stehend, so wie es bei Poppy ja der Fall ist, die richtige und einzig wahre Antwort auf diese Frage darstellen kann.

Wenn die Mogelpackung “Happy-Go-Lucky”, die keine Komödie ist, wenigstens ein halbwegs interessantes Drama oder eine interessante Charakterstudie wäre, dann wäre ich ja zufrieden gewesen. Auch wenn mir eine Komödie angekündigt wurde. Man ist ja flexibel. Man ist ja willig sich unterhalten zu lassen. Man will ja wissen was der Regisseur da einem sagen möchte.

Doch dieses unausgegorene Patchwork kommt daher wie das Ergebnis eines Brainstormings, das man mal eben mit improvisierten Szenen und ein wenig Editing auf Spielfilmlänge gebracht hat, um eine Deadline einzuhalten.

Noch eins: Dass die Filme bestimmter Filmemacher aufgrund ihrer Historie oft viel milder beurteilt werden ist wohl kein Geheimnis. Einige der “weniger eindrucksvollen” Filme dieser Filmemacher bekommen trotz allem eine Review und gute Kritiken. Aber hätte ein noch unbekannter Regieneuling z.B. ein derartig “wenig eindrucksvolles” Filmchen abgeliefert, müsste er mit einem kalten Klima rechnen, bzw. würden dann von vornherein weniger Kritiker ihre Zeit damit “verschwenden”, darüber etwas zu schreiben. Dieses Verhalten macht für mich leider einfach keinen Sinn.

Ich halte es für ein Cop-out, das “Schema” zu bemühen… Einfach nur “anders” zu sein ist nicht automatisch ein Qualitätssiegel. Auch Filmemacher, die in der Vergangenheit interessante Filme geliefert haben, können ‘mal weniger interessantes abliefern. Das ist ja auch okay. Aber jeder Film ist eben für sich als Kunstwerk zu bemessen, denn das ist dass, was der Zuschauer letzlich nunmal sieht. Nicht das Gesamtkunstwerk des Regisseurs, sondern nur einen Film.

Fazit: Und sollte dieser Film eben “Happy-Go-Lucky” heißen, so kann ich nur sagen: “Überlegt es euch verdammt gut, ob ihr 2 Stunden eures Lebens, einfach so die Toilette runterspühlen möchtet”

Autor: Sven

Speed Racer

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 12.05.2008 von Sven

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Inhalt: Mit halsbrecherischem Tempo fegt er über die Piste, trickst die Konkurrenten aus, prescht vorbei und lässt sie Staub schlucken – Speed Racer (Emile Hirsch) ist der geborene Rennfahrer: Aggressiv vertraut er nur seinen Instinkten – vor allem kennt er keine Angst. Und er muss keinen Rivalen fürchten – mit einer Ausnahme: seinen Bruder, den legendären Rex Racer. Rex starb im Rennwagen – sein Vermächtnis ist das Vorbild, mit dem Speed sich messen muss.

Als mustergültiger Junior hält Speed treu zu dem Rennstall, den sein Vater Pops Racer (John Goodman) als Familienunternehmen leitet. Für Speed hat Pops den Boliden Mach 5 entwickelt. Als Speed ein sehr lukratives Angebot von Royalton Industries ausschlägt, bringt er nicht nur den cholerischen Firmenchef (Roger Allam) gegen sich auf, sondern entdeckt dabei auch ein spektakuläres Geheimnis: Bei den wichtigsten Rennen wird der Sieg von einer Hand voll skrupelloser Industrieller vorab ausgehandelt.

Nach ihrer Pfeife tanzen die Spitzenfahrer, um so die Profite zu maximieren. Falls Speed nicht zu Royalton wechselt, wird der dafür sorgen, dass der Mach 5 die Ziellinie nie mehr erreicht. (Pressetext: Warner)

Kritik: “W-T-F!? W-T-F in einen Granitblock für die Ewigkeit eingemeißelt!”. Das waren meine ersten Gedanken als ich den Trailer zu “Speed Racer” das erste mal erblickte. Meine Iris wurde binnen Sekunden meilenweit geweitet, bombadiert mit Pastellfarben, den blubbernden Freudengeräuschen eines albernen Affen und dem rasanten Hin- und Hergecutte zwischen futuristischen Rennboliden die sich gegenseitig von der Strecke stupsen, so das es nicht mehr schön war sondern vielmehr in meinem Hirn allmählich anfing zu schmerzen.

Alles, und damit meine ich wirklich jede einzelne verdammte Sekunde des Trailers, wirkte einfach so abartig unnormal, Krank und psychedelisch, so vollkommen jeder Regel wiedersprechend und einfach sowas von dermaßen auf “Dieses Teil wird 100% Trash und garantiert SO-WAS von floppen” ausgelegt… DAS musste ich mir einfach im Kino anschauen! Insbesondere wegen meiner perönlichen Neigung zu den beiden folgenden Personen:

Larry und Andy Wachowski! Zu zeiten des ersten “Matrix”-Films meine einzigen Götter, nach deren Vortsetzungen die Ausgeburt des personifizierten Bösen, direct from the Hell. Selten haben Menschen es geschafft in binnen so kurzer Zeit soviel Antisympathie in mir zu erzeugen, wie diese beiden Herren mit ihren “Matrix: Reloaded” und dem darauf folgendem “Matrix: Revolutions”. Und als ich den Trailer zu “Speed Racer” das erste Mal erblickte stellte sich mir auch gleichzeitig die unweigerliche Frage, warum gerade eben diese beiden Herren, die nach einem so großem kommerziellen Erfolg wie dem ihrer Matrix-Triologie, nachdem eben diesen beiden Herren auch damit nun sämtliche Türen in Hollywood offen standen, etwas DER-ARTIG abartige Dummes produzieren wie eben genannten “Speed Racer”?

Sind die beiden nun völlig durchgedreht? Haben Sie den Bezug zur Realität einfach gänzlich verloren? Vielleicht waren die hormonellen Eingriffe von Larry bzw. nun ja “Lana” Wachowski ja irgendein Zeichen dafür? Wer weiß…

Fakt ist jedoch: Ich erwartete von “Speed Racer” einiges, nur eben nicht, dass es ein guter Film wird! Ich erwartete von “Speed Racer” eigentlich sogar genau das, was der Trailer mich nunmal auch vermuten ließ! Ein wirres und zusammenhangsloses Farbspektakel ohne jeglichen Sinn und Verstand mit flachen Gags und psychedelischen Set-Up. Vielleicht noch hier und da ein kleines fettes Kind was mit nem verkleideten Affen einfach mal lauthals “Wohooo” herausbrüllt oder die rausgestreckte Zunge in die Kamera reinhält…

Doch, “Speed Racer”, weiß sogar zu überraschen! Und das sage ich jetzt hier nicht nur weil es sowieso ein garantierter kommerzieller Flop sowohl in den USA als auch in Europa wird, oder mir ein Mitarbeiter von Warner Bros. vielleicht gerade genau in diesem Moment eine geladenen Pistole an die Schläfe hält, sondern weil es sogar irritierenderweise auch noch stimmt.

Klar ist “Speed Racer” kein Meilenstein und auch kein Film den man unbedingt gesehen haben sollte, aber er weiß zumindest zu unterhalten, und das nicht nur allein aufgrund seiner Optik oder seines streckenweise recht debilen und kindischen Humors. Und natürlich ist “Speed Racer” auch durch und durch Kitsch, Overdressed und Klischeebeladen, und natürlich sind die Figuren realtiv simpel und die Handlung mehr als vorraussehbar, aber denoch gibt es einiges an “Speed Racer” weshalb es sich lohnen würde, ihn sich anzuschauen.

“Speed Racer” ist zunächst einmal wirklich hervorragend technisch umgesetzt und selbst ein geschultes Auge erkennt in den knapp 130 Minuten Film, keinen einzigen CG-Fehler. Die Schnitte, Bewegungen und Animationen laufen zu 99,99% rund und flüssig ineinander ein, so dass man nicht ständig aus dem Geschehen geworfen wird, bloss weil die Beleuchtung in der Blue-Screen miserabel war oder der Animator mit der Maus verrutscht ist.

Obendrein kann der Film, obwohl man ihn fast durchgängig die Auslegung auf eine kindlichen Zielgruppen alá “Cartoon Network” oder “Nickelodeon” anmerkt, sogar storytechnisch die etwas reiferen Kinogänger unterhalten. Verständlich muss dabei allerdings bleiben, dass dies vielmehr auf emotianalem Wege versucht wird, als durch z.B. aufwändig tiefgängige, oder gar komplexe Charaktere. Die Figuren mögen zwar alle auf Reißbrettniveau gezeichnet sein, vermögen es allerdings dennoch, zumindest dank der starken Schauspieler dahinter (John Goodman, Susan Sarandon), einige tiefere Momente auf der Leinwand zu erzeugen.

Wenn wir etwa z.B. die Streitigkeiten zwischen Rex Racer und seinem Vater beobachten dürfen, wird dies sogar wirklich einfühlsam den Zuschauer nähergebracht. Das sind die wirklich gelungenen Momente in “Speed Racer”, neben den einfach achterbahnartigen Sequenzen in den unterschiedlichen Rennen, welche auf reiner Effektbasis das Hirn des vor allem jüngeren Zuschauers stimulieren sollen.

Für mich ist “Speed Racer” eine Art “Mini-Blockbuster”, welcher wohl auch einfach versucht, alle Zielgruppen gleichzeitig zu begeistert und schlichtweg durchtränkt ist mit Ideen und Kreativität. Und hierbei liegen auch schon seine wirklichen Schwachpunkte, und nicht wie von mir zunächst vermutet in der eigentlichen Story.

Ein gewaltiges Manko des Film, aber auch gleichzeitig wohl eines seiner größten Vorteile, ist, dass Larry und Andy Wachowski sich anscheinend sehr wohl um die Belanglosigkeit der Geschichte bewusst waren, somit zwar auch erst garnicht versuchten den Film auch nur anähernd ernster als nötig zu zeichnen, jedoch aber auch damit gleichzeitig etliches an hervorragender Intensität des Stoffes selbst vernichteten.

Durch den Versuch alle Altersgruppen zufrieden zu stellen werden einige wirklich gute und intensive Momente des Films schlichtweg versaut. Denn praktisch immer wenn man mal wieder wirklich die Characktere hervorheben will, ihnen Ernsthaftigkeit und Leben schenken will, taucht urplötzlich und aus dem Nichts heraus, dieses dämliche fette Kind mit seinem Affen auf und ruiniert erneut das Feeling der kompletten Szene.

Hey Larry/Lana und Andy: Klar müssen die Kids im Publikum auch unterhalten werden, aber biete verschiebt das doch in anderen Szenen, wie z.B. die der Autorennen, und lasst die wenigen intensiven Momente einfach unberührt. Für die Kids ist doch sowieso schon genügend Material vorhanden, da kann man den Erwachsenen doch auch mal ein wenig etwas bieten, ohne gleich Angst zu haben, das die 6-Jährigen im Saal einschlafen. Denn die, sind sowieso nach den Rennszenen erstaml für 3 Wochen komplett geflasht und hellwach…

Denn das zweite große Manko des Films ist einfach die schiere Überflutung durch Kreativität, welche geballt und gestaucht versucht wird komplett in die 130 Minuten hineinzuquetschen. Die Rennszenen sind wirklich genau jenes versprochene Abenteuer, eben jene im Trailer gezeigte Achterbahn- und Kirmesfahrt: Rasant, farbenfroh und erfrischend surreal inszeniert, doch auch einfach durch die schnelle Inszenierung, den rasanten Schnitt und die geballte Kreativität im Ablauf des einzelnen Rennens schlichtweg zu viel Input auf einmal für das menschliche Hirn.

Man muss sich wirklich anstrengen um alles mitverfolgen zu können, was dort gerade vor einem auf der Leinwand geschieht! Und dadurch dass die einzelnen Rennsequenzen auch noch so lang sind, aber die Story eben auch noch erzählt werden will, bietet man den Zuschauer praktisch im gesamten Film kaum Ruhepausen, in denen man das Gesehene sacken lassen könnte. Dies ist äußerst strapazierend und fordernd den Zuschschauer ungemein. Dabei hätte man es so einfach und um so viel besser lösen können, durch z.B. einfach kürzere Rennszenen und/oder weniger direct-storytelling in den Dialogen, dafür sogar auch gleichzeitig tieferen Chackteren.

Man sollte sich, bevor man sich “Speed Racer” komplett anschaut, unbedingt den Trailer zu Herzen nehmen, denn zwar bietet der Film einiges mehr als dort gezeigt, aber dennoch offenbart der kurze Clip die Ausgangsbasis äußerst deutlich. Sollte man sich dabei als Zuschauer allerdings eben nicht mit einer solch einfachen, straff erzählten und farbenfrohen Erzählart anfreunden können, und eben auch nicht mit der Tatsache einfach einen Film zu Gesicht zu bekommen, wo nunmal eher das Motto “Hirn Raus! Film Rein!” gefragt ist als irgendwas in Richtung “Oscar-Verdächtig”, so würde ich demjenigen abraten. Für alle anderen, die einfach nur mal wieder ein wenig Unterhaltung mit einigen netten Ideen dabei gebrauchen können ohne viel Tiefgang, denen sei dieser Film allemal gegönnt.

