#9

Mit seinem Animationsfilm 9 schuf Special-Effect-Guru Shane Acker eine visionäre, post-apokalyptische Kurzgeschichte welche 2005 sogar mit einer Nominierung für einen Oscar© geehrt wurde. Die mystische Geschichte, um eine kleine Mecha-Puppe, beeindruckte Filmemacher Tim Burton so sehr, dass er Acker die Produktion einer Langfassung ermöglichte, die, mit einiger Verspätung, nun doch noch in die Kinos kommt.

INHALT: 9 erwacht in einer völlig verwahrlosten und zerstörten Welt zum Leben. Die kleine Mecha-Puppe ist das letzte Überbleibsel eines verheerenden Krieges, bei dem die Menschheit völlig vernichtet wurde. Doch 9 ist bei weitem nicht alleine, es gibt noch andere seines Gleichen, die sich vor einer brutalen und todbringenden Maschine verbergen und in ständiger Angst leben. Zusammen mit neu gewonnenen Freunden, begibt sich 9 auf die Suche nach Antworten für seine Existenz…

KRITIK:Es ist durchaus erfrischend, mal einen ambitionierten Animationsfilm zu sehen, der nicht von PIXAR stammt. Zwar kann auch #9 nicht am Thron des unangefochtenen Animationsfilmgiganten rütteln, jedoch scheinen die Macher zumindest begriffen zu haben, dass ein guter Film zunächst einmal nichts weiter braucht als eine ambitionierte Idee, aus der sich eine beherzte Geschichte formen lässt. Diese fällt im Falle von #9 zugegebener Massen recht einfach und klassisch aus, fesselt aber enorm durch atmosphärische Dichte und ein tolles Design.

Shane Acker erschafft eine düstere und Geheimnis umwobene Welt, die in jedem Winkel und hinter jeder Ecke, neue Fragen aufwirft und andere spannende Geschichte vermuten lässt. Es gilt Zeichen zu deuten, Rätsel zu entschlüsseln und in der vergangenen Geschichte zu forschen. All dies erzeugt eine sehr Dichte mystische Aura, die weit über den simplen Konflikt von Gut gegen Böse hinaus geht. Darüber hinaus kreiert #9 alptraumhafte Szenarien, mit überraschend konsequenter Härte, wodurch der Film gleich mal mit einem weit verbreiteten Animationsfilmklischee aufräumt: „Animationsfilme sind in erster Linie für die lieben Kleinen. Wer dies annimmt wird mit #9 sein blaues Wunder erleben, zwar wirken die kleinen, beseelten Mecha-Puppen in ihrer unschuldig, naiven Art, recht liebenswert und knuffig, jedoch sind ihre emotionslosen mechanischen Gegenstücke die Essenze allen Übels und gehen mit radikaler Brutalität und boshafter Hinterlist gegen die kleinen Saubermänner vor. Die düstere, alptrauhafte Welt von #9 ist kein Kinderspielplatz, hier bekommen die kleinen Angst, garantiert.

Für ein älteres Publikum hält #9 mystische, düstere Bilder und viele kreative Ideen bereit. Das beginnt schon beim liebevollen Design der kleinen Mecha-Puppen die entsprechend ihrer Charakterzüge mit passenden Gimiks ausgestattet wurden oder den fiesen Maschinen die mit Skelettschädeln und deformierten Puppenköpfen aufwarten, bis hin zu den alptraumhaft gestalteten Hintergründen von denen jeder eine eigene Geschichte erzählen möchte, die aber größtenteils ungehört bleibt, was nur mehr zur bedrohlichen, melancholischen Grundstimmung des Films beiträgt.

Da macht es auch fast nichts, dass die Charaktere wenig Wandlung vollziehen und die Geschichte, trotz größerem Potential, in recht einfachen Bahnen und klaren Linien verläuft. Hinter dem simplen Konstrukt einer spannenden Geschichte, verbirgt sich eine reiche, detaillierte Welt von atmosphärischer Dichte und einer klaren Vision. Somit geht #9 einen recht kompromisslosen, konsequenten Weg, der es ihm sicherlich nicht einfach machen wird von Publikum beachtet zu werden, erst recht, da er auf neu modischen SchnickSchnack, wie 3D verzichtet.

Dennoch verdient #9 Aufmerksamkeit, den er bringt frischen Wind ins von PIXAR dominierte und ansonsten ideenlose Animationsfilmgenre, weshalb es von mir auch extra beherzte 3,5 wELTrAUMaFFEN gibt.

Autor: André

Gib uns deinen Senf!