Harry Potter und der Halbblutprinz

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 16.07.2009 von André

harrypotter6Mit mehr als acht Monaten Verspätung kehrt Harry Potter, in seinem nunmehr sechsten Abenteuer, auf die große Leinwand zurück. Sehnsüchtig und mit so manchen Frusterscheinungen haben die Fans auf diesen Moment gewartet. HARRY POTTER UND DER HALBBLUTPRINZ ist in vielerlei Hinsicht, der heimliche Star der sieben teiligen Reihe, um den berühmten Zauberlehrling und auch wenn es der Film schon längst nicht mehr vermag, der Komplexität der Buchvorlage gerecht zu werden, so hat er mich dennoch vollstens überzeugt.

Wie schon im Vorgänger, geben Regisseur David Yates und Drehbuchautor Steve Kloves ihr Bestes, um der umfangreichen Geschichte, samt ihrer zahlreichen, liebgewonnenen Charaktere, Herr zu werden. Dies geht natürlich nicht ohne so manche Einschnitte von statten und so mussten erneut zahlreiche Nebenerzählungen und genauere Erörterungen unter dehn Tisch fallen. Doch Yates kennt sein Publikum und weis, dass er sich im sechsten Teil nun nicht mehr um Neueinsteiger zu kümmern braucht, längst haben die epochalen Geschichten, um Harry Potter, den Horizont eines, selbst 2 ½ stündigen, Kinofilms überschritten, doch auch wenn die Zeit knapp bemessen ist, nimmt sich Yates durchaus die Freiheit für eigene Ideen und überrascht durch so manch ironische Anspielung und viele ambitionierte Einstellungen, selbst hartgesottene Genrekenner und Fans.

Erneut dreht sich die Geschichte um Zusammenhalt, Vertrauen, Freundschaft und den immerwährenden Kampf Gut gegen Böse. Finstere Zeiten brechen über die Zaubererwelt herein, die Stimmung ist bedrückend und die Gefahr immer gegenwärtig. Erleichternd wirkt da das Hormonchaos der Zauberteenager, die trotz – oder grade weil – aller Bedrohung, ihre Gefühle füreinander entdecken, was zu so manch peinlichen Momenten, Missverständnissen und unkontrollierten Gefühlsausbrüchen führt. Für den Zuschauer fühlt sich das ein bisschen nach Daily Soap an, tut aber der gepflegten Unterhaltung und guten Lauen, durch viele witzige Situationen, keinen Abbruch, auch wenn die Probleme trivial wirken – es sind doch noch Teenager.

Insgesamt behält Yates aber die düstere Grundstimmung des Vorgängers bei und nutzt die Teenieallüren lediglich um die äußerst bedrückende und schwere Stimmung des Films, ein wenig aufzuheitern. Mit jeden Teil wird die Atmosphäre düsterer, die Erzählung erwachsener, längst hat Harry Potter das Kindergartenniveau verlassen und muss sich echten Bedrohungen und Verlusten stellen.

Die Qualität des Films hält den Erwartungen stand und wirkt angesichts vieler Enttäuschungen im Blockbusterbereich, überaus beruhigend. Wenigstens einige Dinge werden, zwar auch, aber eben nicht nur, mit dem Rechenschieber abgehandelt und so kann man sich nun wieder der Vorfreude, um den ersten Teil des großen Finales von Harry Potter, schon Ende des kommenden Jahres, gefast machen.

Weiter so…

Autor: André

“Die Gräfin” und “Kommissar Bellamy”

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 14.07.2009 von André

diegrafinDIE GRÄFIN

Die zweite Regiearbeit von Julie Delpy wirkt ausgesprochen ambitioniert und besticht durch düster, gruftige Mittelalteroptik und ein hervorragendes Darstellerensemble – von der ungewöhnlichen Besetzung Daniel Brühls mal abgesehen.

Dennoch kann der Film nicht so recht zünden, ob das nun an der kühlen Gräfin oder der sprunghaften Erzählung liegt, ist schwer zu sagen. Es fällt nicht leicht, die emotional tote Gräfin zu bemitleiden, wenngleich ihr innerer Konflikt, sich in einem Patriachart stets als gefestigt, emanzipiert und unabhängig, behaupten zu müssen, aber gleichzeitig die verletzlichen Gefühle der – ihr fremden – Liebe und Zuneigung zuzulassen, sorgfältig herausgearbeitet werden.
Als schwierig gestalten sich auch die unvermeidlichen Zeitsprünge der Geschichte, die einen aus dem aktuellen Geschehen zu reißen scheinen und dann wiederum völlig neue Handlungsansätze zu Tage fördern. Soviel Vielseitigkeit und ambitionierter Ansatz sind begrüßenswert, häufen sich nur leider zu stark, um allesamt konsequent zum Ende gebracht zu werden.

Mehr oder weniger erfrischend, wirken hingegen die konsequent und ungeschönt eingefangenen Gewalttaten, welche für dieses Genre völlig untypisch sind und den – oft schon im Vorfeld – weichgespülten und romantisierten Blick auf einen Kostümfilm, wieder für wesentlichere Inhalte schärfen.
Im Großen und Ganzen also ein sehenswerter Film, der vielleicht etwas zu viel will, aber allein schon durch die dominante Hauptdarstellerin, Regisseurin und Komponistin Julie Delpy Beachtung verdient.

bellamyKOMMISSAR BELLAMY

Von einem derart etablierten und dem Autorenkino verschriebenen Regisseur durfte man in der Tat mehr erwarten.

Claude Chabrol gehört zum festen Bestandteil des französischen Kulturkinos und machte sich vor allem durch wohlkomponierte Beziehungsdramen einen Namen im Arthouse. Um so überraschender wirkt also die Nichtigkeit seines neusten Werkes KOMMISSAR BELLAMY welcher von einem mächtig untersetzten, aber nicht weniger berühmten Gérard Depardieu – im wahrsten Sinne des Wortes – verkörpert wird.

BELLAMY ist dem Anschein nach ein leiser und recht unspektakulärer Krimi, versteift sich aber im Laufe der Handlung Zusehens auf Banalitäten und Nichtigkeiten des Alltags. Anstelle des Mordfalls wird die Figur des Kommissars ins Zentrum der Erzählung gerückt, seine beruflichen Ambitionen aber nahezu gänzlich ausgeblendet. Das ist überraschend, aber nicht zwangsläufig spannend, auch wenn Depardieu und Co eine ganz passable Leistung abliefern und der Film durch seine beengte und statische Kamera wie ein kleines Kammerspiel anmutet.

Leider will sich aber nun wirklich so gar keine Spannung aufbauen und so verliert sich der Film in seiner eigenen Monotonie bis zur unweigerlichen Tragödie am Ende, die auch nicht unspektakulärer Inszeniert sein könnte.

KOMMISSAR BELLAMY ist elitärer Blödsinn der sich an seiner eigenen Sinnlosigkeit ergötzt und nur ermüdet anstatt zu unterhalten, auch wenn Depardieu nichts von seinem Charme einbüßt.

Autor: André

Transformers • Die Rache

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 28.06.2009 von André

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Autor: André

Star Trek XI

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 14.05.2009 von André

startrekxi„Der Weltraum, unendliche Weiten…“ niemals konnte mich dieser CatchFrase so begeistern, wie die Ereignisse „…In einer Galaxie, weit weit entfernt.“ Ich meine: Stell dir vor, du bist um die zehn Jahre alt und da im Fernsehen stehen eine Handvoll Kerle, mit engen Uniformen, in einer billigen Pappkulisse, die die Brücke eines Raumschiffs darstellen soll, und diskutieren über Energieverteilung, Warp-Antriebe und Logik. Und auf einem anderen Sender, steht ein junger Kerl und schwingt ein Laserschwert, während ein anderer Kerl, und sein zotteliger Freund, mit Blastern auf anonyme Soldaten, in weißer Plastikrüstung, bolzen… make your choice.