Fazit: “Speed Racer” ist wirklich genau das was der Titel verspricht! Ein Film wie geschaffen für die heutige YouTube-Generation und vollends auf… nunja eben “Speed” getrimmt. Er bietet viele interessante optische Ideen und Umsetzungen, einige wirklich nette emotionale Szenen und vor allem ein hohes Maß an Unterhaltung. Zwar muss man ihn nicht zwingend gesehen haben, aber wenn man dies dennoch will, so bitteschön noch unbedingt im Kino, da nur auf der großen Leinwand überhaupt erst das Geschehen richtig mitverfolgt werden und sich der psychedelische visuelle Stil entfalten kann.

Autor: Sven

Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 23.02.2008 von Sven

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Inhalt: Die Handlung spielt im London des 19. Jahrhunderts: Barbier Benjamin Barker (Johnny Depp), glücklich verheiratet, ein Kind, gerät in die Mühlen der Gesetzlosigkeit. Richter Turpin (Alan Rickman) interessiert sich für Barkers hübsche Frau (Laura Michelle Kelly) und findet Wege, den Barbier in der australischen Verbannung verschwinden zu lassen. Als Barker fünfzehn Jahre später unter dem Namen Sweeney Todd wieder am Schauplatz seiner privaten Tragödie auftaucht, hält er seine Frau für tot; seine herangewachsene Tochter (Jayne Wisener) ist inzwischen das Mündel seines Todfeindes Turpin. Sweeney Todd beginnt einen Rachefeldzug sondergleichen, assistiert von einer neuen Frau in seinem Leben, Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter), deren Pastetenbäckerei einen ungeheuren Aufschwung nimmt, seit sie sich mit Todd zusammen getan hat… (Pressetext: Warner)

Kritik: Tim Burton schuf mit seinem “Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street” (Im folgenden nur noch “Sweeney Todd”), zusammen mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter in den Hauptrollen, den nun mittlerweile fünften filmischen Aufguss der gleichnamigen britischen Horror-Saga von 1846, welche auch ebenfalls schon ganze 3 mal für die Theaterbühne adaptiert wurde. Basierend auf Stephen Sondheims Broadway-Musical “Sweeney Todd” von 1979, kreierte Burton dabei zusammen mit Sondheim, ein rund 120 Minuten langes, moralisch doch eher fragwürdiges und geradezu kafkaeskes Splatter-Märchenepos, welches zwar durch-und-durch ein typischer Tim Burton ist, jeddoch trotzdem irgendwie als solcher nicht recht zünden mag.

Und eigentlich mag ich ja Tim Burton! Und eigentlich habe ich mich ja auch wirklich auf diesen Film gefreut! Jeddoch glaube ich auch das Burtons Zenit mittlerweile erreicht scheint. Spätestens ist dies der Fall mit “Sweeney Todd”, aber vielleicht war er es ja schon mit “Charlie und die Schokoladenfabrik”, der mir ebenfalls nicht mehr so richtig zusagen mochte. Und möglicher weise, ist an dieser Tatsache auch das lämmerlich grausig schlechte “Planet of the Apes”-Remake von 2001 mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle, daran schuld, welches wohl Tim Burton irgendwie, wie auch immer, als “gute Idee” aufgeschwatzt wurde. Vielleicht ist er ja seit diesem Rohrkrepierer nicht mehr ganz der Alte? Wer weiß….

Alle seine anderen Werke wie “Edward Scissorhands”, “Big Fish”, “Beetle Juice”, “The Nightmare Before Christmas” aber auch z.B. die einzig waren “Batman”-Teile, eben jene mit Tim Burton als Regiesseur, sprühen schlicht nur so vor Charme, Skurrilität und der Liebe zum Surrealen, zum Fantastischen und Düsteren. Ja sogar “Mars Attacks”, der mässige “Corpse Bride” (Welcher zwar nett, aber auch nicht wirklich mehr war) und auch der damals schon etwas lahmende “Sleepy Hollow” hatten einfach immer noch etwas, wofür es sich lohnte. “Big Fish” gehört sogar zu meinen persönlichen Top-10 Filmen!

Aber: Tim Burton war einfach auch schon immer ein Regiesseur der nicht ohne seine Bilder auskam, nicht ohne sie leben konnte. Er war nie wirklich ein großer Charackterenregiesseur, sondern er ist Geschichtenerzähler mit einem aussergewöhnlichen Sinn für die Verpackung! Seine Filme glänzen durch die Optik jener Geschichten, ihren jeweiligen surrealen Welten in denen sie spielen, aber niemals ernsthaft durch irgendwelche “starken” oder gar wirklich tiefergehenden Figuren! Natürlich gelang ihm dies auch hier und dort einmal (“Big Fish”, “Edward Scissorhands”), aber überwiegend wird man bei einem Burton-Film eher von den düstere Szenarien, dem skurrilen, oftmals makaberen Humor oder den schrill grellbunten Elementen in den Film hineingesogen, anstelle von den Charakteren oder der eigentlichen Geschichte.

Dies ist keineswegs negativ von mir gemeint, den solange die Rechnung dabei aufgeht und man sich in einer solchen Welt wohl fühlt als Zuschauer, sich zumindest in Sie hineinfühlen kann, den Film dabei dann aber auch mehr als “Reise” betrachtet anstelle eines “Gespräches”, so kann auch ein solcher Film wirklich einiges bieten. Man nehme hierbei z.B. “Sin City” von Rodriquez, der ebenfalls eigentlich nur durch seine ungewohnte Optik bestehen kann und erst gar nicht versucht eine wirklich tiefergehende Story zu bieten. Oder aber auch Rober Wienes “Das Cabinet des Dr. Caligari” von 1920, von dem man auch öfters behauptet, das dieser, eine von Tim Burtons hauptsächlichen Inspirationsquellen bei seinen eigenen Werken gewesen sei. Allerdings war “Das Cabinet des Dr. Caligari” auch “Story”-Technisch, insofern man dies wirklich bei einem Stummfilm sagen kann, seiner Zeit weit vorraus, aber lassen wir das.

Wie dem auch sei, “Sweeney Todd” wirkt im Vergleich zu den oben genannten Filmen schlichtweg kalt und lieblos, bietet auch einfach nichts wirklich neues mehr. Die bisher bewährte und typische Burton-Surrealitätswelt hat sich nunmal einfach mit den Jahren irgendwie abgenutzt. Man erkennt die typischen Szenarien aus seinen alten Filmen wieder, welche sich hier nur wieder einmal selbst kopieren. Man kennt auch einfach die typischen schiefen und verwinkelten Häuser in den engen und dunklen Gassen bereits zur Genüge. Die typischen skurrilen Characktere ebenso, das oftmals harte Spiel mit Farben oder eben einfachen schwarz/weißen Licht und Schatten und allgemein halt die typische Burton-Welt! Und somit kennt man eigentlich auch schon alles, was einen Burton ausmacht.

Das wirklich schlimme dabei ist sogar noch nicht einmal das man all dass als Zuschauer schon kennt, es vielleicht schon zu oft gesehen haben mag, sondern das Burton selbst, seinen einst so innovativen Stil mittlerweile anscheinend zur Standartkost verkommen lässt. Irgendwie fehlt mittlerweile auch in allem ein wenig die Liebe, mit der seine früheren Werke gestaltet wurden, und irgendwie ist alles mittlerweile sehr selbstzweckhaft geworden. Nur noch zu einer Art “Ja, das ist ein Tim Burton Film!”-Siegel verkommen.

Ich meine, man muss sich doch auch mal irgendwann und irgendwie mal weiterentwickeln können, kann doch nicht jahrelang nur immer weiter auf dem beharren, was einem vielleicht mal irgendwann einzigartig gemacht hat, vielleicht mal irgendwann innovativ und neu war, mittlerweile aber einfach auch seinen Reiz verloren hat! Zumindest gilt dies für all die normalen Zuschauer und nicht die “Hardcorde” Tim Burton Fans, welche sich warscheinlich auch noch sein drölfzigstes Werk, allein wegen seines Namens anschauen werden. Und selbst wenn man nur solche Hardcore-Fans zufrieden stellen will, sollte man es dann doch noch mit Liebe tuen! Ganz besonders eigentlich auch dann, weil solche Fans nicht nur einfach schlechte Kopien zu sehen bekommen wollen! Wenn man schon nichts neuen wagen will, so sollte man doch selbst noch mit Liebe an sein eigenes Werk heran gehen!

Quentin Tarantino, welcher natürlich auch hauptsächlich nur für seinen eigenen und untypischen Stil bekannt ist, welcher auch in all seinen Filmen weiterhin auftaucht, hat sich trotzdem irgendwie mit den Jahren, mit seinen Filmen stets weiterentwickelt. David Lynch und Hitchcock, anno dazumal, ebenso, also warum nicht auch ein Tim Burton?

Soviel zum eigentlichen Stil des Films, was natürlich auch zugegebener Maßen, doch auch eher persönlicher Geschmack sein kann. Weiter zu dem eigentlichen Hauptschwerpunkt und somit dem, was dem Film auch schlußendlich sein Genick bricht: Die Characktere und die Geschichte an sich!

Ich denke das auch gerade aufgrund dessen, dass man nun mittlerweile die Burtonoeske Welt einfach schon so gut kennt, man sich als Zuschauer wesentlich stärker auf die Story verlässt, welche aber leider nunmal, wie bei vielen anderen Burton-Filmen auch, selbstständig nicht, denn dann ja ohne Bilder und somit komplett allein stehend, stark genug fürs Kino ist. Burtons Filme sind allesamt Märchen und Gruselgeschichten die, wenn sie nunmal alleine und wirklich nur für sich selbst stehen, doch sehr vorrausschaubar und oberflächlich sind! Ihre Stärke liegt immer im Fabelhaften, nicht in ihrer eigentlichen Handlung! Nimmt man ihnen das weg, bleibt leider nicht viel…

Zudem, dass die Story schlicht plumb und vorrausschaubar ist, gesellt sich noch hinzu, dass sie eine äußerst fragwürdige Moral beinhalted. Sweeney Todd hat seine Frau verloren, sein Kind und sein behütetes Leben und sinnt sich nun nach Rache. Soweit, so Cool. “Kill Bill” ist ein Meisterwerk und Uma schnetzelt sich bravorös durch ihre Gegner bis sie schlußendlich auf ihr eigentliches Ziel, Bill stößt und sie ihr Werk vollendet. Finde ich persönlich, für die Handlung eines Filmes wohlgemerkt, ja auch alles total Super! Aber Sweeney hingegen tötet schlicht jeden und alles, hat gehn Mitte des Films sein eigentliches Ziel, die Rache an Turpin, längst aus den Augen verloren, killt sich nur noch, dabei mehr oder minder entusiastisch engagiert, durch die halbe Weltgeschichte aus puren und ganz allgemeinem Hass an der Menschheit.

Mrs. Lovett unterstützt in dabei und erfreut sich sogar an den stätig wachsenden Leichenberg, da sie ja daraus leckere Fleischpasteten zaubern kann, welche sie dann in ihrem “Meat Pie”-Geschäft äußerst erfolgreich verkauft. Die beiden Characktere haben dabei längst jeglichen Bezug zur Realität verloren, sind schon lange ihren eigenem Wahn verfallen und der eigentlich zielstrebige, im Gefühl des Zuschauers auch am Anfang auf Akzeptanz stoßende, da zumindest verständliche und vielleicht sogar vom Gefühl her gerechtfertigte Rachefeldzug an Turpin, artet in einem Leichenfließband voller Unschuldiger aus, welches nichts mehr mit “Vengeance” oder auch nur “Selbstjutiz” zu tuen hat.

Es herrscht schlicht kein Falsch mehr in Sweeney Todds Welt, sondern alles ist legitim geworden! Sogar eine Verschonungsszene, wo der Barbier mal Ausnahmsweise einen seiner Kunden nicht zu “scharf rasiert”, da dieser zufällig mit Frau & Kind anwesend ist, geht nicht in ihrer Rechnung auf, erzeugt einfach kein Verständniss für Sweeneys Handeln beim Zuschauer, da es ja nicht zwangsläufig heißen muss dass alle anderen Kunden gegenteilig keine Familien hätten, sondern sie vielleicht einfach nur nicht anwesend waren.

In all diesen Tötungsdelikten wird ein Bild vom Barbier und Mrs. Lovett erzeugt, mit dem sich der Zuschauer einfach nicht mehr identifizieren will, es auch gar nicht kann, weshalb man selbst nicht mehr mitfühlen und mitleiden kann, sondern sogar nur noch Sweeney selbst verabscheut. Während des ganzen Films wird hierbei auf eine Stellungsnahme oder gar Rechtfertigung zum Thema Tötung komplett verzichtet, sie wird aber trotzdem weiterhin andauernd vollzogen. Und dass obwohl der Film Sweeney sogar noch die Chance auf Erkenntnis gibt, er diese auch erblickt aber dennoch nicht ergreift, da er selbst danach noch immer wietermordet.

[Achtung: SPOILER in den ächsten 5 Absätzen!]

