Transsiberian

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 17.12.2008 von André

„Wenn du all meine Dämonen tötest, sterben vielleicht auch meine Engel.“

Ein Krimiabend der klassischen Art, so oder ähnlich empfiehlt sich ein Kinobesuch von TRANSSIBERIAN. Der neue Thriller von Brad Anderson gibt sich eigentlich zu unspektakulär um  Kinoniveau zu erreichen, punktet aber durch seine charmante, klassische Inszenierung und komplexe Charaktere.

Das Samariter-Ehepaar Roy (Woody Harrelson) und Jessie (Emily Mortimer) hat grade ein Hilfsprojekt in China beendet und begibt sich nun auf den Heimweg in die Staaten. Da Roy ein Eisenbahnfan ist, nehmen die beiden für die Reise von Peking zum Moskauer Flughafen den Transsibirischen Express. Die einwöchige Reise soll ein wildromantischer Trip werden, bei dem Jessie ihrer Hobbyfotographie nachgehen kann, während Roy die Eisenbahn bewundert. Die beiden teilen sich ihr Zugabteil mit einem anderen Pärchen, Carlos (Eduardo Noriego) und Abby (Kate Mata), zwei Rucksacktouristen, die ebenfalls die eisige Steppe Sibiriens genießen wollen. Noch ahnen Roy und Jessie nicht, dass ihre etwas seltsamen Mitreisenden mehr im Schilde führen, als es den Anschein hat und als Roy dann auch noch plötzlich verschwindet und Carlos sich an Jessie heranmacht, eskaliert die Situation…

Obwohl Handlung und Dramaturgie sich in TRANSSIBERIAN nicht grade besonders innovativ gestalten, handelt es sich dennoch um einen solide, spannenden Thriller. Ein Grund dafür ist mit Sicherheit der klassische Schauplatz „Eisenbahn“; stets in Bewegung und doch statisch und beengt, ist dieses ständig fortlaufende und von der Außenwelt isolierte Transportmittel, durch seine gleichsam, faszinierende und bedrohliche Atmosphäre, wie geschaffen für einen Krimi. Hinzu kommt, dass sich die Inszenierung des Films, im besten Sinne, klassisch verhält und den Darsteller viel Platz zum entfalten lässt, was man schon an der ungewöhnlich langen Einleitung spürt, bei der alle Charaktere mit viel Ruhe und Sorgfalt eingeführt werden.

Weiterhin ist zu beobachten, dass sich der Film weniger an seinen bekannten Stars: Woody Harrelson oder Ben Kingsley orientiert – der als reisender Inspektor, etwas später im Verlauf des Films dazu stößt – sondern sich voll und ganz auf Emily Mortimer verlässt. Ihr Charakter Jessie ist mitunter der interessanteste des Films und das nicht nur, weil Mortimer den gesamten Konflikt quasi im Alleingang bewältigen muss, was ihr sehr ausdruckstark und facettenreich gelingt, sondern weil ihre Figur eine fast mystische Aura besitzt und sich in ihrem Inneren mehr zu verbergen scheint, als ihr zierliches, verhalten-erotisches Äußeres vermuten lässt.

Mitunter kann man behaupten, dass sich die Charaktere in TRANSSIBERIAN viel komplexer und interessanter Zusammensätzen, als die eigentliche Geschichte. Ihre Beziehungen zueinander, ihre Träume, ihre Vergangenheit, all das wird sehr genau beleuchtet und ist vielleicht der beste Schachzug von Regisseur Anderson, weil es die Figuren in seinem Krimi sind, die den Zuschauer bei der Stange halten und die zweitklassigen Thrillerelemente, samt der bestenfalls standardisierten Kriminalgeschichte vergessen machen.

Echte Thrillerfans seien also gewarnt, TRANSSIBERIAN hält wenig Spektakel bereit und wenn, dann meint man solches auch schon mal gesehen zu haben. Die durchaus packende Atmosphäre und klassische Inszenierung sorgen dennoch für solide Spannung. Was den Film aber tatsächlich vor einem B-Movie Status bewahrt, ist die intensive Auseinandersetzung mit seine Charakteren und deren komplexe Zeichnungen, die TRANSSIBERIAN nur als zweitklassigen Thriller aber als erstklassiges Drama ausweisen.

Autor: André

Trailer zu $9.99

Abgelegt unter: Filme am 09.12.2008 von André

Richtig abgefahrener Trailer zum australischen oldschool Animationsfilm  $9.99.

Der Film bassiert auf einer Novelle von Etgar Keret – wer immer das sein mag – und  scheint auf diversen Filmfestspielen sehr beliebt zu sein…ich bleib mal dran.

