American Gangster

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Inhalt: New York City in den frühen 70er Jahren. Kleine und große Gangster durchstreifen die Straßen, die Polizei der Stadt ist durchsetzt von Korruption. Das amerikanische Volk zahlt in Südostasien ebenso wie im eigenen Land einen vernichtend hohen Preis für den Vietnam Krieg. Die Soldaten der US-Armee kehren entweder in Särgen nach Hause zurück oder als Abhängige einer neuen Droge namens Heroin – die sie bald mit unzähligen Junkies in der Heimat teilen.

Unter Mithilfe korrupter Polizisten kann die Mafia in diesem monopolistischen Markt ungestraft ihre Geschäfte machen und verkauft Tausende von Kilo an all die, die hungrig nach dem notwendigen Stoff sind. Um dieses System aufrecht zu halten, zahlt eine privilegierte und unantastbare Klasse weißer Männer Hunderte von Millionen Dollar an die Richter, Anwälte und Polizisten New Yorks: Die Cosa Nostra und ihre Handlanger regieren die Straßen, und die Gesetzeshüter schweigen zu diesem für alle Beteiligten nutzbringenden Geschäft – bis ein Afroamerikaner namens Frank Lucas (Denzel Washington) in das Spiel einsteigt…

Niemand hat ihn auf der Rechnung, den stillen Helfer von Bumby Johnson, einem der führenden schwarzen Gangsterbosse der Stadt. Aber als Bumby plötzlich verstirbt, macht sich Lucas das Vakuum in den Machtstrukturen zunutze – er will sein eigener Boss sein, sich sein eigenes Reich aufbauen und seine eigene amerikanische Erfolgsgeschichte schreiben. Eine Schule hatte er nie besucht, doch er kann auf jahrelange Erfahrungen in den Straßen New Yorks zurückgreifen. Diese Erfahrungen nutzt er – zusammen mit seinem Einfallsreichtum und seiner strengen Geschäftsethik – um den Drogenhandel der innerstädtischen Gegenden an sich zu reißen. Dank genialer Geschäftsmethoden kann er die Straßen mit reinerem Stoff zu einem besseren Preis versorgen: Mit seinem “Blue Magic”-Heroin ist Lucas bald allen anderen führenden Gangstersyndikaten überlegen. Der loyale Familienmensch wird zum Helden der Straße und Teil eines elitären Zirkels von Superstars im New York der frühen 70er – aber auch zu einem der skrupellosesten Gangster der Stadt.

Auf der anderen Seite steht der hartgesottene Cop Richie Roberts (Russell Crowe). Er weiß fast alles über die Gesetze der Straße und ist nah genug am Geschehen, um zu fühlen, dass sich die Machtverhältnisse in der Drogenunterwelt verschieben. Er glaubt, dass es jemanden gibt, der die Leiter nach oben klettert, außerhalb und über den bekannten Mafia-Familien – und in ihm keimt der Verdacht, dass sich einer aus den Reihen der Afroamerikaner New Yorks aufgemacht hat, die Szene zu dominieren. In einem nervenaufreibenden Puzzlespiel setzen er und sein Spezialteam die Details zusammen.

Sowohl Lucas als auch Roberts folgen dabei einem strikten Ehrenkodex, der sie von ihresgleichen abgrenzt und sie zu Außenseitern auf entgegengesetzten Seiten des Gesetzes macht. Aber die Schicksale der zwei Männer laufen unaufhaltsam ineinander, und sie nähern sich einer Konfrontation, die nicht nur ihr eigenes Leben verändern wird, sondern auch das einer ganzen Generation in New York City… (Pressetext: Universal)

Kritik: Im Jahr 2000 schrieb der Journalist Mark Johnson für das “NY Magazine” einen Artikel (“The Return Of The Superfly”) über die Biographie des bis dato ziemlich unbekannten Mafiaboss Frank Lucas – ein Stoff geradezu geschaffen für die Leinwand. Doch es dauerte dann letztendlich doch noch ganze 7 Jahre, bis der fertige Film im Kino zu sehen war. 2001 wollte sich Antoine Fuqua (“Training Day”) daran versuchen (Bereits mit Denzel Washington aber dafür dann mit Benicio Del Toro), doch einen Monat vor Drehstart im Jahr 2004 stoppte Universal das Projekt aus Kostengründen. Später scheiterten auch noch Brian De Palma (u.a. “Scarface”, “The Black Dhalia”) und Terry George (“Hotel Ruanda”) an der Umsetzung. Als “American Gangster” schon fast beerdigt war, kam die Produktion erst durch eine gewaltige Superstar-Kombination wieder ins Rollen. Regie: Ridley Scott (u.a. “Alien”, “Blade Runner”, “Gladiator”), Drehbuch: Steven Zaillian (u.a. “Schindlers Liste”, “Gangs of NY”), Hauptrollen: Denzel Washington und Russell Crowe.