Dabei ist es natürlich dann verständlich das wir mit Sweeney nicht wirklich mitfühlen wollen, wenn er zum Schluß bemerkt das er sogar seine eigene Frau (!) selbst getötet hat. Diesen Fehler zu erkennen wäre nun auch gleicchzeitig seine Chance gewesen, auch eventuell einzusehen das die viele Morde nicht gerechtfertigt waren. Aber nein, der Film gibt ihm hierbei keine Chance und es muss auch noch Mrs. Lovett drann glauben! Ganz zum Schluß sogar auch Sweeney selbst, da ihm mit seinem eigenem Rasiermesser die Kehle aufgeschlitzt wurde, durch einen kleinen Jungen welchen Mrs. Lovett einst bei sich aufnahm und der ihr versprach ihr niemals Leid zukommen zu lassen, sie zu beschützen.

Und selbst dies ist moralisch äußerst fragwürdig, wenn auch im ersten Augenblick legitim erscheinend, da es ja auch gleichzeitig hieße, das der Junge trotzdem noch Mrs. Lovett beschützen wolle, obwohl er von den ganz speziellen Fleischpastetenfüllungen wusste! Oder anders formuliert: Obwohl er wusste das Sie Leichen zerstückelt und zu Fleischpastete verarbeitet, also Mrs. Lovett im Endeffekt nicht besser ist als Sweeney der Mörder, will der Junge Sie beschützen, aber gleichzeitig auch Sweeney töten! Also irgendwas scheint nicht mir nicht ganz normal im Kopf des Jungen, was seine Denkensweise und so Stuff angeht.

Und eben aufgrund dieser durchweg moralisch fragwürdigen Characktere versagt natürlich auch das Schlussbild des Films, welches zweifelsohne darauf ausgelegt war, Mitleid beim Zuschauer für Sweeney selbst zu erwecken, was natürlich, wegen besagter nicht vorhandener Moral, einfach nicht klappen kann. Das letzte Bild ist übrigens der einzig wirklich halbwegs charmante Shot, welcher wohl auch wirklich prima funktioniert hätte, wären die Characktere auch nur mit ein Schlückchen mehr Tiefgang, noch nicht einmal unbedingt mit mehr Moral und Anstand, gefüllt worden. Vielleicht wollte es uns Burton ja auch als Tragik an sich verkaufen, aber meines Erachtens nach ist er damit gründlich auf die Fresse gefallen.

Überdies hinaus beinhaltet der Film eine komplett sich im Sande verlaufende Sidestory, welche rückblickend auch schlicht unnütz ist, einfach gar nichts nichts zu den Film beiträgt, ja sogar aufgrund der fehlenden Auflösung noch nichtmal für sich selbst wirklich bestehen könnte. Es handelt sich dabei um die Liebesgeschichte zwischen Johanna und Anthony (Jamie Campbell Bower). Ich meine: Wozu? Was hat uns diese B-Story bitteschön gebracht? Und selbst wenn sie nur als SIDE-Story, also als Auffüllung des ganzen, aber nicht als Erweiterung gedacht war, warum wird sie dann bitteschön nicht aufgelöst sondern allein und komplett offenstehend zurückgelassen? Bis auf eine einzige zwei Szenen ist der komplette Charackter von Anthony nutzlos! Und selbst in diesen einen Szene zwei Szenen wirkt er nur als billige Ausrede!

Zunächst wäre hier das plötzliche Auftreten von Anthony zu nennen, welches Sweeney beim ersten mal daran hindert den Richter Turpin umzubringen. Zum Zweiten sei hier das kurze Aufeinandertreffen von Richter Turpin und Anthony vor Turpins Haus genannt, welches allerdings Burton dazu gedient haben könnte um Rickmans Rolle als sich sorgender Vater zu vertiefen. Aber für diese beiden Szenen, welche auch ganz einfach hätten abgeändert bzw. verlegt werden können, wirklich eine komplette SideLoveStory? Und nun alle zusammen einmal ganz laut und im Chor: WTF? Und es kann doch auch nicht sein das man so etwas, nur reinschreibt um noch schnell ein paar neuen Gesichtern die Chance auf eine Rolle anzubieten? Insbesondere weil diese ja sowieso bei einem solchen Staraufgebot untergehen. Ich verstehe es wirklich nicht…

[SPOILER: Ende]

Und nun zum Tüpfelchen auf dem i! Schauspielerisch ist sogar ebensowenig zu erwarten wie von der Geschichte selbst! Johnny Depp spielt auf kompletter Sparflamme und auch Helena Bonham Carter sticht lediglich durch ein paar wenige, dafür aber dann wirklich nette, Gags hervor! Aber das war es dann auch schon, zumindest von der Hauptrollenseite. Die beiden können wesentlich mehr und haben dies sogar auch schon des öfteren unter Beweis gestellt. Vermutlich mag dies aber auch daran liegen das die gesungenen Dialoge nicht soviel Characterbuilding ermöglichen. Depp allerdings zieht defintiv eine der miesesten Karten, da er den Hauptteil des Filmes nur einen Gesichtsausdruck parat hat, nämlich “Ich will Rache und hasse alle Menschen”. Carter weiß wenigstens noch durch ihre “Crazyness” teilweise zu unterhalten. Mir hätte bei ihrer Auslegung der Rolle noch eine Szene im Fleischpastetenkeller gefehlt, welche Sie bei der Zuberreitung zeigt.

Alan Rickman kommt sogar, witzigerweise ja als eigentlicher Bösewicht der Geschichte angesetzt, im Endeffekt symphatischer davon als Depp oder Carter mit ihren Rollen. Im wurde auch überraschenderweise am meisten Dialog zuteil, wo er sich und seinen Charackter wirklich vertiefen kann, mögliche Ursachen und Beweggründe für seine Figur auflisten kann. Selbstverständlich ist auch Turpin kein Unschuldsengel, aber da wir auch nicht ihm, sondern eben Depp die ganze Zeit beim sinnfreiem Töten zuschauen dürfen, kommt er allein schon deswegen posistiver aus der Affäre als seine oben genannten Schauspielkollegen. Ihm sieht man, neben der Carter, auch am meisten an wieviel Spaß er an der Rolle gehabt haben muss und er erfüllt sie auch zumindest mit solider, wenn auch nur durchschnittlicher, Handwerkskunst.

Kamera- bzw. Schnitt- und Szenentechnisch, hat sich Burton mit den Jahren, natürlich auch aus Kostengründen, immer mehr den CGI-Möglichkeiten zugewandt. Kann nicht gerade behaupten das mir dass persönlich super gefallen würde, aber verstehen kann ich es. Wer einfach derartige Welten auf die Leinwand zaubern will und die Wahl hat, wird früher oder später auch einfach auf den Rechner zurückgreifen müssen, allein weil die Produzenten sonst auf die Barikaden springen würden!

Allerdings hätte man sich auch so einiges bei “Sweeney Todd” wirklich ersparen können, an versofteten und kalt lieblosen Computerbildern, wie z.B. die Opening Credits oder aber die teilweise nur selbstzweckhaften Kamerafahrten durch das düstere London. Ich meine was soll eine lieblos dahingekotze CGI-Kamerafahrt, welche man schon bei den Oscar-Opening-Film von 2006 besser gesehen hat und der man auch in jeder Sekunde ihre Herkunft aus dem Rechner anmerkt, wenn sie doch sowieso keinen geschichtlichen Sinn hat? WTF, die Zweite!

Von dem Score bzw. Musicaleinlagen kann man halten was man will. Bis auf zwei stimmige Szenen, welche auch wohl schon aus dem Trailer bekannt sein dürften, ging für mich das Konzept aber nicht auf. Wie gesagt habe ich persönlich auch das Gefühl, man hätte ruhig noch mehr Dialoge, zum Charackteraufbau mit einbinden können. Und jetzt bitte nicht denken ich habe den Film nur schlecht gefunden weil ich die Musicaleinlagen nicht toll fand oder diese gar evtl. nicht verstanden hätte. Ich wollte dem Film ja nichts böses, ich habe mich versucht auf ihn einzulassen, ich wollte ihn ja sogar aufgrund seiner ungewohnten Musicalerzählweise gut finden, doch die Fehler lagen nunmal ganz woanders. Es tut mir richtig Leid um “Sweeney Todd”, denn der Trailer und die ungewohnte Erzählweise versprachen ja so einiges. Auch die Geschichte hätte sicher viel mehr hergegeben können, wenn man sie nicht so erzählt hätte wie man sie hier nunmal erzählt hat.

Fazit: “Sweeney Todd” ist schlecht! Einfach richtig, richtig schlecht! Nicht so schlecht wie ein “Silent Hill” vielleicht, aber er ist trotzdem richtig schlecht! Er hätte so viel sein können, scheiterte aber letztlich an einer von anscheinend allen Beteiligten lieblosen Herangehensweise und einer moralisch äußerst fragwürdigen Umsetzung.

Es handelt sich ja bei “Sweeney Todd” nicht um eine Gechichte nach waren Begebenheiten, welche man nicht mal eben einfach zugunsten seines Helden kurz hätte verändern können, sondern um ein wages Märchen, schlimmstenfalls um ein Broadway-Musical, welches man auch getrost hätte umschreiben können, wenn dies der, dann zwar eigenständigen aber dafür filmisch vielleicht annehmbareren, Umsetzung zugute gekommen wäre.

Eine Figur wie eben Sweeney Todd muss einfach Identifikationsfläche bieten, darf nicht als sinn- und moralfrei handelndes Monster dargestellt werden, welches dann sogar noch brutaler wirkt als sein eigentliches Racheopfer! Verdammt, sogar “Rambo IV”, nein sogar “Rambo II” und “Rambo III” hatten handwerklich bessere und moralisch zumindest vertretbarere Ansätze als dieser Schund!

Es geht hierbei zwar um eine Rachegeschichte, welche ja per se auf moralisch sowieso schonmal fragwürdige Selbstjustiz setzt und obendrein bei “Sweeney Todd” noch mit makaberen Beigeschmack gefüttert ist, aber muss man die Figuren dabei wirklich derart in die Scheiße reiten, dass kein Arsch sie überhaupt mehr mag? Vorallem nicht wenn man auf ein starkes Ende setzt, Emotionen erzeugen will, Mitleid für seine Figur, so wie es Tim Burton bei Sweeney ja tuet!

Das ein so starker Regiesseur wie eben Burton derartig versagt, das man als Zuschauer seine Figuren derart verabscheut bzw. Sie einem schlichtweg egal sind, bleibt mir unbegreiflich. Ich meine da müssen doch Menschen vor Ort gewesen sein, die irgendwann mal gesagt haben müssen: “Hey wäre da nicht ne andere Lösung besser?”. Ich verstehe das wirklich nicht! Und warum Johnny Depp gerade für diese Rolle mit dem Grammy ausgezeichnet wurde und sogar für den Oscar nominiert, verstehe ich dabei sogar noch weniger. Es kann doch nicht allein von der, vielleicht etwas andersartigen aber trotzdem altbackenen, Idee eines Musicalfilms herrühren, das alle davon so begeistert sind. Ich meine da muss man doch auch ehrlich mal nach dem was von der Rolle, oder gar den Film allgemein, so an Message rüberkommt sprechen. Und das war leider zu wenig, zu kalt und zu oberflächlich.

Und wenn jemand, der den Film gut fand, nun bitteschön erklären würde warum, wäre ich ihm zutiefst dankbar!

Autor: Sven

There will be Blood

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 21.02.2008 von Sven

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Inhalt: Wir schreiben das Jahr 1898 und es ist die Geschichte des gerissenen Goldgräbers Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis), welcher unerwartet in Kalifornien auf eine Ölquelle stößt. Durch seinen Pioniergeist, seinem Charme und seinem guten Gespürsinn fürs Geschäft, gelingt es ihm innerhalb von nur kürzester Zeit ein Millionenimperium aufzubauen. Jeddoch lässt ihn die Gier nach mehr schnell zu einem gewissenlosen Geschäftsmann verrohen, welcher sich innerlich immer weiter selbst zerfrisst. Und als dann noch der vermeintlich einfältige Farmerssohn und Laienprediger Eli Sunday (Paul Dano), Plainview ins Geschäft funken will, beginnt ein nervenzerrender Kampf zwischen zwei ebenso ebenbürdigen wie aber auch kaltherzigen und manipulierenden Kontrahenten, um Öl, Geld uns somit auch grenzenlose Macht!

Kritik: Es beginnt mit einem ziehenden und nervenreibenden Wummern und Wimmern, einem dissonanten Kreischen, das schließlich in eine sirenenartige Tonfolge übergeht, bevor die Leinwand für einen kurzen Moment aufhellt, schließlich den Blick freigibt, auf ein Land das so kurz vor der Schwelle steht, sich für immer zu verändern. “Huston… Wir sind gelandet!” In einem cineastischen Meisterwerk, das seines gleichen sucht!