Trotzdem ist mir STAR TREK natürlich ein Begriff, immerhin hab ich alle Filme gesehen und in jede TV-Serie hineingezappt. Ich kann auch den Kult unzähliger Trekkies und Nerds nachvollziehen, die über Jahrzehnte mit Sternenflottenuniformen und Vulkanieröhrchen zu den Fanconventions rennen, um dort ihrer Religion zu frönen und auch als NICHT-Fan, war ich zuletzt doch sehr gespannt, was Produzent und Regisseur J.J. Abrams nach der legendär, trashigen Sci/Fi Serie der 60er, vier Spin Off Serien und insgesamt zehn Kinofilmen, noch aus dem TREK Universum raus kitzeln möchte, nachdem zuletzt die Next Generation Crew mit dem mittelprächtigen „STAR TREK: NEMESIS“ ihren Abschied von der Kinoleinwand feierte.

Die wichtigste Frage hierbei lautet: Kann man ein ganzes Universum, mit einer, über Jahrzehnte, liebgewonnenen und etablierten Enterprise Crew, in frischem modernen Look und völlig neuer, junger Besetzung, nochmal neustarten??? Kurze Antwort: Ja, man kann. Man sollte nicht, dass möchte ich an dieser Stelle nochmal betonen. Man sollte einen Meister Yoda nicht digital animieren und ihn, wie einen Laubfrosch, durch die Gegend hüpfen lassen. Man sollte Indiana Jones niemals mit Aliens in Verbindung bringen sowie heiraten lassen und seinen Sohn mit Shia LaBeouf besetzten. Und man sollte eine Terminator Reihe nicht ohne Arnie ins Kino bringen… Aber all dies ist (und wird) geschehen, also warum soll man nicht legendäre Sci/Fi-Helden wie James T. Kirk und Mr. Spock mit milchgesichtigen TV-Darstellern besetzen, zumindest im neuen „STAR TREK XI“ funktioniert dies, überraschend gut.

Überhaupt muss man sagen, niemals zuvor hat mich ein STAR TREK Film derartig gut unterhalten. J.J. Abrams (übrigens kein Trekkie) befördert ein ganzes Universum, mit viel Spaß und ordentlich KAWUMM! ins nächste Jahrtausend. Ein neuer glamouröser Look, junge, unverbrauchte Darsteller, schicke Effekte, viel Ironie, viel Humor und alles schön laut. Abrams hat im TREK Universum ordentlich entrümpelt, die Brücke der Enterprise auf Hochglanz poliert, viel Action hinzugefügt und den Nerd-Faktor auf ein erträgliches Level gefahren. Kurz: STAR TREK ist frisch, modern und sexy. Restauriert und aufpoliert, um die nächste Generation Trekkies und eine breite Masse Kinopublikum für sich zu begeistern.

Am überraschendsten ist hierbei die neue Besetzung, von der ich dachte, sie käme am schlechtesten weg, aber Kirk, Spock, Pille, Uhura, Scotty und der Rest sind auf den Punkt getroffen und repräsentieren all das, wofür sie schon soviele Jahre, von den Fans, verehrt werden. Auch die Ausstattung ist sehr passable; modernes Design, schicke und laute Effekte, abwechslungsreiche Action, breit gestreut und gut platziert. Viele kleine Highlights, kein großer Knall, die größte Schwäche des Films; seine Dramaturgie. Kurzweilige Spannungsbögen und flache Charakterentwicklungen, lassen den Film inhaltlich nie über Serienniveau hinaus wachsen, hinzu kommt, dass die Handlung ein Desaster ist. Durchgeknallte Romulaner, Schwarze Löcher und Zeitreisen bieten reichlich Angriffsfläche für massive Plot Holes und Logikfehler. So clever wie der Film sein möchte, sogar eine Erklärung für Änderungen und Neuanfang im TREK Universum liefert, ist er nicht, doch das schmälert den positiven Gesamteindruck nur gering, steht hier doch in erster Linie nur die gelungene Präsentation der neuen (alten) Crew nebst ordentlich Unterhaltung auf dem Programm.

Zu diesem Zweck setzt Abrams neben lauter Action und den üblichen bombastischen Effekten auch auf viel Humor und Ironie. So werden des Öfteren die charmant, berüchtigten Charaktereigenschaften der Crew auf die Schüppe genommen: Kirk baggert was das Zeug hält, Pille reißt einen OneLiner nach den anderen, Sulu vermasselt seinen ersten Warpsprung, Chekov bekommt Probleme mit der Spracherkennung der Enterprise und Uhura zieht sich bis auf die Unterwäsche aus. Neben gelungenen Parodien und Zitaten, versteckt sich auch hin und wieder ein wenig dümmlicher Klamauk, das unterhält den Kleingeist und die Fans können kurz mal wegschauen, hätte doch viel schlimmer kommen können, siehe „STAR WARS EPISODE I: DIE DUNKLE BEDROHUNG“.

Doch, doch, Abrams macht vieles richtig und schickt die neue (alte) Crew, welche sich im Verlauf des Films, sucht und findet, samt Enterprise und viel Tam Tam zu neuen Abenteuern. Das Ganze fühlt sich zwar nicht besser an als ein enorm dick produzierter Pilotfilm, macht aber doppelt soviel Spaß und präsentiert sich ganz ungezwungen als schicker Unterhaltungsbomber im Kinosommer.

Autor: André

X-Men Origins: Wolverine

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 07.05.2009 von André

x-men_wolverineKein vierter X-MEN Film, sondern der Start einer neuen Spin Off Reihe. X-MEN ORIGINS soll über die Herkunft und Werdegänge der bekannten Supermutanten aufklären, den Anfang macht X-MEN Badass: WOLVERINE.

Es macht durchaus Sinn, sich bei so vielen Charakteren des X-MEN Universums, einmal von der Hauptsaga loszureißen und den Fokus auf einzelne, liebgewonnene Figuren zu konzentrieren. Wolverine war ohnehin, auf Grund seiner Beliebtheit beim Publikum, des Öfteren bereits im Zentrum der vorangegangenen X-MEN Filme. Nachdem Regisseur Bryan Singer diese, nach der gelungenen Fortsetzung „X2“, verlies, konnte der dritte Teil „X-MEN: THE LAST STAND“ schon deutlich weniger begeistern und so war es nur konsequent, die eigentliche Haupthandlung ruhen zu lassen und sich stattdessen einem neuen Thema zu widmen.

Und anfänglich kann „X-MEN ORIGINS: WOLVERINE“ auch durch rasantes Tempo und ungezwungenes Entertainment überzeugen. Auffällig ist, dass sich dieser Film einer deutlich härteren, maskulinen Sprache bedient und noch actionlastiger daherkommt als sein Vorgänger. Dafür fehlt es diesem Testosteronbolzen aber ordentlich an Substanz, was eigentlich nur so negativ auffällt, weil die übrigen X-MEN Filme so viel Wert auf Charakterentwicklung, Motivation und nachvollziehbare Handlung legten. „WOLVERINE“ verzichtet nahezu komplett auf diese Eigenschaften und erreicht darum nie eine höhere Qualität, als ein gewöhnlicher Actionkracher, die besonders in den 80ern so populär waren.

Für das X-MEN Universum ist dies aber keine Bereicherung, im Gegenteil. „WOLVERINE“ bedient längst abgewetzte Actionklischees und pseudo Melodram, welches auch noch langweilig und vorhersehbar inszeniert ist. Außer dem Hauptdarsteller, gibt es keine Konstante im Film; die übrigen Mutanten sind zu Gimiks verkommen, seelenlose Abziehbildchen die immer dann auftauchen, wenn sie grade für eine Actionszene benötigt werden und anschließend wieder in der Versenkung verschwinden. Die Motivation mit der sich Wolverine durch den Film prügelt, wirkt altbacken und aufgesetzt; neben dem Verlust seiner Liebsten und der Flucht vor dem ewigen Töten, wurde ein geradezu biblischer Bruderkonflikt addiert, der dann aber nicht mal wie Erwarten zum großen Finale lädt, sondern sich in selbigem völlig verliert. Große Schlüsselszenen wie die Verwandlung von Wolverine, werden viel zu schnell und spannungslos abgehandelt, die Dramaturgie des Films wirkt im Gegensatz zu seiner harten Gewaltdarstellung, völlig inkonsequent und weis nicht mal ansatzweise zu fesseln. Das größte Problem hierbei ist wohl, dass man weis was kommt; Wolverine wird für das Waffenprojekt des diabolischen General Striker missbraucht, wird diesen aber erst in „X2“ zur Rechenschaft ziehen, Er verliert sein Gedächtnis, Sein Bruder Sabertooth verschwindet, Die von Striker gefangen gehaltenen Mutanten werden befreit… Nichts geschieht unvorhergesehen.

