

„Der Schmerz wird nur kurz andauern.“
So sicher, wie dieser Film die Massen ins Kino treiben wird, so sicher ist ihm auch der Verriss der Kritiker und Cineasten. Denn diese mögen es nun mal gar nicht, wenn Hollywood sich an ihren geliebten Klassikern der Filmgeschichte vergreift, noch dazu wenn dies so oberflächlich und plump vonstatten geht, wie bei dem hier zu besprechenden Remake des Sci-Fi-Klassikers, DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILLSTAND, aus dem Jahre 1951.
Die Ankunft des Außerirdischen Klaatu (Keanu Reeves) auf der Erde, sorgt nicht nur für Furcht und Ohnmacht unter den Menschen, sondern auch für ein Missverständnis, bei dem das fremde Wesen verletzt wird. Dabei wollte Klaatu uns lediglich vor unserer selbstzerstörerischen Natur, und unserem fehlenden Respekt für den Heimatplaneten, warnen. Leider findet er im politischen Kräftemessen der irdischen Nationen kein Gehör, und auch als die sympathische Wissenschaftlerin Dr. Helen Benson (Jennifer Connelly) ihm zur Flucht verhilft und als „Gutes Sprachrohr“ der Menschheit, versucht Klaatu von deren Gutartigkeit zu überzeugen, sieht dieser sich gezwungen mit Plan B. seiner Mission fortzufahren: Die Menschheit ist in Gefahr…
Gegen ein Remake des geschätzten Sci-Fi-Klassikers mit ehrenwerter Botschaft, ist ja im Prinzip gar nichts einzuwenden. Zumindest könnte man argumentieren, dass der Stoff eine zeitgemäße Aufpolieren durchaus verdient hätte. Ärgerlich ist allerdings, dass dabei – mal wieder – die Sorgfalt und Konzentration in Inszenierung, Story Telling und – Hopperla! – sogar Special Effekte, gänzlich fehlen.
Dabei beginnt ja alles ganz anständig; Klaatus effektvolle Landung im Central Park, der erste Auftritt seines Leibwächters Gort (steht für: Genetisch-Organische-Roboter-Technologie) sowie die anschließende Befragung in der Militär Basis, lassen durch ihre unterkühlten, düsteren, mystisch angehauchten Bilder durchaus Atmosphäre aufkommen. Und auch wenn sich der Film, an diesen Stellen, Vergleiche mit DIE UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART und INDEPENDENCE DAY gefallen lassen muss, so wird doch das Potential der Vorlage deutlich und gut angegangen. Im weiteren Verlauf des Films verliert sich jedoch das anfängliche Interesse schnell wieder, denn die zunächst gut aufbereitete Handlung, wird zum Randprodukt des allzu plumpen und durchschaubaren Blockbuster-Formelkinos, samt aller unangenehmen Beilagen, umgewandelt.
Plötzlich findet man sich wieder im uninspirierten Effektegewitter, welches die lahmen Dialoge und die oberflächlichen Charaktere entschuldigen soll, denn eigentlich passiert nach Klaatus Flucht aus der Militär Basis nicht mehr allzu viel, was der effektverwöhnten, ungebildeten YouTube-Generation gefallen könnte und darum bemüht man sich, die Botschaft des Films, möglichst flach und mit dem Holzhammer zu transportieren, zieht übertriebenen Symbolismus sowie einfachste Metaphern (u.a. Vergleiche mit der Bibel) zu rate, bedient sich simpelster, ständig wiederholender, Wortfetzen und natürlich muss das Gesehene stets, zum besseren Verständnis, kommentiert werden sowie die Handlung regelmäßig, von ein paar überflüssigen Actionsequenzen unterbrochen, damit es nicht zu langweilig wird. Jeden Zuschauer, mit Schulabschluss, dürfte diese, stets einfachste aller Erzähl- und Unterhaltungsmethoden, nur in seiner Intelligenz beleidigen und den Cineasten langweilen, denn ihm sind solche Schemata bereits in besseren Blockbustern unangenehm aufgefallen.
Entschädigen für diese Defizite, kann diesmal auch nicht die CGI der Effekteschmiede WETA, die – warum auch immer – äußerst lieblos und am Rande der Akzeptanz inszeniert wurden. Auch wenn die Effekte zahlreich sind, kein digitales Objekt fügt sich vernünftig in den Reigen der realen Bilder ein, die Künstlichkeit aus dem Computer ist stets spürbar, vielleicht auch nur so negativ auffällig, weil die Effekte das einzige Mittel in diesem Film sind, um dem Zuschauer ein Quäntchen Faszination abzuringen. Gründlich misslungen kann man da nur sagen und keine Empfehlung für die neuseeländische Trickschmiede, deren sonstige Arbeiten (DER HERR DER RINGE, KING KONG, NARNIA…) eigentlich immer zu überzeugen wussten.
Auch an den Darstellern kann der Kelch der Schande nicht vorüberziehen. Zwar wirkt Keanu Reeves im ersten Moment, durch sein emotionsloses, starres Schauspiel, wie die Idealbesetzung für einen Außerirdischen, doch es fehlt ihm die Aura eines weisen, allwissenden, dem Menschen in allem überlegenen Wesen. Er wirkt wie ein effizient handelnder Soldat, der eine Mission zu erfüllen hat, nicht wie ein Wesen höherer Art, dem Gewalt und aggressives Handeln, als primitiv und zuwider erscheinen. Klaatus Wandel vom Richter zum Retter der Menschheit, ist nicht vordergründig genug um nachvollzogen zu werden. Jennifer Connelly soll das moralische Zentrum des Films darstellen, wirkt damit aber überfordert und überzeugt weder als Biologin, noch als alleinerziehende Adoptivmutter oder trauernde Witwe. Wirklich nerven tut aber nur Jaden Smith als rotziges, all hassenswertes Drecksbalg, für das mal so gar keine Sympathie aufkommt und man es einfach nur schlagen möchte, damit es endlich die blöde Fresse hält.
Oh, und mir ist durchaus klar, dass sich Product Placement in einem Film dieser Machart scheinbar nicht vermeiden lässt, aber müssen denn wirklich Schlüsselszenen, wie die kurze Diskussion zwischen Klaatu und einem anderen Alien, über das Schicksal der Menschheit, in einer „McDonald’s“-Filiale abgehandelt werden und nicht nur das Logo, sondern auch der Name des Restaurant mehrmals erwähnt werden???
Tja da kann man sagen was man will, DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILLSTAND ist ein – grade mal so – durchschnittlicher Blockbuster geworden, der für Cineasten und ScFi-Fans aber völlig uninteressant sein dürfte, weil er weder innovativ, noch sonderlich spektakulär gelungen ist und von seinem Publikum den Bildungsgrad und die Aufmerksamkeitspanne eines 6 Jährigen voraussetzt. Da sollte man doch lieber den Verstand stillstehen lassen, um dieses lieblose Remake zumindest ansatzweise genießen zu können.
Autor: André