Paul Thomas Anderson, welcher sich hier sowohl für Regie als auch Drehbuchfassung auszeichnet, hat, lose basierend auf dem Roman “Oil!” aus dem Jahre 1927 von Upton Sinclair, mit seinem “There will be Blood” ein Opus Grande, ein cinephiles Feuerwerk und eine zutiefst zerschmetternde, erschütternde, aber zugleich auch ebenso ehrliche Fahrt in die Abgründe menschlicher Seelen erschaffen, welche den Film und vermutlich auch seinen A-Protagonisten Day-Lewis, wohl (zurecht) auf die Oscarbühne geradezu katapultieren wird.

In den rund 160 Minuten, mit denen “There will be Blood” aufwartet, zeichnet Anderson ein schlicht wahnwitziges und ebenso packendes Psychogramm. Eine zerrende Charackter- und ganz nebenbei auch Gesellschaftsstudie, voller Obession, Gier und Kaltblütigkeit wird uns in Andersons “Jetzt-Schon”-Meisterwerk präsentiert, welche schlicht erschreckend brilliant von Daniel Day-Lewis verkörpert wird. Dieser Mann durchtränkt seinen Charackter förmlich mit einer geradezu unfassbar bebenden Aura, welche man ihm nicht nur einfach glaubhaft abkauft, sondern auch in jeder Sekunde, fast schon plastisch spüren kann!

Sein noch junger Gegenspieler Paul Dano, mir bis dato nur als, in der im direkten Qualitäts-Kontrast nichtmal ansatzweise vergleichbaren Rolle, des “Klitz” von “The Girl next Door” bekannt, weiß ebenso erstaunlich zu agieren und seinem Charackter Eli einfach in jeder Sekunde Glaubhaftigkeit zu verleihen. Zwar siegt hierbei allerdings auch, wie schon bei “1 Mord für 2“, die wahrscheinlich auch altersbedingte Schauspielerfahrung eines Day-Lewis, jeddoch allein schon der wirklich äußerst sicke Kontrast zwischen einer hierzu einfach schlicht lächerlich wirkenden Rolle wie der eines “Klitz” in einer zwar netten aber im Grunde nichtssagenden Teeniekomödie, und der Rolle wie der eines “Eli Sunday”… Meine Fresse, wenn der Junge in dem Tempo weiterhin “gutes schauspielern” lernt wie innerhalb von den 3 kurzen Jahren, dann wird er irgendwann schlicht DER Überschauspieler!

Und auch insgesamt bewies man bei der Rollenbesetzung ein außerordentliche feines und liebevolles Gespür. So ist “There will be Blood” wohl der allererste Film in meinem Leben, wo mir ein Schauspielerkind (Dillon Freasier als Sohnemann und “Geschäftspartner” H.W. Plainview) nicht unentwegt auf die Nüsse ging!

Cinematographisch wartet der Film, wie auch schon “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“, mit ebenso fantastisch liebe- wie auch poesievollen Landschaftsaufnahmen eines Amerika, mitten in der Wendenzeit, Western zur Moderne, auf. Director of Photography Robert Elswit hat es geschafft einige unvergessliche Szenen zu erschaffen, welche sich zumindestens mir, auch wirklich einfach aufgrund ihrer brillianten Optik, in den Schädel gebranntmarkt haben. Bei der, wohl bereits jedermann aus dem Trailer bekannten Ölturmbrandsequenz, vermute ich sogar die Verwendung einiger spezieller lichtempfindlicher Linsen, Filmmaterialien und Optikasystemen, welche hierbei einen nur so vor Charme und gleichzeitig Suspense-Sprühenden Effekt auf die, dabei schon fast ins surreale abdriftende, Szenerie haben. Ganz großes Können und Technickverständniss wurde hiebei anscheinend aufgezogen um einen derart beklemmenden Effekt zu erzeugen, welcher einen schlicht in seinen Bann zieht!

Desweiteren werden auch einige kleinere Kamera und Schnittkniffe, wie z.B. optisch symbolische Verknüpfungen einzelner Szenen durch bestimmte ähnlich wirkende Einstellungen, Geschehnisse und Handlungen, zu- bzw. ineinander angewendet, die ein hübsches Konstrukt der Psycholgie und Arbeitsweise des Films aufzeigen. Aber dies nur am Rande und auch vermutlich nur wirklich wahrnehmbar für Nerds wie mich. ;-)

Auch bei seinem Score geht der Film völlig ungewohnte, ja schon experimentelle Wege. Jonny Greenwood von Radiohead hat die Musik zu “There Will Be Blood” geschrieben , teilweise eigens für den Film komponiert, teilweise aus seinem Album “Popcorn Superhet Receiver” übernommen. Und seine Komposition gehört zum Ungewöhnlichsten, Verstörendsten, in ihrer völligen Durchsichtigkeit, aber auch zum Intelligentesten in ihrer Manipulationsfähigkeit, was wir seit langem im Kino gehört haben. Wenn es etwas klassischer klingt, handelt es sich übrigens um Arvo Pärt. Neben dem, sich hier äußerst viel Zeit für sich selbst nehmenden Anfang, auf dem man sich bei “There will be Blood” als Zuschauer einfach wirklich einlassen muss um den Film mögen zu können, gehört die “Musik” des Film zu den “Wohl nicht jedermanns Geschmack treffenden” Kriterien.

Ich persönlich empfand sie in einigen Szenen als äußerst störend, in anderen wiederrum , wie z.B. jener genannten Ölturmbrandsequenz oder aber auch im Abspann nach dem Film, als äußerst genial gewählt und als besser nicht hätte zutreffend sein können. Jeddoch ist sie dem Zuschauer auch stets bewusst und auch immer stark präsent, sobald sie in Erscheinung tritt, weshalb man sie auch wirklich immer, und sei es nun entweder als treibenden und mitreißenden oder aber eben als nervtötenden aber auf jeden Fall starken, Grandezza einfach kristallklar im Saal wahrnimmt. Die Entscheidung muss dann jeder für sich selbst fällen. Ob genial gewählt oder die Geschichte zerstörend, liegt dann einfach bei euch selbst. Doch allemal muss man dem Score hoch anrechnen das er, wie auch der Film selbst in seiner Erzählart, wirklich neue Wege zu beschreiten versucht.

Diese neuen Wege mögen beim Soundtrack nicht immer ganz ins Schwarze treffen, jeddoch erreicht die Geschichte bzw. der Film an sich, mit seiner aussergewöhnlichen und erfrischenden Erzählstruktur sein Ziel mühelos. Dies aber auch nur sobald man sich als Zuschauer definitiv auch auf den Film einlässt, und das nunmal in all seiner Länge und auch Tiefe. Die komplette, und wie oben bereits erwähnte, auch sehr lange erste Hälfte von “There will be Blood”, dient dem Aufbau, die zweite der Dekonstruktion inklusive Auflösung. So weit, so durchschnittlich, aber was macht die Erzählform von “There will be Blood” so aussergewöhnlich?

Ich habe es am liebsten als wie in einem Spielzeugkasten gesehen: Im ersten Part zeigt uns Anderson all seine “Bauklötze”, präsentiert sie ausufernd, fängt dann gaaaaanz langsam damit an ein “Türmchen” zu bauen. Im zweiten Part stapelt er diese einzelnen “Bauklötze” immer schneller aufeinander und der “Turm” wächst rasant in die Höhe, bis es dann im Unausweichlichen endet, er schließlich im letzten Kapitel einstürzt und zum Schluss liegen dann somit alle “Bauklötze” offen einsehbar vor uns!

Das tolle daran ist die Tatsache das der Turm aus sehr vielen unterschiedlich farbigen Bauklötzen besteht! Insgesamt mögen wir zwar schon viele dieser einzelnen Klötze kennen, jeddoch ergibt sich durch ihre schiere Anzahl und aus dem Prinzip und der Art und Weise wie Anderson die einzelnen Klötze aufeinanderstapelt, etwas gänzlich anderes alls das gewohnte.

Der Film bietet wesentlich mehr als nur ein Drama. Er ist sowohl eine ausgetüftelte Charackterstudie, ein Westerner, ein Dokumentar- und Experimentalfilm, auch hier und dort sogar ein bischen Theater. Und ganz obendrauf ist er überdies auch noch eine höchst aktuelle Gesellschaftsstudie! All diese Plot-Stränge, all diese Genres, werden uns zunächst liebevoll präsentiert, verweben sich immer weiter und tiefer ineinander, bis sie am Ende ein festes Seil ergeben, welches dann aber schlußendlich reißt und uns sein innerstes somit offenbart!

Vielleicht mag man dies noch nicht sofort erkennen, aber spätestens auf dem Nachhauseweg, nach dem Abspann, nachdem die Lichter wieder langsam hochgedimmt sind und man den Saal verlassen hat, kann es doch noch unter Umständen so sein, das dem ein oder anderen, dann doch noch ein kleines Licht aufgeht.

Insgesamt darf man hierbei aber jetzt zum Schluss hin kein rasantes Storytelling oder gar schnelle Action erwarten. Der Film bleibt sich selbst, seiner Geschichte, seiner Zeit in der er spielt und seinen Charackteren, ganz im Gegensatz zu “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford” auch zur Auflösung hin sehr treu, bleibt auch zum Ende hin bedacht ruhig und lieber sicher agierend.

Eben genauso wird auch überhaupt der Kampf der beiden Parteien dargestellt: Es ist bei “There will be Blood” nicht wie bei “1 Mord für 2” ein offenes Gefecht, keine reine Freude der Characktere am Machtspiel an sich, vorhanden! Nein, es ist alles irgendwie ernster, rauher und intensiver, und dadurch eben nicht so offen und voller Energie. Die einzelnen Schritte die getan werden, insbesondere auf Day-Lewis Seite natürlich, wirken gedämpfter, bewusster ausgewählt und dann auch sicherer ausgeführt als wie bei genannten “1 Mord für 2“.

Obwohl ich ganz persönlich trotzdem besagten Film doch noch einen kleinen, minimalen Tick besser finde als dieses ausufernde Epos. Mag vielleicht auch an dem damit verbundenen Unterhaltungswert liegen welchen “There will be Blood” selbstverfreilich bei seiner Thematik nicht so extrem beinhaltet. Aber dies ist nur meine persönliche Meinung und soll keineswegs ein Urteil fällen, über keinen der Filme, ausser natürlich dann für mich selbst.

Und nun wieder zurück zu den einzelnen Interpretations-, Genre- und Plotmöglichkeiten von “There will be Blood”! Der streng christliche Part, verkörpert von Dano, und der durch und durch kapitalistische aber ebenso auch stark familiäre und mit sich selbst ringende Part, verkörpert von Day-Lewis, bieten einige höchst interessante Interpretationsmöglichkeiten zur heutigen Politischen und Religiösen Struktur, insbesondere die der amerikanischen.

Die Geschichte an sich und auch deren Umsetzung, bieten ein episches Westerndrama, welches ein packendes Bild einer ganzen Ära, welche sich mitten im wirtschaftlichen Umschwung befindet, erzeugt. Eingefangen in wunderschönen (schon fast dokumentarischen) Landschaftsaufnahmen wird dies alles dann mithilfe einer sehr erfrischenden und ungewohnten experimentellen Art und Weise dem Zuschauer vermittelt, sowohl erzähltechnisch als auch musikalisch.

Aber ebenso verbirgt sich im Ende des Films, und das ist hierbei wirklich spannend, mit seiner schlußendlichen Moral, seiner für die Geschichte eigenen Billanz des Lebens, dem schlußendlichen Schlußstrich unter allem, auch gleichzeitig ein Versuch, einer wirklich ehrlichen Aussage, über den möglichen Sinn, eben jenes Lebens. Dabei geht es ihm dann längst nicht mehr um Richtig oder Falsch, Geld und Macht, Gier und Obsession, sondern um Akzeptanz und: Die Wahl in ihrer reinsten Form, nämlich der Wahl an sich!

Fazit: “There will be Blood” ist handwerklich überdurchschnittliche Kost, wird Day-Lewis und Anderson vermutlich den Oscar einbringen, bietet eine packende Story, welche eingebetet in fantastische Bilder und verkörpert durch grandiose Schasuspieler, einfach ein Meisterwerk ergibt. Was soll ich sonst noch dazu sagen? Geht rein, lasst euch aber auf den Film mit seiner Länge und seiner Experementierfreude auch ein, damit ihr ihn genießen könnt. Lasst euch Zeit, lasst dem Film seine Zeit. Gebt ihm das was er braucht, eine Chance, und ihr bekommt auch das was ihr wollt, ein cineastisches Meisterwerk! Viel Spaß mit dem Film, wünsche ich euch dabei.