Umso wichtiger also, dass Fundament der Charaktere, aber dies schien den Machern bereits ausreichend in den vergangenen Filmen beleuchtet zu sein, so bleibt „X-MEN ORIGINS: WOLVERINE“ eine vorhersehbare Actionparade ohne Überraschungen und selbst auf diesem Gebiet setzt der Streifen keine neuen Maßstäbe. Die Qualität der Action bewegt sich irgendwo im Mittelmaß und schafft es nie, die bombastischen Effekte von „X2“ und „X-MEN: THE LAST STAND“ zu toppen. Erstaunlich auch, wie die Qualität im Film selbst auf und abnimmt; so wirken Szenen, wie die Motoradverfolgungsjagt stimmiger und aufwändiger inszeniert, als das enttäuschende Finale.

Zum Schluss noch ein paar Anmerkungen:

1. „Der Auftritt von Gambit ist ja wohl ein Witz, da warten Fans bereits seit „X2“ auf einen der beliebtesten X-MEN Charaktere überhaupt und dann bekommt dieser gefühlte 5.Sek. Screentime in einem bedeutungslosen Spin Off, selten wurde eine Figur so verschenkt.“

2. „Ich will nie wieder Patrick Steward, mit digital auf jung getrimmten Gesicht, sehen. Das sah im dritten X-MEN Film schon scheiße aus und daran hat sich auch nichts geändert.“

3. „Keine verharmlosende Gewaltdarstellungen. Wo ist das Blut? Wolverine meuchelt, schlitzt und enthauptet, aber seine Klingen bleiben unbesudelt. Lächerlich.“

4. „Innere Logikfehler noch und nöcher. Auch bei einer Comicverfilmung, sollte man auf ein geschlossen, funktionales und in sich glaubwürdiges Universum achten.

Der einzige Grund, warum „X-MEN ORIGINS: WOLVERINE“ trotz alledem Spaß machen könnte, ist Hugh Jackman. Er beweist, dass er einen actionbetonten Film auch im Alleingang tragen kann. Jackman ist rau, frech, ironisch, charismatisch und top trainiert, er hat alles, was ein guter Actionheld braucht und für seine herzensrolle Wolverine gibt er, auch in diesem, nicht süchtig machenden X-MEN Ableger, einfach alles was er geben kann.

Autor: André

Rundumschlag der Kurzreviews

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 23.04.2009 von André

Vorbei die Osterferien, es wird Zeit wieder zu arbeiten und bevor ich mich dem Blockbuster-Kino-Sommer unterwerfe und mir Highlights wie: „WOLVERINE“, „ILLUMINATI“, „STAR TREK“, TERMINATOR 4“, „TRANSFORMERS 2“ und natürlich „HARRY POTTER“ gebe… wollte ich nochmal kurz was zu den März/April Filmen loswerden:

gran-torino„GRAN TORINO“

…Hat für mich als Drama überhaupt nicht funktioniert. Die Charaktere kamen aus der Schublade, die Dramaturgie wirkte aufgesetzt und die Story vom grantigen Grandpa, der durch die vorwitzige Jugend wieder zu lieben lernt, ist auch nicht wirklich neu…ABER. Volle Punktzahl für Clint Eastwood und seine humorig, ironische und kompromisslose Performance, die mich oft herzhaft, böse schmunzeln ließ und über weite Strecken größere Mängel des Films vergessen machte.

GRAN TORINO ist ein kleines, mittelprächtiges Drama, wird aber nie langweilig und unterhält ungemein gut, da der Film nicht die bierernste Schiene fährt und sich des Öfteren durch humorige Einwürfe und viel Selbstironie aufzulockern weis.

slumdog-millionaire„SLUMDOG MILLIONÄR“

…Hätte mir garantiert viel besser gefallen, wenn der Film nicht durch diverse Auszeichnungen und 8 Oscarprämierungen so vorgehypt worden wäre. SLUMDOG MILLIONÄR ist ein modernes Märchen mit stark exotischem Touch… mir gefiel die moderne ungezwungene Inszenierung und dass sich der Film, trotz knallbunter Farben, vielen Bollywoodeinflüssen und kitschiger Lovestory, nicht zu schade war auch ein paar verstörende Bilder, von menschenunwürdigen Lebensverhältnissen, der größtenteils armen indischen Bevölkerung zu zeigen. Dadurch ergab sich ein hoch interessanter Kontrast, den die durchgestylten und verblümten Bollywoodopern immer zu verschleiern gedenken.

Mit Sicherheit nicht die ganzen Lorbeeren wert, die er eingeheimst hat, aber SLUMDOG MILLIONÄR weis durch seine exotischen Schauplätze, unverbrauchte Darsteller, moderne Inszenierung und einen erstklassigen Soundtrack durchaus zu überzeugen sowie ein schlüssiges Gesamtkonzept auf die Leinwand zu bannen.

john-rabe„JOHN RABE“

…Ein integerer Mann, der sich, in Zeiten von Faschismus und Kriegsgewitter, seine Menschlichkeit bewahrte und Verantwortung für über 200.000 chinesische Flüchtlinge übernahm. Die Geschichte von John Rabe ist größtenteils völlig unbekannt, dabei waren seine Taten mindestens genau so groß und selbstlos, wie die von Oskar Schindler.

Regieneuling Florian Gallenberger gibt Rabe nun die Lobby, die er verdient und widmet ihm den längst überfälligen Kinofilm, nach dessen originalen Tagebüchern. Dabei herausgekommen ist ein bewegendes, schockierendes und persönliches Drama, dass natürlich nicht an Spielbergs Meisterwerk heranreicht, den Menschen, John Rabe, aber mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle sehr lebendig und eindringlich portraitiert und dessen Mut zur Menschlichkeit, gebührend feiert… JOHN RABE, ein wichtiger und sehenswerter Film.

rachels-hochzeit„RACHELS HOCHZEIT“

…Nein, nein, keine Frühjahrskomödie, kein Feel-Good-Movie. RACHELS HOCHZEIT ist ein durchgeknalltes Familienportrait mit tief tragischem Fundament und multikulturellen Einwürfen, damit es nicht zu langweilig wird. Erzählt wird das titelgebende Ereignis, zudem sich ein Haufen skurriler Charaktere in Familie Buchmans traumhaft, ländlichem Anwesen einfinden. Mit dabei auch Rachels rebellische Schwester Kym, die es ausgezeichnet versteht, die fröhliche Stimmung, der ausgelassenen multi-kulti Hochzeitgesellschaft, zu sprengen und alte Familienwunden wieder aufplatzen zu lassen.

RACHELS HOCHZEIT ist ein zuweilen bissiges und abgedrehtes Familiendrama, ganz unkonventionell und beinahe improvisatorisch im Dokustyle erzählt… die wacklige Kamera und teils quälend, lange, banale Szenen erzeugen den Effekt, man sei selbst Gast dieser unkonventionellen Hochzeitsgesellschaft. Obwohl die Konflikte einfach und konstruiert wirken und viele Charaktere, zu unterhaltungszwecken, offenkundig überzogen agieren, stellte sich bei mir das Gefühl ein, ich sei selbst Teil dieser, streckenweise bizarren, Veranstaltung. Die Darsteller, samt Starbesetzung Anne Hathaway, wirken überzeugend, die Inszenierung ungewohnt und Highlight ist das, gegen den Strich aller Konvention erdachte Hochzeitsevent… eine interessante und merkwürdige Mischung.

Autor: André

Nochmal zum “Vorleser”

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 27.03.2009 von André

Tja, wie es das Schicksal wollte, fand ich mich doch kürzlich tatsächlich erneut im Kino wieder um mir, trotz ungeliebten ersten Eindrucks, zum zweiten Mal den “Vorleser” anzusehen.