Scott lässt sich Zeit für seine Charaktere: Satte 158 Minuten, die allerdings keineswegs zu lang erscheinen sondern genau richtig aufgeteilt sind, befinden wir uns in seinem epialen Abstecher durch die Harlemer Gangster und Drogenszenerie. Er beweist einmal mehr solides, sogar streckenweise außergewöhlich gutes Regiehandwerk und setzt seine Figuren fast immer ins richtige Licht. Jeddoch wirken einige kleinere Szenen, zwar nicht vollkommen unnütz, aber zumindest schwach. Sie sollen eigentlich den jeweiligen Charakteren mehr Tiefe verleihen, so wie es z.B. auch Sofia Coppola gerne und immer wieder großartig in ihren Werken tuet. Jeddoch wirken diese Szenen dann oftmals zu aussagelos als das sie wirklich etwas bewirkten. Dies mag allerdings auch, zumindest in Crowes Fall, teilweise am schauspielerischen Talent liegen. (Ja ich mag den Mann einfach nicht!) Nicht das er durch die Bank nicht schauspielern kann, aber er hat nunmal starke Momente und weniger starke Momente.

Jeddoch beweist uns dafür Denzel Washington wieder einmal mehr, durch seine durch-und-durch glanzvolle Vorstellung, das er seine mittlerweile 2 Oscars doch schon zu Recht verdient hat. Er erzeugt mit Franc Lucas Charakter nicht nur eine glaubhafte Figur, sondern er schafft es auch, im Gegensatz zu Kollegen Crowe, eine wirkliche Tiefe mit menschlichen Urpfeilern und Beweggründen in dieser Rolle zu erschaffen. Ich würde diesem Mann so ziemlich alles abkaufen, selbst wenns schimmliges Brot wäre.

Ridley Scott, und das ist wohl einer der Vorteile des Filmes aber gleichzeitig auch einer seiner größten Nachteile, versucht sich, (leider) nicht wie es das Genre z.B. mit der “The Godfather”-Triology schon fast vorschrieb, mit einer völlig untypischen Erzählweise. Natürlich wirkt diese sehr menschliche Herangehensweise in “American Gangster” zunächst einmal sehr erfrischend und auch neu und unbekannt. Und Scott versucht zwar auch ein starkes 70ths Feeling aufzubauen und schafft dies auch wunderbar, jeddoch verfehlt er dabei das noch viel wichtigere Element: Das epische Feeling eines Gangsterfilmes dieser Art. Den dieses bleibt fast gänzlich auf der Strecke.

Man könnte fast sagen das alles “zu menschlich wirkt”! Denn dadurch das wir nunmehr keine klare Linie zwischen Gut und Böse in “American Gangster” ziehen können und sogar der eigentliche Bösewicht im Grunde seine nachvollziehbaren Beweggründe hat und lediglich eine falsche Herangehensweise, verliert die eigentliche Story somit gleichzeitig an Charme. Und eine Konfrontation zwischen Cop und Gangster am Ende des Filmes, welche ja unausweichlich ist, hat weder etwas rein gutes noch etwas rein schlechtes sondern bietet nur etwas “auf beiden Seiten” vollkommen nachvollziehbares.

Der Twist am Schluß bietet dann lediglich die zwar ebenso nachvollziehbare und logisch konsequente, aber dafür dann leider zu kurze und unausgereifte, Weiterführung eines sich im Genre verheddernden Erzählstrangs. Nicht das wir uns falsch verstehe: Ich bin ein Fan dieser Erzählweise, jeddoch hätte ich mir einfach ein wenig mehr klarere Fronten zwischen den Protagonisten gewünscht, denn sowas macht nunmal einen Gangsterfilm aus! Leider funkt dabei natürlich auch ein wenig die Herkunft des Stoffes dazwischen und selbst ein herrvorragender Drehbuchautor wie Steven Zaillian kann natürlich an der Realität nichts ändern oder sollte es zumindest auch nicht allzu weit.