Autor: Sven

Der Nebel

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 22.01.2008 von Sven

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Inhalt: Ein mysteriöser Nebel, der die gesamte Landschaft einhüllt, zwingt die Bewohner einer amerikanischen Kleinstadt, sich in ihrem Supermarkt zu verschanzen. Doch die Mauern können den Schutzsuchenden nur scheinbar Sicherheit bieten. Die Ungewissheit, welche Gefahr in den weißen Schleiern auf sie wartet, zerrt an den Nerven der Zwangsgemeinschaft, schürt Angst und Verzweiflung. Panik macht sich breit, schon bald droht die Grenze zwischen äußerer und innerer Bedrohung zu verschwimmen. Im Angesicht des Todes ist sich jeder selbst der nächste und jeder Nächste wird zum erbitterten Feind… (Pressetext: Senator)

Kritik: Frank Darabonts “Der Nebel”, mit Thomas Jane als David Drayton und Marcia Gay Harden als Mrs. Carmody in den Hauptrollen, stellt wohl neben Kubricks “The Shining”, Brian de Palmas “Carrie”, den Rob Reiner Verfilmungen (z.B. “Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers”) sowie Darabonts eigenen King-Verfilmungen (“The Green Mile”, “Die Verurteilten” und “Vergiftet”) eine der wenigen, ja gar seltenen in Anbetracht der schieren Masse (Es sind über 100 Stück!), der Leinwand auch wirklich würdigen Adaptionen, einer Stephen King Geschichte dar. Allein “Das geheime Fenster” von David Koepp und “Zimmer 1408″ von Mikael Håfström könnte man hierbei noch als “zumindest gelungene” Filmversion verstehen, doch entfalten auch diese beiden King’schen Verfilmungen, nicht ein solches Potenzial wie eben oben genannte Filme.

Denn Darabont lässt die gleichnamige Kurzgeschichte “The Mist”, welche erstmals 1985 in der Sammlung “Im Morgengrauen” erschien, nicht wie viele seiner Regiekollegen es bei King-Adaptionen schon so oft taten, zu einer reinen Grusel- bzw. Horrorgeschichte verkommen, sondern hatte bereits schon bei seinen früheren Werken erkannt, dass die Kraft eines King-Stoffes, nicht in den Monstern oder dem Horror an sich liegt, sondern in den Charakteren und deren Verhaltensweisen bei einer Bedrohung von Aussen auf ihre eigene, behütete und sicher geglaubte Welt.

Im Großen und Ganzen hat sich an dieser Herangehensweise des Regiesseurs auch bei “The Mist” nichts verändert, denn was uns in diesem Film geliefert wird, ist weniger ein Horror-, Grusel- oder gar ein Splattermovie, sondern eine geschickte Gesellschafts- und Klassenstudie, welche versucht den Mensch als Wesen an sich, sowohl im einzelnen und auch ganz speziell in der Masse, zu beschreiben, mit all seinen Verhaltens- und Vorgehensweisen, Emotionen, Reaktionen und Handlungen unter bestimmten Situationsbedingungen und den darauf folgenden Konsequenzen auf ihr Leben, ihre weiteren Aktionen und ihre Denkensweisen. Mein Gott, was für ein Satz…

Doch zurück zum Film: Natürlich werden aber auch einige blutdurchtränkte Szenen gezeigt, so das selbst ein Gore-Fan auf seine Kosten kommen dürfte. Leute verbrennen bei lebendigen Leibe, es werden ihnen ganze Fleischbrocken mit Reiß-Tentakeln aus ihrem Körper herausgefetzt und sie werden von riesigen Monstern mit Hummer-Ähnlichen Scherenhänden in kleine Stücke zerhackstückelt, so dass es nur so spritzt und trieft! Allerdings, wird wohl die breite Masse es trotzdem nicht schaffen, sich auf diesen Film richtig einlassen zu können.

Den, wie bereits gesagt, “Der Nebel” dient keinem eigentlichen Horror- bzw. Splattereffekt, sondern stellt, wie z.B. auch bei “Dawn of the Dead” die Zombies es tuen (Und ich meine hierbei das Original von George A. Romero) eine Bedrohung für eine kleine Gruppe von Menschen dar, welche aus ihrer sicher geglaubten Welt herausgerissen wurden und unter völlig neuen, für sie komplett fremden und damit ebenso bedrohenden Bedingungen, sich ihren Weg suchen muss. Romero erschuf mit seinem blutigen Meisterwerk aus dem Jahre 1978, eine perfekte Allegorie auf die Konsumgesellschaft von damals und traf damit genau den Nerv der Zeit, was im übrigen dann eine, bis in die Mitte der Achtziger Jahre anhaltende, Zombiefilmwelle nach sich ziehen sollte.

Romero benutze für seine Gesellschaftskritik keine ausgeklügelten Charaktere sondern besann sich auf realtiv oberflächliche Stereotypen ohne viel Tiefgang. Mit diesen 08/15 Charakteren schaffte er einen, wenn auch nur minimalen, Identifikatonspunkt für einfach Jedermann! Der Zuschauer sollte sich allerdings bei “Dawn of the Dead”, im speziellen, auch weniger mit den Protagonisten indetifizieren können, als mehr das Kammerspiel im Einkaufszentrum bewusst “einfach nur von oben zu beobachten”. Und “The Mist” versucht es ebenfalls mit genau dieser simplen Taktik. Doch ging bei Romero diese Rechnung noch vollends auf, so wirft selbrige dem “Nebel” leider zum Ende einen ganz gewaltigen Felsbrocken in den Weg, welcher dem Film dann leider einen zutiefst unglücklichen Schwachpunkt verpasst. Man könnte sagen: Der Film stellt sich an dieser Stelle selbst ein Bein!

[Spoiler in den nächsten 6 Absätzen!]

Denn die ersten 3 Viertel des Films funktioniert dieses System, denn hier befinden wir uns immernoch mit der Kamera im Supermarkt und dürfen angespannt beobachten, wie Mrs. Carmody innerhalb der Gruppe immer mehr Anhänger für ihr Religions-Geschwurbel finden kann. Dieser Teil des Films zeigt die wirklich extrem realistische und dadurch auch beängstigende Gesellschaftsstudie, und der Zuschauer bekommt (Trotz… Nein sogar genau wegen besagter minimaler Charaktertiefe!) anhand dieser Szenen viele Wahrheiten über das nur allzu menschliche und gleichzeitig auch grausame Verhalten in Notsituation und über Gruppendynamik im allgemeinen vorgeführt. Hierbei dienen die Standart- bzw. Sterotypen Characters sogar der Story da Sie jede gesellschaftliche Randgruppe beinhalten ohne mit zu vielen Nuancen innerhalb eines einzelnen Charakters, sich zu spezialisieren! Jede Gruppe, jede Schicht ist in der Mini-Gesellschaft im Supermarkt vorhanden!

Doch irgendwann, als sich die Situation im Supermarkt in Extreme veräußert, fliehen unsere 5 Protagonisten in einem Jeep. Sie versuchen so weit zu fahren wie Sie es mit dem halbvollen Tank schaffen können, um dem Nebel zu entkommen. Die komplette Auflösung des wirklich fantastisch genialen, ja wirklich grandiosen und vollkommen untypischen Ende sei an dieser Stelle nicht verraten. Jeddoch soll gesagt sein das eben jenes Ende, dadurch das es vorher zu keiner wirklichen Charakterbildung gekommen ist, leider NULL Emotionen erzeugt. Nun werdet ihr sagen dass so etwas wie “Emotionen” in einem “Horrorfilm” nicht vorkommen brauchen, doch werde ich euch wiederrum antworten: A) Das “Der Nebel” wesentlich mehr ist als nur “ein Horrorfilm”, und B) Dieses wirklich fantastische Ende geradezu nach Emotionen schreit!!!

Thomas Jane spielt sich in dieser Szenen geradezu einen Wolf weil er, ebenso wie vermutlich auch Darabont als Regiesseur, um dieses Meisterwerk an Filmkunst weiß, jeddoch nützt all die Genialität des Plottwists und all die schauspielerische Glanzleistung rein GAR NICHTS, wenn man die kompletten 128 Minuten zuvor keine, auch nur halbwegs brauchbare, Charaktertiefe erschaffen hat.

Versteht mich nicht falsch: Der Film braucht in den ersten 3 Vierteln seiner Laufzeit genannte Charaktertiefe auch überhaupt nicht, er braucht ganz im Gegensatz sogar diese Sterotypen um einfach auch wirklich funktionieren zu können, was er ja auch in den ersten 3 Viertel wirklich fantastisch tuet! Jeddoch setzt das wirklich spezielle, äußerst geniale Ende einfach eine wesentlich stärkere Charaktertiefe vorraus, um halt ebenso fantastisch wirken zu können wie der Rest des Films.

Und dabei bleibt dieser, wohlgemerkt zwar einzige, aber dafür eben, auch wohlgemerkt extrem hart zu Buche schlagende Schwachpunkt von “The Mist” auch noch so komplett unverständlich! Denn der Film mit seinen rund 2 Stunden!!! Laufzeit hätte genügend, wirklich genügend, zwar gutes aber im Endeffekt auch sinnloses, Material gehabt, welches einfach hätte gekürzt und mit Character-Building ersetzt werden können! Als Beispiel sei hier nur mal die Vorgschichte mit dem Nachbarn gennant bzw. der Rechtsstreik! Oder aber man hätte vieles Kürzen können um dann die Autofahrt zu verlängern! Das gesamte Character-Building hätte man dann auf besagte Fahrt verlegen können!

Und das Darabon dieses, also Charaktertiefe kreieren, nicht schaffen könnte, glaubt man ihm spätestens seit “The Green Mile” auch nicht mehr, und dass es an Thomas Janes Schauspielfähigkeiten liegen würde glaubt man dann eben genauso wenig, wenn man ihn erst einmal hat spielen sehen, in eben besagter Schlussszene! Wenn ihr den Film selber gesehen habt, so denke ich werdet ihr mich in diesem Punkt zumindest im Ansatz besser verstehen, vielleicht sogar meiner Meinung sein bzw. diese mit mir teilen können!

[Spoiler: Ende!]

Filmtechnisch ist “Der Nebel” relativ konsequent und minimalistisch gehalten. Die Geschichte rund um das kleine Städtchen mit dem Namen (Wie in allen King Geschichten.) “Maine” wurde vom Kameramann Ronn Schmidt in durchgehend rauen und sehr Grobkörnigen, mit viel Düsternis aber auch gleichzeit viel Charme durchtränkten Bildern eingefangen welche sehr wohl ein großartiges Kino- und gleichzeitig Suspensefeeling erzeugen. Gewagte Kamermoves sind bei “Der Nebel” (Gott sei Dank) nicht zu erwarten und der komplette Film bietet durchgehend Sujets und Einstellungen aus der OldSchool!

Aufgrund seines niedrigen Budgets von gerade einmal 18 Millionen $ setzt der Film natürlich keine Maßstäbe was die CG-Effekte der Monster angeht. Für eine US-Fernsehproduktion mittleren Ausmaßes würden die Flatterviecher gerade noch durchgehen aber auf der großen Leinwand merkt man ihnen in wirklich fast jeder Szene die Herkunft aus dem Rechner an! Allerdings wissen ihre fantastischen Designs, welche auf Comic-Legende Bernie Wrightson zurückzuführen sind, vollends zu überzeugen und wenn nachher die Monster nurnoch schemenhaft im Nebel herumtrollen wirken sie auch nicht mehr ganz so billig!

Schauspielerisch ist ebenfalls nicht allzuviel zu erwarten, was aber wie bereits geschildert EIN-DEUTIG an den Stereotypen Chatrakteren liegt und NICHT! etwa an den Schauspielern selbst!!! Bitte also nicht falsch verstehen!

Jeddoch wissen fast alle Beteiligten trotz dieser beengten Charaktere so etwas wie Charme und sogar ansatzweise Leben in ihre Rollen hineinzubringen. Und allein deswegen kann man ihre Leistungen einfach nur hochloben. Insbesondere Thomas Jane (Insbesondere!!! im Schluss des Films einfach nur grandios!!!) und Marcia G. Harden in den Hauptrollen, aber auch Toby Jones als Supermarkt-Angestellter Oliver Weeks und Laurie Holden als weibliche Nebenrolle wissen zwar um ihre schwache Ausgangssituation, zaubern aber dennoch ein wenig Stärke und vorallem Glaubhaftigkeit in ihre Rollen!

Fazit: “Der Nebel” ist weitaus mehr als nur ein typischer Horrorfilm. Er zeichnet sich durch seinen perfekten Anfangs- und Mittelteil aus, welcher ein fantastisches Gruppen- und Gesellschaftsbild erzeugt, das schlicht “beängstigend real” ist. Leider gibts es einen sehr starken Punktabzug, für das zwar Storytechnisch geniale Ende, welches allerdings dann sehr stark unter der, einfach unverständlich für diese Szene, schwachen Charakterbildung leiden muss! Der Film dürfte dennoch ziemlich überraschen und vorallem im Kino für sehr viel Unterhaltung und Suspense sorgen! Vorallem ist es ein Film der die Zuschauer als Masse selbst ziemlich beeinflusst, was z.B. das Verhalten wie Klatschen, Buh-Rufen und Lachen im Saal angeht. Aber dies kann man dann auch nur im Kino selbst erleben.

Also: REIN-GE-HEN Leute, SO-FORT!!!

Autor: Sven

Berlin am Meer

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 20.01.2008 von Sven

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Inhalt: Tom (Robert Stadlober) und Malte (Axel Schreiber) sind Freunde – sie machen zusammen Musik, legen als DJs in Berliner Clubs auf, träumen von der gemeinsamen Karriere, feiern bis zum Umfallen, kellnern bei einem Catering-Service und sind doch ganz unterschiedlich: Tom hadert mit sich, seinem Leben und der Zukunft. Denn eigentlich gibt es für ihn nur eine große Leidenschaft: Musik. Doch auf seine Versuche, sich einen Studienplatz an einer angesehenen Musikhochschule zu sichern, hagelte es bisher nur Absagen. Als eines Tages Mavie (Anna Brüggemann), Mitschs “kleine” Schwester aus München, in der Berliner WG einzieht, beginnt für Tom die große Gefühlsachterbahn.