Auch nach wiederholter Sichtung hat mir der Film nicht wirklich besser gefallen. Der mittlere Part, indem die intime, leise Stimmung des ersten Drittels, krude durch die ganze Holocaust-Theatralik verwurstet wird, zerschmetterte erneut bei mir jegliches Interesse am weiteren Verlauf der Geschichte, folglich konnte auch die letzte Episode, von Hannas Gefangenschaft und Michaels seelischem Zerfall, keine Punkte mehr bei mir sammeln, im Gegenteil. Das letzte Drittel empfand ich als viel zu langatmig und tragisch aufgesetzt, einzige Ausnahme bildet die Passage, in der Michael Hanna die besprochenen Kassetten schickt, was für mich, das einzige emotionale Highlight des ansonsten schwer ermüdenden Films darstellt.

Trotzdem gibt es einen halben Affen mehr, für die wirklich schöne leise, unaufdringliche Einleitung des Films, in der die Sommeraffäre zwischen Michael und Hanna beschrieben wird, und die mich liebevoll, an einen sorgfältig inszenierten Softporno erinnert hat, wobei ich mich leider nicht entsinne, einen solchen jemals gesehen zu haben, „sorgfältig inszeniert“ meine ich. Von mir aus, hätte der Film nach diesem Kapitel Enden können. Ich muss sagen, ich beneide David Kross ein bisschen dafür, sich mit Kate Winslet nackt im Bett herumgewälzt zu haben, nachdem er vermutlich zu jung ist, um unzählige Male von seiner Freundin in “Titanic” geschleppt worden zu sein…was für ein Glückspilz.

Autor: André

Watchmen – Die Wächter

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 07.03.2009 von André

Was viele bezweifelten, Zack Snyder hat es möglich gemacht. WATCHMEN, hier zu Lande kaum bekannt, in Amerika Kultstatus; eine zwölf teilige Comicserie aus den 80ern, die sich durch eine tief hintergründige Geschichte und komplexe Charaktere auszeichnet. Mit Preisen überhäuft, schaffte es der Comic sogar auf die Liste der „100 besten literarischen Werke aller Zeiten“, ausgewählt von der TIMES, als einziger seiner Art. Regisseur Zack Snyder, der zuletzt die Comicpanels von Frank Miller in 3oo adaptierte, hat sich des komplexen Stoffes angenommen und in einem Geniestreich, das Ganze auf die Leinwand gebannt.

 

WATCHMEN erzählt einen Verschwörungskrimi um sechs, eigentlich schon ausgediente Superhelden, die durch einen Mord an einem der Ihrigen, aus der Reserve gelockt werden und Teil einer schicksalsbestimmenden Verschwörung werden, bei der es nicht um weniger, als den Fortbestand der Menschheit geht…

 

Der Comic gehörte lange Zeit zu jenen Werke, die im Allgemeinen als „unverfilmbar“ gelten, weil zu komplex, zu aufwändig, zu teuer. Obwohl die Idee einer filmischen Umsetzung schon lange Jahre durch die Hollywoodstudios geisterte und immer wieder Drehbücher, Filmrechte und auch Regisseure, rumgereicht und ausgetauscht wurden, macht es doch erst die Computertechnik der letzten Jahre möglich, die Vorlage glaubwürdig und werkgetreu zu adaptieren. So kam es, dass WATCHMEN nun erst jetzt, mehr als zwanzig Jahre nach Veröffentlichung des Comics, für die Leinwand realisiert wurde.

 

Und was Zack Snyder da geschaffen hat, verschlägt einem den Atem, lässt einen ungläubig Staunen und in einem epochalen Meisterwerk versinken. Ein derartiger Detailversessenheit, soviel Respekt für die Vorlage und vor allem, die Erschaffung eines glaubwürdigen Universums sowie, die Rekonstruktion der Stimmungen, die der Comic bei Leser erzeugt, all das gab es zuletzt bei der Adaption von Tolkiens DER HERR DER RINGE durch Peter Jackson. Dabei muss Snyder gar nicht viel machen, wie schon bei 3oo, fügt er den teilweise stark filmesk gestalteten Comicbildern, einfach das Element der Bewegung hinzu. Dazu kommen noch die wechselnde Erzählperspektive der einzelnen Charaktere, die zahlreichen Rückblenden, die komplexen Figuren sowie die anspruchsvolle Storyline, und schon sind die wichtigsten Elemente von WATCHMEN eingefangen.

 

Nein, mal im Ernst. Man muss es Snyder danken, dass er sich so sklavisch an die Vorlage hält, dass er nicht versucht, die Komplexität der Geschichte zu vereinfachen, dass er enorm kompromisslos in seiner Umsetzung verfährt, dass er seinem Publikum über 2 ½ Stunden anspruchsvolle Kost serviert, die eine enorme Aufmerksamkeitsspanne erfordert, dass sein Film eben nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner bedient, sondern fordert, auch mal schockiert und ungeschönt, nicht simplifiziert, dem Respekt der Vorlage schuldig, den Stoff transportiert, den es zu erzählen gibt. Das und nicht weniger hatte sich Snyder zur Aufgabe gemacht und es ist ihm auch gelungen.

 

Ich könnte jetzt noch ewig philosophieren, über die genau getroffenen Charaktere, die opulente Ausstattung, die cool choreographierten Kämpfe, die schicken Special Effekte, den tollen Soundtrack, die virtuosen Einstellungen, den liebevoll gestalteten Anfang, die vielen kleinen Details und und und… aber stattdessen würd ich einfach mal sagen: REINGEHEN!!! und ein epochales, dichtes, Comicspektakel genießen, was seines Gleichen noch lange suchen wird. WATCHMEN ist ein Ereignis, volle Punktzahl, besser kann man diesen Comic nicht umsetzen, das darf man nicht verpassen.

 

Autor: André

The Wrestler

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 07.03.2009 von André

Werdet Zeugen der vollständigen Destruktion einer Legende. In Darren Aronofskys THE WRESTLER, liefert Mickey Rourke das beeindruckende, bewegende, intensive und zutiefst erschütternde Portrait eines ausgebrannten Mannes und seiner gescheiterten Sportlerkarriere ab.

Es ist ein Trauerspiel, welches man da auf der Leinwand verfolgt. Denn jeder weis, das was er da sieht ist echt. Mickey Rourkes aufgedunsenes, deformiertes Gesicht spiegelt den Verlauf eines exzessiven Lebens wieder, gefühlt mit Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum, einer kurzen Boxkarierre, Botoxbehandlungen und etlichen operativen Eingriffen. Kein noch so gutes Make Up hätte diesen Prozess des Zerfalls so eindringlich, so persönlich wiederspiegeln können, wie die ungeschönte, knallharte Realität und diese so unverblümt und choragiert zu präsentieren, so eindringlich und so persönlich, das ist es, was den WRESTLER so sehenswert macht.

Es ist auch nicht übertrieben zu behaupten, dass Mickey Rourke diesen Film im Alleingang trägt und dass die zahlreichen Symbiosen zwischen seinem Privatleben und der Rolle der Grund dafür sind, weshalb die Charakterstudie von Randy „The Ram“ Robinson, so ehrlich und glaubhaft rüberkommt, weshalb man jede Minute Leid, Schmerz und Zerfall dieser Figur mitfühlt. Mickey Rourke gibt in diesem Film alles von sich, physisch und psychisch präsentiert er sich hier zu hundert Prozent und zeigt dabei keine Scharm oder Eitelkeit. Es ist dieser Mut, der Rourke den Golden Globe und einige andere Auszeichnungen einbrachte und pure Ironie sowie vermutlich auch bezeichnend für den Charakter, dass der Oscar ihm verwehrt blieb.