Fazit: “American Gangster” ist zwar eine handwerklich überdurchschnittlich gute Charakterstudie (bis auf die letzten paar Minuten wo auch mal wieder unverständlicherweise einfach nur noch auf die Uhr geschaut wurde) allerdings kein Gangsterepos wie es uns der Trailer vermuten ließ. Hätte man bei der Umsetung ein wenig mehr “Genre” hineingestreut wäre er fantastisch, so allerdings ist er eher leicht über Durchschnitt! Sorry Scott…

Autor: Sven

3 Kommentare zu “American Gangster”

  1. André

    also ich fand Crowe ebenso überzeugend wie Washington vllt. weniger sympathisch, dass lag aber am Charakter. Crowe verkörpert im Film das komplette Gegenteil von Denzel: rebellisch, chaotisch, undiszipliniert, schlechtes Erscheinungsbild, Familie kaputt und wechselt die Frauen wie Unterwäsche dennoch im Kern gut und rechtschaffend, diese Mischung aus Macho und Teddybär passt meiner Meinung nach hervorragend zu Crowe.

    Denzel wirkt nur cooler weil er der Böse ist. Er macht seine eigenen Regeln, hat feste Prinzipien, ist Loyal, hat Stil, Selbstbewusstsein, Erfolg und ist obendrein sehr charismatisch aber das alles nur nach Außen. Im Kern ist er die Bestie: kaltblütig und grausam, knallhart und skrupellos (wie du schon angedeutet hast) kommt der Gangster viel zu sympathisch rüber, ich denke das liegt am Ausgang des Films.

    Auf das Ende bezogen wäre der Film vermutlich viel schockierender geworden, hätte man Denzel in seine Rolle als Gangster durch und durch Böse aussehen lassen. Diesen Effekt wollte man scheinbar aber nicht erreichen, sondern eher eine gewisse Ballance (Gerechtigkeit wenn man so will) dass ist aber wiederum auch nicht Geglück. Dafür ist das Ende sehr real und ja auch tatsächlich so gewesen, hätte man als Geselschaftskritisch auslegen können aber dafür wars erneut zu braf…

    Naja ich verlier mich hier grade in Interpretationen…unterm Strich: guter Film sehenswert, handwerklich enorm, trotz Länge nicht langweilig, soll doch jeder selber gucken ;)

  2. moritz

    hi, nochmal.

    die konsequente benutzung des wortes “jeddoch” lässt zwar leichte legasthenie vermuten, aber deine kritik ist durchaus zutreffend.gangsterepen gehen halt anders, wie es francis ford coppola, martin scorsese und – etwas umstitten, da “the untouchables” nicht von allen geschätzt wird, wie von mir – brian de palma vorgemacht haben. dennoch (hier mit doppel “n”) ist der film durchaus erträglich und für multiplex-verhältinisse (die ich schmerzlich kennen lernen musste) sogar sehr gut.

    mfg
    moritz

    ps: warum ich mich hier überhaupt einmische? hab vor 2 tagen mit sven per icq gechattet und der hat mich mal wieder auf weltraumaffe hingewiesen. hab auch schon nen kommentar zu seiner “best movies ever”-liste hinterlassen, aber das liegt ja wohl schon zu weit zurück, als dass ihr das beachtet.
    pps: sorry für die klugscheisserei, aber “jeddoch” bereitet mir körperliche schmerzen…
    pps: freu mich auf die kritiken zu “abbitte” und “von löwen und lämmern”, letzterer ist aber – meiner bescheidenen meinung nach – verzichtbar.

  3. Sven

    Deine Beschwerden, lieber Moritz, wären ja vollkommen berechtigt, wenn sie denn auch so stimmen würden. Jeddoch habe ich ja bereits auf dein Comment bei der “Ultimate Movie List” geantwortet, wie man hier sehr schön sehen kann: http://cyphix.cy.funpic.de/wordpress/?p=371#comment-107

    Wegen Multiplex:
    Jaja immer diese Sache mit dem DTS… Schlimm sowas… ;-)

    Wenigstens sind wir uns ja bei dieser Kritik zumindest einmal einig, wenn schon nicht bei allem anderen! :-) Und was “Abbitte” und “Von Löwen und Lämmern” betrifft bin ich mir noch uneins! Die Löwen würden mich ehrlich gesagt, doch schon eher reizen als die “Abbitte”. Aber ich denke dass zunächst einmal sowieso “Persepolis” folgen wird! Gibts du mir dafür denn dein OK? ;-)

    PS: Nich alles so ernst nehmen! Immer schön lächeln…

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