Der Draufgänger Malte hingegen scheint das Glück für sich gepachtet zu haben: Alles, was er anfasst, gelingt. Er bekommt sofort einen Platz an der Musikhochschule, ein Plattenlabel nimmt ihn unter Vertrag und auch Mavie scheint seinem Charme zu erliegen, obwohl sie eigentlich an Tom interessiert ist. Da sieht Tom keinen anderen Ausweg als die Flucht, raus aus der Stadt, rein in ein anderes Leben.

Seine Freunde versuchen ihn aufzuhalten, aber auch sie wissen: Tom muss diese Entscheidung selbst treffen, wenn er nicht ewig seinem Glück im Wege stehen will. Jetzt wird sich zeigen, ob alle Geschichten am Ende Liebesgeschichten sind. Und ob es überhaupt wichtig ist, wie sie ausgehen? (Pressetext: Warner)

Kritik: “Berlin am Meer” lebt durch seine Charaktere und deren Konstellation unter- bzw. zueinander aber nicht von seiner Geschichte ansich! Regiesseur und Drehbuchautor Wolfgang Eissler kreierte mit diesem Film eine lustig, unterhaltsame, insgesamt nie wirklich tiefer gehende, aber dennoch sehr menschliche Jugend- und Liebeskomödie, welche zwar für kein allzu großes, aber dennoch sehr unterhaltsames Kinovergnügen sorgen kann.

Der Film will dabei niemals wirklich mehr sein, alls er es auch einfach ist. Die Geschichte rund um eine Berliner Studenten-WG und deren Probleme betreffend Liebe, Freundschaft und Familie sowie Uni, werden praktisch über den gesamten Film in einem sehr einfachen, oftmals stark romatisiert jugendlichen und dabei auch fast immer humoristischen Grundton erzählt. Einige spezielle Szenen jeddoch stechen hierbei aber auch wiederrum sehr ernsthaft und als zutiefst menschlich hervor, wissen mit ihrem plötzlichen Aufteten somit auch den Zuschauer eiskalt zu packen und ihn einfach mitfühlen zu lassen. Wenn Toms Welt gehn Ende des Films in einem Scherbenhaufen liegt, sich eine schiere Masse von Problemen angehäuft hat und als zutiefst leichtsinnige und unangehnehme Spitze dessen, auch noch ein sexueller Fehltritt folgt, weiß die Geschichte spätestens an diesem Zeitpunkt allemal zu überzeugen und den Zuschauer ernsthaft zu vermitteln, dass es nun für die Charaktere nicht schlimmer hätte kommen können.

Andere Verwirrungen und Intrigen wiederrum erscheinen leider aber auch teilweise ziemlich banal und fast sogar schon belanglos. So wirkt streckenweise die Welt rund um Tom mit all seinen Freunden, seiner Musik, den Partys und den Drogen schon fast ein wenig zu snobiistisch, zu “Upperclass” und einfach auch zu unwichtig als das sie im realen Leben wirklich von belang wäre. Allerdings muss man hierbei auch zunächst einmal beachten, dass sich die Welt eines (wohlgemerkt) “Jugendlichen“, ja auch oftmals nicht um wirklich viel mehr dreht als Freunde, Liebeleien und Partys.

Und jeder der selber einmal jung war dürfte somit auch genügend Identifikationmaterial serviert bekommen um sich von der seichten, ja schon fast Soap-Artigen, aber immer liebevoll erzählten und sogar mit ein paar starken Szenen gespickten, Geschichte für knapp 100 Minuten entführen lassen zu können.

Natürlich sollte man dabei von der streckenweise sehr konstruiert wirkenden, ja sogar teilweise auch stark klischeebeladenen Geschichte rund um die Liebeleien und Probleme einiger Berliner Studenten nicht allzu viel erwarten, und sich dabei bitteschön auch nicht von einem Kitschdurchtränkten “Happy End” überraschen lassen, denn ein solches muss bei einen Film wie diesen auch einfach folgen. Denn “Berlin am Meer” vertritt auch keine Message, will auch niemanden überraschen oder gar eine besondere Botschaft and die Welt mitteilen, sondern er will lediglich ein wenig in seiner eigenen Jugend- und Großstadtromantik schwelgen.

Und natürlich wirkt bei “Berlin am Meer” alles schon fast zu “Berlinisch” und nach “zu perfekter Jugend”, allerdings will der Film auch kein realistisches, sondern einfach ein liebevolles, dafür aber auch relativ simples, Bild einer kleinen Gruppe von Individuen skizzieren, die nunmal in ihren ganz eigenen Universum, mit ihren ganz eigenen Problemen lebt! Der Film besitzt gerade auch dadurch, dass er mit genau dieser Einstellung so ungemein offen umgeht und seine Geschichte sehr locker und immer mit viel Freude erzählt, eine wirkliche Stärke die ihn eindeutig über einige andere Filme seines Genres stellt.

Optisch wird die Erzählung vom Regiesseur Eissler, welcher seine Wurzeln in der Werbespot und Musikvideobranche hat, mit einigen wirklich pfiffigen und stehts unterhaltsamen Gimmicks und Effekten, liebevoll unterstrichen. So zum Beispiel wenn der Vollmond im Hintergrund in Scherben zerbricht und vom Himmel fällt, wärend ja praktisch auch genau das gleiche gerade mit Toms Leben passiert. Oder aber wenn Tom sich zum ersten Mal mit Mavie in einer Disco unterhält und die Aufnahme plötzlich ins Schwarz/Weiße wechselt, sich der Umgebungston vollkommen abdämpft, Bildstreifen und Fehler eingefügt, und Mavies und Toms Stimmen hervorgehoben werden, sich der Film somit auch ein wenig in Nostalgie und “Casablanca” übt.

Schauspielerisch ist bei “Berlin am Meer” zwar keine Glanzleistung zu erwarten, aber alle Beiteiligten liegen mit ihren Darstellungen trotzdem immernoch gut über den Durchschnitt. Insbesondere Anna Brüggemann als Mavie liefert mit ihrer Rolle einige wirklich nette Momente ab, und weiß gekonnt den Umschwung von der “Münchner Zicke” zur liebevollen Freundin zu schaffen. Robert Stadlober spielt die, wie man bei vielen Artikeln auch nachlesen kann, für ihn anscheinend sehr typische Rolle des gutmütigen, eher unsicheren und auch ziemlich sensiblen Studenten, der gerne in seine eigene romantisierte Welt einkehrt. Dies tut er zwar überzeugend, aber nicht gerade herausragend, dennoch ausrreichend für eine solche Geschichte wie eben jene von “Berlin am Meer”

Fazit: “Berlin am Meer” ist eine sehr seichte und leichte, aber auch ebenso liebevoll inszenierte Großstadt- und Jugend/Liebeskömödie, welche zudem einen wirklich netten Rhytmus und auch einige, sowohl schauspielerisch als auch effektteschnisch, wirklich hübsch ansehnliche Szenen beinhaltet und keineswegs Standartkost in ihren Genre darstellt. Natürlich wird der Film niemanden wirklich überraschen, aber zumindest wird er angenehm unterhalten können, solange man sich dabei aber auch einfach auf die Geschichte mit ihren nunmal relativ typischen Plot-Kernelementen einlässt.

Autor: Sven

Astronaut Farmer

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 03.01.2008 von Sven

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Inhalt: Ein Mann reitet in voller Astronautenmontur durch die Wüste – willkommen auf der Ranch der Familie Farmer, wo alle ein bischen weltraumverrückt sind. Die Mädchen wollen ihre Pfannkuchen in Planetenform, der Sohn tüftelt an Antriebsmodulen und der Vater, einst im amerikanischen Raumfahrtsprogramm als Astronaut ausgebildet, träumt davon, das damals Versäumte nachzuholen. Seit Jahren baut er in der Scheune an einer riesigen Titan-Rakete, mit der er einmal zur Erdumrundung starten möchte. (Pressetext: Warner)

Kritik: Zunächst: Würde ich jetzt zum ersten mal von “Astronaut Farmer” durch den obrigen Pressetext hören, ich würde den Teufel tuen und mir diesen Film anschauen. Also verlasst euch lieber nicht auf die obrige offizielle Inhaltsangabe sonder entweder auf den etwas stimmigeren Trailer oder aber, noch besser, auf diese Kritik!

So, wo fangen wir an? Achja…

Die Thematik des Films dreht sich in “Astronaut Farmer”, so wie es vermutlich jeder der den Trailer schon gesehen hat, auch vermuten mag, hauptsächlich um einen, zwar neu interpretierten aber im Kern immernoch, schon häufig gesehenen und uralten Plotkey: Den “American Dream”.

War dieser Plot-Core bei z.B. “Scarface” von De Palma noch speziell auf die Schattenseite der Gesellschaft verlegt und mit diversen neuen Facetten versehen, bei “American Beauty” von Sam Mendes und mit Kevin Spacey mit starker aber dennoch leicht verdaulicher Gesellschaftskritik und der, ebenfalls uramerikanischen Thematik des “Freedom” verziert, und bei “Easy Rider” schon fast damit durchtränkt worden, so interpretieren die Gebrüder Michael und Mark Polish ihrerseits in “Astronaut Farmer” den “Amerian Dream” mit einer weiteren, ebenfalls sehr amerikanischen Plotte: Der Raumfahrt!

Den Traum von den Sternen, welcher natürlich ebenfalls eine starke Metapher für die “unendliche” Freiheit bietet und auch nachher in genannten Film darstellt. Gepaart mit ein wenig Humor, geradliniger Regiearbeit und nicht zuletzt einer nicht allzu tiefgreifenden Story also ein alles-in-allem stimmiges Packet, welches wohl für ein unterhaltsames aber schnell wieder vergessenes Kino-, oder DVD-Vergnügen sorgen dürfte, dies möchte man zumindest meinen.

Zunächst mag man bei “Astronaut Farmer” auch eben genau das serviert bekommen: Die Familie Farmer wird präsentiert, eine verständnissvolle Frau (Virginia Madsen, großartig in dieser Rolle), die zwei kleinen Töchter Stanley und Sunshine Farmer (die beiden werden von Jasper und Logan Polish, den Kindern von Regiesseur Michael Polish “verkörpert” bzw. “dargestellt”), der 15-Jährige Sohn Shephard (Max Thieriot) und natürlich Vater Charles (Billy Bob Thornton) der wirklich in sein Scheune seit Jahren an einer eigenen Rakete bastelt.

Alles erscheint hier teilweise sogar schon fast zu perfekt, zu traumhaft, ja einfach schon fast zu unrealitisch, zu Hollywood-Typisch, zu Amerikanisch! Die Ranch der Familie Farmer, der starke Familienzusammenhalt, ein durch und durch perfektes Bild einer perfekten amerikanischen Familie, die einen ebenso perfekten Traum leben wollen.

Sogar das verschlafene Nest in Texas, wo unsere Geschichte angesiedelt ist, hat etwas traumhaftes. Auch werden hier spürbar kritische Elemente nicht so effektiv genutzt wie man sie hätte nutzen können bzw. wie man es vermutet hätte, denn die Bewohner des Stätdchen erklären zwar die Familie Farmer für “verrückt”, aber sind unterm Strich doch größtenteils durch-und-durch alles Gutmenschen die niemals ein wirklich böses Wort über einer ihrer Mitbürger verlieren würden. Sogar die örtliche Bank gewährt zunächst jeden Kredit den Charles Farmer beantragt um seine Rakete bauen zu können. Man könnte also meinen: Typisch Amerikanisch, Typisch Traumhaft, Typisch Perfekt und bloß nicht kritisch.

Doch als sich das Blatt wendet, die Bank die Ranch und das Vieh der Farmers pfänden will und zu allen Überfluss auch noch die Regierung von der “Rakete” Wind bekommt und Charles und seine Familie unter genauster Beobachtung gestellt wird bzw. als “nationales Sicherheitsrisiko” eingestuft wird, dreht sich auch gleichzeitig, schleichend aber konsequent, die Geschichte und vorallem die Sichtweise von “Astronaut Farmer”.

Die Polish-Gebrüder wechseln nämlich nun ihre Sicht auf die Familie Farmer selbst. Es fallen auch einige, zwar leicht verdaulich wirkende aber dennoch, subtil sehr tiefgehende Kritikpunkte zur amerikanischen Regierung und ihrer Sichtweise auf das amerikanische Volk nach 9/11, an. Ebenso wird mit der “Commercial-Culture” von Amerika verfahren, wenn z.B. Charles sich auf die Suche nach Sponsoren begibt. Ein letzter Kritikpunkt den “Astronaut Farmer” thematisiert, wäre hierbei schließlich noch die “Mediengeilheit” vom amerikanischen Volk bzw. dessen Auswirkungen auf eben jenes. Allerdings wird letzteres nur sehr schwach im Gegensatz zu den anderen Kritikpunkten angeschnitten.