Dabei muss man ehrlicher Weise erwähnen, dass die Geschichte vom WRESTLER nicht unbedingt neu ist, dass Aronofsky mit beliebigen Versatzstücken des Genres arbeitet und dass man den Verlauf des gesamten Films, bereits im Ansatz erkennen kann. Sei‘s drum, was Aronofsky hier zeigt ist ungeschönte Filmkunst ganz ohne großen Schnick Schnack, nur den Charakteren seines Filmes verpflichtet. In dreckiger Optik und grobkörnigen Bildern erzählt er die Geschichte von Randy „The Ram“ Robinson, einem, von Verfall und Wehmut gezeichneten, Profiwrestler, dessen Zenit in den Glemmjahren der 80er erreicht war und der seitdem auf dem Weg nach ganz unten ist. Seiner Karriere hat Randy Familie, Gesundheit und auch Vermögen geopfert und so bleibt ihm nur ein einsames Leben, eine entfremdete Tochter, längst vergangener Ruhm und die erkaufte Zuneigung einer liebgewonnenen Freundin, die als Stripperin arbeitet. Seine Brötchen verdient Randy mit Gelegenheitsjobs im Supermarkt und harten Wrestlingmatches in der Untergrundszene an den Wochenenden. Dann winkt plötzlich ein Rematch mit seinem Erzfeind, das die Karriere wieder ankurbeln könnte, doch Randy macht die Gesundheit Probleme…

Selten zuvor wurde die Geschichte des gescheiterten Underdogs so glaubhaft und ehrlich inszeniert. Aronofsky beschönigt hier Garnichts, zeigt den Zerfall des alternden Sportlers in jedem Detail: seine Versuche sich mit Schmerzmitteln und Steroiden auf der Höhe zu halten, die knallharten Wrestlingmatches, bei denen er seinen Körper, für ein nach Blut lechzendes White-Trash-Publikum, veräußert und entstellt, den Spott der Außenwelt ob seines vergangenen Ruhmes, den Respekt im Ring und von Fans und Kollegen, das unbarmherzige Geschäft mit dem eigenen Körper, den Zerfall der Familie, den immerwährenden Wunsch nach Ruhm und Anerkennung und den Preis der Gesundheit. Und wenn man dann im Abspann der Hymne des WRESTLERs von Springsteen lauscht, dann ist man geplättet, wehmütig, zutiefst bewegt von diesem intensiven Portrait und den Tränen nahe.

Autor: André

Der Vorleser

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 04.03.2009 von André

Literaturverfilmung eines der erfolgreichsten deutschen Romane der Nachkriegszeit. Herausgekommen ist ein mittelprächtiges Drama über Moral, Schuld und Scham, welches nach Oscarauszeichnung für Kate Winslet und mehrfach Nominierung in verschiedenen Kategorien, ziemlich enttäuscht und große Gefühlsmomente schmerzlich vermissen lässt.

 

Mitte der 60er Jahre trifft der 15 jährige Michael auf die mehr als doppelt so alte Hanna, trotz des Altersunterschiedes entbrennt zwischen den beiden eine leidenschaftliche Affäre, die jedoch nur einen Sommer anhält. 8 Jahre später, Michael ist inzwischen Jurastudent, kreuzen sich die Wege der beiden erneut bei einem Schauprozess für Kriegsverbrecher, bei dem Hanna sich als ehemalige KZ-Aufseherin, verantworten muss…

 

Was als leicht anrüchige Romanze alla DIE REIFEPRÜFUNG beginnt, gipfelt nach etwa einem Drittel Film in einem tragisch breit gewälzten Nachkriegsdrama, bei dem jedoch Emotionen zu Gunsten moralischer Grundsatzdiskussionen und pathetischem Holocaustgeseiere auf der Strecke bleiben. Eigentlich schade, denn, sofern man den Roman nicht kennt, entpuppt sich die plötzliche Wendung des Films, samt dem Geheimnis der Hanna Schmitz, als durchaus überraschend und völlig unvorhergesehen, auch wenn sich bereits zu Anfang ein Schleier über der Figur Hanna ausbreitet.

 

Doch grade im zweiten Akt, dem zentralen Kern der Geschichte, spielt die Beziehung der beiden Hauptfiguren plötzlich eine untergeordnete Rolle. Ins Zentrum tritt das Drama des Holocaust: die Täter, die Opfer, es wird diskutiert über Moral und Gesetz, Gerechtigkeit und Schuld. Wir lernen eine andere Seite der Hanna Schmitz kennen und dürfen uns unser eigenes Urteil bilden. Klar, der Clou der Geschichte ist, dass hier ein Täter zum Opfer stilisiert wird, doch es geht hier nicht um Holocaust, sondern um zwei Liebende, deren Beziehung auf Grund von Scharm, Schuld und Fehlern der Vergangenheit zerbricht und anstatt, dass der Film eben diese Motive klar beleuchtet und an den Charakteren festhält, liefert er lieber Denkanstöße und reichlich Diskussionsstoff für die Mittelstufe.

 

Erst im letzten Akt, wird die Beziehung der beiden wieder persönlicher und man konzentriert sich wieder auf die Gefühlslage der Figuren, nur leider wurden die einfühlsamen Stimmungen bis dahin nahezu gänzlich zerstört und die Nähe, welche man zu den Charakteren aufgebaut hatte, fehlt oder lässt sich nur schwer wieder rekonstruieren, was auch an fehlenden Informationen zum Aktivismus beider Figuren liegt.

 

So dümpelt die Geschichte im ungewissen und tut sich schwer mit konkreten Aussagen, was bleibt sind Grautöne und das Gefühl hier einen Lehrfilm über moralische Grundsätze, in Form eines Dramas, präsentiert bekommen zu haben, der die wirklich interessante Aspekte lieber verschleiert.

Wenigstens über die darstellerischen Leistungen kann man nicht groß meckern, Schauspielzögling David Kross kann doch komplexer agieren als KRABAT zuletzt vermuten ließ und natürlich hat Kate Winslet den Oscar längst verdient, wenn sie mir auch in ZEITEN DES AUFRUHRS besser gefiel. Ralph Fiennes ist mit einer schwammigen Rolle gestraft, deren Motivationen im Gefühlschaos versumpfen, ein Umstand, der aber sowohl der Rolle des alten, wie auch der des jungen Michael Berg anhaftet.

 

Unterm Strich also für Freunde der Literaturvorlage sicherlich eine nette Ergänzung, im Grunde aber ein überschätzter Film der inhaltlich wenig überzeugt und bei dem eigentlich nur Kate Winslet wirklich gut weg kommt.

 

Autor: André            

96 Hours

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 26.02.2009 von André

Knallharter Actionthriller von Besson-Jünger Pierre Morel, mit Liam Neeson als Ex-Geheimagent in der Hauptrolle. Neeson ist auf der Suche nach seiner entführten Tochter und stellt dabei die Unterwelt von Paris auf den Kopf.

Bryan ist Geheimagent im Ruhestand, die geschäftigen Dienstjahre haben seine Ehe zerstört und darum versucht er die verlorene Zeit mit Tochter Kim wieder aufzuholen. Diese bittet ihren Vater um die Erlaubnis einer Ferienreise nach Paris, zusammen mit Freundin Amanda. Obwohl Bryan der Sache misstraut, willigt er, um die Liebe seiner Tochter willen, ein, ein Fehler. Denn kaum sind Kim und Amanda in Paris gelandet, da werden sie auch schon von einem albanischen Prostitutionsring verschleppt, glücklicherweise hört Papi die Entführung am Handy mit an und macht sich prompt auf den Weg nach Frankreich. In Paris angekommen, nutzt Bryan die alten Kontakte und Fähigkeiten, um die Fährte der Entführer aufzunehmen. Die Zeit arbeitet gegen ihn, denn Bryan bleiben nur geschätzte 96 Stunden, bis sich die Spur seiner Tochter für immer verliert…

Anfänglich noch recht einfach gehalten, gewinnt die Handlung im Laufe der Zeit immer mehr an Spannung und Intensität. 96 HOURS, der eigentlich TAKEN heißt, ist ein packender und harter Actionthriller nach dem Strickmuster der BOURNE-Trilogie. Sobald Bryan in Paris angekommen ist, läuft der Film nahezu ungebremst im Actionrausch: packende Zweikämpfe, heftige Schießereien, Verfolgungsjagten und Folterszenen, Bryan zieht alle Register und schreckt, auf der Suche nach seiner Tochter, vor nichts zurück.

