Fantasy Filmfest 2009 (Köln)

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 18.09.2009 von André

Nur 40 Autominuten entfernt vom „Fantasy-Filmfest 09“, da stellt man sich als Cineast doch einen nette Programmauswahl zusammen und macht sich auf den Weg nach Köln, um einige der Geheimtipps und Überraschungshits der kommenden Kinomonate schon mal vorab zu betrachten, bloß um dann festzustellen, dass „DISTRICT 9“ ausverkauft ist…

Naja, der startete ja – auf Grund seines Erfolgs in den Staaten – nur eine Woche später regulär und so begann das FFF09 dann also mit einem garantierten DVD Knüller für den Filmabend mit Freunden: „BLACK DYNAMITE“.

Gib mir den Rest! »

Inglourious Basterds

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 18.09.2009 von André

Wenn Tarantino einen neuen Film ankündigt, dann ist das jedes mal ein großes Highlight für Kinofans. Monatelang wird im Internet über das neue Projekt spekuliert und egal wie viel man auch darüber im Vorfeld zu wissen glaubt, das Endergebnis ist jedes mal überraschend. Bei „INGLOURIOUS BASTERDS“ ist das nicht anders, ein Drama über den II.Weltkrieg, lose basierend auf einem – beinahe – gleichnamigen Action B-Movie aus den 70ern, angelehnt an die Struktur der wuchtigen Italowestern, nicht weniger ausschweifend als „SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD“ und trotzdem natürlich schwer zu vergleichen.

Dabei ist „INGLOURIOUS BASTERDS“ zu 100% Tarantino, will heißen, auch dieser Film ist voll von Zitaten, Referenzen, ausgefeilten Dialogen, kultverdächtigen Charakteren und selbstverständlich eine – bisweilen sogar die deutlichste – Hommage ans Kino, die Tarantino je verfilmt hat.

Eine große Überraschung ist mit Sicherheit die Sprachgewichtung des Films, zu jeweils einem Drittel wird sowohl französisch, englisch als auch deutsch gesprochen. Dabei übertragen sich die zugespitzten Dialoge von Tarantino in jede der Sprachen hervorragend und wirken zu keiner Zeit unglaubwürdig oder aufgesetzt. Ein Beweis dafür, wie großartig Tarantino mit Sprache umgehen kann, für all jene die meinen, er würde seine Dialoge doch nur aus anderen Filmen kopieren. Das Kopieren oder Klauen von älteren Filmen ist ein wichtiger Bestandteil der Filmkunst; nur durch Wiederholung kann man einen Vorgang verbessern, nur durch das Abgucken von Größeren, kann man sich selbst weiterentwickeln und durch den Prozess, durch das Kopieren von Versatzstücken, entdeckt man auch neue Perspektiven und kann großen Meisterwerken z.B. beim Film, neue Aspekte abgewinnen. Tarantino tut dies ja keinesfalls unüberlegt, er recherchiert Jahre für einen seiner Filme, tüftelt Ewigkeiten am Drehbuch herum und lässt immense Zeit vergehen, ehe es zum fertigen Film kommt. Seit 20 Jahren macht der Mann schon Filme und „INGLOURIOUS BASTERDS“ ist grade mal sein sechster.

Das großartige aber ist, dass man die vielen Zitate und Kopien und Referenzen gar nicht verstehen muss, um „INGLOURIOUS BASTERDS“ genießen zu können, denn auch für Tarantino ist die Geschichte eines Films vordergründig und in diesem Fall ist sie sogar – oder vielmehr deren Ausgang – von enorm Wichtigkeit. „INGLOURIOUS BASTERDS ODER WIE DAS KINO DIE NAZIS BEZWANG“ eine über deutliche Aussage – Tarantino ist kein Fan von subtilen Andeutungen – die über dem Film steht, ein spektakuläres Kriegsmärchen nicht weniger propagierend als „STOLZ DER NATION“ – der Film im Film – und ein Paradebeispiel für die Macht des Kinos, die Kraft des Geschichtenerzählens, die Möglichkeit, die Dinge zu verändern, zu beeinflussen und – wenn auch nur für den Moment – zu Idealisieren. Eine große Liebeserklärung an das Kino, wie alle Tarantino-Filme, nur diesmal unübersehbar.

