3oo

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„Noch heute…speisen wir…in der HÖLLE!!!“
Das lang erwartete Comicspektakel 3oo – von Regisseur Zack Snyder und Comickünstlerlegende Frank Miller – ist geglückt und bietet nicht weniger als ein exzessives, durchgestyltes, bis in die Spitzen dramatisiertes Schlachtengemälde voll gestopft mit Pathos, Testosteron, Blut, Leidenschaft und Extasse.
In 3oo wird sich kräftig ausgetobt; scheiß auf Moral, Realismus, politische Korrektheit oder historische Genauigkeit. Die Comicadaption von Zack Snyder will nicht lehren, aufklären oder ein Ideal glorifizieren, sie will schlicht und einfach unterhalten und dabei cool, abgefahren und neuartig aussehen. Bravo! kann ich nur sagen, denn all das ist Snyder wirklich fabelhaft gelungen. Sein Sandalettenepos sieht tatsächlich genauso abgehoben und surreal aus, wie Frank Miller es in der gleichnamigen Comicvorlage zum Film vorbetet. So wurde eine Welt geschaffen voller Melangkolie und Romantik, aber auch Grausamkeit und Finsternis. Eine Comicwelt voller Kontraste und Abstraktionen, hier wandeln bizarrer Gestalten: Wölfe mit leuchtenden Augen, riesengroße Monster mit Klingen statt Armen, gigantische Elefanten und Nashörner, phantomartige Ninjakrieger, Hexenmeister mit explodierenden Elixieren, deformierte Tänzerinnen, Bucklige und Riesen. In 3oo gibt es jedemenge zu sehen, visuelles Eyecandy mit hohem gestalterischem Anspruch, perfektes MännerKino schon allein der Optik wegen.
Die Handlung dagegen ist einfach gehalten, die Charaktere oberflächlich und die wenigen Dialoge brillieren höchstens durch kernige Einzeiler und Machosprüche. Doch den fehlenden Tiefgang hab ich zu keiner Zeit vermisst, denn 3oo kommt daher wie ein spektakulärer Actionkracher mit charismatischen Anti-Helden, wer hier Anspruch sucht hat sich im Genre vergriffen. Hier wird nicht verbissen über Moral und Anstand diskutiert, verliebt rumgesäuselt oder geheult. Hier gibt’s auf die Fresse, hier spritzt literweise Blut, hier hat man Spaß am Rummetzeln und Abschlachten. Dem Tod wird entgegengelacht und genüsslich ein Äpfelchen gekaut, während um einen herum die verwundeten Feinde abgestochen werden. Die Message: Krieg ist Geil!!! Nur die Harten komm in Garten und der Tod für Ruhm und Ehre ist besser als Sex.
Aber bitte, selbstverständlich ist nichts davon ernst gemeint und wer dies - trotz surrealler Gestaltung und völlig überdrehter Dramatik – dennoch denkt, dem könnte auch kein politisch korrektes Disneyfilmchen mehr zu plausiblen Gedankengängen verhelfen.
Die dominierende Action des Films toppt in der Tat alles bisher Vergleichbare. Die Spartaner rocken auf dem Schlachtfeld in perfekt und spektakulär choreographierten Gemetzeln bei dehnen – dank Zeitraffer – immer wieder das Tempo manipuliert und so jede Bewegung der Muskelgestählten – Null-Körperfett Kampfmaschinen - glorifiziert wird. Ich war fast peinlich berührt, dass ich da faul im Kinosessel saß und Nachos mampfte, während die Jungs auf der Leinwand bei allem was sie taten aussahen wie in Bronze gegossen.
Anfangs noch annehmbar, zum Schluss hin aber echt nervend, war der dazu gedichtete Subplot um Königin Gorgo. An sich war die Geschichte o.k. – Intention: weibliche Identifikationsfigur, Frauenpower usw. sie konnte nur nicht mit Leonidas und seinen Jungs auf dem Schlachtfeld mithalten und war daher ein echter Stimmungsdämpfer – fast schon wie ein Werbebreak – uninteressantes BlaBla. Das dieser Handlungsstrang nicht der Comicvorlage entstammte, ist deutlich spürbar und nimmt immer wieder das Tempo aus dem sonst so rassanten Schlachtenfest. Dem schöneren Geschlecht dürfte die ausgedehnte Rolle der Königin aber dennoch gefallen, repräsentiert sie doch eine starke und würdevolle Frau, die eine ganz eigene Schlacht Daheim führt und auch Opfer bringen muss.
Kommen wir zu den Darstellern; die können bei all dem Gekämpfe natürlich nur durch Fitness brillieren – dafür aber volle Punktzahl – die Jungs sehn aus wie frisch von der Mukkiebude weg gecastet. Königin Gorgo (Lena Headey) hat wie gesagt eine undankbare Rolle, tut aber ihr Bestes und sieht dabei immer schön sexy aus. Gottkönig Xerxes (Rodrigo Santoro) bizarre Gestalt ist gut umgesetzt, wenn vielleicht auch einen Hauch zu tuntig geraten, was ihm hin und wieder die Bedrohlichkeit und Allmacht seines Charakters nimmt. Eine gelungene Interpretation und wahre Spielfreude zeigt hingegen Gerard Butler – der wohl tonnenweise Rachenbonbons vertilgt haben muss – da er sich als König Leonidas die Seele aus dem Leib schreit. Mühelos schafft er dabei den Spagat zwischen charismatischem Anführer und zu Allem entschlossenen Feldherren und ist ganz nebenbei cooler als Maximus in GLADIAROR und Achilles in TROJA zusammen. Respektlos, prahlerisch – teilweise manisch – spornt er seine Männer zum Äußersten an – seine Sprüche sollte sich jeder Mannschaftscoach notieren um die Gewinnchance für‘s nächste Spiel zu maximieren.
Fazit: 3oo ist was für echte Kerle und der perfekte Popcornfilm für einen gelungenen Männerabend. Die Optik des Films ist absolut neuartig und beeindruckend, der Inhalt augenzwinkernd zu verstehen. Doch auch wer sein Hirn lieber Draußen lassen möchte ist, dank bombastischer Action und coolen Sprüchen bestens unterhalten. Jene die des Englischen mächtig sind, sei außerdem die – um längen bessere – Originalversion ans Herz gelegt.
Autor: André