Oscars 2009 – And the Oscar goes to…

Abgelegt unter: Filme am 23.02.2009 von Sven

Best Motion Picture of the Year

“Slumdog Millionaire”

Performance by an Actor in a Leading Role

Sean Penn, “Milk”

Performance by an Actor in a Supporting Role

Heath Ledger, “The Dark Knight”

Performance by an Actress in a Leading Role

Kate Winslet, “The Reader”

Performance by an Actress in a Supporting Role

Penelope Cruz, “Vicky Cristina Barcelona”

Gib mir den Rest! »

The Spirit

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 14.02.2009 von André

Fehlende Dynamik, unrhythmische Erzählweise, nicht schlüssige Handlung, teils peinliche Dialoge und merkwürdiger Humor… THE SPIRIT liefert eine Menge Schießpulver, um ihn gekonnt in der Luft zu zerfetzten. Tatsächlich bewegt sich der Streifen auf einem sehr schmalen Grat zwischen „peinlichem Trash“ und „ernst zu nehmendem Film“, jedoch wohlwollend betrachtet, ist THE SPIRIT ein experimenteller, verspielter Comicflick, voller cooler Ideen und Ambitionen. Man sollte auch nicht vergessen, dass hier ein Regiedebütant am Werk war, Frank Miller ist zwar einer der berühmtesten und anerkanntesten Comickünstler unserer Zeit, von Film hat er allerdings wenig Ahnung und das scheint ihn auch nicht zu kümmern. Vielmehr benutzt Miller das Medium, um eine Hommage für sein Vorbild Will Eisner, seiner Zeit Schöpfer des „Spirit“, zu kreieren und diese einem breiteren Publikum zugängig zu machen. Dabei ist es Miller viel wichtiger, seinen und Eisners Comicstil zu bewahren, als sich den Konventionen eines Films zu unterwerfen.

Selbstredend unterscheidet sich dieser Stil und der Look des Films, im wesentlichen nicht sonderlich von Frank Millers SIN CITY, bei dem Miller zwar auch Regie führte, aber dies in Zusammenarbeit mit Robert Rodriguez, der auf Grund seiner Erfahrung, sämtliche der kleinen und größeren Unstimmigkeiten, die THE SPIRIT inne wohnen, vermeiden konnte, weshalb SIN CITY natürlich nach wie vor, die bislang beste Miller Comicadaption bleibt. Doch wem SIN CITY gut gefiel, der wird auch THE SPIRIT was abgewinnen können, denn visuell gelingt es Miller seinen unverwechselbaren schwarz/weiß Look, um einige Elemente zu erweitern. Daraus ergeben sich neue  Ideen wie man Comicpanels im Film umsetzen kann, Miller sprüht geradezu vor kreativen Einfällen und streut diese breit in seinen Film, weshalb der hart in Kontrast gesetzte schwarz/weiß Look niemals langweilig wird und THE SPIRIT zumindest optisch betrachtet, einen hohen künstlerischen Anspruch aufweist.

Leider muss man auch sagen, dass Miller immer noch in Comicpanels denkt und sein Film darum, ähnlich wie SIN CITY und 3oo, an Dynamik kränkelt. Miller beschränkt sich auf die Größe seiner Einstellungen, er wagt es so gut wie nie die Kamera zu bewegen, denn Rahmen seiner Comicbilder zu sprengen und sich den Möglichkeiten von Film zu öffnen. Dadurch wirkt sein Film statisch, wie ein unheimlich cool gezeichnetes Storyboard oder eben Comic, aber erinnert mehr an eine Diashow, als an einen Kinofilm. Glücklicherweise sind die Dias so cool gestaltet und abwechslungsreich gestaffelt, dass man dies vergeben kann.

Mehr Probleme macht da schon die krude erzählte Handlung, deren dramaturgische Schwächen und fehlende Höhepunkte lassen sich weniger verneinen. Der Spirit (Gabriele Macht) ist ein Ex-Cop, der des Nachts in seiner Stadt „Central City“ für Recht und Ordnung sorgt. Sein Erzfeind ist der Octopus (Samuel L. Jackson), ein wahnsinniger Wissenschaftler und kriminelles Genie, dass ebenso wie der Spirit, unverwundbar ist. Doch viel interessanter als die andauernden Intermezzi mit dem Octopus, sind die vielen Frauengeschichten, die der Spirit am Laufen hat. Da währe zunächst Ellen (Sarah Paulson) die Tochter des Polizeichefs, dann Sand Serif (Eva Mendes), eine Diebin die der Spirit seit seiner Kindheit kennt und Lorelai (Jaime King) der Todesengel, die Spirit niemals von der Seite weicht, außerdem noch Sliken Floss (Scarlett Johansson), die Assistentin vom Octopus… All diese Frauen repräsentieren die unterschiedlichen Stärken und Schwächen des Spirit und sind jede für sich, zehnmal interessanter als der blasse Superheld mit Machoattitüde, den Gabriele Macht verkörpert. Selten war ein Superheld so brav und langweilig wie der Spirit und das in einer so sündigen Stadt, voller schöner Frauen in sexy Outfits. Lustiger ist da schon Samuel L. Jackson als durchgeknalltes Verbrechergenie, der seinen größten Auftritt in Naziuniform zu „Deutschland über alles“ hat, allein das ist den Ticketpreis wert. Die Frauen tun das was sie hier am besten können, sexy sein und geil aussehen, selten dürfen sie mehr in einem Frank Miller Comic oder Film, das macht aber nichts.

