Australia

Wer ist bitte Baz Luhrmann? ,war meine erste Frage nachdem ich den Teaser zu AUSTRALIA gesehen hatte. Nach kurzer Recherche im Netz war ich klüger, es ist der Typ der ROMEO & JULIA sowie MOULIN ROUGE! inszeniert und geschrieben hat – Drehbücher natürlich, schon klar, dass R&J von Shakespeare ist – beide Filme ließen mich nach erster Betrachtung spontan durchs Wohnzimmer reihern, denn es lässt sich nicht leugnen, dass Luhrmann eine gewisse Affinität zu Kitsch, Schmalz und Schrillheit hat, zumindest darf man seinen bunten, überdrehten Stil als gewöhnungsbedürftig bezeichnen.

Glücklicherweise, verhält sich AUSTRALIA da schon etwas gesetzter, zwar frönt Luhrmann auch hier der Naivität und dem Kitsch alter Schmonzettenfilme wie VOM WINDE VERWEHT oder LEGENDEN DER LEIDENSCHAFT, dass hat aber, wenn man sich drauf einlässt, einen gewissen Charme, denn immerhin bleibt Luhrmann seinem Stil treu und wagt es in Zeiten, in denen die vorherrschenden Mittel guter Filme, Reduktion und Realismus lauten, mit opulent verträumten und kitschig verspielten Bildern, eine wilde Mixtur aus Abenteuer, Romanze und Kriegsdrama auf die Leinwand zu bringen.

Im Zentrum der alles ineinander verwustenden Geschichte stehen Nicole Kidman und Hugh Jackman als wunderbar überdrehtes Traumpaar. Beide geben hier Musterrollen, Sie die etwas naive englische Lady von gutem Stand und Haus, Er den ungehobelte Raufbold mit gutem Herz und Machoattitüde. Nach anfänglichen Differenzen funkt es natürlich heftig zwischen den beiden und kaum hat sich das Traumpaar gefunden, wird es auch schon auf die Probe gestellt, denn der Streit um den Adoptivsohn treibt die beiden auseinander und schlussendlich droht ihre Liebe sogar noch im Bombenhagel der japanischen Fliegerflotte zu erlöschen, dramatisch, dramatisch.

Wie schon in seinen vorherigen Filmen, scheint es Luhrmann nicht zu kümmern, dass seine Geschichte und Charaktere quasi direkt aus einem schmalzigen Kitschroman auf die Leinwand übertragen sein könnten. Viel mehr scheint es ihm Freude zu machen, klassische Bestandteile der Trivialliteratur zu bebildern und dabei weder Kosten noch Mühe zu scheuen, denn AUSTRALIA sieht nicht nur surreal und künstlich, sondern vor allem episch und groß aus, wie eine erdachter Welt aus einem Paralelluniversum in der alles möglich ist, magisch und verspielt, ein Traumland welches sich wieder zu den Wurzeln der großen klassischen Hollywoodfilme begibt und – was enorm wichtig ist – sich dabei nicht so wichtig nimmt, den der Film ist sich seiner Klischees, seiner kitschigen Bilder und schmalzigen Geschichte durchaus bewusst und weis all diese Elemente auch gelegentlich zu ironisieren. Im Vordergrund steht der Spaß und die Ambition eine künstliche Welt zu schaffen, in die der Zuschauer für 2 ½ Stunden eintauchen kann, um zu Träumen und in einem farbenprächtigen Bilderrausch zu schwelgen, wie man ihn eben nicht alltäglich, sondern nur im Film finden kann.

Das auch den Darstellern dieses Konzept zusagt, ist an ihrer Spielfreude anzumerken, besonders Nicole Kidman wagt sich weit vor und legt ihre englische Lady enorm überzeichnet und over acted an, nur um in den richtigen Momenten dann wieder mit Feinheit und Präzision zu glänzen. Auch Hugh Jackman genießt seine Rolle zwischen Indiana Jones und Crocodile Dundee sichtlich und gibt gerne den heroischen Abenteurer und Traumprinzen. Wie bereits erwähnt, zeichnen sich die Charaktere nicht grade sehr komplex und bleiben größtenteils in Klischeeverhalten stecken, doch beide Darsteller verkörpern dies mit einer Leichtigkeit aus Ironie und Charme, das es immer glaubhaft wirkt und einen nicht aus der Geschichte reißt.

Überhaupt wirkt die wilder Mixtur der übergreifenden Genre äußerst passend für einen solchen Film, denn sie  sorgt für reichlich Abwechslung im Geschehen, sodass, trotz der enormen Laufzeit und durchschaubaren Geschichte keine Langeweile entstehen kann und der Zuschauer stets unterhalten bleibt. Vorrausetzung ist natürlich, dass man sich auf einen derartigen Film einlassen kann. Wem klassische Filmfiguren und überzeichnet, kitschige Traumwelten zu wider sind, für den ist AUSTRALIA natürlich überhaupt nichts und der sollte diesen Film auch tunlichst meiden, den er würde ihn hassen und verteufeln und damit läge er falsch, denn AUSTRALIA hat zu viele Ambitionen, zu viel Engagement und ist viel zu speziell, um ihn einfach als schlechten Film ab zu tun, ob er gefällt oder nicht ist einfach Geschmackssache, es gibt sicherlich bessere Filme, aber es gibt auch unzählig Schlechtere.

Autor: André

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