Abgedreht

„Ich bin Bill Murray, du bist alle andern.“

Film ist Magie; das will uns Michel Gondry in seiner schrägen Komödie Abgedreht verklickern und es gelingt ihm auch dank jeder Menge verrückter Ideen und Kreativität sowie zwei gut gelaunten Darstellern.

Jerry (Jack Black) beschließt eines Tages, das örtliche Kraftwerk zu sabotieren, das er für seine langjährigen Kopfschmerzen verantwortlich macht. Doch statt gelungener Rache wird er magnetisiert. Mit diesem Magnetfeld “bewaffnet”, besucht er seinen besten Freund Mike (Mos Def), der gerade in der Videothek von Mr. Fletcher (Danny Glover) aushilft, und löscht so aus Versehen alle Videos im Laden. Um zu verhindern, dass Ms. Falewicz (Mia Ferrow) ihrem guten Freund Mr. Fletcher etwas von dem Chaos berichtet, das sie in seinem Laden angestellt haben, beschließen die Beiden, die Filme einfach selbst nachzudrehen…(Quelle: Pressetext)

Dreh- und Angelpunkt der – in der Tat – sehr abgedrehten Story, ist das „Do it yourself“ – Prinzip (DIY), nachdem Mike und Jerry die Filmwünsche der Kunden nachdrehen. Ich hatte schon Bedenken, dass sich das Konzept des Films – durch den starken Internet-Hype und die vielen Nachahmer bei YouTube – bis zum Filmstart, schon längst ausgelutscht hätte. Glücklicherweise ist dies nicht der Fall, denn obwohl ich bereits zuvor zahlreiche, bekannte Filme nach dem DIY-Prinzip gesehen habe, konnte mich Abgedreht immer noch überraschen und auf Grund des – schier unerschöpflichen – Ideenreichtums, mit dem Mike und Jerry ihre „geschwedeten“ Filme produzieren, einfach nur verblüffen.

Auf dieser Ebene schafft es der Film tatsächlich dem Zuschauer die Faszination und Magie – die ein Film beinhalten kann – zu vermitteln und ihn für das wesentliche eines Films zu sensibilisieren. Es geht nicht um große Stars, bombastische Effekte und teure Kulissen. Es geht um die Idee, eine Geschichte zu erzählen und das mit Begeisterung, viel Kreativität und vor allem; mit Liebe. Vielleicht klingt das ein wenig kitschig, doch was Gondry versucht zu sagen ist; dass es nichts weiter als Herz braucht um einen Film zu drehen, der Rest kommt von alleine.

Zusätzlich zu dieser Botschaft, kritisiert Gondry außerdem die Kommerzialisierung von Film und zwar in Persona Mr. Fletcher (Danny Glover) und einer Anwältin (Sigourney Weaver). Mr. Fletcher muss erkennen, dass sich die Modernisierung nicht aufhalten lässt. Seine – mäßig laufende – VHS Videothek „Be kind Rewind“ geht den Bach runter, DVDs mit Action und Komödien sind gefragter als alte Videokassetten mit Filmklassikern – das traurige Fazit – Tradition und Qualität weichen der Konsum orientierten Marktwirtschaft. Der zweite Kritikpunkt betrifft die Filmindustrie; Mike und Jerry sehen sich einer Anwältin gegenüber, die beiden – auf Grund von „Copyright-Verletzungen“ – mehrere Milliarden Dollar Strafe und/oder mehrere tausend Jahren Gefängnis androht, sollten diese ihre DIY-Filmversionen nicht augenblicklich vernichten. Dies geschieht mit Hilfe einer Straßenwalze, die demonstrativ über die „geschwedeten“ Tapes fährt – Ein überdeutlicher Seitenhieb auf die Filmindustrie und ihre Methoden zur Bekämpfung von „Copyright-Verletzung“ und „Filmpiraterie“.

Den einzigen Kritikpunkt – den sich Abgedreht gefallen lassen muss – ist die zu starke Fixierung auf die oben genannten Themen. Der Film ist am Ende doch etwas zu speziell geraten, um ein breites Publikum zu begeistern, denn außer der Message „Film ist Magie“ hat die Komödie nicht viel zu bieten. Wer also keine Begeisterung für die Thematik „Film“ mitbringt, der wird doch eher enttäuscht werden. Ansatzweise bemüht sich das Drehbuch um eine kleine Romanze mit Mike sowie eine Rivalität zwischen ihm und Jerry, die ihre Freundschaft bedroht. Diese Ansätze sind jedoch so schemenhaft, dass man sie kaum war nimmt und von jetzt auf gleich verschwunden. Die Charaktere im Film muss man von Anfang an mögen, denn sie werden einem kaum näher gebracht oder in ihre Eigenarten großartig erklärt, sie sind einfach da und gefallen – oder eben nicht – damit muss man sich arrangieren.

Jedoch fällt das nicht wirklich schwer, denn Mos Def und Jack Black sind ein spitzen Team. Mos Def bringt die Ruhe und Gelassenheit mit, die es braucht um – den völlig durchgeknallten – Jack Black zu bremsen, gerne schießt dieser nämlich mal übers Ziel hinaus und neigt zur Übertreibung – das darf er aber auch, wenn er einen damit – wie hier – so zu lachen bringt. Mos Def kann man nur loben, denn der Mann hat wirklich Schauspieltalent, ganz im Gegensatz zu seinen zahlreichen Rap-Kollegen.

Das Fazit lautet; Abgedreht ist eine spezielle und ungewöhnliche Komödie über Filmliebhaber, für Filmliebhaber; voller kreativer Einfälle, Spaß und Anregungen. Garniert wird das Ganze mit einem eingespielten Schauspielduo in Hochform und einer herzlichen Botschaft „Film ist Magie“.

Autor: André

2 Kommentare zu “Abgedreht”

  1. Toby

    sehr schoen ;)

  2. André

    THX ;)

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