Zuletzt sei noch vor dem merkwürdigen, manchmal kindischen, manchmal derben Humor des Films gewarnt, denn THE SPIRIT  ist deutlich weniger düster und brutal als beispielsweise SIN CITY, dafür erlaubt er sich einige echt kranke Scherze und viel Klamauk und Slapstick, mal mehr, mal weniger gut getimt. In jedem Fall aber gewöhnungsbedürftig, weil vielleicht unerwartet, darum hier die Warnung.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, für experimentierfreudige Comicfans ist THE SPIRIT sehr zu empfehlen, weil ein Pool der Kreativität und der optisch, anspruchsvollen Ergüsse. Leider kein wirklich guter Unterhaltungsfilm, weil sehr speziell und in Erzählstruktur, Dramaturgie und Dynamik deutlich eingeschränkt. Wer aber mal Lust auf was Anderes hat, und zur Not auch eine Enttäuschung in Kauf nehmen kann, der sollte es wagen ein Ticket zu lösen.

Autor: André

Erste Sneak Peek zu den Basterds

Abgelegt unter: Filme, Strandgut am 10.02.2009 von Sven

Bei Entertainment Tonight sind gestern Abend die allerersten Bewegtbilder zu Tarantinos “Inglorious Basterds” über die amerikanischen Fernsehbildschirme geflattert und was soll ich nach Brad Pitts Auftritt als schnurrbarttragender Lieutenant mit metrisch betontem südstaatler Akzent schon noch großartig sagen außer: “Feels Good Man”! Morgen soll auch endlich der erste Teaser bzw. Trailer veröffentlicht werden.

via: F5
Autor: Sven

[edit] Update auf den offiziellen Trailer.

Der seltsame Fall des Benjamin Button

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 05.02.2009 von André

Es beginnt, mit einer kaum wieder zu erkennenden Cate Blanchett, auf dem kalt ausgeleuchteten Sterbebett. An der Seite der, perfekt auf uralt geschminkten Cate, ihre Tochter mittleren Alters. Nachdem Cate dieser, ein äußerst seltsames Märchen, über einen blinden Uhrenmacher erzählt hat, der eine Bahnhofsuhr konstruierte, die Rückwärts läuft, greift die Tochter zu einem Tagebuch und beginnt zu lesen: „4. April 1918…“ was folgt ist die Chronik des Benjamin Button, ein Mann, der kurioser Weise alt geboren wurde und im Laufe seines Lebens immer jünger wird…

Dreizehn Oscarnominierungen für DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON, darunter selbstredend die Königsdisziplinen „Beste Regie“ und „Bester Film“, das gab es nicht mehr seit DER HERR DER RINGE und es scheint, dass Regisseur David Fincher mit seinem epischen Drama nun endlich mal den Nerv der Academy-Juroren getroffen hat. Verdient hätte Fincher die Auszeichnungen allemal, denn unlängst hat er mit mutigen, experimentellen und eindringlichen Filmen wie: SIEBEN, FIGHT CLUB oder ZODIAC bewiesen, welches Talent in ihm steckt. Trauriger weise, muss es nun leider ein äußerst konventionelles, wenig aufregendes Oscardrama wie BENJAMIN BUTTON sein, welches ihm die höchste aller Filmauszeichnungen bescheren könnte, denn bis auf die visuelle Gestaltung und technische Umsetzung des Films, hat BENJAMIN BUTTON so Garnichts von dem, was Finchers vorherige Erfolge auszeichnete.