Für den Zuschauer ist dies ungemein spannend und unterhaltsam, Regie-Newcomer Morel ist einer von wenigen, die mit den stilistischen Mitteln, welche die BOURNE-Filme so prägten, gekonnt umzugehen weis. Wackelkamera, schnelle Schnitte, kurze harte Actionbits, all das kann Morel effizient nutzen, um die Spannung bis zum Äußersten zu steigern und seinem, eigentlich durchschnittlichen Actionthriller, das gewisse Etwas zu verpassen. Sicherlich ist 96 HOURS dabei weniger perfektioniert und raffiniert, als BOURNE, der Spannung tut dies jedoch keinen Abbruch, wofür sich natürlich auch Liam Neeson verantwortlich zeigt.

Denn sowohl die Rolle des treusorgenden Vaters, als auch die, des in die Jahre gekommenen, eiskalten Elitekämpfers, nimmt man Neeson ohne Probleme ab, zumal er, anders als Jason Bourne, die Sache auf ein persönliches Level befördern kann. Immerhin sucht Bryan hier seine Tochter und dies führt des Öfteren zu moralisch fragwürdigen Aktionen Seitens des Ex-Geheimagenten, solchen die den berechnenden Killer, auf eine subtil gezeichnete, emotionale Ebene ziehen, die sein Handeln einerseits legitimiert, aber gleichzeitig auch in Frage stellt…wenn man so will.

Zugegeben die Rolle des Sympathen fällt für Neeson einfach aus; seine Ex-frau, Famke Janssen in einer undankbaren Nebenrolle, ist ein besserwisserisches Miststück, ihr neuer Lover, ein schleimiges Arschloch. Auch der französische Kantaktmann beim Geheimdienst wirkt schmierig, die bösen Jungs sprechen albanisch, gucken grimmig und tragen Tatoos und das Töchterchen ist natürlich unschuldig, naiv und tapsig. Obwohl 96 HOURS auf einen realistischen Look getrimmt ist, zeichnen sich die Charaktere und Weltanschauungen reduziert und einfach. Das macht aber nicht viel aus, denn der Film legt ohnehin keinen großen Wert auf viel Gerede. Es geht vor allem rasant und actionbetont zur Sache, knackige 1 ½ Stunden werden nie langweilig und fesseln bis zur letzten Minute, viel mehr sollte man von einem Actionthriller nicht erwarten dürfen.

Rasante Spannung und konsequente Härte, entschädigen also für einen recht einfachen Plot und klare schwarz/weiß Rollenverteilung, nichts desto trotz ist 96 HOURS der, mit Abstand, packenste Actionthriller seit den BOURNE-Filmen und zeigt, dass es nicht immer rafiniert verschachtelte Verschwörungsplots sein müssen, um ein Kinopublikum gekonnt zu unterhalten.

Autor: André

Milk

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 22.02.2009 von André

Sean Penn für Toleranz. Als Messias der amerikanischen Schwulenrechtsbewegung, verkörpert er den, als ersten bekennend homosexuell, in ein politisches Amt gewählten, Politaktivisten Harvey Milk. Ein biographischer Film von gesellschaftlicher Relevanz, inszeniert von Gus Van Sant und für acht Oscars nominiert.

MILK befasst sich ausschließlich mit der politischen Karriere des Harvey Milk, welche dieser erst im Alter von 40 startete. Als Bürgerrechtler kämpfte er Anfang der 70er Jahre in San Francisco für die Gleichberechtigung von Homosexuellen und brachte den Kampf, als frisch gewähltes Stadtratsmitglied, auf eine politische Ebene. Innerhalb weniger Jahre setzte Harvey Milk eine Lawine in Gang, die zu gesellschaftlichem Umdenken führte und die Schwulenszene nicht nur stärkte, sondern auch der öffentlichen Denunzierung, Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen ein Ende setzte. Sein Erfolg brachte ihm viel Anerkennung und Freundschaften, aber auch politische Gegner auf Seiten der Konservativen und fundamentalistischen Christen…

Nach der oscarprämierten Dokumentation WER WAR HARVEY MILK, setzt Regisseur Gus Van Sant dem Bürgerrechtler nun mehr als zwanzig Jahre später ein Denkmal in Form eines biographischen Spielfilms. Anders als beispielsweise BROKEBACK MOUNTAIN, welcher anhand eines subtil erzählten Liebesdrama um zwei Männer, nach Akzeptanz für Homosexuelle suchte, schildert MILK den öffentlichen Kampf der Schwulenrechtsbewegung, sachlicher, auf gesellschaftlicher Ebene und orientiert sich dabei an der Biographie von Harvey Milk. Auch wenn die Geschichte frei adaptiert wurde, so ist sie dadurch doch biographischen und historischen Zwängen unterworfen und wirkt deutlich weniger persönlich und emotional als beispielsweise BROKEBACK MOUNTAIN. Fairerweise sollte man jedoch auch erwähnen, dass MILK zwar ähnliche Ziele wie BROKEBACK MOUNTAIN verfolgt, nämlich Akzeptanz der homosexuellen Minderheit, in erster Linie aber die Biographie eines Bürgerrechtlers schildert und sich daher viel eher mit Werken wie MELCOM X oder GANDHI vergleichen lässt.

Man sollte sich also bewusst machen, dass MILK von einer faktisch, konformen, Trockenheit unterspült ist und ein paar Längen beinhaltet. Van Sant versucht diese Sachlichkeit mit Einblicken in eine locker, schrullige, stets gut aufgelegte Schwulenszene zu relativieren. Obwohl er sich dabei teilweise schon nah am Rande der Schwulenklischees bewegt und nahezu den halben Film verstreichen lässt, ehe mal eine Frau zu sehen ist, kann man ihm diese Kleinigkeit, auf Grund des Kontrastes zur auflockernden Unterhaltung, wohlwollend abnehmen, ist der Film doch durchgängig um Authentizität und Glaubwürdigkeit bemüht.

Auch die Darsteller in Haupt und Nebenrollen leisten hervorragende Arbeit, allen voran natürlich Sean Penn der hier als Hollywoodstar und Charakterdarsteller gar nicht wiederzuerkennen ist, sondern man von Anfang an den Eindruck hat, da ist Harvey Milk auf der Leinwand, diese schrullig, charmante, leicht schmierige Persönlichkeit, welche natürlich stets ins rechte Licht gerückt wird und immer ein paar weise Zeilen für ihre Jünger auf den Lippen hat, ein Umstand, der sich auf Grund des tragischen Ablebens von Harvey Milk nicht vermeiden lässt, soll dieser Film ihn ja nicht in allen Facetten reflektieren, sondern seine Größe als Mensch hervorheben. Die einzige Enttäuschung, ist die Figur des Stadtratsmitglieds Dan White, die Josh Brolin verkörpert, aber viel zu selten und nur sehr wage beleuchtet wird, dabei jedoch von zentraler Bedeutung für die Geschichte ist und man sich daher doch mehr Details, Seitens dieser Figur erhofft hatte.

So ist MILK letztendlich ein qualitativ ansprechendes, biographisch erzähltes Drama von gesellschaftlichem Wert, mit einem nicht wiederzuerkennenden Sean Penn. Jedoch lediglich auf Grund seiner thematischen Wichtigkeit einem standardisierten Biopic überlegen. Wer sich für gesellschaftlich brisante Themen und Lebensgeschichten wichtiger Persönlichkeiten interessiert, ist in diesem Film gut aufgehoben.

Autor: André

The International

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 22.02.2009 von André

Nach dem großen Erfolg von DAS PARFÜM versucht Regisseur Tom Tykwer nun mit einem, um Realismus bemühten, harten Verschwörungsthriller nachzulegen. Die Hochglanzoptik, internationale Schauplätze und Darstellergrößen lassen einen Vergleich mit Hollywood nicht scheuen, darüber stehen allerdings eine emotionslose und zu faktisch bemühte Inszenierung, sowie eine sich im Kreis drehende Handlung, die ins Leere verläuft und zwei Hauptcharaktere ohne Relevanz.

