Batman Begins

„Warum Fledermäuse Master Bruce?“
„Weil sie mir Angst machen und ich will, dass meine Gegner meine Angst teilen.“

Nur noch wenige Wochen bis zum dscht. Start – der von mir heiß ersehnten Fortsetzung – der „Batman“ Filmreihe, mit dem wunderbaren Titel „The Dark Knight“, wie Batman außerdem liebevoll von seinen Fans genannt wird. Zeit also, dass ich – und jeder der mag – nochmal einen Blick auf den Vorgänger „Batman Begins“ aus dem Jahre 2005  werfe/wirft, um den Werdegang meines liebsten Superhelden erneut  ins Gedächtnis zu rufen und natürlich, weil mir dieser Tage keine Aktion zu schade ist, um den Hype des dunklen Ritters noch zu verstärken. ;)

Batman Begins“ ist bereits die fünfte Leinwandadaption des Fledermausmannes, der bis dato zweimal von Regisseur Tim Burton und – leider auch – Joel Schumacher inszeniert wurde. In das hautenge, schwarze Latexkostüm mit den spitzen Öhrchen schlüpften seitdem Michael Keaton (2x), Val Kilmer, George Clooney und nun also Christian Bale unter der Regie von Christopher Nolan.

Zur Freude aller Fanboys, hat sich Nolan dazu entschieden den dunklen Ritter aus dem kitschig, bunten Kirmesuniversum – in das ihn Schumacher einst verbannt hat – heraus zu holen und ihn wieder in ein düsteres, bedrohliches Gotham City zu stecken. Damit sich dieses aber auch von der gothikartigen Märchenwelt eines Tim Burton unterschied, musste ein neuer Look gefunden werden. Im Ergebnis sehen wir ein Gotham City welches sich stark an heutigen modernen Metropolen orientiert: klinisch, steril, mit klaren Linien und moderner Architektur, inspiriert von Städten wie New York, Los Angeles und natürlich Chicago, wo ein Großteil des Films gedreht wurde.

Außerdem wollte Nolan seinem Publikum einen klareren Einblick in die Organisation des Helden gewähren, vor allem im Bezug auf seine technischen Spielsachen: Kostüm, Waffen, bis hin zum bulligen Batmobil, da Batman ja bekanntlich ein Held ohne Superkräfte ist – dafür aber mit nahezu unbegrenzten finanziellen Mittel – braucht er all diesen Schnick Schnack um gegen das organisierte Verbrechen bestehen zu können. So lässt Nolan also den Milliardär Bruce Wayne/Batman seine Ausrüstung aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung seines eigenen Unternehmens „Wayne Enterprise“ beziehen sowie Einzelteile seines Kostüms über diverse Scheinfirmen aus Eurasien importieren. Natürlich findet die Endfertigung all dessen, von Bruce und seinem Butler Alfred selbst durchgeführt, im geheimen Unterschlupf – der Bathöhle – unterhalb des pompösen Anwesens „Wayne Manor“ statt.

Einerseits ist es natürlich interessant mal genauer zu beleuchten, wie Batman eigentlich seine Verbrechensbekämpfung managet. Andererseits nimmt Nolan damit dem Charakter einen Großteil seiner mystischen Aura. Batman soll kein Mann in einem Kostüm sein, sondern – wie Wayne es auch selbst im Film beschreibt – ein Symbol, ein Monster, etwas unverwüstliches, etwas unheimliches und dann im nächsten Moment zu zeigen, dass dieses Monster nicht mehr ist, als ein gut organisierter, disziplinierter und Milliarden schwerer Mann, scheint dann doch etwas kontra produktiv zu sein.