Dabei sollte es doch längst bekannt sein, dass die Essenz eines jeden Films seine Geschichte ist und genau diese ist im Falle von BENJAMIN BUTTON äußerst kraftlos und vor allem Dröge geraten. Frei nach der Vorlage von F. Scott Fitzgerald, zeichnet sich hierfür Eric Roth verantwortlich, der bereits das Drehbuch zum Welterfolg FORREST GUMP verfasste. Das BUTTON etliche Symbiosen mit GUMP aufweist, lässt sich dabei nicht verleugnen, ist aber auch gar nicht mal wirklich störend. Viel enttäuschender ist, dass der Film trotz großer Gefühle, jegliches Konfliktthema scheut und trotz starker Nähe zu seinen Charakteren, diesen doch so fern bleibt. Tatsächlich ist seit Forrest Gump niemand mehr so unbeholfen und trantütig durch die Weltgeschichte geschlurft, wie Benjamin Button. Nur war das im erstgenannten Fall noch unterhaltsam und oftmals ironisch, zumal Gump wenigstens noch die Entschuldigung hatte, eine etwas längere Leitung zu haben, als der gewöhnliche Mensch. Button hat diese Entschuldigung nicht, er ist der kindlich, naive Greis und später der altkluge Jüngling, aber zu jederzeit enorm uninteressant. Getrieben von Gedanken, Träumen, Wünschen und Launen, die für den Zuschauer im verborgenen bleiben, nutz er mal die eine Gelegenheit und lässt eine andere verstreichen, sucht nach Erfüllung in Nebensächlichkeiten und der großen Liebe, als ultimativen Sinn des Lebens…schnarch.

Das Ganze wäre mit Sicherheit weniger ansträngend, würde es sich nicht so furchtbar lang ziehen und so erschreckend gewöhnlich bleiben, denn bis auf die Besonderheit, dass Benjamin rückwärts altert, durchlebt er all die trivialen und doch so prägenden Ereignisse eines ganz normalen Lebens, bleibt dabei aber ein Mysterium, eine unglaublich blass und allgemein gezeichnete Persönlichkeit, ohne spezifische Fähigkeiten, Talente oder Interessen. Auch in Sachen Emotionen verhält er sich relativ neutral, es kommt nie zu großen Gefühlsausbrüchen, egal welcher Art, wenn Benjamin überhaupt eine Leidenschaft hat, dann ist es höchstens die Liebe zu seiner Kindsfreundin Daisy und auch die ist nur oberflächlicher Natur.

Es fällt schon deutlich auf, dass BENJAMIN BUTTON mehr Schein als Sein ist, ein opulent gezeichnetes Drama mit fantastischer Ausstattung, technisch wunderschön umgesetzt und doch so leer und leblos, voller altkluger, allgemeinverständlicher Lebensphrasen und der über allem prangernden Message: „Nutze die Zeit, die Dir gegeben ist.“ Wirklich tiefgreifend wird der Film nie, weder thematisiert er die Problematiken des Alters noch der Jugend oder allem dazwischen, vielmehr zeichnet er kleine nette Episoden aller Lebensabschnitte, ohne dabei aufzuregen oder groß zu berühren. Als Zuschauer bleibt man Beobachter, irgendwas zwischen gelangweilt und unterhalten, dabei entwickelt sich die Lebensgeschichte des Benjamin Button zu einem Trauergesang, der gegen Ende immer ansträngender wird und einen, nach gefühlten vier, obwohl nur 2 ½ Stunden, erschöpft und ziemlich unbewegt aus dem Kinosaal entlässt.

Auch die Performance der Darsteller bleibt dabei ungewöhnlich blass, für ein Drama. Brad Pitt wird erschlagen und unterdrückt von genialem alters Make Up und bizarr, grotesken, digitalen Maskeneffekten. Cate Blanchett kann erst gegen Ende, wenn ihre Figur stärker ins Zentrum rückt, beweisen, welch großartige Schauspielerin sie ist. Beide blieben für mich aber deutlich unter den Erwartungen, wobei Blanchett, zumindest gegen Ende, wieder was wett machen konnte.

Was bleibt ist der Eindruck großer Bilder, die wenig erzählen. Fincher ist ein visueller Perfektionist, zeichnet großartig, komponierte Bilder und revolutionäre Effekte in ein episch, breit gewälztes Trauerspiel des Lebens, mit meditativer Grundstimmung und unspektakulären Ereignissen. DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON ist ein Film der auf höchstem Niveau, wenig verkauft und anspruchsvoller sein will, als er eigentlich ist. Mit Sicherheit ist das Ganze gut gemeint und in seiner Qualität auch soweit in Ordnung, als das man ein Kinoticket lösen kann. Nur leider ist der Film eben nicht das große Meisterwerk geworden, als das er vermarktet wird und welches man David Fincher gewünscht hätte, sondern ein knapp überdurchschnittliches, episches Drama, dass in seinem Inhalt und Aussage dermaßen banal daherkommt, das man sogar noch Abstriche machen muss und ganz bestimmt handelt es sich dabei, auch ohne bisher die Konkurrenz gesehen zu haben, keineswegs um den beste Film des vergangenen Jahres.

Autor: André