Interpol Agent Louis Salinger und Staatsanwältin Eleanor Whitman ermitteln bereits seit Jahren gegen den international mächtigen Bankkonzern IBBC. Alle Anstrengungen zur Aufdeckung von Terrorfinanzierung, Unterstützung von Kriegen und dubiosen Waffengeschäften verliefen jedoch ohne Erfolg. Beweise werden gefälscht, Ermittlungen sabotiert und Zeugen verschwinden oder kommen um. Im Kampf gegen den übermächtigen Gegner riskieren Salinger und Whitman nicht nur ihre Kariere, sondern auch ihr Leben, jedoch halten beide an ihrem Ziel fest, die IBBC muss gestürzt werden…

Die Optik ist breit und edel, die Stars vorhanden, die Action brachial und die Thematik könnte nicht näher am Zeitgeschehen sein. Trotzdem, in Tykwers THE INTERNATIONAL funktioniert nichts von alledem. Da treten zwei, von Gerechtigkeit besessene, Idealisten gegen einen übermächtigen Gegner an, der Verknüpfungen zu jeder Instanz und zu jedem Land besitzt, der Finanzen kontrolliert und nahezu alles und jeden kaufen kann, kurz: der die ganze Welt beherrscht. Dennoch sind beide, trotz andauernder Rückschläge und Verluste, der festen Überzeugung, dass die Gerechtigkeit siegen wird und dass, in einem System, welches von Korruption unterwandert ist und, indem der die Macht und Kontrolle besitz, der das Geld in der Hand hält, ihre Mission letztendlich von Erfolg gekrönt wird. Es kostet beide Hauptfiguren eine halbe Ewigkeit herauszufinden, dass dies niemals passieren wird und dass ihr Vorhaben, zumindest auf legaler Ebene, in jedem Fall zum Scheitern verurteilt ist.

Das sich der gesamte Plot von THE INTERNATIONAL nur an diesem Thema aufzieht, dass Geld die Welt regiert, dass Gerechtigkeit käuflich ist und dass in Zeiten der Globalisierung, sämtliche Transaktionen und Finanzierungen irgendwie zusammenlaufen, ist eine gewaltige Enttäuschung, denn nichts von alledem dürfte, selbst für einen BILD Abonnenten, neu sein. Längst müsste jedem bewusst sein, dass man im Zeitalter von Börsengeschäften und globalem Wirtschaftshandel, die Geldströme nicht mehr kontrollieren kann, dass mit Sicherheit jeder von uns, allein durch den Kauf eines Müsliriegels, irgendwie indirekt internationalen Terror finanziert und das besonders, das Schüren von Konflikten und das Verursachen von Schulden, den großen Geldinstituten Milliardenerträge beschert.

Nun wär ja der einfache und substanzlose Plot, um die große, böse Bank und den Gerechtigkeit wahrenden Interpol Agenten, samt Staatsanwältin, ja noch zu verschmerzen, würde die ereignislose Handlung, wenigstens von ein paar spektakulär, spannenden Actionsequenzen überdeckt werden. Doch leider ist dies kein JAMES BOND oder MISSION IMPOSSIBLE, nein, hier wird Realismus groß geschrieben und darum greift der Interpol Agent auch nur ein einziges Mal, wirklich beherzt zur Waffe, in einer Museumsschießerei, die mehr mit STIRB LANGSAM zu tun hat, als mit Authentizität und Glaubwürdigkeit. Das einzig Signifikante, welches diese Auseinandersetzung von jeder X-beliebigen Schießerei in einem Actionfilm unterscheidet, ist der Schauplatz und das ist mehr als armselig, weil es die einzige Sequenz bleibt, an der sich Aktionfans festklammern können.

Auch das Potential der Darsteller Clive Owen und Naomi Watts, bleibt völlig hinter den Erwartungen. Beide bekommen kein ausreichendes Fundament um ihre Motivation und ihr Handeln zu begründen, auch ihre Beziehung zueinander wird kaum beleuchtet, bis Naomi Watts Figur sich plötzlich aus dem Geschehen zurückzieht, was nicht weiter stört, da sie ohnehin nur schmückendes Beiwerk für Owen war. Aber auch sein Charakter stolpert mehr durch das Geschehen, als das er irgendetwas Konstruktives dazu beiträgt. Nachdem seine Figur, zur Freude des gelangweilten Zuschauers, endlich begriffen hat, dass der Gegner zu mächtig ist, um ihn auf üblichem Weg zu stürzen, muss sich Owen sogar für einen persönlich motivierten Rachefeldzug hergeben, bei dem nicht mal er die ausführende Kraft ist. Alles läuft auf einen mehr als unspektakulären und bedeutungslosen Showdown hinaus, der die Handlung komplett fallen lässt und alles wieder auf Anfang spult.

Nach 118 Min. Laufzeit ist man um keine Information reicher und wurde weder spannend unterhalten, noch in irgendeiner Form emotional bewegt. THE INTERNATIONAL ist ein zu theoretischer, traniger und unspektakulärer Actionthriller. Viel zu gewollt, viel zu bemüht, viel zu ernst und nimmt sich viel zu wichtig, um auf irgendeine Weise zu überzeugen. Hoch budgetierter Standard ohne das gewisse Etwas, langweilig, vorhersehbar und uninteressant, eine tödliche Mischung für diesen pseudo Actionthriller.

Autor: André

The Spirit

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 14.02.2009 von André

Fehlende Dynamik, unrhythmische Erzählweise, nicht schlüssige Handlung, teils peinliche Dialoge und merkwürdiger Humor… THE SPIRIT liefert eine Menge Schießpulver, um ihn gekonnt in der Luft zu zerfetzten. Tatsächlich bewegt sich der Streifen auf einem sehr schmalen Grat zwischen „peinlichem Trash“ und „ernst zu nehmendem Film“, jedoch wohlwollend betrachtet, ist THE SPIRIT ein experimenteller, verspielter Comicflick, voller cooler Ideen und Ambitionen. Man sollte auch nicht vergessen, dass hier ein Regiedebütant am Werk war, Frank Miller ist zwar einer der berühmtesten und anerkanntesten Comickünstler unserer Zeit, von Film hat er allerdings wenig Ahnung und das scheint ihn auch nicht zu kümmern. Vielmehr benutzt Miller das Medium, um eine Hommage für sein Vorbild Will Eisner, seiner Zeit Schöpfer des „Spirit“, zu kreieren und diese einem breiteren Publikum zugängig zu machen. Dabei ist es Miller viel wichtiger, seinen und Eisners Comicstil zu bewahren, als sich den Konventionen eines Films zu unterwerfen.

Selbstredend unterscheidet sich dieser Stil und der Look des Films, im wesentlichen nicht sonderlich von Frank Millers SIN CITY, bei dem Miller zwar auch Regie führte, aber dies in Zusammenarbeit mit Robert Rodriguez, der auf Grund seiner Erfahrung, sämtliche der kleinen und größeren Unstimmigkeiten, die THE SPIRIT inne wohnen, vermeiden konnte, weshalb SIN CITY natürlich nach wie vor, die bislang beste Miller Comicadaption bleibt. Doch wem SIN CITY gut gefiel, der wird auch THE SPIRIT was abgewinnen können, denn visuell gelingt es Miller seinen unverwechselbaren schwarz/weiß Look, um einige Elemente zu erweitern. Daraus ergeben sich neue  Ideen wie man Comicpanels im Film umsetzen kann, Miller sprüht geradezu vor kreativen Einfällen und streut diese breit in seinen Film, weshalb der hart in Kontrast gesetzte schwarz/weiß Look niemals langweilig wird und THE SPIRIT zumindest optisch betrachtet, einen hohen künstlerischen Anspruch aufweist.

Leider muss man auch sagen, dass Miller immer noch in Comicpanels denkt und sein Film darum, ähnlich wie SIN CITY und 3oo, an Dynamik kränkelt. Miller beschränkt sich auf die Größe seiner Einstellungen, er wagt es so gut wie nie die Kamera zu bewegen, denn Rahmen seiner Comicbilder zu sprengen und sich den Möglichkeiten von Film zu öffnen. Dadurch wirkt sein Film statisch, wie ein unheimlich cool gezeichnetes Storyboard oder eben Comic, aber erinnert mehr an eine Diashow, als an einen Kinofilm. Glücklicherweise sind die Dias so cool gestaltet und abwechslungsreich gestaffelt, dass man dies vergeben kann.

