

„Ich glaube, dass was dich nicht umbringt, macht dich schlicht und einfach…komischer.“
Erleichterung muss sich in Christopher Nolans Gesicht wiedergespiegelt haben, als der Regisseur die ersten Kritiken zu seinem Batman-Film las und die Rekordzahlen der Zuschauer, die in die Kinos stürmten um THE DARK KNIGHT zu sehen. Bei allem Erwartungsdruck der auf ihm lastete, stellte doch Nolan schließlich die höchsten Ansprüche an sich selbst, denn er ist kein Freund von Fortsetzungen und für ihn war klar; sollte er einen weiteren Batman-Film machen, so müsste dieser mehr sein, als eine Wiederholung des bewehrten Konzepts mit bombastischerer Optik und schickeren sowie lauteren Special Effekten. Nolans erklärtes Ziel, war eine plausible Erweiterung der Charaktere – die er in BATMAN BEGINS etabliert hatte – sowie eine neue, spannende und vor allem erzählenswerte Geschichte.
Im Ergebnis ist THE DARK KNIGHT noch besser geworden als sein Vorgänger, vielmehr wirkt dieser jetzt wie ein Teaser auf ein düsteres, epochales, komplexes und tiefgreifendes Crime-Opus, auf das die Bezeichnung „Comicverfilmung“ wie eine Beleidigung wirkt, denn THE DARK KNIGHT ist eine Bereicherung für sein Genre und ohne Zweifel der besten Blockbuster seit Jahren.
Dabei ist THE DARK KNIGHT alles andere als unbeschwerte Unterhaltung, sondern vielmehr ein Kraftakt den es durchzustehen geht. 2 ½ Stunden bedrückende und anspruchsvolle Kost, gepaart mit purem Adrenalin und einer Portion Wahnsinn. Der Film treibt seine Handlung von der Dunkelheit in die Finsternis und lässt am Ende nicht mehr als einen kleinen Hoffnungsschimmer übrig. Bedient werden dunkle, fatalistische Weltanschauungen, die von Angst, Tod und Verzweiflung begleitet werden und immer wieder kommen Fragen der Moral ins Spiel.
Ganz schön harter Stoff den Nolan da auffährt, angetrieben durch einen Chaos-Motor, einer kreativen Kreuzung aus anarchistischem Punk, mordlüsternem Wahnsinn, kriminellem Genie und penetrantem Terrorismus – dem Joker. Im Film repräsentiert er das vollkommene Böse, vollkommen weil keinem Motiv verpflichtet und völlig Sinn frei mordend. Der Joker vereint alle negativen Eigenschaften eines Menschen und wird dadurch zum Monster, gleichsam natürlich zum Mittelpunkt aller Faszination, denn er unterwirft sich keiner Regel und besitzt dadurch das vielleicht höchste Gut der Menschheit: die totale Freiheit. Nicht umsonst gilt der Joker als einer der beliebtesten Superschurken aller Zeiten und wurde somit – als erster echter Gegenspieler von Batman – zur ersten Wahl für Nolan.
Wahres Geschick bewies der Regisseur aber mit der Besetzung dieser Figur, denn der – tragisch und viel zu jung verstorbene – Heath Ledger (†) erweist sich als echte Offenbarung für den Charakter und ist tatsächlich nicht wieder zu erkennen. Bereits vor Weltpremiere des Films, war das kleine Wörtchen Oscar in aller Munde und man durfte zurecht befürchten, dass dies vielleicht ein wenig zu schmeichelnde Worte für den kürzlich verblichenen Jungschauspieler waren, aber Oscar hin oder her – Ledgers Performance ist schlicht überragend und entspricht voll und ganz ihrem Ruf, er ist sowas wie das Bonbon des Films, das extra Sahnehäubchen und jeder seiner Auftritte ein kleines Highlight für sich.
Einmal mehr begeistert Nolan mit einem beeindruckenden Cast und lässt auch die kleinste Nebenrolle mit großen Namen ausfüllen, was den Film enorm anreichert, denn es braucht Können – bei knapp bemessener Screentime – einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Rollen wie die von Gary Oldman, Michael Caine oder Morgan Freeman, können fast ausschließlich nur vom Charisma und Ruf ihrer Darsteller leben und funktionieren dennoch. Auch Maggie Gyllenhaal zeigt, dass sie um Klassen besser agiert als Katie Holmes und Christian Bale gibt sich gewohnt kühl und subtil, aber nicht weniger überzeugend. Eine echte Überraschung ist Aaron Eckhart, der mit einer Leichtigkeit und Spielfreude neben Größen wie Goldman und Caine schlicht verblüfft und es schafft – trotz Joker und Batman – einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, was nicht an dem Auftritt von Two-Face liegt.
Einen bleibenden Eindruck hinterlässt auch die aufwändig gestaltete und furios inszenierte Action des Films. Hier wirkt THE DARK KNIGHT bahnbrechend und begeistert mit minutiös konstruierten Spektakeln die in ihrer Perfektion und Echtheit, einen das atmen vergessen lassen. Nolan beweist, dass der Aufwand lohnt und er kann zu Recht stolz sein auf seine – im IMAX-Format – gefilmten Actionsequenzen, die jedes bislang da gewesene CGI-Spektakel in den Schatten stellen. Das Konzept ist simple; es überzeugt, weil es echt ist. Für dieses Gefühl, für diese Optik lohnt auch der Aufwand einen LKW – hochkant – auf den Kopf zu stellen oder ein komplettes Hospital – mit vorweg schreitendem Joker – in die Luft zu jagen. In diesen Momenten ist ganz großes Actionkino angesagt welches moderne Effekte nach bewehrter Methode, spektakulär in Szene setzt und mit minimalen digitalen Elementen veredelt, großartig.
Natürlich hat auch THE DARK KNIGHT seine schwächeren Momente, Dinge die vielleicht nicht ganz so gut funktionieren; sicherlich kann das etwas überdrehte finale Actionszenario nicht mit denen der vorangegangenen Spektakel konkurrieren; vielleicht wirken einige Konflikte etwas zu plakativ und deren Lösungen ein wenig naiv; möglicherweise könnte das Design von Two-Face ein wenig über die Stränge schlagen und vermutlich hätte der Film auch eine ½ Stunde kürzer noch gut funktioniert.
All diese Mängel sind jedoch marginal und schwächen kaum den überragenden Gesamteindruck des Films. THE DARK KNIGHT ist ganz großes Kino; aktuell, modern, intelligent, anspruchsvoll, komplex und unterhaltsam eine großartige Fortsetzung mit enormem Schauwert, die den Vorgänger sogar noch schlägt und die Messlatte für zukünftiges mächtig hoch ansetzt, viel mehr als ein Blockbuster…keine Frage: reingehen.
Autor: André