Die eigentliche Stärke von „Batman Begins“ liegt aber auch ganz wo anders. Nolan ist nämlich der erste Regisseur, der sich entschlossen hat – im immerhin fünften Film von Batman – den Protogonisten, sprich Bruce Wayne/Batman, zu thematisieren und genauer zu beleuchten. Fast schon verwunderlich, dass vor ihm niemand auf die Idee gekommen ist – die anderen Batman-Filme beschäftigten sich größtenteils mit seinen Gegnern – immerhin birgt der Charakter ein enormes Potenzial mit, welches zu betrachten sich durchaus lohnt, wie zahlreiche Comicvorlagen des dunklen Ritters außerdem belegen. So beschäftigt sich Nolan im ersten Teil seines Films also außergewöhnlich stark – für einen Blockbuster – mit der Psyche und den Ängsten von Bruce Wayne. Bevor dieser nämlich in sein schmuckes Kostüm steigt und zum Batman wird, muss er sich erstmal mit sich selbst auseinander setzten, erwachsen werden, Fehler machen, seine Ängste konfrontieren und schlussendlich lernen, was es bedeutet für Gerechtigkeit zu kämpfen und welchen Preis diese Entscheidung mit sich bringt. Ein starker Auftakt für einen Comichelden und verständlich warum deshalb die Gegner „Ras Al Gul“ und „Scarecrow“ nur als Randfiguren fungieren können und lediglich dafür sorgen, dass Batman in der zweiten Hälfte des Films auch ein bisschen was zu tun bekommt, was auch dem Rhythmus des Films gut tut, da dieser erst wirklich anzieht und Stimmung macht, wenn Batman dann auch endlich auftaucht. Vorher kann man nur drauf hin fiebern und zusehen wie Christian Bale den Charakter mehr als gelungen portraitiert und für das Extrem: Batman, ein glaubwürdiges Motiv liefert.

Ohnehin ist „Batman Begins“ – bis auf eine Ausnahme – mit einem großartigen Cast gesegnet, der bis auf die kleinste Nebenrolle mit hochkarätigen Namen glänzt. Jede Rolle zu beschreiben würde den Rahmen dieser Review sprengen, darum seinen nur kurz die wichtigsten Namen erwähnt: Christian Bale, Michael Caine, Liam Neeson, Gary Oldman, Cillian Murphy, Tom Wilkinson, Rutger Hauer, Ken Watanabe und Morgan Freeman – die Ausnahme bildet übrigens Katie Holmes, die in ihrer Rolle als Staatsanwältin schlichtweg viel zu jung und kindlich wirkt und in der Fortsetzung durch die bedeutend bessere Maggie Gyllenhaal ersetzt wurde.

Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Inszenierung der Aktionszenen. Nolan wollte nämlich – anders als die meisten Comicverfilmungen – größtenteils auf CGI Bilder verzichten um den Realismus – im Rahmen dieses Fantasie/Abenteuers – zu wahren. Das Stichwort hieß Authentizität: echte Explosionen, echte Kämpfe, echte Stunts, was toll gelungen ist – ein Highlight des Films ist die Verfolgungsjagt mit dem bulligen Batmobil – lediglich beim Schnitt der Kämpfe ist Nolan etwas übers Ziel hinausgeschossen. Diese sind so hektisch und schnell geschnitten, dass man dem Ablauf kaum folgen kann und nur wenig von Batmans Kampfkunst zu sehen bekommt. Nolan wollte den Zuschauer in die Rolle von Batmans Gegnern versetzen, ihnen zeigen wie wuchtig, unheimlich, schnell und verwirrend Batmans Attacken auf sie wirken. Gut gemeint, aber das Publikum möchte eben viel lieber genau sehen wie Batman kämpf, ein Kritikpunkt den sich Nolan übrigens zu Herzen genommen haben soll, weshalb man in der Fortsetzung nun mit – sichtbar – toll choreographierten Kämpfen, entschädigt werden soll, ob das stimmt bleibt abzuwarten.

Klar ist – neben Burtons visuell bestechender und atmosphärisch geladener Gothik-Märchenwelt – ist „Batman Begins“ der erste wirklich ernst zu nehmende Batman-Film, der sich als erstes ausführlich mit dem Charakter des Helden befasst und seinen Werdegang sowie seine Motivation das zu tun, was er eben tut, ausführlich zu beleuchten. Dieser Prozess ist sehr lobenswert, auch wenn Nolan an vielen Stellen noch Steigerungspotential offen lässt und sein Batman-Film sicherlich nicht perfekt ist, so ist er doch auf einem sehr guten Weg eine Reihe von Filmen zu kreieren die dem dunklen Ritter wahrlich würdig sind.

Autor: André

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