Mehr Probleme macht da schon die krude erzählte Handlung, deren dramaturgische Schwächen und fehlende Höhepunkte lassen sich weniger verneinen. Der Spirit (Gabriele Macht) ist ein Ex-Cop, der des Nachts in seiner Stadt „Central City“ für Recht und Ordnung sorgt. Sein Erzfeind ist der Octopus (Samuel L. Jackson), ein wahnsinniger Wissenschaftler und kriminelles Genie, dass ebenso wie der Spirit, unverwundbar ist. Doch viel interessanter als die andauernden Intermezzi mit dem Octopus, sind die vielen Frauengeschichten, die der Spirit am Laufen hat. Da währe zunächst Ellen (Sarah Paulson) die Tochter des Polizeichefs, dann Sand Serif (Eva Mendes), eine Diebin die der Spirit seit seiner Kindheit kennt und Lorelai (Jaime King) der Todesengel, die Spirit niemals von der Seite weicht, außerdem noch Sliken Floss (Scarlett Johansson), die Assistentin vom Octopus… All diese Frauen repräsentieren die unterschiedlichen Stärken und Schwächen des Spirit und sind jede für sich, zehnmal interessanter als der blasse Superheld mit Machoattitüde, den Gabriele Macht verkörpert. Selten war ein Superheld so brav und langweilig wie der Spirit und das in einer so sündigen Stadt, voller schöner Frauen in sexy Outfits. Lustiger ist da schon Samuel L. Jackson als durchgeknalltes Verbrechergenie, der seinen größten Auftritt in Naziuniform zu „Deutschland über alles“ hat, allein das ist den Ticketpreis wert. Die Frauen tun das was sie hier am besten können, sexy sein und geil aussehen, selten dürfen sie mehr in einem Frank Miller Comic oder Film, das macht aber nichts.

Zuletzt sei noch vor dem merkwürdigen, manchmal kindischen, manchmal derben Humor des Films gewarnt, denn THE SPIRIT  ist deutlich weniger düster und brutal als beispielsweise SIN CITY, dafür erlaubt er sich einige echt kranke Scherze und viel Klamauk und Slapstick, mal mehr, mal weniger gut getimt. In jedem Fall aber gewöhnungsbedürftig, weil vielleicht unerwartet, darum hier die Warnung.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, für experimentierfreudige Comicfans ist THE SPIRIT sehr zu empfehlen, weil ein Pool der Kreativität und der optisch, anspruchsvollen Ergüsse. Leider kein wirklich guter Unterhaltungsfilm, weil sehr speziell und in Erzählstruktur, Dramaturgie und Dynamik deutlich eingeschränkt. Wer aber mal Lust auf was Anderes hat, und zur Not auch eine Enttäuschung in Kauf nehmen kann, der sollte es wagen ein Ticket zu lösen.

Autor: André

Glaubensfrage

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 11.02.2009 von André

Der Haussegen hängt schief, in der von Nonnen und Priestern geführten, katholischen St. Nicholas Schule, mitten in der Bronx. Zumindest sieht das Direktorin und Oberschwester Aloysius (Meryl Streep) so. Die urkonservative und chronisch übellaunige Ordensschwester, herrscht mit strenger Hand und Furcht über die Schüler von St. Nicholas. Ein Dorn im Auge, ist ihr darum der aufgeschlossene und liberale Menschenfreund, Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman), dessen Toleranz und herzerweichender Einsatz für die Gemeinde, so gar nicht zu Schwester Aloysius bewehrtem Konzept passen. Unter besonderer Fürsorge des Paters, steht der einzige schwarze Junge der Schule,  Donald (Joseph Foster II), der, auf Grund seiner Hautfarbe, kein leichtes Spiel bei den Mitschülern hat. Ausgerechnet diese besondere Fürsorge, wird Pater Flynn jedoch eines Tages zum Verhängnis, nämlich als Donalds noch junge Lehrerin und Ordensschwester James (Amy Adams) gegenüber Schwester Aloysius den Verdacht äußert, Pater Flynn habe sich an dem schwarzen Jungen vergangen. Ein schwer wiegender Vorwurf, dem Oberschwester Aloysius, nicht ganz uneigennützig, nachgeht…

GLAUBENSFRAGE basiert auf einem, mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten, Theaterstück und verstrickt auf sehr clevere Weise die Themen: Religion, Machterhalt, Denunzierung und sexueller Missbrauch, allesamt unter dem Deckmantel des Zweifels. Denn wirklich konkret, oder genau, erfährt man als Zuschauer nie, welche düsteren Ereignisse sich hinter den Mauern der katholischen Klosterschule abspielten. Stattdessen ist man angewiesen auf Meinungen und Schilderungen der Protagonisten. Ein ungemein unterhaltendes Psychospiel, welches hier mit dem Zuschauer getrieben wird, der sich immer zwischen den Stühlen der beiden, in Konkurrenz stehenden Parteien befindet, und Sympathien sowohl für den gutherzigen Pater, als auch für die grantige Oberschwester aufbaut.

Angesicht der Thematik, ist dies eine ungemein brisante und spannende Angelegenheit, bei der bis zuletzt alle Möglichkeiten offen stehen. Denn als Zuschauer lässt der Film einem viele Freiheiten und hält sich mit Anklagen und meinungsprägenden Aussagen, in allen Bereichen,  zurück. Vielmehr liefert er Indizien, streut Andeutungen und übermittelt unterschwellig Stoff zur eigenen Meinungsbildung. GLAUBENSFRAGE ist ein Film der Zwischentöne, hier ist nichts schwarz oder weiß, gut oder böse, richtig oder falsch. Jede Figur hat ihre Makel und ihre Größe und stellt den Zuschauer vor schwierige Auseinandersetzungen mit: Moral, Anstand, Recht und Pflicht. Welche Meinungen man sich bildet, wofür man sich entscheidet, darin lässt einem der Film die freie Wahl, klar ist nur, auch wenn GLAUBENSFRAGE zum Ende dann doch die Umstände konkretisiert, der Zweifel, die menschliche Fehlbarkeit, der Irrtum, bleiben bis zuletzt mit im Raum stehen und sind ein ständiger Begleiter, das ist vielleicht die wichtigste Aussage, die der Film übermitteln kann.

Ein solcher Film steht und fällt natürlich mit seinem Darstellerensemble, welches hier in Haupt- und Nebenrollen gleich mal vier Oscarnominierungen einheimste, für: Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams und Viola Davis – die die Mutter des Jungen Donald spielt. Für die leise Erzählweise und feine Regie, zeichnet sich John Patrick Shanley aus, der auch das Drehbuch adaptierte, ebenfalls oscarnominiert. Zugegeben in diesem Fall eine enorm dankbare Aufgabe, war er doch mit einer preisausgezeichneten Vorlage und solch großen Darstellern gesegnet. Viola Davis hat nur zwei aufeinander folgende Szenen, die jedoch von unheimlicher Aussagekraft und Wichtigkeit zeugen, dass ihre Rolle soviel Anerkennung fand. Ein seltenes Geschenk für einen Darsteller und natürlich sehr überzeugend gespielt. Amy Adams ist die naive Unschuld des Films, ihr Charakter ist der einzige, dem alle Sympathien ohne Zweifel gelten, leider ist sie dadurch auch am uninteressantesten, obwohl sie von zentraler Wichtigkeit für die beiden Kontrahenten Streep und Hoffman ist, kämpfen diese doch unterschwellig um ihre Gunst. Philip Seymour Hoffman ist, wie immer, genial, auch wenn diese Rolle nicht sein höchstes Können abverlangt. Das Highlight des Films ist jedoch Meryl Streep, sie schafft es, aus einer archetypischen Oberschwester, einen glaubwürdigen Menschen zu machen und obendrein als tyrannisches Miststück, dennoch Sympathien zu gewinnen, in diesem Punkt kommt ihre Rolle der aus DER TEUFEL TRÄGT PRADA sehr nahe und selbstredend verdient Streep für diese Performance alle Lorbeeren die sie kriegen kann.

Kein Zweifel also an der Qualität von GLAUBENSFRAGE, ein leiser brisanter Film, der einem Aussagen nicht aufzwingt sondern anbietet und mit hochkarätigen, allseitig, überzeugenden Darstellern brilliert. Ein Ereignis im Kino, dass man ein einfach nicht verpassen darf.

Autor: André