Auch bekommt man einen ziemlich unterhaltsamen und überraschenden Gastauftritt zu sehen der ein paar wenige versteckte Hinweise und nette Anspielungen beinhaltet, aber näheres sei an dieser Stelle mal nicht verraten.

Obendrein fallen auch noch einige nette Anlehnungen an andere Filme wie z.B. “E.T.”, “The Right Stuff” oder “Armageddon” auf, die den Film sogar erzählerisch dienen können und nicht wie sonst meistens bei Anlehnungen oder Hommagen üblich, für sich selbst bzw. den jeweilig dann ja zu kommentierenden Film stehen.

So sehen wir die Ankunft des FBI’s durch eine ähnliche Szene wie in “E.T.” die Ankunft der Regierung in ihren Schutzanzügen, welche dann ja in “E.T.” selbst wie “Aliens” auszuschauen zu vermögen. Somit wird in dieser Szene durch simple aber wirkungsvolle Kamera- und Beleuchtungsarbeit der Spieß umgedreht: Denn E.T. ist hier nicht die Gefahr für das Volk, sondern die Regierung bildet die Gefahr für die freundschaftliche und schon fast familäre Beziehung zwischen Elliot und E.T.! Diese Hommage erzeugt also ein wirklich intensives Gefühl von einer Bedrohung für den familären Zusammenhalt bzw. die Familie an sich, was spätestens zu diesen Zeitpunkt auch für “Astronaut Farmer” enorm wichtig wird.

Denn von nun an werden Charles und seinen Traum von allen Seiten Steine in den Weg gelegt, seiner Familie, insbesondere seiner Frau, stark zugesetzt und der Film wechselt seine anfänglich eher humoristische und traumhafte Sichtweise auf das Thema “American Dream” zu einer zutiefst menschlichen und liebevoll inzenierten Sicht auf das Thema “Familie”. Hierbei sind noch so einige Übreraschungen im Drehbuch versteckt mit denen der Zuschauer vermutlich nicht rechnen wird und von denen er vermutlich auch seine ganze Intensität erst sehr spät im Film merken wird.

Diese menschliche Geschichte, um Liebe, Vertrauen und Zusammenhalt steht dann auch letztendlich im Mittelpunkt, und so handhabt es der Film auch selbst irgendwann. Wurde zu Anfang noch auf einige nette Landschaftsaufnahmen gesetzt und auf Totale-Einstellungen welche z.B. die ganze Familie in einer Einstellung präsentieren, so werden die Einstellungen immer intimer und persönlicher, nähere Close-Up’s und nur noch wenige Totalen kommen zum Zuge. Es wird nach und nach auch wesentlich stärker auf Licht und Schattenspiele gesetzt, sprich der Beleuchtung, die ebenfalls einige tolle Momente zu erzeugen weiß.

Optisch also wurde bei den “Astronaut Farmer”, einerseits vermutlich auch wegen des anscheinend nicht allzu hohen (Für Hollywood-Verhältnisse!) Budgets, andererseits aber auch, wegen der Geschichte selbst auf Spielereien und Gimmicks mit der Kamera verzichtet, solides Handwerk abgeliefert und sich schließlich auch ganz auf die eigentliche Story konzentriert.

Einziges Manko bilden dabei die, dann leider unrund, ja fast lieblos wirkenden, CG-Effekte der Rakete, welche aber wohl auch auf das in Anführungszeichen “niedrigere” Budget zurückzuführen sind. Vermutlich wurde hier einfach an der einen Stelle eingespart und dafür an anderer Stelle gut investiert. Und wieder sei hier der Gastauftritt genannt, aber ebenso auch die Sets und die Beleuchtung.

Erwähnenswert wäre bei der Kameraarbeit übrigens noch die Tatsache das die Polish-Gebrüder hier wirklich sehr psychologisch vorgegangen sind, denn man sieht z.B. keine einzige Aufnahme des Weltalls, wenn z.B.Thornton als Charles Farmer des öfteren in den Himmel aufschaut oder dergleichen. Diese Aufnahmen auf die der Zuschauer natürlich schon fest, erzeugt durch das Hollywood-Typische Klischee, rechnet z.B. wenn sich oben genanntes Szenario abspielt, behalten sich Michael und Mark Polish bis zu einen, für die Geschichte sehr wichtigen und durch diese Taktik sehr intensiv wirkenden Moment auf, wo genannte Aufnahme dann dadurch wesentlich mehr Spannung und Emotion erzeugt, als hätte man Sie schon irgendwann vorher verwendet.

Letzter Punkt: Schauspielerisch präsentieren sich alle vorhandenen Main-Characktere stabil bis leicht über Durchschnitt. Aber allen voran liefert Virginia Madsen hier, neben Billy Bob Thornton der diesmal eher zurückhaltent, aber dennoch der Geschichte gerecht werdent agiert, einfach eine fantastische Familienmutter ab. Die Kinder wirken passend, haben allerdings auch, verständlich zumindest bei den Töchtern, nicht so stark ausgefeilte Rollen. So… Fertig! Naja… Fast…

Fazit: “Astronaut Farmer” wartet mit einer sehr liebevoll umgesetzten sowie ebenso starken Thematik auf, und dass ist dabei nur periphär der Plot um den “American Dream” wie man anfangs denken mag. Denn vielmehr geht es dem Film um sein eigentliches Thema, nämlich “Familie”.

Zwar wirkt der Film streckenweise sehr oberflächlich, doch entfaltet er durch eine sehr subtile kaum spürbare und fast hintergründig laufende Erzählart eine enorme Intensität, mit der man wohl nicht rechnen würde als Zuschauer. “Astronaut Farmer” braucht nicht zwingend eine große Leinwand, da er optisch eher handwerklich stabile Standartkost bieten kann und seine eigentliche Kraft vielmehr in der Story liegt.

Wenn nicht im Kino dann zumindest auf DVD anschauen. Diese Kritik war übrigens echt schwierig zu schreiben weil ich natürlich nichts vorweg nehmen will und der Film euch überraschen soll. Und allein wegen meiner Bemühungen diesseits solltet ihr den Film irgendwann mal anschauen. Musste mich hier echt zusammenreissen Leute, also….

Autor: Sven

[edit] Und: Ja… Ich habe weinen müssen bei diesen Film…

1 Mord für 2

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 03.01.2008 von Sven

1 Mord für 2

1 Mord für 2

Inhalt: Millionär und Krimiautor Andrew Wyke (Michael Caine) erhält Besuch von dem jungen, attraktiven, aber erfolglosen Schauspieler Milo Tindle (Jude Law). Dieser ist in Wykes Frau verliebt und will den exentrischen Schriftsteller zur Scheidung überreden. Doch bevor Wykes einwilligt, schlägt er Milo ein kriminelles, aber vielversprechendes Geschäft vor. Der mittellose Milo geht auf den Deal ein, und ein intelligentes Psychoduell beginnt, in dem beide nach und nach ihr wahres, sadistisches Ich offenbaren. (Pressetext: Concorde)

Kritik: Als Vorlage zum oben geschilderten Szenario, diente dem Drehbuchautor (und ganz nebenbei auch Nobelpreisträger) Harold Pinter hierbei Anthony Shaffer’s gleichnamiges Theaterstück “Sleuth” (DT: “1 Mord für 2″, OT: “Sleuth”) von 1971, welches bereits ein Jahr später (1972) schon einmal verfilmt worden war. Damals unter dem deutschen Titel “Mord mit kleinen Fehlern” aber bereits ebenfalls mit Michael Caine in einer Hauptrolle. Anno dazumal spielte Caine allerdings selbst den jungen Liebhaber Tindle und Laurence Oliver, welcher das Theaterstück ein Jahr zuvor noch selbst als “a piece of piss” bezeichnet hatte, übernahm damals die Rolle des Millionärs.

Und bereits 1972 wusste das clevere und spannende Kammerspiel sowohl bei Publikum als auch Kritikern zu zünden. So wurde Joseph L. Mankiewicz’s letzter Film von der Academy dann 1973 für 4 Oscars nominiert und bekam weitere 3 Nominierungen bei den Golden Globes. Allerdings sollte es nur bei den genannten Nominierungen bleiben und die begehrten Goldfigürchen letztendlich doch an anderen Kanidaten gehen. Und das hier zu besprechende Remake von Regiesseur Kenneth Branagh erhielt ebenfalls schon Aufmersamkeit, und davon nicht gerade wenig. So überschlagen sich die Kritiker, bis auf wenige Ausnahmen, der Film wurde ein “hochkarätiger Wettbewerbsbeitrag der Filmfestspiele Venedig” und die Filmbewertungsstelle (FBW) gab dem Film auch schon das Prädikat “Besonders wertvoll“.

Und… Diese Euphorie ist auch komplett nachvollziehbar! Denn “1 Mord für 2″ weiß auf ganzer Linie zu überzeugen. Zunächst einmal: Beide, sowohl Jude Law, welcher ja persönlich nicht gerade zu meinen Lieblingen gehört, als auch (natürlich) der zweifacher Oscarpreisträger Michael Caine, spielen sich in diesen Meisterwerk einfach gegenseitig einen Wolf. Sowohl Caine als auch Law, geben in “1 Mord für 2″ einfach alles, erblühen vollends in ihren schauspielerischen Können und spielen sich somit fast gegenseitig an die Wand. Ich sage “fast”, denn selbstverständlich ist es aber auch Caine, welcher, wäre es ein Boxkampf, als klarer Sieger nach Punkten aus dem Ring steigen würde. Dieser Mann schafft es, nicht zuletzt auch einfach aufgrund seiner jahrelangen Erfahrungen, einfach wie kein anderer mit nur einer Mine gleich mehrere Gefühle gleichzeitig zu erzeugen.

Dies wird natürlich auch durch die Rollen selbst bestärkt. Caine ist mit der Rolle des Wyke der wesentlich “ruhigere” und auch “weisere”, “erfahrenere” Pol im Doppel, wohingegen Tindle sehr “naiv” und natürlich auch “jugendlicher” und “leichtsinniger” gezeichnet wurde. Dies stellt den Charakter des Wyke natürlich von Anfang an in eine wesentlich bessere Position. Aber, so erscheint auch, neben einem starken Konflikt zwischen der “Arbeiterklasse” und der “snobistischen Upperclass”, ein herrlich aufreibender Kontrast zwischen den Denk- und Herangehensweisen der verschiedenen Altersgenerationen. Selbstverständlich bietet eine solche Basis somit auch viel Stoff zur allgemeinen Gesllschaftskritik die in “1 Mord für 2″ ebenso wenig ausser Acht gelassen wird.

Möglich gemacht werden diese fabelhaften Gefechte natürlich auch durch die brillianten Dialoge von Harold Pinter’s Drehbuchversion von “Sleuth”, welche nicht selten einen Rhytmus und eine Dynamik erreichen, dass man fast weinen möchte vor soviel Perfektionismus. Natürlich brauchen diese beiden Punkte, Schauspiel und Dialog, gegenseitig sehr stark einander um überhaupt so perfekt funktionieren können wie sie es eben hier tuen. Ein Michael Caine würde nicht das erreichen was er in “1 Mord für 2″ erreicht, ohne jene runden Dialoge von eben jenen Harold Pinter. Und ebenso verfährt es auch andersrum. Ein Harold Pinter würde ohne einen Michael Caine niemanden haben der weiß was solche Dialoge wert sind und was man mit diesen halt so alles erzeugen und rüberbringen kann!

Der Grundton des Films wechselt hierbei von einem anfangs noch recht schnittigen, teilweise sogar recht humorvollen, Schlagabtausch bishin zu einem psychologisch höchst brisanten und gefährlichen Schachspiel unter den zwei Protagonisten. Das Tempo der Erzählung ist hierbei relativ flott gehalten, was einigen Kritikern anscheinend negativ auffiel, mir selber jeddoch recht gut zu gefallen wusste. Zeit zum Ausruhen hat man ja auch nach dem Film noch, nicht wahr!?

Man merkt “1 Mord für 2″ allerdings auch streckenweise sehr stark an, dass er seine Ursprünge und Wurzeln im Theater hat. Dies mag vielleicht im ersten Moment befremdent auf den Zuschauer wirken, da im Film oftmals eher untypisch, aber trotzdem betont stark, mit den Körper, der Beleuchtung und der Betonung der Stimme gearbeitet wird, und dabei eher weniger mit Leinwandtypischer Schauspiel- und Regiekunst bzw. Handwerk. Auch betrifft dies sehr stark die allgemeine Erzählweise des Films, da diese dann teilweise sehr ins “Surreale” abdriftet und man selbst als Kinogänger eine eher realistisches Bild einer Geschichte gewohnt ist. Der schmale Grat zwischen Fiktion und Realität, der Hollywood-Typisch dann im Kinosaal, im Film und im Kopf des Zuschauers seine ganz eigene, aber ernstzunehmende Realität bildet, wird bei “1 Mord für 2″ streckenweise derart untypisch erzählt das keine Verschmelzung, zwischen Fiktion und Realität dann zu einer neuen Ralität, eintritt und anstelle dessen nur noch das schauspielerische Können und die Geschichte (welche dann ja auch nur noch als “Stück” wahrgenommen wird) in den Vordergrund tritt. Im Grunde funktioniert dieses Konstrukt sehr gut und läuft rund, sobald man sich darauf eingestellt hat.