Autor: André

Willkommen bei den Sch’tis

Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 08.12.2008 von André

„Braunkack, Zipfel, Häääh!!!“

Die Franzosen kürten ihn zu ihrem erfolgreichsten Heimatfilm seit aller Zeit, derweil beschert BIENVENUE CHEZ LES CH’TIS auch hierzulande den Programm- und Arthousekinos wahre Besucherscharen und treibt endlich wieder Gelder in die sonst so knappen Kassen dieser, am Existenzminimum rumkrebsenden, Lichtspielhäuser. Gleichzeitig entlarvt der Erfolg dieser, gut gemeinten, 08/15 Komödie, den hiesigen Arthousebesucher, aber auch als kleinbürgerlichen, konservativen, mittelständigen Spießer, denn wie sonst könnte man sich über diesen kleinen, banalen und albernen Film überhaupt amüsieren? Möglicherweise könnte man den „Schwarzen Peter“ auch den, sonst so seriösen, Gazetten und ihren Feuilletonartikeln zuschieben, die WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS als „Überraschungserfolg“ feiern und in den Olymp hypen, auf das jeder, der dies nur halbwegs ernst nimmt, in diesen Film rennt und ihn gut findet, weil das alle tun…versteht sich.

Wie dem auch sei, Tatsache bleibt, dass WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS weder neu, noch besonders innovativ oder einfach nur über die Masse unterhaltend ist, auch wenn sich der Film lediglich zum Ziel setzt, sein Publikum ein wenig zu erheitern. Das beginnt schon damit, dass es sich bei dem Film um einen interkulturellen, französischen Insider handelt, den man krampfhaft bemüht, einem internationalen Publikum verständlich zu machen. Die Handlung dreht sich nämlich um einen leitenden Postbeamten, der in die französische Region „Nord-Pas de Calais“ zwangsversetzt wird. Diese Region ist für die Franzosen gleichbedeutend mit der Hölle: Es ist kalt und ungastlich. Die Einwohner dort sind unkultiviert und irgendwo auf dem mittelalterlichen Entwicklungsstand hängen geblieben, außerdem sprechen sie einen völlig unverständlichen, fürchterlichen Dialekt, das sog. „Sch’ti“, welches in der deutschen Synchronisation, in eine albern klingende Fantasiesprache übersetzt wurde.

Beinahe unnötig zu erwähnen, dass einem das dämliche Fantasiegebrabbel schon nach kurzer Zeit sämtliche Nervenenden sprengt, da hilft auch kein Christoph Maria Herbst mehr, weil auch sonst nichts auf der Leinwand passiert, weshalb es Sinn machen sollte, der durchschaubaren Handlung, samt ihrer fadenscheinigen Botschaft; für mehr Nächstenliebe und weniger Vorurteile, zu folgen,  noch den eindimensionalen sowie langweilig agierenden und teils äußerst unsympathischen, Charakteren bei ihren grenzdebilen Albernheiten zuzuschauen.

Mal im Ernst, wer lacht den heut noch über besoffen agierende Darsteller, beim Rad fahren? oder über hinterfotzige Schwiegerdrachen und homophobe Postbeamte, die sich versehendlich vor einem Dessougeschäft verstecken??? RICHTIG! Spießer tun das; urkonservative, kleinbürgerliche, den traditionellen Werten hinterher trauernde Spießer, die, die letzten fünfzig Jahre Aufklärung irgendwie verpennt haben und mit unserer heutigen multikulturellen, globalisierenden, schnelllebigen Gesellschaft, nicht mithalten können oder wollen.

Das die ganzen vorgefertigten Meinungen, über die nördlichste aller französischen Regionen, nur ausgemachter Unsinn sein könnten. Das die dortigen Einwohner eigentlich ein ganz netter Haufen, lustig quatschender, Dörflies sind. Das käme solchen Leuten gar nicht in den Sinn, das „überrascht“ sie und das finden sie lustig und unterhaltsam, weil es sich ihrem Niveau anpasst und auf uralte Art und Weise einer „fremden“ Kultur näher bringt. Für ein solches Publikum scheint ein unspektakulärer Film wie WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS wie geschaffen, denn er ist einfach, altmodisch, konservativ und beschränkt sein überschaubares Universum auf ein paar lächerlich anmutende Konflikte, die modernere Werke bin in zwanzig Minuten abhandeln könnten. Dem sonst so anspruchsvollen und niveauverwöhnten Arthousepublikum und über zwanzig Millionen Franzosen, scheint das zu gefallen und Regisseur und Drehbuchschreiber sowie Nebenrollenbesetzung Dany Boon, sei der Erfolg selbstverständlich gegönnt, und den kleinen Lichtspielhäusern natürlich auch ihre Einnahmen.

Das alles darf aber nicht über den Fakt hinwegtäuschen, dass WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS eben kein besonders sehenswertes Stück Zelluloid abgibt, sondern nichts weiter ist, als ein unspektakulärer, spießbürgerlicher, beschränkter, kleiner Heimatfilm aus Frankreich, der kaum eine höhere Bedeutung als der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten, DER SCHUH DES MANITU, erreicht. Insofern haben uns die Franzmännern also nichts voraus und diese Erkenntnis ist auch schon das Einzige, was mich nach diesem Film ein wenig schmunzeln lässt. Wohin uns das alles führen wird, ist schon wieder eine andere Frage.

Autor: André