Ananas Express

„Ich bin Gerichtszusteller.“

„Du stellst Gerichte zu, wie ein Kellner?“ 

 

Eins muss man hier mal festhalten „Kifferkomödien sind nicht lustig“ es sei den, man ist sechzehn Jahre alt und vom inhalieren diverser Pflanzenkräuter dermaßen zugedröhnt, dass man sich auf das Niveau von HALF BAKED, LAMMBOCK oder dem Urvater aller Kifferkomödien CHEECH & CHONG herab lassen kann. Steht auf dem besagten Produkt allerding der Name „Apatow“ dann lohnt sich in der Regel ein genaueres Betrachten, denn Judd Apatow – beschäftigt als Regisseur/Autor und Produzent – feiert seit einigen Jahren großen Erfolg mit einer ganzen Spate gelungener Komödien, die meistens einen hohen Allgemeintauglichkeitsfaktor haben, sich aber dankt der Liebe zu ihren Charakteren, einem Stammpersonal aus Komiker-Assen und vielen versteckten Filmreverenzen, positiv aus der breiten Masse der Mainstream Komödien hervor tun.

ANANAS EXPRESS – bei dem Apatow nur produzierte – ist allerding etwas spezieller, weil er sich auf Grund des Kifferduos Dale (Seth Rogen der auch am Drehbuch mitschrieb) und Saul (James Franco) augenscheinlich an eben jene Zielgruppe wendet, die auch sonst für Kifferkomödien empfänglich sind. Zum Glück nimmt die Story aber nach einem vor sich hin dümpelnden Anfang, bei dem alle Kiffklischees abgearbeitet werden, ordentlich Fahrt auf und verstrickt sich in einen abgedrehten, aberwitzigen Trip, mit unerwartet actionlastigen Passagen und ungewöhnlich – für eine Komödie – brutal inszenierten Einwürfen.

Die Story dreht sich um die beiden Lowlifes Dale und Saul, Dale ist Gerichtszusteller und mit einer Highschool Schülerin leiert, außerdem qualmt er gerne Pod, was Ihn mit Saul in Verbindung bringt, der ist nämlich sein Lieblingsdealer. Eines bekifften Abends wird Dale Zeuge eines Mafiamordes bei dem auch eine korrupte Polizistin involviert ist. Überstürzt flüchtet Dale zu seinem Kumpel und hinterlässt eine breite Spur von Hinweisen, die die Täter gradewegs zu ihm und Saul führen. Das Duo muss flüchten und begibt sich auf einen durchgeknallten Trip Richtung Nirgendwo…

Independent-Style, überzeichnete Gewalt, durchgeknallte Charaktere, abgedrehte Situationen, Regisseur David Gordon Green ist sichtlich um den Klutfaktor seiner Komödie bemüht, dafür fehlt dem Ganzen aber die Genialität, die treffsicheren Pointen und die Balance. Das alle mächtig Spaß hatten wird aber schon deutlich und der finale actionlastige Shotout ist sicher etwas, das einem im Gedächtnis bleibt.

Seth Rogen und James Franco sind ein wunderbares Komiker-Paar, beide gehören zum Stammpersonal der Apatow Produktionen und haben ihr Gespür für Timing bereits einige Male in unterschiedlichen Komödien bewiesen. Besonders Franco – den meisten als Harry aus SPIDER-MAN in Erinnerung – der sich in Dramen immer etwas schwer und hölzern gibt, fällt in Komödien stets positiv auf. Zusammen mit Rogen – der sich auf dieses Genre perfekt eingeschossen hat – ergibt sich dadurch ein sich großartig ergänzendes, sympathisches Duo, welches auch über diverse Rohrkrepierer und den lahmen Anfang von ANANAS EXPRESS hinweg trösten kann.

Unterm Strich hat man also nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten viel Spaß an diesem durchgedrehten Buddymovie, dafür sorgt die ungezwungen gute Stimmung der Darsteller und ihr Timing für Komik, die im Kontrast dazu stehende brutale Action sorgt für die nötige Würze und den Überraschungsfaktor. ANANAS EXPRESS ist wie gemacht für einen unbekümmerten Abend mit den Kumpels und ein zwei Bier.

Autor: André

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