Bis es zu jenem furiosen Ende kommt, ist „INGLOURIOUS BASTERDS“ eine Chronik starker Momente, eine Ansammlung minutiös Inszenierter, unendlich ausschweifender, und dabei zu jederzeit extrem unterhaltsamer, Szenarien, bei denen Tarantinos größte Stärken zum Ausdruck kommen. Niemand zelebriert Nichtigkeiten und Randnotizen in seinen Dialogen so penetrant und gekonnt wie er. Niemand schenkt seinen Charakteren so viel Zeit zum entfalten. Niemand würde sich trauen einen grimassierenden Brad Pitt, neben einen brillant agierenden Christoph Waltz aufzustellen und niemand würde eine zutiefst ernsthafte und verletzte junge Frau, Rache an einer klischeeüberfrachteten Karikatur üben lassen. Der Film traut sich einfach alles; er lässt einen spitzbübischen Sauhaufen Nazis skalpieren, er nimmt sich wertvolle Minuten, um ein sich selbst erklärendes Partyspiel im Detail zu erörtern und er lässt einen mittelprächtigen David Bowie Song während einer ankleide Szene ertönen, der erst vierzig Jahre nachdem die Szene spielt, geschrieben wurde.

Das Beste ist, dass einen all diese Dinge keinesfalls überraschen dürften, überraschend ist die einnehmende Präsenz von Christoph Waltz als SS-Oberst Hans Landa oder die Auftritte der vielen deutschen Darsteller, die sich im internationalen Vergleich keine Blöße geben. Überraschend ist die starke Performance der hierzulande unbekannten Mélanie Laurent als Shosanna und die im Vergleich dazu völlig nebensächliche Anwesenheit von Brad Pitt und seinen Basterds. Überraschend ist, dass „INGLOURIOUS BASTERD“ anspruchsvoll genug ist um ernst genommen zu werden und gleichzeitig trashig genug um kultig zu sein.

Ihn auf Grund seiner Thematik, als Befreiungsschlag aus der Betroffenheitsecke, der immer gleichen II.Weltkriegsdramen zu sehen, ist allerdings ein wenig hoch gegriffen, dafür verfremdet der Film seine Charaktere und seine Handlung viel zu stark. Ohnehin sollte „INGLOURIOUS BASTERDS“ nicht als freier Kommentar zum II.Weltkrieg verstanden werden, sondern als ausdrucksstarke Metapher für die Macht von Film und Kino und als solche gefällt er so gut, dass man ihm das starke Eigenlob vergibt und den selbst ausgestellten „Meisterwerk“ Stempel gerne unterschreibt.

Autor: André

Rundumschlag der Kurzreviews (Aug09)

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 18.09.2009 von André

ZERRISSENE UMARMUNGEN

In Spanien zählt Regisseur Pedro Almodóvar schon lange zu den Besten seiner Zunft. International ist er vor allem seit seiner spritzigen Komödie „VOLVER“ (ebenfalls mit Penélope Cruz) in aller Munde. Mit „ZERRISSENE UMARMUNGEN“ präsentiert Almodóvar nun ein nicht minder prachtvolles, farbenfrohes Melodram.

Die Geschichte dreht sich um einen erblindeten Regisseur und Autoren, der sich an die große Liebe seines Lebens zurück erinnert und damit alte Wunden und längst Vergessenes, wieder ans Licht bringt.

Die große Liebe ist natürlich Penélope Cruz, Almodóvars erklärte Muse, die wohl keiner wie er so wunderschön, stark und zerbrechlich zugleich, in Szene setzen kann. Ich bin wirklich kein großer Fan von Cruz, aber was Almodóvar mit ihr macht und aus ihr raus holt, ist einfach großartig.

Der Erzählung kann man hingegen ein paar Längen nicht absprechen, das stört aber nicht wirklich angesichts der prachtvollen Bilder und minutiösen Inszenierung. Die Farbpalette ist reich, satt und bunt, wirkt aber niemals aufgesetzt oder kitschig. Hinzu kommt die präzise Inszenierung, die nahezu perfekte Kamera und natürlich die – größtenteils – großartig agierenden Darsteller.

„ZERRISSENE UMARMUNGEN“ ist ein Kunstwerk von höchstem Niveau und sollte keinesfalls versäumt werden, angesehen zu werden.