Dennoch gab es ein paar wenige kurze, kleinere Schwächen im Film. Einfach kleinere Momente die ein wenig aufzeigten, offenbarten und durchscheinen ließen, dass Theater und Film zwar viele Gemeinsamkeiten besitzen mögen, aber dennoch komplett unterschiedlich funktionieren. Allerdings zerstören diese zwei bis drei wirklich kurzen und auch nicht wirklich nachklingenden Ausrutscher keineswegs das Gesamtbild, ja noch nicht einmal wirklich die jeweiligen Szenen. Das Konzept des Filmes, welches sehr stark auf die Mechanismen des Theaters zurückgreift, mag vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein, und sollte man sich nicht ernsthaft darauf einlassen können, wirklich mehr “Theater” als “Film” zu sehen zu bekommen, so würde ich von “1 Mord für 2″ eher abraten.

Ein weiterer Aspekt der die Charaktere nur noch mehr vertieft bzw. unterstreicht ist die geradezu geniale Kameraarbeit von Haris Zambarloukos, der viele klassische Noirelemte und ebensoviele klassische Einstellungen nimmt, um sie dann aber letztlich in einem völlig neuen Licht erscheinen zu lassen. Seine Herangehensweisen sind dabei natürlich nur allzu bekannt und gewohnt: Das Spiel mit Schärfe und Unschärfe, Einstellungsgrößen und natürlich der allgemeinen Bildauswahl. Dennoch erschafft Zambarloukos, immer in genau den passenden Augenblicken, eine zweite Erzählebene im Bild selbst, welche die jeweiligen Twist’s und Emotionen der Charaktere nur noch mehr “versinnbildlicht” und verstärkt. Ein-Fach Gran-Di-Os! Und sehr selten bei heutigen Filmen!

Fazit: Ihr ahnt es bestimmt schon: “1 Mord für 2″ ist ein Pflichttermin fürs Kino. Ich selber habe ihn in einer Privatvorstellung ganz alleine und nur für mich genießen dürfen, was, so glaube ich zumindest, den Film sogar noch mehr zu gute kam. Auf jeden Fall ist es ein Film für eine Leinwand, denn alleine schon die Mimik, die stärkste Waffe eines so großartigen Schauspielers wie Michael Caine, neben den Dialogen und derer Betonung, kann sich erst so richtig entfalten, wenn man jedes Augenblinzeln, jedes Verziehen der Brauen und jede Lippenbewegung ganz nah, schon förmlich schmecken kann und es danach einem Eiskalt den Rücken runterläuft. Und nicht zuletzt wirkt das Kammerspielartige Psychogerüst, welches immer wieder wirklich zu überraschen weiß, mit seinen vielen Turns und Plottwist’s, und welches über die volle Laufzeit von knapp 90 Minuten ganz allein von diesen beiden großartigen Schauspielern getragen wird, erst wirklich einnehmend im großen und abgedunkelten Saal. Verdammt geht öfters ins Kino Leute, denn für solche Filme lohnt es sich einfach.

Autor: Sven

Persepolis

Abgelegt unter: Dem Sven ihm seine Kritiken, Filme am 13.12.2007 von Sven

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Inhalt: Im Jahre 1979 wurde der Schah, durch eine Revolution, welche mit ca. 20.000 Toten und ca. 100.000 Verletzten beziffert wird, aus dem Iran vertrieben und mit ihm auch die SAVAK, der Geheimdienst der bis dato rein monarchisch tyrannsichen Regierung, vollends aufgelöst. Doch es sollte trotzdem nicht zur, von den Rebellen erhofften, iranischen Republik kommen. Vielmehr wurde die Situation für die Bürger, des nun ja Gottesstaates Iran, sogar noch schlimmer. Denn die Mullahs, anfänglich noch selbst die eigentlichen Revolutionäre und Freiheitskämpfer, ergriffen nun ihrerseits die Macht über das Land und unterdrückten daraufhin das eigene Volk! Viele Menschen landeten daraufhin im Gefängnis, das Kopftuchtragen wurde für Frauen zur Pflicht und die marxistisch Gesinnten Revoluzzer sahen sich einer ähnlichen, wenn nicht sogar noch brutaleren Verfolgung ausgesetzt wie schon zu Zeiten des Schahs.

Mitten in dieser düsteren, von Veränderungen durchströmten Epoche wächst die 8 Jährige Marjane auf. Marjane muss anhand ihrer eigenen Familie hautnah miterleben wie sich der Krieg, die Revolution und schließlich die neue funktionalistische Führung auf den Iran und auch ihr eigenes Leben auswirkt! Das durch ihre Eltern geprägte Bild der Revolution trägt Sie dabei auf ihre ganz eigene Weise nach außen: Durch freche Sprüche, Rockmusik alá “Iron Maiden” und der dazugehörigen Kleidung! Doch schließlich führt genau diese Einstellung dazu, dass Sie von ihren Eltern ins Exil nach Österreich geschickt wird, wo Marjane fortan in Sicherheit vor dem System, bei Bekannten leben soll. In der Zeit in Österreich freundet Sie sich schnell mit den anderen Außenseitern an, kommt mit den verschiedenen Subkulturen der westlichen Welt in Kontakt, wird ein wenig zum Punk und ein wenig zum Hippie, brütet aber dennoch stets auch über ihren iranischen Wurzeln. Aber als sich dann auch noch Probleme in Liebesdingen dazugesellen, beschließt Marjane endgültig, in ihre vom Krieg gebeutelte und immer noch unfreie Heimat zurückzukehren…

Kritik: Eins Vorweg: So kompliziert wie sich die oben geschilderten politischen Ereignisse der Revolution des Irans auch anhören mögen, so werden eben jene in “Persepolis” dann aber auf einer erfrischend leichten und verständlichen Ebene erzählt, so dass es sogar höchst interessant ist dabei zuzuhören! Denn seien wir mal ehrlich: Wieviel wissen die meisten Leute aus den europäischen oder gar amerikanschen Gefielden denn schon effektiv über eben jene Revolution bzw. dessen Ursachen und Auswirkungen auf den Iran und dessen Volk?

Wie es auch die Autorin der gleichnamigen französischen Graphic-Novel’s auf denen “Persepolis” ja beruht, Marjane Satrapi gerne in Interviews zu gute gibt, herrschen anscheinend in der westlichen Welt wesentlich mehr Vorurteile, Klischees und Unklarheiten als wirkliche Fakten vor, so dass sehr schnell falsche Schlüsse über das iranische Volk und dessen Kultur und Religion gezogen werden. Mitunter auch aus diesem Grunde, um mit den falschen Bildern einmal aufzuräumen, ihre persönliche Sicht den Leuten näherzubringen, enstanden ja schlußendlich auch die 4 Persepolis-Comicbänder. Inwieweit sich hierbei allerdings Realität und Fiktion vermischen bleibt (relativ) unklar, denn dazu antwortete Frau Satrapi lediglich: “Ich erzähle weniger von mir, als dass ich mich als Figur einsetze. [...] Ich gebe ihr meinen Namen, aber ich konstruiere, anders als im Dokumentarfilm, eine Geschichte. Damit es eine wird, schreibe ich über mich, aber nehme auch Einzelheiten aus dem Leben anderer. Ich ändere Daten! Im Film zum Beispiel zerstört eine Rakete das Nachbarhaus der Familie. [...] [Das] passierte, als ich mit 18 aus Wien zurückkehrte – aber im Film beginnt da eine neue Ära, weshalb ich diese Episode vorverlegte. Die Szene ist trotzdem wahr – das Gefühl des Zerstörtseins…. Und desweiteren erklärt uns die Zeichnerin: “Der Film ist nicht autobiografisch und auch kein psychologisches oder politisches Statement. Es ist kein Dokumentarfilm. Realität an sich interessiert mich nicht. Es geht mir um den Eindruck, den die Realität hinterlässt, daraus entsteht meine Geschichte“.

Eine Geschichte die auf einer rein menschlichen Ebene funktioniert und es somit ermöglicht jedermann gleichermaßen ansprechen zu können, jedermann gleichermaßen mitreißen zu können und dabei sogar noch Hintergrundinformationen liefern kann, über ein Land dessen Geschichte und Kultur nur allzu oft mißverstanden wird und wurde!

Das mit der Geschichte ein Nerv getroffen wurde beweisen nicht zuletzt auch die durchunddurch positiven Kritiken und Nominierungen, sowohl bereits bei der ursprünglichen gezeichneten Comic-Version, als auch bei der Verfilmung, welche in Zusammenarbeit mit den Regiesseur Vincent Paronnaud entsatnd. Weltweit ist “Persepolis” als Graphic-Novel schon in 25 Sprachen übersetzt, über eine Million Mal verkauft und auf der Frankfurter Buchmesse als das “Comic des Jahres 2004″ ausgezeichnet worden. Dem Film blüht ein ähnliches Schicksal: Bisher wurde er bereits 7 Mal auf diversen Festivals nominiert, davon gewann er bereits 6 Auszeichnungen. Darunter auch den “Preis der Jury” der Filmfestspiele in Cannes. Und 2008 schickt Frankreich dann “Persepolis” auch ins Rennen für den den Oscar. Einzig im Iran selbst ist man empört! Die Farabi Cinema Foundation, eine der iranischen Regierung nahestehende Organisation, protestierte gegen die Auswahl des Films für den Wettbewerb von Cannes, da er “ein falsches Bild vom Ausgang und den Errungenschaften der islamischen Revolution zeige“. Ebenfalls wurde “Persepolis” natürlich gänzlich im Iran verboten und darf dort offiziell in keinen Kino gespielt werden. Gleiches gilt selbstredent auch für eine Vermarktung auf DVD oder VHS.

Die tiefgreifende Emotionalität dieses Filmes wird nicht zuletzt durch seinen graphisch ungewohnten Stil erzeugt, der besonders die Kindheit von Marjane wundervoll untermalt und immer genau an den richtigen Stellen betont. Desweiteren besitzt “Persepolis” ein außerordentlich gutes Gefühl für die Balance zwischen Humor und “harter Realität”. So treten einige bittere, noch lange nachklingende Szenen so unerwartet, urplötzlich und ungewohnt hart aus dem Nichts heraus auf und schlagen dann mit einer Message zu Grunde, das es einen als Zuschauer vor lauter Härte und Grausamkeit nur noch in den Sitz presst. Und damit sind hierbei wirklich menschlich starke Szenen gemeint und nicht etwa, wie jetzt einige denken mögen, “krass fett blutige” Szenen. Wiederrum andere Szenen bauen für ihre jeweiligen Aussagen eine sehr subtile und dann auch bald sehr unangenehm werdende Grundspannung auf, bis diese schließlich in ihrer ganzen Härte und Grausamkeit gipfelt.

Der allgemeine Grundton jeddoch ist bei “Persepolis” meißt mit viel Humor, einer feinen Ironie und teilweise derben sarkastischen Seitenhieben gespickt, die dass eigentliche “traurige Lied” immer in genau den richtigen Passagen wieder aufzulockern zu verstehen wissen. Und auch schon relativ bald hat man sich dann einfach in der Erzählung verloren und bewundert längst nicht mehr nur die ungewohnte Optik des Films, welche dann aber auch nicht mehr allzu wichtig für die Geschichte ist sowie es bei Marjanes Kindheit noch der Fall gewesen wäre, sondern leidet und fühlt mit Marjane einfach mit.

Fazit: “Persepolis” ist wohl eines der letzten großen Highlights des Kinojahres 2007 und ein Pflichttermin für jeden politisch und künstlerisch Interessierten Kinogänger. Aber auch aufgrund seiner zutiefst menschlichen Geschichte ist dieser Film stark sehenswert und garantiert auch für so ziemlich Jedermann einen nicht so schnell zu vergessenden Kinogang! Unbedingt noch im Kino anschauen da die graphischen Elemente wohl eher Leinwandfüllend ihre Wirkung vollends zu präsentieren wissen.

Autor: Sven

[edit] Ich wusste nicht wie ich DAS noch sinnvoll und logisch in den Text mit einbinden kann, deswegen poste ich das jetzt einfach mal ganz dreißt hier unten hin! Aber allein für diese Aussage würde ich die Marjane Satrapi einfach mal gerne ganz feste drücken und umarmen:

“Die Leute denken, Comics sind was für Jungen oder für geistig zurückgebliebene Erwachsene. Aber alle Kinder zeichnen, bis sie etwa zehn sind. Dann gibt es eine Auslese in die, die angeblich Talent haben und weiterzeichnen dürfen – und die anderen, die aufhören. Es ist eine Frage der Bildung. In der Schule lernen wir, mit Texten umzugehen, zu erörtern, was ein Autor erzählt und wie er es tut. Aber uns fehlen die Begriffe, um darüber zu reden, warum eine Zeichnung gut oder schlecht ist. Was dazu führt, dass wir auch Comics nicht verstehen oder nicht begreifen, wie Zeichnungen als erzählerisches Mittel genutzt werden können.”
(Die Zeit – Im Gespräch mit Marjane Satrapi)