COCO CHANEL

Ohne Zweifel gehört Chanel zu den einflussreichsten und gefragtesten Modelables weltweit und dessen Gründerin Coco, mit Sicherheit zu den Interessantesten Persönlichkeiten ihrer Zeit. Leider gestaltet sich der daraus resultierende aktuelle Film „COCO CHANEL“, als ebenso schlicht und farblos, wie der, seiner Zeit so prägnante Modestil.

Der Film erzählt von den jungen Jahren, der ehrgeizigen und vorlauten Coco, die sich als Waise aus dem Nichts etabliert und ihre Leidenschaft für Mode entdeckt. Im Fokus der Geschichte stehen allerdings noch viele andere Themen, von denen sich keines so richtig ins Zentrum rücken lässt und man sich daher laufend fragt, was der Film eigentlich erzählen möchte. Der Bezug zur Mode ist jedenfalls genauso schwammig und wage, wie die aufgesetzte Dreiecksbeziehung oder Cocos innige Verbundenheit zu ihrer Freundin.

Regisseurin Anne Fontaine führt äußerstunfokusiert und belanglos durch die Erzählung und gestaltet einen sehr konventionellen und eintönigen Biographiefilm ohne nennenswerte Höhepunkte. Das Audrey Tautou trotzdem keine schlechte Figur macht, ist für ihre Fans vermutlich der einzige Grund diesen Film dennoch zu ertragen.

PUBLIC ENEMIES

Ein Crime-Thriller von Michael Mann ist eigentlich immer eine sichere Sache. Nicht so jedoch bei „PUBLIC ENEMIES“, obwohl Mann mit seiner Stammcrew arbeitet und mit Johnny Depp und Christian Bale, zwei Topdarsteller besetzt, bleibt der Film über weite Strecken uninteressant und fade.

Inhaltliche Schwächen und fehlender emotionaler Zugzwang, wahren ja schon Bestandteile von „MIAMI VICE“, dafür entschädigte aber der düster-coole Buisnesslook. In Sachen Ästhetikkk und Visualisierung kann „PUBLIC ENEMIES“ da aber nicht mithalten, ohnehin ist die kühle, klare Optik für einen Genrefilm, der in den 30ern spielt, sehr gewöhnungsbedürftig und die oftmals uninsperierte, schlampige Kameraführung scheint der reichen Ausstattung und den Ansprüchen eines Michael Mann nicht gerecht zu werden.

Obwohl der Film auch sehr gelungene Momente hat und keiner der Darsteller negativ auffällt, lässt einen die Geschichte ziemlich kalt und die Referenzen zu Michael Mann machen diesen normalerweise passablen Streifen zu einer echten Enttäuschung, die man lieber übersehen sollte.

G.I.JOE – GEHEIMAUFTRAG COBRA

Der Erfolg der TRANSFORMERS-Filme beschert Hasbro dicke schwarze Zahlen, darum schickt der Spielzeuggigant, gleich mal die zweite seiner große Spielzeug-Actionserien in die Lichtspielhäuser. G.I.Joe ist hierzulande gänzlich unbekannt, wird aber in den Staaten groß gefeiert, es handelt sich um eine international operierende, streng geheime, militärische Spezialeinheit, bestehend aus Superagenten mit besonderen Fähigkeiten in allen bekannten und unbekannten Waffen- und Kampftechniken.

Der Film ist natürlich mindestens genauso bescheuert, lächerlich und inhaltslos zusammengetackert, wie die Vorlage. In vieler Hinsicht ist „G.I.JOE“ aber trotzdem genau das was TRANSFORMERS nicht sein konnte, nämlich unbeschwert unterhaltsam sowie freiwillig und unfreiwillig komisch. Im Gegensatz zu TRANSFORMERS, ist sich der Film nämlich seines niedrigen Niveaus und den oberflächlichen Figürchen durchaus bewusst und kaschiert dies mit einem Overkill an akzeptablen bis peinlichen Computeranimationen und gut gelauntennnnnn Darstellern, vorweg sogar einige Könner wie Dennis Quaid, Senna Miller und Joseph Gordon-Levitt, die hier selbstverständhoffnungslosnglos unterfordert werden.

Natürlich rechtfertigt die reichhaltige Action und das gehobene Trashlevel noch lange nicht die Kinopräsenz von „G.I.JOE“, aber lieber würde ich mir diesen Quatsch dreimal hintereinander anschauen, als noch einen einzigen TRANSFORMERS-Film von Michael Bay.

Autor: André